In der Zeit um 1945 war das ehemalige NS-Regime in Deutschland zerschlagen und die Siegermächte begannen das ehemals einheitliche Reich unter sich aufzuteilen. An der am 2. August 1945 tagenden Potsdamer Konferenz wurde seitens der Siegermächte eine gemeinsame Vorgehensweise entwickelt um den Wiederaufbau in Deutschland zu starten. Unter anderem wurde das damals kaum noch intakte Rundfunkwesen an die alliierte Informations- und Medienkontrolle unterstellt. (Kutsch, 2002, S.59) Der Rundfunk wurde in Deutschland unterschiedlich von den vier Militärregierungen für die jeweiligen Interessen genutzt und ebenfalls unterschiedlich in seiner Organisation und Struktur neu aufgebaut. (Dussel, 2004, S.131) Relevant ist hierbei, das aus dieser Zeit „ (...) zwei diametral entgegengesetzte Rundfunkordnungen“ (Kutsch, 2002, 84) entstanden sind. Einerseits der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk in Westdeutschland und andererseits der Staatsrundfunk im Ostdeutschland.
Resümierend ist es Ziel dieser Arbeit, diese Entstehungsgeschichte anhand der jeweiligen Besatzungszonen und ihrer Rundfunksendern zu erläutern. Dabei soll vor allem auf den 1950 in Westdeutschland entstandenen Zusammenschluss der damaligen Landesrundfunkanstalten zur „Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ (ARD) eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Das Medium Radio und seine Besonderheiten
2.2. Alliierte Maßnahmen zur Ergreifung der Funkhoheit
3. Wiederbeginn des Rundfunks nach 1945
4. Rundfunkpolitik in den Besatzungszonen
4.1. Rundfunkpolitik in den westlichen Besatzungszonen
4.2. Rundfunkpolitik in der Sowjetischen Besatzungszone
5. Gründung der ARD
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte und die unterschiedliche mediale Organisation in den deutschen Besatzungszonen nach 1945, um den Ursprung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Westdeutschland sowie des Staatsrundfunks in Ostdeutschland zu erläutern.
- Alliierte Medienkontrolle und Funkhoheit nach 1945
- Strukturvergleich: Westliche Besatzungszonen vs. Sowjetische Besatzungszone
- Entstehung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems (ARD)
- Rolle des Rundfunks als Instrument der Nachkriegspolitik
Auszug aus dem Buch
2.2 Alliierte Maßnahmen zur Ergreifung der Funkhoheit
Diese Kenntnis machten sich die alliierten Besatzungsmächte zu Nutzen und begannen, basierend auf der am 2. August 1945 stattfindenden Potsdamer Konferenz gemeinsam die Informations- und Medienkontrolle über die noch vorhandenen Rundfunkeinrichtungen Deutschlands zu beschlagnahmen. (Krüger, 1999 S.16) Ziel war es eine „Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung sowie die Dezentralisierung der politischen Strukturen in Deutschland (...)“ (Kutsch, 2002, S.59) herbeizuführen. Für diese Zwecke bildeten die Briten und Amerikaner 1944 eine Abteilung namens „Psycholgical Warfare Division“ (PWD) und diese sollten nach einem 3-Stufen-Plan gegen die nationalsozialistische deutsche Publizistik vorgehen und so die westdeutsche Presse neu aufbauen. (Kutsch, 2002, S.60f)
Das Ziel war für alle gleich, der Weg zum Ziel hingegen unterschied sich bei den Alliierten im besetzen Deutschland. Beispielsweise begannen in der amerikanischen Zone die besetzen Sender dezentral auf Sendung zu gehen. Zentral hingegen bei der französischen und englischen Besatzungszone. (Mathes & Donsbach, 2004, S.552) Letztlich kapitulierte Deutschland am 7./8. Mai 1945 und die alliierten Besatzungsmächte bekamen am 5. Juni 1945 die Funkhoheit über Deutschland. Stufe 1 des 3-Stufen-Plans wurde demnach erreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ausgangslage des deutschen Rundfunkwesens nach 1945 und formuliert das Ziel, die unterschiedlichen Entwicklungen in den Besatzungszonen bis zur Gründung der ARD aufzuzeigen.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die mediale Bedeutung des Radios als Massenmedium sowie die alliierten Bestrebungen zur Kontrolle der deutschen Funkhoheit.
3. Wiederbeginn des Rundfunks nach 1945: Hier wird der physische Wiederaufbau der Rundfunksender in den verschiedenen Besatzungszonen unter Berücksichtigung der Zerstörungen durch den Krieg beschrieben.
4. Rundfunkpolitik in den Besatzungszonen: Das Kapitel analysiert die spezifischen politischen Weichenstellungen, wobei die westlichen Zonen nach britischem Vorbild öffentlich-rechtlich organisiert wurden, während im Osten ein zentralistischer Staatsrundfunk entstand.
5. Gründung der ARD: Dieser Abschnitt behandelt den Zusammenschluss der westdeutschen Landesrundfunkanstalten im Jahr 1950 zur Arbeitsgemeinschaft ARD.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die divergenten Rundfunkordnungen und deren symbolische Bedeutung für die jeweiligen politischen Systeme der Nachkriegszeit.
Schlüsselwörter
Rundfunk, Alliierte Besatzung, Deutschland, 1945, ARD, Medienkontrolle, Staatsrundfunk, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Besatzungszonen, Radiosender, Medienpolitik, Nachkriegszeit, NWDR, SMAD, Massenkommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Neuorganisation des deutschen Rundfunks unter der Kontrolle der alliierten Siegermächte unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Alliierte Informationskontrolle, der Aufbau von Rundfunkanstalten in den westlichen versus der sowjetischen Zone und die Gründung der ARD.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte der Rundfunklandschaft und die gegensätzlichen Organisationsstrukturen von Staats- und öffentlich-rechtlichem Rundfunk historisch zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-deskriptive Methode, bei der Fachliteratur und medienhistorische Quellen analysiert werden, um die Entwicklungen der Jahre 1945 bis 1950 nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Rundfunkmodelle in den Besatzungszonen sowie die spezifischen Maßnahmen zur Etablierung des westdeutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rundfunkgeschichte, Alliierte Besatzung, ARD-Gründung, Staatsrundfunk und Medienorganisation geprägt.
Warum wurde in Westdeutschland das britische Rundfunkmodell bevorzugt?
Das britische öffentlich-rechtliche Modell der BBC wurde gewählt, um den Rundfunk als kritische Instanz unabhängig von Staat und politischen Parteien zu etablieren.
Welche Rolle spielte der NWDR in der westdeutschen Rundfunkgeschichte?
Der NWDR fungierte als wichtiger Vorläufer für die spätere Rundfunkstruktur und wurde 1954 in WDR und NDR aufgeteilt.
Wie unterschied sich die Kontrolle in der sowjetischen Besatzungszone?
Im Osten wurde ein zentralistischer Staatsrundfunk aufgebaut, der zunehmend unter den direkten Einfluss der SMAD und später der SED geriet.
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- Karl Jan Studnik (Author), 2006, Rundfunk unter Alliierter Besatzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65121