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Welche Folgen hat das 'free-rider dilemma' für die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di?

Title: Welche Folgen hat das 'free-rider dilemma' für die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di?

Term Paper , 2006 , 15 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Florian Pretz (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Die aktuell andauernden Streiks im Öffentlichen Dienst sind die längsten und teuersten aller Zeiten (Balzli/Tietz/Ulrich 2006: 102). Sie werden organisiert von der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di), die ihre Mitglieder gegen die Implementierung längere Arbeitszeiten im Tarifvertrag protestieren lässt. Doch wer wird am Ende von den Streiks profitieren, wenn der Arbeitskampf der Ver.di erfolgreich ist? Es werden alle Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sein, deren Arbeitgeber den Tarifvertrag anerkennen. Hierbei ist es nicht von Bedeutung, ob die Beschäftigten Mitglied in der Ver.di sind oder nicht und ob sie mit ihrem Mitgliedsbeitrag die Streiks unterstützen. Diese Divergenz zwischen Mitgliedern einerseits und Nichtmitgliedern andererseits ist ein klassisches Fallbeispiel für Olsons ‚free-rider dilemma’ (Trittbrettfahrer-Dilemma). Welche Konsequenzen diese Situation für die Ver.di hat, soll in der folgenden Arbeit unter der Leitfrage: ‚Welche Folgen hat das ‚free-rider dilemma’ für die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di?’ untersucht werden.
Zu Beginn der Arbeit wird die theoretische Basis der Untersuchung beschrieben. Sie wird von Mancur Olsons ‚The logic of collective action’ gebildet. Es geht speziell um die Problematik großer Gruppen bei der Bereitstellung von Kollektivgütern sowie um die Gewerkschaften als einen Sonderfall großer Gruppen. Außerdem wird der Begriff ‚free-rider’ definiert und ein Ausweg aus der Dilemmasituation aufgezeigt. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Praxis anhand der Theorie erklärt. Zuerst wird die Anfälligkeit der bei ihrer Gründung größten deutschen Gewerkschaft (vgl. Müller/Niedenhoff/Wilke 2002: 160) für free-rider analysiert. Anschließend werden die Folgen für die Ver.di dargestellt und empirisches Material eingeführt. Der an dieser Stelle in der Gliederung erfolgte Bruch mit der wissenschaftlichen Praxis dient der Anschaulichkeit. Ausgehend vom Phänomen des free-ridings gliedern sich die Folgen in drei Ordnungen. Die wichtigste Folge ist die Divergenz zwischen beitragszahlenden Mitliedern auf der einen und kollektivgutkonsumierenden Akteuren auf der anderen Seite. Im Folgenden soll diese Gegebenheit als Mitgliederdivergenz bezeichnet werden. Als erste Folge zweiter Ordnung kommt es zu Finanzproblemen innerhalb der Ver.di, die sich besonders im Streik bemerkbar machen, wenn das Streikpersonal eine finanzielle Entschädigung bekommt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mancur Olsons free-rider dilemma in großen Gruppen

3. Warum gibt es free-rider bei der Ver.di?

4. Die free-rider und ihre Folgen für die Ver.di

Folge erster Ordnung: Mitgliederdivergenz

4.1. Folge zweiter Ordnung: Finanzprobleme

4.1.1. Folge dritter Ordnung: Streikprobleme

4.2 Folge zweiter Ordnung: Geschwächte Verhandlungsposition

4.2.1 Folge dritter Ordnung: Bedeutungsverlust

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des „free-rider dilemma“ (Trittbrettfahrer-Problem) auf die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di unter Anwendung der kollektiven Handlungstheorie von Mancur Olson. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche konkreten Folgen diese Divergenz zwischen beitragszahlenden Mitgliedern und Nichtmitgliedern, die dennoch von tariflichen Errungenschaften profitieren, für die gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit hat.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen nach Mancur Olson
  • Untersuchung der strukturellen Anfälligkeit von Ver.di für Trittbrettfahrer
  • Quantifizierung der Trittbrettfahrer-Quote im Öffentlichen Dienst
  • Darstellung der Folgen in drei Ordnungen (Mitgliederdivergenz, Finanzen, Verhandlungsposition)
  • Diskussion von Lösungsstrategien und zukünftigen Handlungsoptionen

Auszug aus dem Buch

2. Mancur Olsons free-rider dilemma in großen Gruppen

Ausgehend von der Grundannahme, dass Organisationen zur Bereitstellung von kollektiven Gütern gegründet werden (vgl. Braun 1999: 105), definiert Olson die Logik kollektiven Handelns in seinem gleichnamigen Werk von 1965. Organisationen sind für Olson Zweckbündnisse, die sich neben ihren Zielen besonders in ihrer Größe unterscheiden. Organisationen erleichtern die Fokussierung auf bestimmte Themen, reduzieren die Interessensheterogenität und vereinfachen die Kommunikation. Das die eigennützig handelnden Akteure (vgl. Braun 1999: 117) einer Gruppe verbindende Argument ist das gemeinsame Interesse. Über dieses Interesse wird die Bereitstellung eines Kollektivgutes zur Erfüllung der gemeinsamen Wünsche beschlossen (vgl. Braun 1999: 105). „Ein Kollektivgut x ist ein Gut, nach dessen Produktion Nichtzahler nicht vom Konsum ausgeschlossen werden können…“ (Schmidt-Trenz 1996: 11). Jedes der Mitglieder hat einerseits ein großes Interesse an der Erstellung dieses Kollektivgutes. Andererseits geht Olsons Theorie davon aus, dass jeder der Akteure den geringsten Beitrag zur Erstellung leisten will (vgl. Olson 1965: 21). Eine Masse nutzenmaximierender Akteure ergibt also zusammen eine Gruppe (vgl. Schmidt-Trenz 1996: 2). An dieser Stelle hebt Olson die Bedeutung der Gruppengröße hervor. Kleine Gruppen können sich erfolgreicher behaupten, erreichen überdimensional oft ihre Ziele und sanktionieren besser als große Gruppe die Nichtteilnahme bei der Erstellung des Kollektivgutes (vgl. Olson 1965: 22-36). Große Gruppen sind Einheiten, in denen sich nicht mehr alle Mitglieder persönlich kennen. Sie sind besonders anfällig für das so genannte free-rider oder Trittbrettfahrer-Dilemma. Damit sind Personen gemeint, die ein Kollektivgut zwar konsumieren, dafür aber nicht bezahlen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Streiks im Öffentlichen Dienst und die Problemstellung der Trittbrettfahrer innerhalb der Gewerkschaft Ver.di.

