1. Einleitung
Ich möchte mich in meiner folgenden Arbeit mit dem Thema des Suizids im höheren Lebensalter befassen und hauptsächlich auf das Alter ab dem 65. Lebensjahr eingehen, da ab diesem Zeitpunkt eine stetige Zunahme der Suizidrate zu bemerken ist.
Aufmerksam auf dieses Thema bin ich einerseits geworden, da ich in meinem persönlichen Freundeskreis schon mit einem Suizidfall konfrontiert wurde und mich dieser sehr schockiert hatte.
Speziell auf das Thema des Altersuizids bin ich über meine Mutter gekommen, da sie in der Psychiatrie (Gerontologie) tätig ist und sie mir immer wieder berichtet, dass sich ein älterer Patient das Leben genommen habe. Oftmals sind die Patienten aufgrund eines bereits begangenen Selbstmordversuches in Behandlung, doch kommt es auch vor, dass ein Mensch, der vorher noch nie eine Selbstmordhandlung begangen hat, sich plötzlich und unerwartet das Leben nimmt.
Da diese Problematik leider kein Einzelfall ist und der Suizid ubiquitär ist, also überall vorkommen kann, möchte ich mich mit diesem Thema näher beschäftigen.
Es stellt sich mir nun die Frage, warum Menschen im höheren Alter mit dem Gedanken spielen sich das Leben zu nehmen und diesen auch in die Tat umsetzen? Meist ist nicht ein Problem allein der Auslöser, sondern folgt auf das Zusammenwirken verschiedener Probleme oder Ereignisse dieser letzte Schritt. Doch um welche Probleme und Ereignisse handelt es sich dabei konkret? Spielen vielleicht sogar gesellschaftliche Faktoren bei der Entscheidung der Selbsttötung eine wichtige Rolle? Diese Fragen werden in meiner Arbeit den Schwerpunkt darstellen, mit denen ich mich hauptsächlich auseinandersetzen werde.
Trägt tatsächlich die Gesellschaft einen Teil zu der Entscheidung der Selbsttötung bei, stellt sich mir die Frage, wie man diese Beeinflussung durch die Gesellschaft vermindern oder gar unterbinden kann. Entscheidend ist sicherlich, dass man frühzeitig erkennt, wenn ein älterer Mensch mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen. Daher überlege ich mir, wie man eigentlich einen Suizidgefährdeten Menschen erkennen kann, und wie man Hilfe leisten kann?
In dieser Studienarbeit will ich nun versuchen diese Fragen zu beantworten und dabei auch zeigen, dass dieses Thema von der Gesellschaft nicht länger tabuisiert und vor allem nicht bagatellisiert werden darf, sondern alle Menschen den Suizid ernst nehmen und den Gedanken daran nicht verdrängen sollten.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Definition von Suizid
2.2 Definition des Alters
3. Theorien des Selbstmordes nach Durkheim
3.1 Der egoistische Suizid
3.2 Der altruistische Suizid
3.3 Der anomische Suizid
4. Motive und Ursachen des Alterssuizids
4.1 Psychische Erkrankungen
4.2 Körperliche Erkrankungen
4.3 Soziale Bedingungen
5. Selbstmordarten
6. Häufigkeit und Verbreitung von Alterssuizid
7. Prävention
7.1 Mögliche Anzeichen einer Suizidhandlung
7.2 Nach dem Suizid – was ist zu tun?
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der steigenden Suizidrate bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr und untersucht, welche soziologischen sowie psychologischen Faktoren diesen Prozess beeinflussen und wie die Gesellschaft darauf reagieren sollte. Die zentrale Forschungsfrage ist, warum ältere Menschen den Entschluss zur Selbsttötung fassen und wie dieser Tendenz durch Prävention und soziale Integration entgegengewirkt werden kann.
