Säkularisierung - Leben wir in einer säkularisierten Gesellschaft?


Hausarbeit, 2005

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Definition Säkularisierung

4 Geschichtliches - Wandel in Europa

5 Vom Mystischem zum Rationalem Weltbild

6 Bedeutung der Religion für die Gesellschaft

7 Soziologische Religionstheorien
7.1 Thomas Luckmann
7.2 Nils Luhmann
7.3 Ulrich Oevermann
7.4 Zusammenfassung

8 Modernisierung, Rationalismus und Säkularisierung

9 Schlusswort

10 Quellenverzeichnis

11 Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das Ziel dieser Hausarbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Säkula­risierung. Es gibt nun viele Möglichkeiten mit denen man sich einem solch kom­plexen Thema nähern kann. Im Rahmen einer 10 bis 16-seitigen Hausarbeit werde ich allerdings nur einem Teilaspekt behandeln können, weshalb ich mich haupt­sächlich auf den westlich-europäischen Kulturbereich beziehen werde.

Zuallererst werde ich die sozial-geschichtlichen Hintergründe erläutern, durch die der Begriff der Säkularisierung geprägt wurde. Im Weiteren ist es mir wichtig die so­ziologischen –und psychologischen Veränderungsprozesse der Säkulari­sierung zu betrach­ten. Hierzu werde ich auf die aktuellen Theorien dreier So­ziologen einge­hen und mich danach selbstständig mit dem Thema auseinan­dersetzen. Desweiteren ist es wichtig zu erkennen, dass Religion innig mit der menschlichen Psychologie ver­bunden ist und deshalb eng in Zusam­menhang mit dem Prozess der Säku­larisierung steht. Dies gilt es im Folgenden ge­nauer zu erläu­tern.

2. Definition Säkularisierung

Verweltlichung von religiösen Begriffen und ehemals religiös("jenseitig") orien­tierten Lebensweisen[1].

Begriffserläuterung:

„Die Säkularisierung begann mit der Aufklärung und bereitete die bürgerliche Revolution vor. Säkularisierung meint, dass die Men­schen (seit etwa 200 Jah­ren) zunehmend die Erklärung von Ereignissen auf der Erde suchten und nicht im Jenseits; das Infrage stellen der christlichen Weltord­nung führte zur Kritik an Kirche und Königtum. Sie trug zum Verfall der kirchli­chen und weltlichen Macht bei und half, demokratisches Denken zu entwickeln, das sich gegen die Allein­herrschaft von Fürsten richtete. Endpunkt der Säkula­risierung war der Atheis­mus, die Ablehnung jedes Glaubens[2] “.

In der Soziologie wird Säkularisierung im Rahmen der Theorie des sozialen Wandels begrifflich enger und thematisch allgemeiner gefasst und als sozialer Prozess verstanden, der gegenläufig zur Magisierung (Ritualität des sozialen Wandels)auftritt.

3. Einleitung

Es gibt eine Reihe verschiedener Wissenschaftler die den „Prozess“ der Säku­larisierung untersucht haben. Während man früher eher der Ansicht war Religi­on verliere an Macht bzw. Bedeutung und werde durch wissenschaftliches re­spektive auf­geklärtes und rationales Denken ersetzt, zweifelt man heute eher am linearen Zu­sammenhang zwischen Modernisierung und Säkularisierung. Mittlerweile ge­hen die meisten Soziologen mit der Ansicht konform das Religion sich in einem struk­turellen Wandel befindet.

Es herrscht in großen Teilen der Welt wie (z.B. in den USA und Deutschland) ein rationales, aufge­klärtes[3] Denken, welches sich überwiegend nur durch em­pirische Beweisbarkeit und sinnvolle Argumentation überzeugen lässt. Trotz al­ledem glauben nach Umfragen 90 % der amerikanischen Bevölke­rung an ir­gendeine Form höheren Wesens. Man sollte hier bedenken, dass die USA seit 1776 ein säkularer Staat ist! Es ist also nicht allein die Religion die sich wandelt, sondern ebenso die Semantik so­wie das religiöse Denken, welches einher geht mit einer Rationalisierung der westlichen Welt.

Inwiefern kann man nun also von einer Säkularisierung im traditionellen Sinne(die Entfremdung vom Sakralen) reden also mehr von einem Wandel der Religionen die Hand in Hand geht mit einem Wandel des menschlichen Geis­tes[4]. Darauf werde ich jedoch genauer im Abschnitt „Modernisierung, Rationa­lismus und Säku­larisierung“ eingehen.

