Die Kosten der Inflation

Ein Überblick über makroökonomische Fehlallokationen, verursacht durch Steigerungen des Preisniveaus


Hausarbeit, 2006
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Darstellungs- und Tabellenverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inflation und ihre Gründe

3 Die antizipierte und nicht antizipierte Inflation

4 Darstellung der Kosten von nicht antizipierter Inflation
4.1 Fehlallokation durch gestörte Preiswahrnehmung
4.2 Kosten durch Preisrigiditäten
4.2.1 Menu Costs
4.2.2 Nominal Lock-in
4.3 Verzerrungen im Bereich der Steuern
4.4 Transaktionskosten
4.5 Vermögensumverteilung

5. Kosten bei antizipierter Inflation

6. Historischer Rückblick: Inflation 1914-1923

7. Fazit

IV Anhang

V Literaturverzeichnis

II Darstellungs- und Tabellenverzeichnis

Darstellung 1: Inflation in Deutschland 1914 - 1923

Darstellung 2: Durchschnittliche Reallöhne ungelernter Eisenbahnarbeiter

Darstellung 3: Verteilung des deutschen Volkseinkommens 1913 und 1925

Tabelle 1: Entwicklung der Inflation 1914 - 1923

Tabelle 2: Entwicklung der Reallöhne 1920 - 1923

Tabelle 3: Aufteilung des Volkseinkommens 1913 und 1925

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Zweifelsohne ist der Begriff Inflation negativ geprägt. Mit diesem werden Zeiten der politischen Instabilität und des wirtschaftlichen Chaos assoziiert. Vielen in Deutschland lebenden Menschen sind entweder aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen und Aufzeichnungen die Ereignisse bekannt, die sich sowohl nach dem ersten als auch in der Zeit des 2.Weltkriegs[1] zugetragen haben: Preise, die täglich um ein Vielfaches steigen und Geld, das seine Funktion als Tauschmittel fast vollständig verliert. Aber auch in der darauffolgenden Zeit bis heute ist in den Industrienationen Inflation aufgetreten. Die US-amerikanischen Verbraucherpreise stiegen im Zeitraum von 1965‑1980 durchschnittlich um 9,5% pro Jahr, die britischen im Jahr 1975 um 24,2%.[2] Die negativen Erinnerungen an diese Entwicklungen scheinen so stark in die heutige Wirtschaftspolitik auszustrahlen, dass der Bekämpfung der Inflation höchste Priorität beigemessen wird. So schreibt eines der vier in Artikel 121 I des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft festgelegten Konvergenzkriterien vor, dass die Inflation in den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht deutlich höher sein darf, als sie in jenen dreien ist, welche die größte Preisstabilität aufweisen.

Diese Hausarbeit befasst sich mit den durch Inflation hervorgerufenen Kosten und versucht sich der Fragestellung zu nähern, ob die Forderung des Europäischen Rates nach Inflationsraten von unter 3% (vgl.Europäische Kommission 1997, S.27) wissenschaftlich fundierte Gründe hat. Dies wäre dann der Fall, wenn durch Preissteigerungen tatsächlich signifikante soziale oder monetäre Kosten entstehen. Besonders das oft als erstes ins Feld geführte Argument, dass eine willkürliche Umverteilung der Vermögen erfolgt, wird sich im Laufe dieser Ausarbeitung als weniger unbestreitbar erweisen, als es auf den ersten Blick zu sein scheint.

2 Inflation und ihre Gründe

Als Inflation wird ein dauerhaftes Ansteigen des allgemeinen Güterpreisniveaus verstanden (vgl.Hardes et al. 1995, S.288). Dauerhaft bedeutet, dass saisonale Schwankungen von Preisen, z.B. bei Obst oder Getreide, keine Beachtung finden. Das Ausmaß der Inflation wird durch die Inflationsrate ausgedrückt. Sie gibt an, um wie viel Prozent das Preisniveau innerhalb eines bestimmten Zeitraums, meist eines Jahres, gestiegen ist (vgl.Dornbusch u. Fischer 1989, S.14).

