Die Arbeit „chinesische und westliche Auffassungen zum Terrorismus“ entstand im Jahre 2005 im Rahmen eines Hauptseminars am Institut für Außereuropäische Sprachen und Kulturen (Lehrstuhl für Sinologie) unter der Leitung von Professorin Dr. Motsch.
Ziel dieser Seminararbeit ist es, einen Überblick über die Auffassungen der westlichen und der chinesischen Gesellschaft zum Begriff des Terrorismus zu geben. Dabei spielt die Frage, wo die Grenzen für einen gerechtfertigten gewaltsamen Widerstand liegen, eine zentrale Rolle.
Um auf diese Frage eine mögliche Antwort zu finden, wird zunächst ein Überblick über die Entwicklungsgeschichte des Terrorismus gegeben und auf die unterschiedlichen Erscheinungsformen eingegangen. Beispiele dieser Entwicklung sind unter anderem das „regime de la terreur“ (Französische Revolution), die Gruppe „Narodnaja Voljia“ (im zaristischen Russland), Staatsterror, die PLO (Palestine Liberation Organization) und die Organisation „Al Qaida“. Ferner wird auf die Begrifflichkeit an sich und die damit verbundenen Kriterien für Definitionen von Terrorismus eingegangen.
Im zweiten Teil werden Auffassungen chinesischer Autoren zum Terrorismus diskutiert. Hierbei wird deutlich, dass der Terrorismusbegriff in den chinesischen Quellen sich größtenteils mit den Definitionen westlicher Autoren deckt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Betrachtung in diesem Abschnitt sich auf ausgewählte Texte aus dem Internet stützt und somit keinen umfassenden Überblick über die Diskussion in den chinesischen Medien gewährt. Dennoch lassen sich aus den betrachteten Onlinemedien interessante Erkenntnisse gewinnen. Unterschiedliche Interpretationen basieren zum Beispiel auf einem besonderen Augenmerk der Autoren auf dem Kampf der ´Schwachen´ gegen die ´Starken´, also einem Kampf von Personen mit geringer politischer Macht gegen solche mit politischer Macht. Dieser Aspekt erscheint insbesondere deshalb von Interesse, weil er in der Diskussion über den „gerechten“ Terrorismus als Grundlage dient.
Am Ende der Arbeit wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede westlicher und chinesischer Auffassungen hingewiesen. Neben einer breiten Übereinstimmung beider Auffassungen lassen sich einige grundlegende Unterschiede festhalten, zum Beispiel bei einer möglichen Antwort auf die Frage nach einem gerechtfertigten Terrorismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Ein Recht auf Terrorismus?
2. Chinesische und westliche Auffassungen zum Terrorismus
Artikel I.2.1 Westliche Auffassungen zum Terrorismus
2.1.1. Die Geschichte des Terrorismus
2.1.2. Terrorismusdefinitionen
2.1.3. Erscheinungsformen des Terrorismus
2.2 Chinesische Auffassungen zum Terrorismus
2.2.1. Der Terrorismusbegriff in den Online Medien
2.2.2. Beispiele des Terrors
2.2.3. Der ´gerechte´ Terrorismus
3. Anmerkungen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Auffassungen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Auffassungen von westlichen Gesellschaften und China zum Begriff Terrorismus. Dabei wird analysiert, wie sich die Definitionen in beiden Kulturkreisen unterscheiden und wo die Grenzen für einen als gerechtfertigt angesehenen, gewaltsamen Widerstand gegen Regierungen oder Unterdrückung gezogen werden können.
