Bestimmung der Nutzungseignung von Gewerbeflächen für eine differenzierte Standortentwicklung


Diplomarbeit, 2000
323 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Vorbetrachtungen

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit einer aktuellen Problematik, vor der viele Kommunen im Bundesgebiet stehen, deren Lösung aber bislang am Fehlen einer systematischen Entscheidungsvorbereitung mehr oder weniger gescheitert ist. Die wirtschaftliche Entwicklung einer Gemeinde hängt stark von der Standortgunst der gewerblichen Bauflächen, d.h. von der Qualität der relevanten Rahmenfaktoren, ab. Die Ansprüche daran sind nicht einheitlich, sondern unterscheiden sich zwischen verschiedenen Nutzergruppen und einzelnen Unternehmen. Um ein attraktives Angebot an geeigneten Gewerbeflächen für Investoren zu schaffen, bedarf es der genauen Kenntnis über die Potentiale der Standorte und die Anforderungen relevanter Zielgruppen.

Die Gestaltung des städtischen Raumes, als eine Aufgabe der Stadtentwicklung, erfordert auch Überlegungen über die optimale Verteilung der Gewerbeflächen in räumlicher, preislicher, funktionaler und zielgruppenspezifischer Hinsicht. Entsprechend dem raumordnungspolitischen Ziel einer Minimierung zusätzlichen Flächenverbrauchs gilt es, die bestehenden Areale unter Berücksichtigung ihrer Eignung optimal auszunutzen. Durch die Einbindung in eine Strategie der differenzierten Standortentwicklung soll schließlich die Steuerung der gewerblichen Flächennachfrage erfolgen.

Aufgabe dieser Arbeit ist es, ein Verfahren aufzustellen, mit dem eine differenzierte Standortentwicklung von Gewerbeflächen unterstützt werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei der Standort mit seinem spezifischen Potential, für den geeignete Nutzungen gesucht werden, unter der Bedingung seiner optimalen, qualitativen Auslastung.

Welche Motive hat eine Gemeinde, sich intensiver als bisher mit der Qualität ihrer gewerblichen Bauflächen zu beschäftigen? Was steckt hinter einer Strategie der differenzierten Standortentwicklung? Wie können die bestehenden Flächen optimal ausgenutzt werden? Wie muß ein Verfahren zur zielgruppenorientierten Beurteilung der Standorteignung gestaltet sein und welche Schlußfolgerungen ergeben sich für deren Einsatz?

Diese Fragen, deren Beantwortung in der Arbeit angestrebt wird, lassen erahnen, welche Brisanz und Komplexität das Thema hat. Es soll bereits an dieser Stelle betont werden, daß das Resultat keine endgültige Patentlösung darstellen wird, sondern nur eine Möglichkeit, den Prozeß der Entscheidungsvorbereitung durch eine strukturierte Informationsverarbeitung zu unterstützen. Während der Beschäftigung mit dem Thema und der Entwicklung des Verfahrens ergaben sich neue Problemfelder, denen nicht nachgegangen werden konnte. Vor einer Anwendung in der Planungspraxis ist es deshalb unbedingt erforderlich, das Verfahren zu verbessern.

Der inhaltliche Aufbau orientiert sich an dem strukturierten Vorgehen im Prozeß der Informationsbeschaffung und -verarbeitung, wie er auch in der Praxis vonstatten gehen sollte. Zunächst wird in einem ersten Abschnitt das Thema eingeordnet und in einen größeren Zusammenhang gebracht. Der zweite Abschnitt befaßt sich mit den Potentialen eines Gewerbestandortes. Dazu wird eine Methodik erarbeitet, mit der die Stärken und Schwächen bestimmt und visuell in einem Standortprofil dargestellt werden können. Eine analoge Vorgehensweise beinhaltet der dritte Abschnitt, mit dem Unterschied, daß hier die Anforderungen von Zielgruppen von Interesse sind. Schließlich wird in einem vierten Abschnitt, unter Verwendung der Ergebnisse der beiden vorangegangenen, ein Verfahren zur Bestimmung geeigneter Nutzungen für Gewerbeflächen entwickelt. Für die praktische Erprobung wurden elf Gewerbegebiete in der Stadt Leipzig und acht Branchen der Industrie sowie Logistikunternehmen und das produzierende Handwerk als abgrenzbare Zielgruppen ausgewählt. Die Beispiele werden in den Abschnitten zwei bis vier jeweils nach dem theoretischen Teil abgearbeitet.

