Im Mittelpunkt dieser Seminararbeit steht jene Zeitspanne, die das Deutsche Kaiserreich zur Industrienation werden ließ - die 1880er bis 1910er Jahre.
In jenen Jahrzehnten gelang es den so genannten "neuen Industrien" sich nicht nur neben den klassischen schwer-industriellen Elementen einer prosperierenden Volkswirtschaft zu etablieren, sondern auch im globalem Maßstab zu agieren.
Im Kaiserreich erlangten die chemische und die elektrotechnische Industrie so große Dimensionen, dass Deutschland um 1900 in jenen Bereichen nahezu weltweit führend war. Es lohnt allein deshalb ein genauerer Blick auf diese "neuen Industrien" der deutschen Wirtschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext
3. Die „neuen Industrien“
3.1. Die chemische Industrie
3.2. Die Elektroindustrie
4. Wirtschaftsstand von 1913/14
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den wirtschaftlichen Wandel im Deutschen Kaiserreich zwischen 1873 und 1914, mit besonderem Fokus auf den Aufstieg der chemischen und elektrotechnischen Industrie als Träger der „Zweiten Industriellen Revolution“.
- Historische Einordnung des Deutschen Kaiserreichs nach 1871
- Analyse des technologischen Vorsprungs der Chemieindustrie
- Entwicklung und Expansion der deutschen Elektroindustrie
- Globaler wirtschaftlicher Kontext und Exportstärke vor 1914
- Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Produktion
Auszug aus dem Buch
3.1. Die chemische Industrie
Die „chemische Industrie, die an sich […] ein altes Gewerbe ist […], erfuhr seit der Jahrhundertwende einen raschen Aufschwung“.7 Bereits in der ersten Industrialisierungsphase besaß die chemische Industrie relativ große Bedeutung für die starke Textilbranche, welche eine steigende Nachfrage an Farbstoffen hatte. Aber auch andere chemische Stoffe waren wichtig für die Textil- und für die Papierindustrie, Bleichmittel. Daher bildete „[d]ie synthetische Herstellung von alkalischen Stoffen – für Bleichpulver […] ebenso wie für Seife – […] den Anfangspunkt der modernen industriellen Chemie“8. Der in der ersten Industrialisierungsphase noch stärkste wirtschaftliche Sektor, die Landwirtschaft, verhalf der chemischen Industrie ebenfalls zum Aufschwung durch den steigenden Bedarf an Kunstdünger.
Die industrielle Herstellung von Alltagsprodukten, wie zum Beispiel von Seife führte zu einer drastischen Preissenkung für diese Produkte, daher wurden sie auch den breiteren Schichten der deutschen Bevölkerung zugänglich und halfen somit die hygienischen Bedingungen in den Städten weiter zu verbessern. Eine weitere Basisinnovation in der Chemie, die Revolutionierung der Schwefelsäureherstellung, verhalf der Großchemie zu einem weiteren sprunghaftem Aufstieg, da Schwefelsäure der wichtigste anorganische Grundstoff für die Chemie ist.
Neben den bereits vorher erwähnten Produkten der chemischen Industrie gewann die Farbenherstellung Anfang der 1880er Jahre enorm an Bedeutung, auch wenn die Herstellung synthetischer Farbstoffe bereits in den 1860er Jahren anlief. Die mit Abstand wichtigste Basisinnovation in diesem Bereich war die synthetische Herstellung von Teerfarben, die sehr rasch die Naturfarben ablösten. Denn nun war es möglich Farben herzustellen, die aufgrund neuer Produktionsverfahren wesentlich billiger waren, wie die importierten Naturfarben, welche meist aus Übersee kamen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert den Untersuchungszeitraum von 1873 bis 1914 und stellt die forschungsleitende Bedeutung der chemischen und elektrotechnischen Industrie für das Deutsche Kaiserreich dar.
2. Historischer Kontext: Das Kapitel skizziert die Gründung des Deutschen Kaiserreichs und die innenpolitische sowie wirtschaftliche Lage, inklusive der sogenannten „Großen Depression“ und der Entwicklung der Sozialgesetzgebung.
3. Die „neuen Industrien“: Hier wird der Aufstieg neuer Industriezweige durch Basisinnovationen als Wachstumsmotor der zweiten Industrialisierungsphase analysiert.
3.1. Die chemische Industrie: Das Kapitel behandelt den Erfolg der deutschen Farbenindustrie, die Rolle der wissenschaftlichen Forschung und die Entstehung global agierender Chemiekonzerne.
3.2. Die Elektroindustrie: Die Untersuchung befasst sich mit der Entwicklung der Schwach- und Starkstromtechnik, der Elektrifizierung und dem Aufstieg von Firmen wie Siemens und AEG.
4. Wirtschaftsstand von 1913/14: Dieses Kapitel analysiert die deutsche Exportstärke, die Rolle des Welthandels und die industrielle Führungsrolle Deutschlands vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die langfristige Bedeutung der industriellen Entwicklungen des Kaiserreiches für das moderne Deutschland zusammen und reflektiert kritisch die politischen Schattenseiten jener Ära.
Schlüsselwörter
Zweite Industrielle Revolution, Deutsches Kaiserreich, Hochindustrialisierung, chemische Industrie, Elektroindustrie, Basisinnovationen, Wirtschaftsgeschichte, Exportnation, Forschung und Entwicklung, Elektrifizierung, Farbstoffindustrie, Weltmarkt, technischer Fortschritt, Industriekonzerne, Kartellbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Entwicklung des Deutschen Kaiserreichs zwischen 1873 und 1914, wobei der Fokus auf den aufstrebenden Industriezweigen der Chemie und Elektrotechnik liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf technische Basisinnovationen, die Verknüpfung von Wissenschaft und industrieller Produktion sowie die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den „Siegeszug“ der neuen Industrien im Deutschen Kaiserreich zu erklären und deren Spitzenposition im globalen Kontext der Hochindustrialisierung darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Literaturanalyse, um den gesamtwirtschaftlichen Kontext und die technologischen Fortschritte der damaligen Epoche wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der chemischen Industrie und der Elektroindustrie sowie die Bewertung des deutschen Wirtschaftsstandes am Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hochindustrialisierung, technologische Innovationen, chemische und Elektroindustrie, Forschung, Exportstärke und die Wirtschaftsgeschichte des Kaiserreichs.
Warum war die Verknüpfung von Forschung und Produktion so wichtig?
Deutschland konnte durch die systematische Zusammenarbeit von industriellen Forschungslaboren und Produktion einen Vorsprung erlangen, der besonders in der chemischen Industrie zu einer dominierenden Weltmarktstellung führte.
Welche Rolle spielte die Elektrifizierung für die Gesellschaft?
Die Elektrifizierung, ermöglicht durch Starkstromtechnik, veränderte das Leben der Menschen grundlegend, etwa durch die Erfindung der Glühbirne, führte jedoch aufgrund hoher Kosten anfangs nur schleppend zur Versorgung privater Haushalte.
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- René Cremer (Author), 2005, Die sogenannte Zweite Industrielle Revolution in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64944