- Historische Entwicklung des Terrorismus im westlichen Kontext
- Vergleichende Analyse von Terrorismusdefinitionen
- Erscheinungsformen und globale Dynamiken des Terrorismus
- Chinesische Perspektiven und deren mediale Darstellung
- Legitimitätsfragen bei politisch motivierter Gewalt
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Die Geschichte des Terrorismus
Um eine gewisse Vorstellung zu bekommen, was Terrorismus sein könnte, ist es sinnvoll einen Überblick über die historische Entwicklung des Terrorismus zu geben:
Der Terrorismus hat sich im Laufe der Zeit ständig fortentwickelt. Dies erkennt man an folgenden Zitaten von Maximilian Robespierre: „Tugend, ohne die der Terror ein Übel ist; Terror, ohne den die Tugend hilflos ist…Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit, er stellt daher eine Ausdrucksform der Tugend dar,“ Gerhard Schröder (2001): „Die Menschenrechte sind die große Errungenschaft und das Erbe der Europäischen Aufklärung. Diese Werte der Menschenwürde, der freiheitlichen Demokratie und der Toleranz sind unsere große Stärke im Kampf gegen den Terrorismus. Sie sind das, was unsere Völker- und Staatengemeinschaft zusammenhält, und sie sind das, was die Terroristen zerstören wollen.“ Wie kam es also zu solch unterschiedlichen Auffassungen zum Terrorismus?
Die historischen Wurzeln des Begriffs Terrorismus reichen in das 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurde ein System geschaffen, das man „regime de la terreur“ nannte (Französische Revolution). Ziel dieses Systems war die Durchsetzung von Ordnung und Herrschaftsansprüchen und war somit ein Instrument der Regierenden. Man wollte dadurch konterrevolutionäre Bestrebungen unterbinden, potentielle Gegner fernhalten und richtete diese Volksfeinde sogar hin. Somit war der Begriff damals mit Idealen wie Tugend und Demokratie eng verbunden. Für Maximilian Robespierre war Terror somit „eine Ausdrucksform der Tugend.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ein Recht auf Terrorismus?: Einführung in die Thematik der Arbeit mit einer Reflexion darüber, ob und unter welchen Bedingungen gewaltsamer Widerstand als legitim oder gerechtfertigt angesehen werden kann.
2. Chinesische und westliche Auffassungen zum Terrorismus: Dieser Hauptteil vergleicht die unterschiedlichen Begriffsverständnisse, historischen Entwicklungen und Erscheinungsformen des Terrorismus zwischen westlichen Staaten und China.
3. Anmerkungen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Auffassungen: Synthese der Analyseergebnisse, die Gemeinsamkeiten in der Kategorisierung aufzeigt, aber fundamentale Unterschiede in der Interpretation von Staatsterror und der Ursachenanalyse hervorhebt.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Gewalt, Legitimität, China, Westliche Gesellschaften, Definition, Staatsterror, Ideologie, Widerstand, Freiheitskämpfer, Al-Qaeda, Konflikt, Politik, Militär, Radikalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die unterschiedlichen Auffassungen von westlichen Gesellschaften und der Volksrepublik China zum Begriff Terrorismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Entwicklungsgeschichte des Terrorismus, die Komplexität der Definitionsfindung, verschiedene Erscheinungsformen sowie die Frage nach der Legitimität von Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Sichtweisen beider Gesellschaften zu geben und zu klären, wo die Grenzen zwischen einem gerechtfertigten gewaltsamen Widerstand und Terrorismus liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die sowohl westliche Literatur als auch chinesische Internet-Quellen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung westlicher Auffassungen (inklusive Definitionen und Historie) sowie eine detaillierte Analyse chinesischer Perspektiven, einschließlich spezieller Begriffsbildungen in chinesischen Online-Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Terrorismusdefinitionen, Legitimität politischer Gewalt, chinesische und westliche Perspektiven sowie den Vergleich zwischen Guerillakampf und Terrorismus geprägt.
Warum unterscheidet sich die chinesische Sicht auf Terrorismus teilweise von der westlichen?
Dies liegt unter anderem daran, dass chinesische Quellen oft keinen Unterschied zwischen staatlichem Terror und dem Terrorismus nicht-staatlicher Akteure treffen und häufiger das Konzept eines Kampfes zwischen „Schwachen und Starken“ zur Erklärung heranziehen.
Welche Bedeutung kommt dem „gerechten“ Terrorismus in der Arbeit zu?
Dieser Abschnitt diskutiert die philosophische und politische Frage, ob Terrorismus unter bestimmten Bedingungen – etwa als Kampf eines unterdrückten Volkes gegen Besatzer – legitimiert werden kann, wobei die Arbeit letztlich die Schwierigkeit einer klaren Grenzziehung betont.
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- Sinologe, M.A. Markus Schilling (Author), 2005, Chinesische und westliche Auffassungen zum Terrorismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65033