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Neorealismus contra Gegenwart - Kenneth Waltz und die internationale Zusammenarbeit

Title: Neorealismus contra Gegenwart - Kenneth Waltz und die internationale Zusammenarbeit

Essay , 2006 , 9 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Philip Schwieger (Author)

Politics - General and Theories of International Politics
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Die von Kenneth N. Waltz entwickelte Theorie des strukturellen Realismus, häufig auch als Neorealismus bezeichnet, entstand zu Hochzeiten des Kalten Krieges Ende der 70er Jahre. Diese Systemtheorie der internationalen Beziehungen bezeichnet das Verhalten von Staaten als alleinigen Akteuren im internationalen System als von der Struktur des Systems abhängig und begründet jegliches staatliches Handeln als geleitet von der Absicht, Macht - und damit Sicherheit - zu akkumulieren. Nach dem Ende der von Waltz als wichtig für die Stabilität des internationalen Systems angesehenen Bipolarität des Kalten Krieges wurden etliche Stimmen, vor allem aus dem Lager der liberalen Institutionalisten, laut, die das Ende der realistischen Theorie verkündeten und auf die - angeblich - gewachsene weltpolitische Bedeutung multilateraler internationaler Institutionen wie den Vereinten Nationen, der NATO und der Welthandelsorganisation hinwiesen. Auch betonten die Liberalisten den Frieden fördernden Effekt der Demokratisierungswelle, die die Welt nach dem Zusammenbruch des Ostblocks überzog. Hauptsächlich richtete sich die liberalistisch-institutionalistische Kritik am Realismus gegen die geringe Bedeutung, die dieser internationalen Organisationen als eigenständigen Akteuren im Weltsystem zumisst. Tatsächlich gibt es bislang noch kein neues Ordnungsprinzip des internationalen Systems, welches die Machtverhältnisse zwischen den Staaten so eindeutig regelt, wie es die Bipolarität des Kalten Krieges vermochte. Daraus resultiert die Frage, mit der sich dieser Text weiterhin befassen wird: Kann Waltz’ Theorie des strukturellen Realismus auch in einer Welt, die durch eine gestiegene Partizipation der Nationalstaaten in internationalen Institutionen geprägt ist, ihren Gültigkeitsanspruch bewahren? Zur Beantwortung dieser Frage wird im Folgenden ein Blick auf die unterschiedlichen Motivationen von Staaten zur Mitarbeit in multilateralen Institutionen sowie das realpolitische Verhalten von Staaten am Beispiel USA geworfen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Das Ende des Kalten Krieges

2. Streit der Theorien und die Realpolitik der USA

2.1 Demokratischer Frieden und demokratische Kriege

2.2 Die USA und die Vereinten Nationen – ein zwiespältiges Verhältnis

2.3 Die „Emanzipation“ der NATO

2.4 Motivation für Partizipation

3. Fazit – Die Rechtfertigung des Realismus

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht, ob die Theorie des strukturellen Realismus nach Kenneth Waltz angesichts der gestiegenen internationalen Zusammenarbeit und institutionellen Vernetzung nach dem Kalten Krieg weiterhin ihren Gültigkeitsanspruch bewahren kann. Dabei wird analysiert, inwiefern internationale Institutionen eigenständige Akteure sind oder lediglich Instrumente zur Machtakkumulation durch dominante Staaten wie die USA darstellen.

  • Struktureller Realismus versus liberaler Institutionalismus
  • Die Rolle internationaler Organisationen (UNO, NATO) in der Weltpolitik
  • Machtstreben und Sicherheitsinteressen der USA nach dem Ende der Bipolarität
  • Die Bedeutung wirtschaftlicher Interdependenz für internationale Konflikte

Auszug aus dem Buch

2.1 Demokratischer Frieden und demokratische Kriege

Der neorealistischen Theorie zu Folge gehen Staaten in der Regel keine Bündnisse mit anderen Staaten ein, es sei denn, um Balancing zu betreiben, also den Ausgleich von Machtungleichgewichten im internationalen System. Dieses Verhalten ist darauf ausgerichtet, nach Möglichkeit nicht in Abhängigkeiten zu geraten. Durch die Vielzahl internationaler Organisationen und Bündnisse ergibt sich heute allerdings auch eine Vielzahl zwischenstaatlicher Abhängigkeitsverhältnisse. Im liberalistischen Verständnis bewirken diese Abhängigkeitsverhältnisse in Verbindung mit der fortschreitenden Demokratisierung in der Welt eine weitere Stärkung des internationalen Friedens. Dieses Verständnis gründet vor allem auf der Annahme, Demokratien seien friedfertig und würden gegeneinander keine Kriege führen.

Waltz hält in seinem im Jahr 2000 veröffentlichtem Text „Structural Realism after the Cold War“ dagegen, dass Demokratien Kriege geradezu fördern würden, indem sie meinten, undemokratische Staaten zur Demokratie zwingen zu müssen, um sich durch den daraus resultierenden Frieden mehr Sicherheit zu verschaffen. Übrigens ein sehr realistisch angehauchtes Motiv. Durch den Sieg der Demokratie floriere der interventionistische Geist bemängelt Waltz und spottet, Frieden sei der nobelste Grund für Krieg. Durch das Machtmonopol eines einzigen (demokratischen) Staates werde dieser Krieg treibende Effekt sogar noch erhöht.