Die Tiefe in der Betrachtung von Standortpotential und Branchenanforderung, die ausführliche Darlegung der einzelnen Schritte sowie der große Umfang an Beispielen machten es notwendig, eine Vielzahl von Tabellen und Abbildungen in den Anhang zu legen. Im Text ist oft darauf verwiesen worden. Für das bessere Verständnis lohnt sich die Mühe, den Verweisen zu folgen.

Abstract

Die wirtschaftliche Entwicklung einer Gemeinde hängt stark von der Standortgunst der gewerblichen Bauflächen, d.h. von der Qualität der relevanten Rahmenfaktoren ab. Die Ansprüche daran sind nicht einheitlich, sondern unterscheiden sich zwischen den potentiellen Nutzergruppen. Um ein attraktives Angebot an geeigneten Gewerbeflächen für Investoren zu schaffen, ist eine Strategie der differenzierten Standortentwicklung notwendig. Dazu bedarf es der genauen Kenntnis über die Potentiale der Standorte und die Anforderungen relevanter Zielgruppen.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Aufstellung eines Verfahrens, mit dem Gewerbestandorte auf ihre Eignung für bestimmte Zielgruppen untersucht werden können. Dabei werden neue nutzwertanalytische Ansätze mit verbal-argumentativen Bewertungsbestandteilen eingearbeitet, die einen flexiblen Interpretationsspielraum zulassen. Inhaltlich aufgebaut ist das Verfahren in drei Bausteine: einer Stärken-Schwächen-Analyse zur Bestimmung des Standortpotentials, einer Zielgruppenanalyse zur Ermittlung der Standortanforderungen und einer Analyse der Standorteignung. Die ersten beiden Bausteine können unabhängig voneinander abgearbeitet werden und dienen dem letzen als Datengrundlage.

Es erfolgt zunächst eine strikte Trennung zwischen Potentialen und Anforderungen, was aufgrund der unterschiedlichen Zielsysteme beider Akteure (Kommune und Unternehmen) notwendig ist. Die Analyse der Standorteignung untersucht schließlich anhand von kriteriellen Paarvergleichen die Wechselwirkung zwischen Standortgegebenheiten und -anforderungen. Sie orientiert sich am kommunalen Zielsystem, in dem eine optimale, qualitative Flächenausnutzung angestrebt ist. Diese ist dann erreicht, wenn die Muster beider Seiten übereinstimmen. Wert gelegt wird vor allem auf eine tiefgründige Betrachtungsweise, wozu ein detaillierter Kriterienkatalog die Basis ist. Visuell dargestellt werden die Ergebnisse in Form von Profilen und Matrizen.

Erprobt wird das Verfahren anhand ausgewählter Gewerbegebiete der Stadt Leipzig und einiger Branchen des Verarbeiteten Gewerbes sowie der Logistikunternehmen und des produzierenden Handwerks. Als Endergebnis werden die Standorte durch die Ausgabe von Nutzwerten nicht in eine Besser-Schlechter-Beziehung gebracht sondern durch eine Einteilung in Grade der Nutzungseignung den Zielgruppen zugeordnet.

Bei den Recherchen zur Arbeit und der Aufstellung von Standort- und Branchenprofilen ergaben sich teilweise neue Erkenntnisse, die bei dem Verfolgen einer Strategie der differenzierten Standortentwicklung zu beachten sind. Das betrifft insbesondere die Informationsbeschaffung und -verarbeitung, an die hohe Ansprüche gestellt werden, wenn die Resultate eine qualitativ hohe Aussagekraft haben sollen. Das entwickelte Verfahren und die systematische Aufbereitung des Entscheidungsvorbereitungsprozesses dienen schließlich auch als Ansatz für eine DV-technische Umsetzung zu einem einsatzfähigen Instrumentarium für die kommunale Planungspraxis.

Differenzierte Standortentwicklung – Methodische Ansätze zur Optimierung der qualitativen Auslastung von gewerblichen Bauflächen Dipl.-Kfm. Thomas Sorsch

Grundlage für diesen Aufsatz bildet die Diplomarbeit des Verfassers, welche an der
Universität Leipzig (Stiftungslehrstuhl Grundstücks- und Wohnungswirtschaft) in Zusammenarbeit mit den Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig angefertigt wurde.