Für den Anstieg des Preisniveaus kommen verschiedene Gründe in Frage. Oft wirken auch mehrere zusammen oder eine Trennung von Ursache und Wirkung erscheint schwierig. Eine Möglichkeit, die Ursachen von Inflation näher zu beschreiben, bietet die von Irving Fisher aufgestellte Fishergleichung, auch Quantitätsgleichung genannt:[3]

M * v = G * p

Hierbei steht M für die sich momentan im Umlauf befindliche Geldmenge, v für die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, G für die angebotene Gütermenge und p für das Preisniveau. Die linke Seite verkörpert die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in Form des nachfragewirksam werdenden Geldes, die rechte Seite das gesamtwirtschaftliche Angebot in Form der in Preisen bewerteten Gütermenge (vgl.Dahl 1988, S. 334).

Die angebotsinduzierte Inflation erscheint derzeit besonders bedeutend. Eine Erhöhung der Ölpreise führt durch steigende Produktionskosten zu einer Verlagerung der gesamtwirtschaftlichen Angebotskurve nach links. In Folge dieser Verschiebung steigt c.p. das Preisniveau. Der Preis als Indikator für die Knappheit der Güter nimmt seine Rationierungsfunktion wahr. Auf die Quantitätsgleichung übertragen bedeuten höhere Produktionskosten eine Verknappung des Güterangebotes G. Unter der Annahme einer gleichbleibenden Geldmenge M und Umlaufgeschwindigkeit v führt dies zwangsläufig zu einem steigenden Preisniveau.[4] Der gleiche Effekt tritt bei einer Erhöhung der Produktionskosten durch Lohnsteigerungen ein. Inflation kann auch durch unvollkommene Marktgegebenheiten bedingt sein. Ein Monopolist ist in der Lage, die angebotene Gütermenge zu beschränken und so höhere Preise zu fordern, sofern die Konsumenten das betreffende Gut nicht substituieren können (vgl.Dahl 1988, S.334).

Neben der angebotsinduzierten Inflation kommt es vor, dass in konjunkturellen Hochphasen Preissteigerungen durch einen Nachfragesog ausgelöst werden. Die Nachfrage nach Gütern wächst dann über deren Angebot hinaus (vgl.Preißer 1993, S.95), was sich in einer Erhöhung der Geldmenge durch vermehrte Kreditaufnahme oder in einer höheren Umlaufgeschwindigkeit[5] des Geldes ausdrückt. Damit die Fishergleichung weiter erfüllt ist, muss sich entweder die angebotene Gütermenge oder ‑was kurzfristig deutlich leichter realisierbar ist‑ das Preisniveau erhöhen.

Drei weitere aus der Vielzahl der hier nicht abschließend aufgeführten Gründe für Preissteigerungen sind die importierte, die durch Erwartungshaltungen hervorgerufene und die durch expansive Geldpolitik verursachte Inflation.

Im Fall der importierten Inflation steigen die Preise von nicht substituierbaren Importgütern. Die Gründe für die Preissteigerungen des Importgutes liegen außerhalb der betrachteten Volkswirtschaft, und dennoch steigt das Preisniveau. Von importierter Inflation wird auch dann gesprochen, wenn durch hohe Außenhandelsüberschüsse das Einkommen der Exporteure erhöht, das Güterangebot innerhalb der Volkswirtschaft durch die Warenausfuhr verringert, und auf diese Weise eine Erhöhung des Preisniveaus verursacht wird (vgl.Preißer 1993, S.96).

