Individualisierung in postmodernen Arbeitswelten unter Berücksichtigung der Theorien Foucaults


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Gang der Untersuchung

2 Eine Darstellung des Machtkonzeptes von Foucault
2.1 Genealogie der Macht
2.2 Die Natur der Macht
2.3 Machtwirkung Disziplin

3 Panoptismus oder die Erfassung der Gesellschaft
3.1 Mechanismen des Panopticons
3.2 Die Disziplinen
3.2.1 Techniken der Kontrolle
3.2.2 Die Komponenten der Prüfung
3.3 „Gouvernementalität“

4 Ökonomisierung des Sozialen
4.1 Aktuelle betriebliche Strategien der Arbeitsorganisation unter dem Blickwinkel von Foucaults Forschung
4.2 Die betriebliche Kontrolle der Ideen und Körper
4.3 Personalentwicklung und -bewertung unter dem Blickwinkel Foucaults

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung und Gang der Untersuchung

In der gegenwärtigen Zeit der Postmoderne ist die Lebens- und Arbeitswelt einem bedeutenden Wandel unterworfen. Neue betriebliche Strukturen, die sich dem Stern der aufziehenden Informations- und Kommunikationstechnologien entgegenstrecken, sorgen für eine wachsende „Verbetrieblichung“ der alltäglichen Lebensführung. Diese Untersuchung betrachtet diesen Zusammenhang einer veränderten Vergesellschaftung, ausgehend vom Machtkonzept Michel Foucaults. Hierbei steht das Machtkonzept von Foucault und dessen Wirkungszusammenhänge im Vordergrund der Untersuchung und wird im ersten Teil der Arbeit dargestellt. Im weiteren Verlauf folgt eine Einführung in die Beobachtungen und vorläufigen Ergebnisse zeitgenössischer Sozialforscher, die mit einer Untersuchung moderner Personalentwicklung unter dem Blickwinkel der Theorien Foucaults abschließt. Der Begriff der „Gouvernenmentalität“ wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen, und dient als verbindendes Element zwischen der Betrachtung moderner Arbeitswelten und den historischen Forschungen Foucaults. In der Schlussbetrachtung folgt eine kurze Analyse von Foucaults Verständnis des Subjekts, das im Laufe seiner Forschungen gewissen Wandlungen unterworfen war.

2 Eine Darstellung des Machtkonzeptes von Foucault

Für ein klares Verständnis des Machtbegriffes von Foucault ist es zunächst notwendig, die Entwicklung seiner Theorien und seine Vorgehensweise zu skizzieren. Er selbst schlägt eine Einteilung seines Machtkonzeptes nach drei Begriffen vor, die gleichzeitig verschiedene Phasen seiner Arbeiten darstellen. Die „archäologische Formierung des Wissens … , die Genealogie der Macht …, und die subjektive Wende zur … Ethik der Lebensführung.“[1]

2.1 Genealogie der Macht

Während in der ersten Phase der Arbeiten die archäologische Erforschung und die Suche nach dem Ursprung von Wissen im Mittelpunkt stehen, entwickelt Foucault in der zweiten Phase eine neue Art der Geschichtsschreibung, die er Genealogie der Macht nennt. Im Gegensatz zur Archäologie, welche die Vielfältigkeit des „Heute“ auf einen einzigen Ursprung zurückzuverfolgen sucht, ist es Ziel und Gegenstand der Genealogie die vielfältigen Einflüsse ausfindig zu machen, die zu den spezifischen Beobachtungen des „Heute“ führen.[2] Diese Forschung nach der Herkunft sorgt dafür, dass das Subjekt genauer betrachtet und als Sammlung individueller Spuren verstanden wird, die sich im Leibe des Individuums kreuzen und dort ihre Einheit und ihren Ausdruck finden.[3]

2.2 Die Natur der Macht

Mithilfe dieser Art der Geschichtsschreibung entwickelt Foucault ein ganz neues Verständnis der Macht, demzufolge die Macht zunächst einmal nicht besessen werden kann. Sie ist etwas, das einen jeden durchdringt und um jeden herum existiert.[4] Selbst der Widerstand gegenüber der Macht ist eine ihrer eigenen Eigenschaften und ihr unbedingt immanent und zugehörig. Foucault erkennt im Widerstand nur einen weiteren Weg der Macht, sich selbst zu konstituieren. Der Widerstand ist ihr direktes Gegenstück und wächst im gleichen Maße, wie die Macht zunimmt.[5] Münker/Rösler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Strategie der Gegenmacht.[6] Nach Foucault darf Macht nicht mehr nur in eine Richtung wirkend betrachtet werden. Er definiert Macht als „gleichzeitig intentional und nicht-subjektiv.“[7]

Eine weitere Eigenart der Macht, die Foucault aufdeckt, besteht darin, sich im Verborgenen aufzuhalten und unerkannt zu wirken.[8] Hier wird das zielgerichtete Handeln der Macht deutlich, die ihre Ziele am Besten erreicht, wenn ihre Manipulation unentdeckt bleibt. Foucault legt dabei großen Wert darauf, dass er unter dem Begriff der Macht kein Großsubjekt versteht.[9]