Differenzierte Standortentwicklung als Instrument kommunaler Gewerbeflächenpolitik

Die wirtschaftliche Entwicklung einer Gemeinde hängt stark von der Standortqualität der gewerblichen Bauflächen ab. Die Ansprüche daran sind nicht einheitlich, sondern unterscheiden sich zwischen verschiedenen homogenen Nutzergruppen. Entsprechend dem raumordnungspolitischen Ziel einer Minimierung zusätzlichen Flächenverbrauchs gilt es, die bestehenden Areale unter Berücksichtigung ihrer Eignung optimal auszunutzen. Die Gestaltung des städtischen Raumes erfordert schließlich auch Überlegungen bezüglich einer optimalen Verteilung der Gewerbeflächen in räumlicher, preislicher und funktionaler Hinsicht. Durch die Einbindung dieser kommunalpolitischen Prämissen in eine Strategie der differenzierten Standortentwicklung soll schließlich die Steuerung der gewerblichen Flächennachfrage erfolgen.

Seit das Angebot an Gewerbeflächen auf dem Markt die Nachfrage überstiegen hat, liegen die Probleme der meisten (ostdeutschen) Kommunen nunmehr in der mangelnden Auslastung bzw. suboptimalen Nutzung der vorhandenen Gewerbegebiete, insbesondere in integrierten Lagen. Es herrscht meist Unkenntnis darüber, für welche spezifischen Nutzungsarten sich die Areale am besten eignen. Somit lassen sich auch keine Marketinginstrumente für eine aktive Angebotspolitik ansetzen.

Um ein attraktives Angebot an geeigneten Flächen für Investoren zu schaffen, müssen zunächst die Standortpotenziale, d.h. die Stärken und Schwächen der Standorte, und die spezifischen Nutzungsanforderungen der Zielgruppen herausgearbeitet werden. Anschließend lassen sich diese Aussagen dafür verwenden, die für einen Standort optimale Nutzung zu ermitteln.

In Ermangelung eines geeigneten Verfahrens, mit dem Gewerbestandorte hinsichtlich ihrer nutzerspezifischen Eignung untersucht werden können, wurde eine Methodik entwickelt, die im folgenden in ihren Grundzügen vorgestellt werden soll.

Verfahren zur Bestimmung geeigneter Nutzungen von Gewerbeflächen

Bei der Entwicklung des Verfahrens wurden sowohl Elemente etablierter Methoden zur Standortbeurteilung als auch neue nutzwertanalytische Ansätze mit verbal-argumentativen Bewertungsbestandteilen eingearbeitet, die einen flexiblen Interpretationsspielraum zulassen.[1] Ausgangspunkt bildet ein detaillierter, hierarchisch aufgebauter Kriterienkatalog. Inhaltlich setzt sich das Verfahren aus drei Bausteinen zusammen (Abbildung 1):

1. einer Stärken-Schwächen-Analyse zur Bestimmung des Standortpotenzials (visuelle Darstellung mittels eines Standortprofils),
2. einer Zielgruppenanalyse zur Ermittlung der Standortanforderungen (visuelle Darstellung mittels eines Zielgruppenprofils) und
3. einer Analyse der Standorteignung (Klassifikation der Standorte durch Grade der Nutzungseignung).

Abbildung 1: Bausteine des Verfahrens zur Standortbewertung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Es erfolgt zunächst eine strikte Trennung zwischen Potenzialen und Anforderungen, was aufgrund der unterschiedlichen Zielsysteme der beteiligten Akteure – Kommune als Flächenanbieter und Unternehmen als Flächennachfrager – sinnvoll ist. Die Analyse der Standorteignung untersucht schließlich anhand von Paarvergleichen die Wechselwirkung zwischen Kriterien des Standortpotenzials und der Standortanforderung. Sie orientiert sich am kommunalen Zielsystem, in dem eine optimale, qualitative Flächenausnutzung angestrebt ist.

Das für die vorliegende Problematik geeignete nutzwertanalytische Verfahren lässt sich charakterisieren hinsichtlich:

- seines Transformationsvorganges in ein System ordinaler Skalen von zwei bis drei Wertebereichen und entsprechenden Zuordnungsregeln (Bausteine 1 und 2) sowie
- des Aggregationsvorganges in ein System von Paarvergleichen und ungewichteter, liniear-additiver Aggregation (Baustein 3).