- Soziologische Suizidtheorien nach Emile Durkheim
- Psychische und körperliche Auslöser im Alter
- Der Einfluss gesellschaftlicher Isolation
- Präventionsansätze und Früherkennung
- Umgang mit Hinterbliebenen nach einem Suizid
Auszug aus dem Buch
3.1 Der egoistische Selbstmord
Egoismus (lat. ego = ich) ist die Bezeichnung „(…) einer Haltung, in der die Verfolgung eigener Zwecke vor anderen (gemeinsamen) Zwecken als das zentrale Handlungsbestimmende Motiv gesehen wird.“6
Dieser erste Selbstmordtyp, den Durkheim betrachtet, „umfasst die meisten Selbstmorde, die wegen physischer und psychischer Krankheit sowie als Folge schwerer Entbehrung oder schweren persönlichen Verlustes begangen werden.“ 7
Kennzeichnend für den egoistischen Selbstmord ist, dass das gemeinschaftliche Bewusstsein zerfällt und dieses Gefühl der Ausgrenzung den Selbstmord fördert. Dabei steigt aber auch die Bedeutung der persönlichen Gefühle, was dazu führt, dass sich die Einzelpersönlichkeit über die Gesellschaft stellt. Bei einer starken Integration in die Gesellschaft wird jedes Individuum bei persönlichen Misserfolgen von der Kraft des gesamten Kollektivs aufgefangen. Befindet sich das Individuum jedoch außerhalb, ist es auf sich allein gestellt und muss sein persönliches Scheitern in bestimmten Situationen selbst ertragen und damit umgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der persönlichen Motivation sowie Darlegung der Relevanz des Suizids im Alter als gesellschaftliches Problem.
2. Definitionen: Begriffliche Klärung von Suizid, Suizidalität und die Definition des Alters als Lebensabschnitt im soziologischen und biologischen Kontext.
3. Theorien des Selbstmordes nach Durkheim: Darstellung der drei Suizidtypen nach Durkheim zur soziologischen Erklärung der gestörten Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft.
4. Motive und Ursachen des Alterssuizids: Analyse der vielseitigen Faktoren, unterteilt in psychische Erkrankungen, körperliche Gebrechen und soziale Desintegration.
5. Selbstmordarten: Untersuchung unterschiedlicher Suizidmethoden und der Tendenz älterer Menschen zu „harten“ Methoden, die kaum Rettungsspielraum lassen.
6. Häufigkeit und Verbreitung von Alterssuizid: Erörterung der Suizidraten im Alter im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen unter Berücksichtigung von Dunkelziffern.
7. Prävention: Abgrenzung von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention sowie Aufzeigen von Anzeichen und Hilfsstrategien.
8. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Alterssuizids als gesellschaftliche Herausforderung, die mehr Aufmerksamkeit und soziale Integration erfordert.
Schlüsselwörter
Alterssuizid, Suizidalität, Emile Durkheim, Soziale Isolation, Alterskrankheiten, Prävention, Selbsttötung, Gesellschaftliche Integration, Quartäre Sozialisation, psychische Gesundheit, Krisenintervention, Sterbehilfe, Seniorenbetreuung, Freitod, Hinterbliebenenhilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Suizids im höheren Lebensalter und analysiert, warum Menschen ab 65 Jahren vermehrt Suizidgedanken entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziologische Suizidtheorie, der Einfluss gesellschaftlicher Normen, psychische und physische Belastungen im Alter sowie präventive Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Alterssuizid kein reines Schicksal, sondern ein ernst zu nehmendes gesellschaftliches Problem ist, dem durch bessere Integration begegnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf soziologischen Erklärungsmodellen von Emile Durkheim und psychologischen Ansätzen zum Alterssuizid basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Motive (wie Krankheit oder Einsamkeit) sowie die verschiedenen Typen des Suizids nach Durkheim im Kontext des Alterns detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alterssuizid, soziale Integration, Depression im Alter, Prävention und die Bedeutung der sozialen Rolle des älteren Menschen.
Warum spielt die soziale Stellung im Alter eine so wichtige Rolle für das Suizidrisiko?
Der Austritt aus dem Berufsleben und der Verlust der gewohnten gesellschaftlichen Rolle führen oft zu Nutzlosigkeit und Isolation, was das Suizidrisiko laut der vorliegenden Untersuchung stark erhöht.
Wie unterscheiden sich "harte" und "weiche" Suizidmethoden bei älteren Menschen?
Ältere Menschen wählen statistisch gesehen häufiger "harte" und gewaltsamere Methoden, die eine Rettung nahezu unmöglich machen, was auf eine hohe Entschlossenheit hindeutet.
- Quote paper
- Dipl.-Soz.päd. (BA) Sabrina Radtke (Author), 2003, Suizid im Alter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65065