Zunächst werde ich einige sozial-geschichtliche Hintergründe betrachten, die in Europa zu einer umfassenden Änderung der politischen Ordnung aber auch dem individuellen Denken führte. Man kann diese Zeit als den Anfang der Wis­senschaften als neues Mittel der Erkenntnis verstehen.

4. Geschichtliches - Wandel in Europa

Säkularisierung in der ersten Bedeutung ist die Abschaffung der Staatsreligion und hat einen erheblichen Machtverlust der religiösen Institutionen, vor allem der Kirchen, zugunsten des Staates zur Folge. Je begrifflich-abstrakter "Säkula­risierung" aufgefasst wird, desto eher lässt Säkularisierung sich als sozialer Wandel in vielen historischen Gesellschaften auffinden. So kann man das 5. und 4. vor-christliche Jahr­hundert des alten Griechenland durchaus als Periode einer Säkularisierung auffassen. Dem gegenüber wird aber der historisch-euro­päische, von der Aufklärung ge­prägte Begriff meist vorgezogen.

Die Säkularisierung begann in Europa mit dem Zeitalter der Aufklärung und er­reichte ihren Höhepunkt in der Französischen Revolution 1786, die sich vor al­lem gegen die bestehenden Verhältnisse in Gesellschaft, Stadt und Religion richtete. Die Forderungen der Revolutionäre waren erstmals in der europäi­schen Geschichte eine Verfassung, Menschenrechte, sowie die Einrichtung ei­nes gerechten poli­tischen Systems(Nationalversammlung). Die Auswirkungen auf Europa waren von historischer Bedeutsamkeit. Es war wohl der Drang nach der Freiheit der unterbe­wusst in je­dem Menschen schlummerte, in einer Zeit in der die per­sönliche Frei­heit kaum etwas wert war! So kam man nicht darum herum ein Ordnungssystem zu kreieren, dass für Bürger und den Staat ausge­legt war. Doch mit der Frage wie es anzustellen sei, dass Menschen in Frieden und Har­monie zusammenleben, wuchs auch wieder die ur-eigenste Neugier des Men­schen die Welt und die Existenz des Lebens zu verstehen. Man be­gann zu Fra­gen wie die Welt funktioniert und es entstanden neue[5] Formen der Erkennt­nis, die nicht mehr an kirchliche Dogmen gebunden waren, sondern auf das von Er­fahrung gestützte Urteil und aussagekräftige Ar­gumente basierten.

5. Vom Mystischen zum Rationalen Weltbild

Betrachtet man Bilder, Zeichnungen und Schriften der Menschen vor 2000 Jah­ren be­merkt man eine reichhaltige fantasievolle Darstellung der Realität.

„Für den Menschen war die objektive Welt subjektives Bild“ wie C.G. Jung(1912) es schön formulierte. Zu der Zeit als das Bewusstsein noch eng mit der Numinosität der unbewussten Inhalte verschmolzen war, gab es keine anderen Erklärun­gen für Ereignisse außer übersinnliche Mächte oder eben „Gott“. Jedes Rau­schen des Windes, je­der Blitz und jeder ungewöhnlicher Zufall war ein Zei­chen Gottes und wurde ent­sprechend gedeutet. Ungefähr so sieht heutzutage ein Kind oder ein Mensch von primitiverer Entwicklung die Welt. Die Psychoanalytik­er würden sagen, viel Libidoenergie ist introvertiert und be­lebt die Fan­tasie. In unserer heutigen Zeit ist es eher umgekehrt. Viel mehr „Ener­gie“ ist ex­trovertiert. Infolge der Epoche der Aufklärung im 17-18 Jahrhundert begann das rationale, aufgeklärte und logische Denken die Denk­weisen der Men­schen westlicher Kultur zu erobern. Es war nicht mehr Gott, der alles be­stimmte son­dern der Mensch selbst, der in der Lage war die Welt als Gottes Werk zu be­greifen(die Naturlehre genoss hohe Anerkennung sofern sie Auf­schluss über Ordnung, Ursprung und Wesen der Naturdinge gab).

Das rationale und empirische Denken, welches sich nur durch Tatsachen und Argumente über­zeugen lässt prägt die westliche Gedankenwelt, da es die „Säu­len“ sind auf denen die moderne Wissenschaft steht.