Bei der durch Erwartungshaltungen hervorgerufenen Inflation kommt es deshalb zu Preissteigerungen, weil diese erwartet werden (Self-Fulfilling Prophecy). Die Wirtschaftssubjekte beziehen ihre Inflationserwartungen in ihre Handlungen und Forderungen ein. Erwarten z.B. Arbeitnehmerverbände eine bestimmte Inflation, werden sie versuchen, Lohnsteigerungen in den Tarifverträgen in entsprechender Höhe zu vereinbaren. Auf Grund eines höheren Einkommens führt alleine diese Vereinbarung zu einer steigenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und somit zu inflationären Tendenzen (vgl.Preißer 1993, S.95).

Wird die Geldmenge auf Initiative der Zentralbank erhöht, ist zu erwarten, dass das Preisniveau bei gleichbleibendem Güterangebot und konstanter Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ebenfalls steigt[6] (vgl.Deutsche Bundesbank 2005, S.18).

[...]


[1] Auf Grund der staatlichen Preisregulierung während und direkt im Anschluss an den 2.Weltkrieg vollzogen sich die Preissteigerungen nicht auf dem regulären, sondern auf dem Schwarzmarkt. Dieser Entwicklung wurde erst am 20. Juni 1948 mit der Währungsreform ein Ende gesetzt (vgl.Hardes et al. 1995, S.21).

[2] Die Daten sind auf der Internetseite des U.S. Bureau of Labor Statistics http://data.bls.gov/PDQ/servlet/SurveyQutputServlet und auf der Internetseite des Office of National Statistics http://www.statistics.gov.uk/statbase/tsdataset.asp?vlnk=7172u.More=Y abrufbar (eingesehen am 01.11.2005).

[3] Die nachfolgende Verwendung der Fishergleichung als Erklärung von dynamischen Kausalzusammenhängen, wie sie bei Samuelson u. Nordhaus (1987, Band1, S.503f.) und Dahl (1988, S.357f.) zu finden ist, ist umstritten, da diese eine Tautologie enthält und im Grunde nur eine mathematische Bedingung formuliert, welche aus der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes v=BIP/M=G*p/M abgeleitet und per definitionem stets erfüllt ist (vgl.McCallum 2004, S.1f.).

[4] Die Annahme, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes v konstant ist und die Geldmenge durch geldpolitische Maßnahmen fixiert werden kann, hat ihren Ursprung in der naiven Quantitätstheorie und stellt eine starke Vereinfachung dar. Gemäß dieser hängt v von der Einkommensstruktur und dem Zahlungsverhalten ab und ändert sich kurzfristig nicht (vgl.Samuelson u. Nordhaus 1987, Band1, S. 503f.).

[5] An dieser Stelle wird sich von der These einer konstanten Umlaufgeschwindigkeit v gelöst, die fragliche Annahme, dass die Geldmenge exogen gegeben ist und keine Korrelation zu v besteht, jedoch beibehalten (vgl.Cottrell 1997, S.1ff.).

[6] Nach Ansicht der Monetaristen hat eine Erhöhung der Geldmenge langfristig keinen Einfluss auf die angebotene Gütermenge, sondern schlägt sich vollständig in einer Erhöhung des Preisniveaus nieder (vgl.Hardes et al. 1995, S.232 f.).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Kosten der Inflation
Untertitel
Ein Überblick über makroökonomische Fehlallokationen, verursacht durch Steigerungen des Preisniveaus
Hochschule
Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta-Diepholz-Oldenburg; Abt. Vechta  (FHWT Vechta, Commerzbank)
Veranstaltung
VWL II, BA/FH-Studium BWL
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V65085
ISBN (eBook)
9783638577373
ISBN (Buch)
9783638670371
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Hausabeit werden die volkswirtschafltichen Kosten antizipierter und nicht antizipierter Inflation umfassend und mit zahlreichen Literaturverweisen dargestellt. Des Weiteren ist ein Transfer in Bezug auf die Preisentwicklung in Deutschland von 1914 bis 1923 enthalten.
Schlagworte
Kosten, Inflation, BA/FH-Studium
Arbeit zitieren
Thomas Kaspereit (Autor), 2006, Die Kosten der Inflation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65085

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