Bei all dem ist die Macht in ihren Wirkungen äußerst „produktiv.“ Foucault erklärt dies mit der Unfähigkeit der Macht ihre Ziele zu erreichen, wenn sie nur „negative“ Auswirkungen hätte[10], und mit der Tatsache das Macht schließlich Wirkliches und Reales produziert.[11] Anstatt nur zu unterdrücken oder zu verbieten, ist die Macht kreativ und erfinderisch.[12]

Für die konkrete Beschreibung ihrer Wirkungen und Strategien konzipiert Foucault den Begriff „Dispositiv,“ dem er in seinem Werk „Dispositive der Macht“ wie folgt seinen Sinn verleiht. „Was ich unter diesem Titel festzumachen versuche, ist erstens ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philantropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs. Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen den Elementen geknüpft werden kann.“[13]

Foucault zeigt auf, dass die Macht permanent in Bewegung ist und andauernd reagiert und koordiniert, indem sie neu auftauchende Elemente zu integrieren versucht oder neue Fakten produziert, die ihr dienlich sein können.[14]

2.3 Machtwirkung Disziplin

In seinem Buch „Überwachen und Strafen“ zeigt Foucault eine grundlegende Veränderung in der Bestrafung auf, die sich vom Ende des 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts vollzieht.[15] Für die damalige Justiz machen zwei zu beobachtende Phänomene eine Veränderung in der Art der Bestrafung und in der Urteilsfindung nötig. Zum einen findet eine Verschiebung von Verbrechen mit physischer Gewalt hin zu Eigentumsdelikten statt, zum anderen ist eine wachsende Solidarität mit den zu bestrafenden Tätern festzustellen.[16] Wurde zuvor die Disziplin durch eine öffentliche Marter wiederhergestellt, die in ihrer Maßlosigkeit das Verbrechen gegenüber dem Souverän sühnte und der Gesellschaft gleichzeitig die Unüberwindbarkeit der Macht demonstrierte,[17] wandelt sich nun die Bestrafung hin zu einer Strafe, die nicht nur das schon begangene Verbrechen bestraft, sondern auch die Summe der möglicherweise noch kommenden Störungen einbezieht.[18] Durch den Eindruck der zwangsläufigen Bestrafung eines Verbrechens, soll nicht nur der Verbrecher diszipliniert werden, sondern gleichzeitig auch der gesamte Rest der Gesellschaft. Zentraler Unterschied zu der bisherigen Bestrafung ist eine Ökonomisierung der Bestrafung: „Man muss gerade soviel bestrafen, um zu verhindern.“[19] Es kommt zu einer Wandlung im Strafsystem, bei der der Eingriff der Macht nicht mehr so opulent auftritt wie zuvor bei den öffentlichen Martern, sondern sich auf ein Minimum beschränkt.[20] Die Unterwerfung der Körper durch die Kontrolle der Ideen[21], löst den Terror des Souveräns ab. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich nun die Humanwissenschaften, denn, um eine adäquate Bestrafung zu gewährleisten, ist es nötig das Individuum zu analysieren.[22] Auf dieser Basis entwickelt sich neben dem bestehenden Monarchenrecht die Institution des Gefängnisses, die sich schließlich durchsetzt, weil sich in ihr eine Machtwirkung entfaltete, die sich in den anderen gesellschaftlichen Bereichen schon längst ausgebreitet hatte.[23] Die Disziplin.

[...]


[1] Foucault (1986), S.10.

[2] Neuberger (1997), S.507.

[3] Vgl. Münker/Rösler (2000), S.93.

[4] Vgl. Neuberger (1997), S.508.

[5] Vgl. Foucault (1977), S.117.

[6] Münker/Rösler (2000), S.79.

[7] Foucault (1977), S.116.

[8] Vgl. Foucault (1977), S.108.

[9] Vgl. Münker/Rösler (2000), S.79.

[10] Vgl. Foucault (1976), S.109.

[11] Vgl. Foucault (1976), S.249.

[12] Münker/Rösler (2000), S.97.

[13] Foucault (1978), S. 119.

[14] Münker/Rösler (2000), S.100.

[15] Foucault (1976), S.15.

[16] Foucault (1976), S.94.

[17] Foucault (1976), S.72.

[18] Foucault (1976), S.117.

[19] Foucault (1976), S.119.

[20] Foucault (1976), S.119.

[21] Foucault (1976), S.131.

[22] Vgl. Münker/Rösler (2000), S.102.

[23] Fink-Eitel (1997), S.75.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Individualisierung in postmodernen Arbeitswelten unter Berücksichtigung der Theorien Foucaults
Hochschule
Universität Hamburg  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Foucaultseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V64997
ISBN (eBook)
9783638576642
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der gegenwärtigen Zeit der Postmoderne ist die Lebens- und Arbeitswelt einem be-deutenden Wandel unterworfen. Neue betriebliche Strukturen, die sich dem Stern der aufziehenden Informations- und Kommunikationstechnologien entgegenstrecken, sor-gen für eine wachsende 'Verbetrieblichung' der alltäglichen Lebensführung. Diese Un-tersuchung betrachtet diesen Zusammenhang einer veränderten Vergesellschaftung, ausgehend vom Machtkonzept Michel Foucaults.
Schlagworte
Individualisierung, Arbeitswelten, Berücksichtigung, Theorien, Foucaults, Foucaultseminar
Arbeit zitieren
Nils Prinz (Autor), 2004, Individualisierung in postmodernen Arbeitswelten unter Berücksichtigung der Theorien Foucaults, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64997

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