In der gegenwärtigen Zeit der Postmoderne ist die Lebens- und Arbeitswelt einem bedeutenden Wandel unterworfen. Neue betriebliche Strukturen, die sich dem Stern der aufziehenden Informations- und Kommunikationstechnologien entgegenstrecken, sorgen für eine wachsende „Verbetrieblichung“ der alltäglichen Lebensführung. Diese Untersuchung betrachtet diesen Zusammenhang einer veränderten Vergesellschaftung, ausgehend vom Machtkonzept Michel Foucaults. Hierbei steht das Machtkonzept von Foucault und dessen Wirkungszusammenhänge im Vordergrund der Untersuchung und wird im ersten Teil der Arbeit dargestellt. Im weiteren Verlauf folgt eine Einführung in die Beobachtungen und vorläufigen Ergebnisse zeitgenössischer Sozialforscher, die mit einer Untersuchung moderner Personalentwicklung unter dem Blickwinkel der Theorien Foucaults abschließt. Der Begriff der „Gouvernenmentalität“ wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen, und dient als verbindendes Element zwischen der Betrachtung moderner Arbeitswelten und den historischen Forschungen Foucaults. In der Schlussbetrachtung folgt eine kurze Analyse von Foucaults Verständnis des Subjekts, das im Laufe seiner Forschungen gewissen Wandlungen unterworfen war.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Gang der Untersuchung
2 Eine Darstellung des Machtkonzeptes von Foucault
2.1 Genealogie der Macht
2.2 Die Natur der Macht
2.3 Machtwirkung Disziplin
3 Panoptismus oder die Erfassung der Gesellschaft
3.1 Mechanismen des Panopticons
3.2 Die Disziplinen
3.2.1 Techniken der Kontrolle
3.2.2 Die Komponenten der Prüfung
3.3 „Gouvernementalität“
4 Ökonomisierung des Sozialen
4.1 Aktuelle betriebliche Strategien der Arbeitsorganisation unter dem Blickwinkel von Foucaults Forschung
4.2 Die betriebliche Kontrolle der Ideen und Körper
4.3 Personalentwicklung und -bewertung unter dem Blickwinkel Foucaults.
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die Arbeit untersucht den Wandel der modernen Lebens- und Arbeitswelt in der Postmoderne unter Anwendung des Machtbegriffs von Michel Foucault. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie Machtstrukturen und gouvernementale Techniken die Selbststeuerung und Subjektivität in ökonomisierten Arbeitsverhältnissen formen und welche Mechanismen der Kontrolle dabei zum Einsatz kommen.
- Analyse des Machtkonzepts von Foucault (Genealogie, Natur der Macht, Disziplin).
- Untersuchung der Mechanismen von Disziplinargesellschaften und des Panoptismus.
- Erörterung der "Gouvernementalität" als verbindendes Element zur modernen Arbeitswelt.
- Kritische Beleuchtung betrieblicher Strategien wie Selbststeuerung und Leistungsbewertung.
- Diskussion über Möglichkeiten des individuellen Widerstands im bestehenden Machtgefüge.