Die liberale Behauptung, den internationalen Organisationen werde durch die Theorie des Realismus nicht die ihnen gebührende Anerkennung als weltpolitischen Akteuren entgegengebracht, kontern die Realisten mit der Aussage, die Macht internationaler Organisationen hänge immer von den Vorhaben der in ihnen aktiven Staaten ab, mit anderen Worten davon, ob diese Staaten die Institutionen gerade zur Durchsetzung ihrer eigenen (sicherheits-)politischen Ziele benötigen. So würden Institutionen von mächtigen Staaten ins Leben gerufen und existierten nur so lange in ihrer ursprünglichen Form, wie es den Interessen dieser Staaten dient.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Das Ende des Kalten Krieges: Diese Einleitung führt in den strukturellen Realismus ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob diese Theorie in einer durch internationale Institutionen geprägten Welt noch Bestand hat.

2. Streit der Theorien und die Realpolitik der USA: Dieses Kapitel vergleicht realistische und liberale Positionen anhand aktueller Fallbeispiele wie den USA, der NATO und der UNO.

2.1 Demokratischer Frieden und demokratische Kriege: Hier wird die konträre Debatte über die Friedfertigkeit von Demokratien und das realistische Gegenargument der erzwungenen Demokratisierung beleuchtet.

2.2 Die USA und die Vereinten Nationen – ein zwiespältiges Verhältnis: Dieses Unterkapitel illustriert am Beispiel der UN-Beitragszahlungen und des Irak-Krieges, wie mächtige Staaten internationale Organisationen zur Legitimierung eigener Interessen nutzen.

2.3 Die „Emanzipation“ der NATO: Die Analyse zeigt auf, wie die NATO ihre Strategie nach dem Kalten Krieg anpasste, um unter US-Führung weiterhin Einfluss auf die Sicherheitspolitik auszuüben.

2.4 Motivation für Partizipation: Dieses Kapitel hinterfragt, warum kleinere Staaten trotz Abhängigkeitsrisiken in internationalen Organisationen mitwirken, und diskutiert hierzu die Theorien von Waltz und Joffe.

3. Fazit – Die Rechtfertigung des Realismus: Das Fazit bestätigt die Kontinuität des machtorientierten staatlichen Handelns und bewertet den Realismus als weiterhin taugliches Instrument zur Erklärung aktueller weltpolitischer Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Neorealismus, struktureller Realismus, Kenneth Waltz, Internationale Beziehungen, Machtakkumulation, Balancing, USA, Vereinte Nationen, NATO, liberaler Institutionalismus, Demokratischer Frieden, Hegemonie, Außenpolitik, Weltpolitik, Interdependenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der neorealistischen Theorie von Kenneth Waltz auf das internationale politische Geschehen nach dem Ende des Kalten Krieges.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit fokussiert auf das Spannungsfeld zwischen der Theorie des strukturellen Realismus und dem liberalen Institutionalismus, insbesondere im Kontext internationaler Organisationen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu klären, ob der strukturelle Realismus trotz zunehmender internationaler Partizipation und institutioneller Vernetzung der Staaten noch immer ein valides Erklärungsmodell für deren Verhalten bietet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der neorealistische Thesen mit aktuellen Entwicklungen der US-Außenpolitik und dem Verhalten internationaler Organisationen abgeglichen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Streit zwischen Realismus und Liberalismus sowie spezifische Themen wie der „demokratische Frieden“, das Verhältnis der USA zu UN und NATO und die Partizipationsmotivation kleinerer Staaten analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Neorealismus, struktureller Realismus, Machtakkumulation, internationale Organisationen, Hegemonie und internationale Beziehungen.

Wie bewertet der Autor das Verhältnis zwischen den USA und der UNO?

Der Autor argumentiert, dass die USA die UNO primär als Instrument zur Machtakkumulation und Legitimierung eigener Interessen betrachten und sie bei Bedarf ignorieren oder blockieren.

Warum existiert die NATO laut dieser Analyse auch nach dem Kalten Krieg weiter?

Die Arbeit schlussfolgert, dass die NATO ihre Strategie anpasste, um als Macht festigende Organisation weiterhin den Einfluss der USA auf die Sicherheitspolitik der Bündnispartner zu sichern.

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Details

Title
Neorealismus contra Gegenwart - Kenneth Waltz und die internationale Zusammenarbeit
College
University of Kassel
Grade
1,0
Author
Philip Schwieger (Author)
Publication Year
2006
Pages
9
Catalog Number
V64956
ISBN (eBook)
9783638576376
ISBN (Book)
9783656793021
Language
German
Tags
Neorealismus Gegenwart Kenneth Waltz Zusammenarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philip Schwieger (Author), 2006, Neorealismus contra Gegenwart - Kenneth Waltz und die internationale Zusammenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64956
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