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Die Darstellung der Lebensweise der Aborigines im zeitgenössischen indigenen Theater Australiens

Title: Die Darstellung der Lebensweise der Aborigines im zeitgenössischen indigenen Theater Australiens

Examination Thesis , 2006 , 82 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Björn Siemers (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Die Ureinwohner Australiens stellen den benachteiligsten Teil der australischen Gesellschaft dar und leben in einem Land der Ersten Welt teilweise unter Konditionen der Dritten Welt. Die Ursachen für diese massive Ungleichheit innerhalb der australischen Gesellschaft sind ebenso kontrovers wie vielfältig.
Sie bilden die Grundlage für anhaltende gesellschaftliche und politische Diskurse1 bezüglich des Umgangs Australiens mit seiner indigenen Bevölkerung und seiner Vergangenheit.
Während indigener Widerstand gegen kolonialen Einfluss bis in die frühe Kontaktphase nachvollzogen werden kann , erstarkte ihr politischer Aktivismus vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts und Aborigines traten in erheblichem Maße öffentlich für ihre Rechte ein. Bezeichnend für diese Phase war vor allem, dass indigene Schriftsteller stetig neue Medien in Anspruch nahmen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. In diesem Kontext nutzte der indigene Schriftsteller Kevin Gilbert 1968 mit seinem Drama The Cherry Pickers erstmals das Genre, welches der traditionellen indigenen Kultur am Ehesten entspricht: "Aboriginal culture contains all the dramatic elements that Westem theatre demands [ ... ]."2 Nationale und intemationale Aufmerksamkeit erfuhr das indigene Theater Australiens jedoch erst 1982 mit Jack Davis The Dreamers - zu dieser Zeit entstanden zunehmend viele erfolgreiche Produktionen ebenso wie die ersten Produktionsfirmen unter der Leitung von Aborigines.
[...]
1 Der Diskursbegriff im Rahmen dieser Arbeit orientiert sich an die machtorientierte Verwendung bei Michel Foucault: ,,Diskurse sind Praktiken, die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen." Foucault in Keller 2004: 45.
2 Saunders 1989: vii.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Leben der Aborigines in Australien

2.1 Indigene Kulturen

2.1.1 Aboriginal Dreaming

2.1.2 Präkontaktphase

2.1.3 Kontaktphase

2.2 Zeitgenössische gesellschaftliche Konfliktlinien

2.2.1 Konflikt zwischen Tradition und Moderne

2.2.2 Neuschreibung der australischen Geschichte

2.2.3 Aborigines und das australische Rechtssystem

2.2.4 Stolen Generations

2.2.5 Häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch

2.2.6 Die Suche nach kultureller Identität

3 Indigenes Theater in Australien

3.1 Die Entdeckung einer neuen Gattung

3.1.1 Historischer Abriss

3.1.2 Produktionsfirmen

3.2.1.1 Ilbijerri (Melbourne)

3.2.1.2 Kooemba Jdarra (Brisbane)

3.2.1.3 Yirra Yaakin (Perth)

3.2 Christopher Balmes Theatrical Syncretism

4 Performative Darstellung indigener Lebensumstände

4.1 Jack Davis Dreamers und der Konflikt zwischen Tradition und Moderne

4.1.1 Jack Davis

4.1.2 The Dreamers – Inhaltliche Einführung

4.1.3 „We Have Survived“

4.2 Jack Davis No Sugar und die Neuschreibung der Geschichte Australiens

4.2.1 No Sugar – Inhaltliche Einführung

4.2.2 The Other Side of the Story

4.3 Julie Jansons Gunjies und das australische Rechtssystem

4.3.1 Julie Janson

4.3.2 Gunjies – Inhaltliche Einführung

4.3.3 „Haunted by the Past“

4.4 Jane Harrisons Stolen und die Stolen Generations

4.4.1 Jane Harrison

4.4.2 Stolen – Inhaltliche Einführung

4.4.3 „White Australia Has a Black History“

4.5 Tammy Andersons I Don’t Wanna Play House und häusliche Gewalt / Alkohol

4.5.1 Tammy Anderson

4.5.2 I Don’t Wanna Play House – Inhaltliche Einführung

4.5.3 „Sit Down and I’ll Give You a Whizzie“

4.6 Tracey Rigneys Belonging und die Suche nach kultureller Identität

4.6.1 Tracey Rigney

4.6.2 Belonging – Inhaltliche Einführung

4.6.3 „I Wish I Was a Gubbah“

5 Conclusion

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, inwieweit indigene Diskurse und die Lebensumstände der Aborigines in Australien im zeitgenössischen indigenen Theater reflektiert und durch dieses geprägt werden. Anhand ausgewählter Dramen analysiert der Autor die Wechselwirkung zwischen kultureller Identität, historischer Aufarbeitung und performativer Ästhetik.

  • Historischer Kontext und Lebensrealität der Aborigines
  • Entwicklung des indigenen Theaters in Australien
  • Analyse der performativen Ästhetik und des „theatrical syncretism“
  • Untersuchung zentraler gesellschaftlicher Konfliktlinien in ausgewählten Dramen
  • Bedeutung von Identitätsfindung und Widerstand durch künstlerische Darstellung

Auszug aus dem Buch

3.2 Christopher Balmes Theatrical Syncretism

Nachdem in den 1990er Jahren zunehmend auf die Merkmale post-kolonialer Dramen hingewiesen wurde und ihnen spezifisch indigene Aufführungsformen bescheinigt wurden, lieferte Christopher Balme 1999 mit dem von ihm benannten theatrical syncretism die analytische Grundlage für eine Analyse der performativen Besonderheiten indigener Theaterstücke.