Auszug aus dem Buch
3.1 Mechanismen des Panopticons
Diese Architektur ermöglicht einem einzigen Überwacher das Sehen und Überwachen aller Zellen, in denen jeweils eine einzelne Person isoliert ist, ohne das diese ihren Überwacher sehen könnten. Die räumlich radiale Trennung verhindert zudem eine Kommunikation der Überwachten. Dies alles hat zur Folge, dass sich die Überwachten ständig überwacht fühlen und sich im Prinzip einer „Eigenüberwachung“ unterziehen. Die Machtausübung wird somit „automatisiert und entindividualisiert.“ Das Panopticon ist aufgrund seiner Mechanismen nicht nur in der Lage die von ihm überwachten Individuen, zu denen auch die in ihm eingesetzten Instanzen zählen, zu bewachen, sondern generiert zudem noch Wissen über eben diese Individuen. Dieses Panopticon liefert den Ansatz, „um aus den Disziplinen ein die Gesamtgesellschaft lückenlos überwachendes und durchdringendes Netzwerk zu machen.“ Damit solch eine „Disziplinargesellschaft“ entstehen kann war es laut Foucault nötig, dass die Disziplinen der Macht sich wandeln, fort von Techniken, die der Beseitigung von Gefahren dienen, hin zu Techniken, die Individuen hervorbringen, die man nutzen kann. Die Ausweitung des Wirkungsfeldes der Disziplinen über die Disziplinarinstitutionen hinaus setzt ein, durchdringt immer mehr den gesamten Gesellschaftskörper, und macht ihn sich dienstbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Gang der Untersuchung: Einführung in die Thematik des Wandels von Lebens- und Arbeitswelten in der Postmoderne sowie Darlegung der theoretischen Ausgangsbasis durch Michel Foucaults Machtbegriff.
2 Eine Darstellung des Machtkonzeptes von Foucault: Erläuterung der verschiedenen Phasen und Kernbegriffe von Foucaults Machtanalyse, insbesondere Genealogie, die Natur der Macht und die Disziplinierung.
3 Panoptismus oder die Erfassung der Gesellschaft: Analyse der architektonischen und gesellschaftlichen Wirkungsweise des Panopticons, der Disziplinierungstechniken sowie des Begriffs der Gouvernementalität.
4 Ökonomisierung des Sozialen: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf moderne betriebliche Strukturen, Selbststeuerung, Leistungsbewertung und die Kontrolle über Ideen und Körper.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Analyse der Verbindung von unternehmerischer Rationalität mit der Produktion von Subjektivität und Ausblick auf Möglichkeiten des Widerstands.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Macht, Disziplin, Panoptismus, Gouvernementalität, Arbeitswelt, Postmoderne, Subjektivität, Individualisierung, Selbstkontrolle, Ökonomisierung, Assessment Center, Überwachung, Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Strukturwandel moderner Arbeitswelten durch eine machttheoretische Brille, basierend auf den Überlegungen von Michel Foucault.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der Disziplinierung, der Überwachung (Panoptismus), der Gouvernementalität und deren Einfluss auf moderne betriebliche Personalstrategien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Machtmechanismen in moderne, scheinbar freiheitliche Arbeitsverhältnisse eindringen und das Subjekt zur Selbststeuerung und Selbstoptimierung anhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die Begriffe und Forschungsansätze von Foucault mit zeitgenössischen sozialwissenschaftlichen Analysen zur modernen Arbeitsorganisation verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Foucaultschen Machtkonzepts und dessen konkrete Anwendung auf die "Ökonomisierung des Sozialen" und moderne Personalauswahlverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Macht, Gouvernementalität, Disziplin, Subjektivierung und Ökonomisierung.
Wie funktioniert laut Foucault die Kontrolle in modernen Betrieben?
Die Kontrolle wird externalisiert: Anstatt direkter Fremdbestimmung treten Selbstkontrolle und ein hoher Leistungsdruck in Gruppenprozessen, die das Subjekt zur ständigen Optimierung zwingen.
Was bedeutet der Begriff "Gouvernementalität" in diesem Kontext?
Er beschreibt eine moderne Form der Führung, die nicht mehr nur durch Repression, sondern durch die Steuerung und Formung der Lebensführung und der Identität der Subjekte erfolgt.
Warum wird das Assessment Center als Machtinstrument gedeutet?
Es fungiert als "Prüfung", die Individuen durch lückenlose Dokumentation und Vergleichbarkeit in ein System der ständigen Bewertung zwingt und somit das gewünschte unternehmerische Subjekt produziert.
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- Nils Prinz (Author), 2004, Individualisierung in postmodernen Arbeitswelten unter Berücksichtigung der Theorien Foucaults, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64997