Wie wir später noch lesen werden, ist die Säkularisierung ein langsamer Pro­zess der die Religion nicht in Vergessenheit geraten lässt, sondern eng mit der hypo­thetischen Konstruktion der Welt in der jeweiligen Kultur zusammenhängt. So hat die Religion nur einen anderen Namen bekommen, nämlich „Wissen­schaft“. Hierzu ein Zitat von Emile Durkheim(1981):

„Das wissenschaftliche Denken ist nur eine vollkommenere Form des religiösen Denkens“. Denn es schafft greifbares Wissen.

6. Bedeutung der Religion für die Gesellschaft

Religion versucht auf ihre Weise eine Antwort auf die Sinn-fragen zu geben.

Der Glaube an etwas kann dem menschlichen Leben „Sinn“ verleihen.

Die Vorstellung ein Kind Gottes zu sein ist ungemein befrie­digender als die Tat­sache, den Rest des Leben am Fließband arbeiten zu müssen.

Wie in den folgenden Abschnitten noch deutlich werden wird spielt die sakrale Atmosphäre die Reli­gion mit ihren Glaubenslehren erzeugt eine signifikante Rolle bei der sozialen Kohäsion. Es ist der Glauben an eine gemeinsame Sa­che, der den Zusammen­halt und die Solidarität der Gesellschaft stärkt. Dies wiederum wirkt sich im sozial­psychologischen Sinne auf die anderen Mit­menschen innerhalb der Gesell­schaft aus. Trotz alledem ist Religion in seiner sozialen Funktion nur ein Teil, denn Spiritualität braucht keine Religion! Nach Luckmann´s Theorie, auf die wir gleich noch genauer eingehen, wären es die fluktu­ierenden Inhalte des menschlichen Geistes, die quasi ein Produkt der Um­welt und der Erfahrung des Individuums sind. Und diese Inhalte werden an an­dere vermittelt. Vermittlung ist Kommunikation und hier greift Luhmann's Theo­rie.

Schlussfolgernd erkennt man hier die 2 wichtige Aspekte:

1.Die Soziologie definiert Religion als ein gesellschaftliches System, dass Men­schen innerhalb der Gesellschaft beeinflusst.
2.Religion existiert im Individuum in der Form von Spiritualität und einem Drang zu Glauben, der auf die Sterblichkeit allen Lebens zurückzuführen ist.

Die westlichen Kulturen zeichnen sich durch ein dominant-empirisches Den­ken aus. In der heutigen Zeit scheint glauben eine seltene Sache geworden zu sein. Menschen erklären Dinge die ihnen widerfahren kaum mehr durch irgendwelc­he übersinnlichen Wesen, sondern gehen mit Logik und Vernunft an eine Erklä­rung der Situation. Erst wenn eine Krisensituation eintritt in der Menschen ver­zweifelt sind und mit Ver­nunft und logischem Denken nicht weiterkommen, dann wenden sie sich in ihrer Not an etwas das als letzte übersinnliche Hoff­nung betrachtet wird.

Das Bild der Menschen sah in früheren Jahrhunderten anders aus. Die Religion galt als mächtigste Institution der damaligen Zeit und hatte Kontrolle über ein Großteil der Gesell­schaft. Meinungsfreiheit war eine „tödliche Sache“, denn nur kirchliche Dogmen wurden akzeptiert.

[...]


[1] http://www.wissen.de

[2] http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/s_z/saekular.htm

[3] Aufgeklärt, im Sinne einer Unabhängigkeit von religiösen Dogmen.

[4] Die Wandlungen sind stark von der Kultur beeinflusst.

[5] Man sollte das Wörtchen „neu“ in geschichtlicher Hinsicht nicht allzu genau nehmen. Das Wissen das Menschen in jedem Jahrhundert „neu“ entdecken ist schon immer da gewesen und wurde nur wiederentdeckt. Die Philosophen des alten Griechenland waren sich der ver­schiedenen Formen der Erkennt­nis genauso bewusst wie wir heute. Sie haben es nur ande­res ausgedrückt.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Säkularisierung - Leben wir in einer säkularisierten Gesellschaft?
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Veranstaltung
Einführung in die Soziologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V64937
ISBN (eBook)
9783638576239
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Säkularisierung, Gesellschaft, Soziologie, Kirche, Glauben, Religion
Arbeit zitieren
David Hofmann (Autor), 2005, Säkularisierung - Leben wir in einer säkularisierten Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64937

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