Zu Beginn seiner Studien war ihm aufgefallen, dass sich in den Werken post-kolonialer Schriftsteller eine Mischung von dramatischen und performativen Stilen fand, die mit den Techniken der westlichen Dramenanalyse nicht hinreichend besprochen werden konnten: „Neither the traditional approaches focusing on plot, character, and social-political criticism, or the more innovative thematic analysis coming from feminist and materialist schools of thought, offered ways of looking at the performative dimension.“

In diesem Zusammenhang benutzt Balme den Begriff theatrical syncretism, um die Mischung indigener und westlicher Theaterformen zu beschreiben und interpretieren zu können. Der Begriff „syncretism“ ist aus der komparativen Religionswissenschaft entliehen, in der er den Prozess beschreibt, durch den zwei miteinander in Verbindung gebrachte Religionen einander verändern und sich schließlich zu einer neuen Religion verbinden. Für den Bereich der Theaterwissenschaften grenzt Balme allerdings die Qualität dieses Prozesses vom allgemeinen Wandel der Religionen ab: „In contrast to religious syncretism, which is usually an extended process brought about by friction and interchange between cultures, theatrical syncretism is in most cases a conscious, programmatic strategy to fashion a new form of theatre in the light of colonial or post-colonial experience.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Problematik der sozialen Lage der Aborigines und Skizzierung des Forschungsziels, die Darstellung ihrer Lebensumstände im zeitgenössischen Theater zu analysieren.

2 Das Leben der Aborigines in Australien: Umfassender historischer und soziologischer Überblick über die Kultur der Aborigines, von der spirituellen Bedeutung des „Dreaming“ bis hin zu aktuellen Konfliktfeldern wie Stolen Generations und Rechtssystem.

3 Indigenes Theater in Australien: Beleuchtung der Genese des indigenen Theaters, Vorstellung bedeutender Produktionsfirmen und Einführung in das theoretische Konzept des „theatrical syncretism“ von Christopher Balme.

4 Performative Darstellung indigener Lebensumstände: Detaillierte Fallstudien von sechs zeitgenössischen Dramen, die verschiedene Aspekte des indigenen Lebens und Widerstands künstlerisch verarbeiten.

5 Conclusion: Zusammenfassende Bewertung der Rolle des indigenen Theaters als Medium der historischen Aufarbeitung und als Forum für indigene Identität und Stimme.

Schlüsselwörter

Aborigines, Australien, Indigenes Theater, Theatrical Syncretism, Stolen Generations, Identität, Kolonialismus, Post-koloniale Literatur, Performative Darstellung, Sozialpolitik, Traumzeit, Tradition, Moderne, Widerstand, Dramenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Darstellung der Lebensbedingungen und die Identitätssuche der Aborigines innerhalb des australischen zeitgenössischen Theaters.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Aborigines, den Einfluss von Kolonialpolitik, die „Stolen Generations“, häusliche Gewalt, Alkoholismus sowie die Frage nach kultureller Identität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, inwieweit das indigene Theater als Medium genutzt wird, um öffentliche Diskurse zu spiegeln und die Lebensumstände indigener Gemeinschaften zu präsentieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der historische Fakten mit der dramaturgischen Analyse verbindet, insbesondere unter Anwendung des Konzepts des „theatrical syncretism“.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden sechs spezifische Dramen von Autoren wie Jack Davis, Julie Janson, Jane Harrison, Tammy Anderson und Tracey Rigney in ihren inhaltlichen und performativen Aspekten analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Indigenes Theater, kulturelle Identität, Post-Kolonialismus, soziale Ausgrenzung und Widerstand charakterisiert.

Wie unterscheidet sich das Theater von Jack Davis von späteren Werken?

Während frühere Werke wie die von Davis stark naturalistische Züge aufwiesen, zeigen neuere Stücke eine Entwicklung hin zu anderen performativen Formen, die vermehrt die psychologische Zerrissenheit der jüngeren Generation reflektieren.

Welche Rolle spielt das Konzept des „theatrical syncretism“?

Es dient als analytisches Werkzeug, um zu verstehen, wie indigene und westliche Theaterformen verschmelzen, um eine eigene indigene Performanzästhetik zu erschaffen.

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Details

Title
Die Darstellung der Lebensweise der Aborigines im zeitgenössischen indigenen Theater Australiens
College
University of Bremen
Course
Aboriginal Drama in Australia and Canada
Grade
1,0
Author
Björn Siemers (Author)
Publication Year
2006
Pages
82
Catalog Number
V64927
ISBN (eBook)
9783656484493
ISBN (Book)
9783656815273
Language
German
Tags
Darstellung Lebensweise Aborigines Theater Australiens Aboriginal Drama Australia Canada
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Björn Siemers (Author), 2006, Die Darstellung der Lebensweise der Aborigines im zeitgenössischen indigenen Theater Australiens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64927
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