Baustein 1: Stärken-Schwächen-Analyse

Das Potenzial eines Standortes erlaubt die Beurteilung desselben unter dem Gesichtspunkt seiner Stärken und Schwächen und daraus resultierender Entwicklungsmöglichkeiten. Objektive und subjektive Potenziale werden durch Faktoren näher bestimmt. Sie sind potentielle Störgrößen, weil sie die Entwicklungsmöglichkeiten eines Standortes bzw. deren Nutzung einschränken können. Die Faktoren lassen sich wiederum durch Kriterien sowie gegebenenfalls Indikatoren beschreiben. Die komplexe Erscheinung Gewerbestandort wird somit systematisch in einzelne, bewertbare Teilbereiche zerlegt.

Das formale Vorgehen bei einer Stärken-Schwächen-Analyse lässt sich grob in folgende drei Schritte gliedern:

1. Bestandsaufnahme der Standortgegebenheiten anhand relevanter Eigenschaften auf der Grundlage eines hierarchischen Kriterienkataloges,
2. Transformation der Merkmalsausprägungen in eine ordinale Bewertungsskala nach vorgegebenen verbal-argumentativen Zuordnungsregeln und
3. Aufstellung eines Stärken-Schwächen-Profils als visualisierte Darstellung des spezifischen Standortpotenzials.

Baustein 2: Zielgruppen-Analyse

Die Zielgruppenanalyse erfolgt analog der oben aufgezeigten Vorgehensweise bei einer Stärken-Schwächen-Analyse. Das Zielgruppenprofil lässt Parameter erkennen, die das Rentabilitätspotenzial der Unternehmen besonders beeinflussen (Kriterien mit hohen Anforderungen, Mindesteigenschaften und Präferenzen). Es werden aber auch Faktoren sichtbar, die nur eine untergeordnete Bedeutung haben und somit die Standortwahl kaum behindern (Kriterien mit geringen Anforderungen, Indifferenzen).

Baustein 3: Analyse der Standorteignung

In die Analyse der Standorteignung werden die Ergebnisse der Prozesse der beiden vorangegangenen Bausteine verwendet. Analog dem ökonomischen Prinzip gilt es, den maximalen Nutzen aus bestimmten Gegebenheiten zu erzielen. Die Gegebenheiten sind in diesem Fall die Potenziale der Standorte sowie die Anforderungen der Zielgruppen. Die Zielsysteme beider Akteure – Kommune und Unternehmen – können nicht gleichzeitig maximiert werden, statt dessen ist durch sinnvolle Vernetzung beider Seiten der größtmögliche Gesamtnutzen zu bestimmen. Zuvor muss noch ein Bezugspunkt festgelegt werden, an dem sich die Ergebnisdarstellung orientiert. Hier ist das Standortpotenzial der Bezugspunkt, das durch die kommunale Sicht repräsentiert wird. Die Zielfunktion der Kommune ist, verbal ausgedrückt, gewerblichen Standorten geeignete Nutzungen zuzuordnen, unter der Nebenbedingung einer optimalen, qualitativen Auslastung der Flächen.

Die Besonderheit der Methodik und gleichzeitig der größte Unterschied zur traditionellen, nutzwertanalytischen Standortbewertung liegt insbesondere darin, dass die Ergebnisse aus zwei getrennten Transformationsvorgängen (Stärken-Schwächen- und Zielgruppenanalyse) in eine Aggregationsvorschrift eingebracht werden. Es bedarf also eines beide Seiten verbindenden Verfahrensschrittes, bei dem man durch eine vergleichende Betrachtung auf Kriterienebene zu einer Aussage gelangt. Dies wird durch ordinale Paarvergleiche von Kriterien der Potenzial- und Anforderungsseite erreicht, bei denen der Grad der Übereinstimmung ermittelt wird. Dabei lassen sich drei Feststellungen machen:

1. Potenzial und Anforderung stimmen überein,
2. das Potenzial ist größer als die Anforderung oder
3. das Potenzial ist kleiner als die Anforderung,

jeweils bezogen auf ein Kriterium und einen Standort. Bei der Bewertung dieser Aussagen werden zwischen den beiden Akteuren Kommune (Potenzialseite) und Zielgruppe (Anforderungsseite) die Unterschiede deutlich (Tabelle 1).

