Zu Beginn der Arbeit wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung der systemischen Therapieform gegeben und es finden sich einige Definitionen und Erklärungen, die für das Verständnis der Arbeit und die Heranführung an das Thema wichtig sind. Anschließend folgt eine Einführung in den sozialen Konstruktionismus nach KENNETH J. GERGEN, der sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen im Austausch miteinander „Wirklichkeit“ erzeugen, die dann im Rahmen therapeutischer Prozesse im Sinne einer geringeren Belastung oder eines größeren Entwicklungsrahmens für den Klienten auch umgestaltet werden kann.
Für die narrative Therapie ist dieser Gedanke unverzichtbar, denn wenn Realität durch Sprache konstruierbar ist, lassen sich Probleme aus einem anderen als dem gewohnten Blickwinkel betrachten und können dadurch an negativer Bedeutung verlieren. DAVID EPSTON und MICHAEL WHITE, die beiden Hauptvertreter der narrativen Therapie, greifen diese Idee auf. In ihrer Therapieform lassen sich Ängste, die sie metaphorisch als „Monster“ bezeichnen, mit Sprache „bändigen“. In der Ausführung dieses Ansatzes, finden sich einige Beispiele aus der Praxis – auch bezogen auf die Arbeit mit Kindern, die der Verdeutlichung und Anschauung dienen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Systemische Beratung
2.1 Definition: Beratung
2.2 Definition: Systemische Beratung
2.3 Historischer Hintergrund: Systemische Beratung – Narrative Therapie
2.4 Systemisches Verständnis von Problemen
2.5 Die Bedeutung der Sprache in der Therapie und die Rolle des Therapeuten
3 Sozialer Konstruktionismus – KENNETH J. GERGEN
3.1 Konstruktionismus und Konstruktivismus
3.2 Einführung in die Gedanken KENNETH J. GERGENs
3.3 Objektivität und Wahrheit im Verständnis des sozialen Konstruktionismus
3.4 Narratives Paradigma
4 EPSTON / WHITE : Der narrative Ansatz in der Familientherapie
4.1 Einführung
4.2 Externalisierung
4.3 Einmalige Ereignisfolgen
4.4 Transformation von Erzählungen
4.5 Das geschriebene Wort in der Therapie
4.6 „Monster zähmen“ - Narrativer Ansatz zum Umgang mit Kinderängsten
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die narrative Beratung und Therapie im Kontext systemischer Ansätze, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie durch Sprache und die Konstruktion neuer Wirklichkeiten Belastungen gemindert und Entwicklungspotenziale für Klienten erschlossen werden können.
- Grundlagen und Definitionen der systemischen Beratung
- Sozialer Konstruktionismus nach Kenneth J. Gergen als theoretisches Fundament
- Methoden des narrativen Ansatzes nach Epston und White (z. B. Externalisierung, Dokumentation)
- Praktische Anwendung narrativer Techniken in der Arbeit mit Kindern
- Die Rolle von Sprache und Dialog im therapeutischen Prozess
Auszug aus dem Buch
4.6 „Monster zähmen“ - Narrativer Ansatz zum Umgang mit Kinderängsten
MICHAEL WHITE beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit einem alternativen Umgang mit Kinderängsten. Er entwickelte ein Interventionsverfahren, welches zunächst einmal die Aufrechterhaltung der Angst durch die Eltern unterbricht und schließlich zu einer nicht-bedrohlichen Beschreibung des Problems hinführt. Anschließend entwickelt er stets „ein strukturiertes Ritual zum Angriff auf den Lebensstil der Angst“ (WHITE 1986: 283).
Die Ängste, denen WHITE sich widmet, reichen von einer allgemeinen Ängstlichkeit bis hin zu Phobien und zwanghaften Verhaltensweisen (vgl. ebd.). Er entdeckte, dass Kinder eher bereit sind in einer Therapie erfolgreich mitzuwirken, wenn sie nicht direkt beschuldigt werden, beispielsweise „das ungezogene Kind“ zu sein (vgl. SCHLIPPE/SCHWETZER 1996: 170).