2. Mancur Olsons free-rider dilemma in großen Gruppen: Erläuterung der theoretischen Basis, insbesondere der Logik kollektiven Handelns und der spezifischen Anfälligkeit großer Gruppen für das Trittbrettfahrer-Dilemma.

3. Warum gibt es free-rider bei der Ver.di?: Analyse der historischen und strukturellen Gründe, die Ver.di anfällig für Trittbrettfahrer machen, unter anderem durch den Fusionsprozess und fehlende selektive Anreize.

4. Die free-rider und ihre Folgen für die Ver.di: Detaillierte empirische Einordnung der Trittbrettfahrerquote und Analyse der daraus resultierenden negativen Auswirkungen in drei Ordnungen.

Folge erster Ordnung: Mitgliederdivergenz: Erörterung der Kluft zwischen zahlenden Mitgliedern und konsumierenden Nichtmitgliedern als Ursprung weiterer Probleme.

4.1. Folge zweiter Ordnung: Finanzprobleme: Darstellung der finanziellen Belastungen, die durch sinkende Mitgliederbeiträge entstehen und die Gewerkschaftsbasis schwächen.

4.1.1. Folge dritter Ordnung: Streikprobleme: Untersuchung, wie Finanzengpässe die Streikfähigkeit und damit die Durchsetzungskraft der Gewerkschaft direkt einschränken.

4.2 Folge zweiter Ordnung: Geschwächte Verhandlungsposition: Beschreibung des Machtverlustes gegenüber Arbeitgebern aufgrund von sinkendem Drohpotenzial.

4.2.1 Folge dritter Ordnung: Bedeutungsverlust: Reflexion über die langfristigen, existentiellen Risiken für die Rolle der Gewerkschaft in der Gesellschaft.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion möglicher Lösungsstrategien wie neue Anreizsysteme oder inhaltliche Neuorientierungen.

Schlüsselwörter

Ver.di, free-rider dilemma, Trittbrettfahrer, kollektives Handeln, Mancur Olson, Gewerkschaft, Streik, Mitgliederdivergenz, Kollektivgut, Finanzprobleme, Verhandlungsposition, Organisationsgrad, selektive Anreize, Arbeitskampf, Tarifverträge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Trittbrettfahrer-Problems auf die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaft Ver.di.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Logik kollektiven Handelns, gewerkschaftliche Anreizstrukturen, Finanzierungsfragen von Streiks und die Verhandlungsmacht von Arbeitnehmerorganisationen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Einfluss der Trittbrettfahrer-Quote im Öffentlichen Dienst auf die strategische Position der Ver.di zu quantifizieren und mögliche Lösungswege aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse nach Mancur Olson, kombiniert mit einer empirischen Datenbetrachtung zur Mitgliederstruktur und Finanzsituation der Ver.di.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert die Folgen des Trittbrettfahrens in drei logische Ordnungen: Mitgliederdivergenz, daraus resultierende Finanz- und Streikprobleme sowie die langfristige Schwächung der Verhandlungsposition.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind unter anderem Ver.di, free-rider dilemma, kollektive Güter, Streik, Gewerkschaftsfinanzen und Verhandlungsmacht.

Welche Rolle spielt der Fusionsprozess von 2001 für die aktuelle Problematik?

Der Fusionsprozess löste gewachsene Sozialbeziehungen auf, veränderte Anreizstrukturen negativ und führte zu einem hohen Austritt von Mitgliedern, was die Trittbrettfahrer-Problematik verschärfte.

Wie könnten laut Autor die Folgen des Trittbrettfahrer-Problems gemindert werden?

Mögliche Ansätze umfassen die Einführung neuer selektiver Anreize, eine inhaltliche Neuorientierung, staatliche Unterstützung oder eine stärkere Kopplung von Tarifverträgen an die Mitgliedschaft.

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Details

Title
Welche Folgen hat das 'free-rider dilemma' für die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di?
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Grundseminar Wirtschaft und Gesellschaft
Grade
1,7
Author
Florian Pretz (Author)
Publication Year
2006
Pages
15
Catalog Number
V65023
ISBN (eBook)
9783638576864
ISBN (Book)
9783656777977
Language
German
Tags
Welche Folgen Dienstleistungsgewerkschaft Grundseminar Wirtschaft Gesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Pretz (Author), 2006, Welche Folgen hat das 'free-rider dilemma' für die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65023
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