Tabelle 1: Beurteilung der Ergebnisse des Paarvergleichs durch Kommune und Zielgruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es macht einen Unterschied, ob eine Kommune für ihre Gewerbeflächen die passenden Nutzergruppen sucht oder ein Unternehmen den für sich am besten geeigneten Standort.

Die Aussagen über den Grad der Übereinstimmung beim Paarvergleich werden schließlich in Punktwerte transformiert. Diese stellen kriterienbezogene Teilnutzwerte dar, womit die Differenzen zwischen den Ausprägungen auf Potenzial- und Anforderungsseite bewertet werden. Der Nutzen ist demnach am größten, wenn eine Übereinstimmung auf beiden Seiten feststellbar ist. Überdeckt das Potenzial die jeweilige Anforderung, hat diese Konstellation für die Zielgruppe zwar eine mindestens gleich hohe Wertigkeit wie eine exakte
Übereinstimmung, für die Kommune jedoch wird das Potenzial in diesem Fall nicht optimal genutzt. Unter Berücksichtigung beider Werturteile erhält diese Konstellation einen geringeren Teilnutzwert. Negativ beurteilt von beiden Seiten wird eine Unterdeckung, d.h. wenn das Potenzial geringer ist als die jeweilige Anforderung. Bei K.O.-Kriterien bedeutet dies den Ausschluss des Standortes von der weiteren Betrachtung.

Die im Ergebnis des Paarvergleichs bereitstehenden Teilnutzwerte werden schließlich zu einem Gesamtnutzwert für den Standort addiert.

Interpretation der Ergebnisse

In Abhängigkeit von den Ansprüchen an das Ergebnis stehen dem Anwender formell folgende drei Interpretationsmöglichkeiten offen:[2]

1. Selektion: Dabei ist aus einer Menge von Alternativen die beste herauszufinden. Voraussetzung ist, dass diese beste Alternative mit anderen vergleichbar ist.
2. Separation: Die Alternativen werden in mehrere Klassen eingeteilt. Dabei stellt die erste Klasse diejenige dar, die die besten Alternativen enthält. Die Klasseneinteilung erfolgt nach definierten Abgrenzungsregeln.
3. Ordnen: Die Alternativen werden in eine Besser-Schlechter-Relation gebracht, wobei je zwei Alternativen vergleichbar sein müssen.

Besonders geeignet erscheint die zweite Variante. Hier muss die Standorteignung nicht fixiert werden auf diejenigen Zielgruppen, die aus der Analyse mit dem höchsten Nutzwert hervorgehen, sondern es werden verschiedene Nutzungen innerhalb einer Toleranzgrenze für zulässig erklärt. Eine Klasseneinteilung, die als Grade der Nutzungseignung interpretiert werden kann, könnte beispielsweise folgendermaßen aussehen:

- Klasse I: 75-100 % des maximal möglichen Gesamtnutzwertes.
Sie enthält diejenigen Zielgruppen, deren Anforderungsprofile mit dem Standortprofil am ehesten übereinstimmen, d.h. die die höchsten Gesamtnutzwerte haben.
- Klasse II: 50-74 % des maximal möglichen Gesamtnutzwertes.
Weniger geeignet für den Standort sind diejenigen Zielgruppen, welche in diese Klasse fallen. Trotzdem können sie mitunter im weiteren Entscheidungsfindungsprozess interessant sein (z.B. bei bestimmten politischen Willenserklärungen oder bei vorgesehener Standortaufwertung).
- Klasse III: 0-49 % des maximal möglichen Gesamtnutzwertes.
In dieser Klasse stimmen die Muster der Standort- und Zielgruppenprofile am wenigsten überein, somit ist die Nutzungseignung nicht gesichert. Durch Maßnahmen der Standortaufwertung kann sie jedoch hergestellt werden.

Abbildung 2 verdeutlicht noch einmal schematisch das strukturierte Vorgehen bei der Bestimmung der Nutzungseignung von Gewerbeflächen.