Im Sinne der Externalisierung, die WHITE im Laufe der Jahre in seiner Arbeit mit Kindern entwickelte, werden die Kinder dazu ermutert, ihren Ängsten ein Gesicht, eine Gestalt zu geben. Als Therapeut klärt er die Kinder auf, dass „das Aufzeichnen der Ängste der erste Schritt sei, sie zu fangen und zu zähmen“ (WHITE 1986: 286). Auch in diesem Kontext wird versucht zu formulieren, wie „die Monster“ das Familienleben prägen. Oftmals sei für Kinder schwierig diesen Einfluss zu formulieren, so dass man hier indirekt vorgehen müsse (vgl. ebd.). WHITE beschreibt hierzu ein Verfahren zur Stärkung des Selbstbewusstseins des Kindes, indem ihm einige Fragen willkürlich gestellt werden und es anschließend gefragt wird, wie es dazu komme, alle Fragen für eine höhere Altersstufe richtig zu beantworten (vgl. 1986: 286f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und Einführung in das Thema narrative Therapie im systemischen Kontext.
2 Systemische Beratung: Definition der Beratung und Erläuterung des systemischen Verständnisses von Problemen sowie der Rolle der Sprache.
3 Sozialer Konstruktionismus – KENNETH J. GERGEN: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Konstruktionismus und dessen Bedeutung für die Erzeugung von Wirklichkeit.
4 EPSTON / WHITE : Der narrative Ansatz in der Familientherapie: Vorstellung der Kernmethoden wie Externalisierung, Arbeit mit Briefen und der Umgang mit Kinderängsten.
5 Schluss: Reflexion über die Übertragbarkeit der narrativen Konzepte auf pädagogische Arbeitsfelder.
Schlüsselwörter
Narrative Therapie, Systemische Beratung, Sozialer Konstruktionismus, Externalisierung, Kenneth J. Gergen, Epston und White, Kommunikation, Wirklichkeitskonstruktion, Kinderängste, Beratungsmethoden, Familientherapie, Sprache, Problemdefinition, Therapeutische Rolle, Dokumentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem narrativen Beratungs- und Therapieansatz innerhalb des systemischen Rahmens und untersucht dessen theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die systemische Beratung, den sozialen Konstruktionismus nach Kenneth J. Gergen sowie die spezifischen narrativen Methoden von Epston und White.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Nutzen narrativer Konzepte für die therapeutische Arbeit darzustellen und aufzuzeigen, wie Sprache und Geschichte als Werkzeuge zur Problembewältigung und Neugestaltung von Wirklichkeit dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung sowie die Analyse bestehender systemischer und narrativer Fachliteratur, ergänzt durch praktische Beispiele aus der Therapie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Konstruktionismus), die methodischen Ansätze (Externalisierung, geschriebenes Wort) und die gezielte Anwendung in der Kindertherapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Narrative Therapie, Sozialer Konstruktionismus, Externalisierung und Systemische Beratung sind die tragenden Begriffe der Untersuchung.
Was ist der Kern des "Monster-Konzepts" in der Arbeit mit Kindern?
Hierbei werden Ängste als „Monster“ externalisiert und durch spielerische Rituale (wie das Zeichnen und das „Fangen“ in Schachteln) für das Kind kontrollierbar und bewältigbar gemacht.
Warum ist das "geschriebene Wort" in der Therapie laut Epston und White so bedeutend?
Briefe und Zertifikate dienen als sichtbare Beweise für erreichte Veränderungen und bieten Klienten die Möglichkeit, ihre Fortschritte langfristig zu verankern und sich selbst als Autor ihrer Lebensgeschichte wahrzunehmen.
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- Daniela Becker (Author), 2006, Narrative Beratung und Therapie im Kontext systemischer Ansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65058