Abbildung 2: Vereinfachtes methodisches Vorgehen bei gegebenen Standort- und Zielgruppenprofilen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Fazit

Das in seinen Grundzügen vorgestellte Verfahren zur Aufstellung von Standort- und Zielgruppenprofilen und zur Bestimmung der Standorteignung ist als ein Vorschlag zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen im Rahmen einer differenzierten Standortentwicklung zu verstehen. Aussagen über geeignete Nutzungen sind notwendig, um über eine zielgerichtete Entwicklung und Vermarktung der Gewerbeflächen entscheiden zu können. Der Weg dahin führt über die detailgenaue Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Anforderungen und Gegebenheiten. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht ein zumindest im Ansatz verfolgter qualitativer, verbal-argumentativer Bewertungsprozess, der auf kriterienbezogenen Einzelbewertungen fußt, unter Verwendung eines ordinalen Skalenniveaus.[3] Mit der Festlegung von Transformations- und Aggregationsregeln nach dieser Logik und klar definierten Zielen werden subjektive Bestandteile aus der Bewertung weitgehend herausgenommen.

Erprobt wurde das Verfahren anhand ausgewählter Gewerbegebiete der Stadt Leipzig und Branchen des Verarbeitenden Gewerbes. Es stellte sich heraus, dass einige Standorte besonders gute Voraussetzungen für unternehmerische Aktivitäten bestimmter Branchen bieten, andere wiederum für fasst alle untersuchten Branchen weniger gut geeignet sind.

Quellenangaben

Jacoby, Christian [ Bewertungs- und Entscheidungsmethodik, 2000 ]: Konzeptionelle Ansätze einer Bewertungs- und Entscheidungsmethodik für die raumplanerische Strategische Umweltplanung, unveröffentlichtes Manuskript, Kaiserslautern, 2000

Jacoby, Christian [ Plan-UVP, 1996 ]: Methodische Ansätze einer Plan-UVP in der Flächennutzungsplanung, in: Jacoby, Christian (Hrsg.): Strategische Umweltvorsorge in der Flächennutzungsplanung, Zeitschrift für angewandte Umweltforschung, Sonderheft 7/1996, Berlin, 1996, S. 166-182

Lillich, Lothar [ Nutzwertverfahren, 1992 ]: Nutzwertverfahren, Heidelberg, 1992

Pflügner, Walter [ Nutzwertanalytische Ansätze, 1989 ]: Nutzwertanalytische Ansätze zur Planungsunterstützung und Projektbewertung, in: Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau (Hrsg.): Mitteilungen 19, Bonn, 1989

Zangemeister, Christof [ Nutzwertanalyse, 1971 ]: Nutzwertanalyse in der Systemtechnik, 2. A., Berlin, 1971

Vita

Dipl.-Kfm. Thomas Sorsch, Jahrgang 1970; Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Leipzig, seit September 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Stiftungslehrstuhl Grundstücks- und Wohnungswirtschaft der Universität Leipzig (Professor Dr. Wolfgang Pelzl).

[...]


[1] Vgl. hierzu u.a. Zangemeister, Nutzwertanalyse, 1971; Pflügner, Nutzwertanalytische Ansätze, 1989, S. 93ff; Jacoby, Bewertungs- und Entscheidungsmethodik, 2000, S. 521ff.

[2] Vgl. Lillich, Nutzwertverfahren, 1992, S. 12.

[3] Die verbal-argumentative Bewertung bezieht sich vor allem auf die qualitative Beschreibung der Bestandteile des Transformationsprozesses (Skalensystem) sowie die Interpretation der Ergebnisses des Aggregationsprozesses (Paarvergleich, Grade der Nutzungseignung), die Spielraum für einen offenen und kooperativen Entscheidungsfindungsprozess ermöglichen sollen. Diesen Ansatz verfolgt Jacoby im Zusammenhang mit der Umweltverträglichkeitsprüfung in der Flächennutzungsplanung. Vgl. Jacoby, Plan-UVP, 1996, S. 180.

Ende der Leseprobe aus 323 Seiten

Details

Titel
Bestimmung der Nutzungseignung von Gewerbeflächen für eine differenzierte Standortentwicklung
Hochschule
Universität Leipzig  (Stiftungslehrstuhl Grundstücks- und Wohnungswirtschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
323
Katalognummer
V6500
ISBN (eBook)
9783638140546
Dateigröße
9890 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bestimmung, Nutzungseignung, Gewerbeflächen, Standortentwicklung
Arbeit zitieren
Thomas Sorsch (Autor), 2000, Bestimmung der Nutzungseignung von Gewerbeflächen für eine differenzierte Standortentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6500

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