Es existiert derzeit eine schier unüberschaubar anmutende Fülle von widerstreitenden Theorien und Meinungen über die Novelle und ihre formalen Kriterien. Die vorliegende novellentheoretische Arbeit bietet einen Überblick über die Hauptströmungen der Novellentheorien des 19. Jahrhunderts und beschäftigt sich unter dem Aspekt der Weiterentwicklung mit den Novellentheorien des 20. Jahrhunderts.
Da eine eindeutige Definition der Novelle unter den Kriterien der Novellenforschung des 19. und 20. Jahrhunderts nahezu unmöglich erscheint, mehren sich in der jüngeren Novellenforschung die Stimmen, die für neue Wege zur Novellendefinition plädieren und diese auch beschreiten. Einer dieser neuen Definitionsversuche, Manfred Schunichts Theorie von der teleologischen und bilateralen Struktur der Novelle, wird in dieser Arbeit vorgestellt und kritisch kommentiert.
Die Ergebnisse der Analyse der Novellentheorien des 19. und 20. Jahrhunderts sowie des oben genannten neuen Ansatzes werden abschließend zusammengefasst dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Novellentheorien des 19. Jahrhunderts
2. Novellentheorien des 20 Jahrhunderts
3. Neue Ansätze in der Novellentheorie - Manfred Schunichts Theorie von der teleologischen und bilateralen Struktur der Novelle
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexe und oft widersprüchliche Forschungslage zur Gattung der Novelle, indem sie die Entwicklung der Novellentheorien vom 19. bis ins 20. Jahrhundert analysiert und die Eignung neuerer Ansätze, insbesondere der Theorie Manfred Schunichts, kritisch hinterfragt.
- Historische Entwicklung der Novellentheorien im 19. Jahrhundert
- Theoretische Positionen und Gattungskritik im 20. Jahrhundert
- Kritische Würdigung der "Falkentheorie" und des "Wendepunkts"
- Analyse der bilateralen und teleologischen Struktur der Novelle
Auszug aus dem Buch
3. Neue Ansätze in der Novellentheorie - Manfred Schunichts Theorie von der teleologischen und bilateralen Struktur der Novelle
„Die Diskussion über die formalästhetischen Kriterien der „Novelle“ hat inzwischen offenkundig einen toten Punkt erreicht“, sagt Manfred Schunicht einleitend in seinem Aufsatz „Der Falke“ am „Wendepunkt“. Nach wie vor herrsche völlige Unklarheit über die Prinzipien dieser epischen Form. Die Erkenntnis einer zerstrittenen Forschung, die, je mehr sie forsche, desto weniger gesichert sagen könne, führt Schunicht dahin zu fordern, jetzt von den begrifflichen Merkmalen „Wendepunkt“, „Falke“, „Leitmotiv“, „Pointe“ usw. abzurücken, da sie im besten Falle äußere Markierungspunkte des novellistischen Erzählens sein könnten, aber zur besonderen Struktur der Novelle nichts oder nur unwesentliches aussagten.
So sei es jetzt sinnvoll, sich von der äußeren Form abzuwenden und „die innere Form der Novelle aufzufinden, die Gesetzlichkeit ihrer Struktur freizulegen.“ Dabei zielt seine Untersuchung nicht darauf ab, immer gültige Merkmale der Gattung Novelle zu ermitteln, sondern sie bezieht sich explizit nur auf die Novellen des 19. Jahrhunderts in Deutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer einheitlichen Gattungsdefinition der Novelle aufgrund divergierender Forschungsansätze und führt in die Absicht der Arbeit ein, neue theoretische Zugänge zu untersuchen.
1. Novellentheorien des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die zentralen Dichter-Theoretiker der Zeit, wie Friedrich Schlegel, Goethe, Tieck und Heyse, und analysiert deren einflussreiche, aber auch kontroverse Versuche, die Novelle durch formale Merkmale zu definieren.
2. Novellentheorien des 20 Jahrhunderts: Die Untersuchung des 20. Jahrhunderts zeigt die zunehmende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Gattung, wobei zwischen historisch und normativ ausgerichteten Ansätzen unterschieden und die Problematik starrer Merkmalskataloge hervorgehoben wird.
3. Neue Ansätze in der Novellentheorie - Manfred Schunichts Theorie von der teleologischen und bilateralen Struktur der Novelle: Das Kapitel präsentiert und kritisiert Schunichts Versuch, die Novelle durch eine Abkehr von isolierten formalen Schlagworten hin zu einer tieferen, bilateralen Struktur sowie einer teleologischen Erzählweise neu zu bestimmen.
4. Schlussfolgerungen: Die Arbeit resümiert, dass eine feste, für alle Epochen gültige Definition der Novelle aufgrund der fließenden Gattungsgrenzen und der inkonstanten Merkmale kaum möglich ist.
Schlüsselwörter
Novelle, Gattungstheorie, Novellentheorie, Manfred Schunicht, Wendepunkt, Falkentheorie, literarische Struktur, Epik, Roman, Gattungsdefinition, Literaturgeschichte, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Erzählhaltung, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Definition und Abgrenzung der Gattung Novelle innerhalb der germanistischen Forschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Novellentheorien vom 19. bis ins 20. Jahrhundert, die Kritik an formalistischen Gattungsbegriffen sowie die Analyse neuerer Strukturansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob neue theoretische Ansätze, insbesondere die von Manfred Schunicht, einen besseren Zugang zum Verständnis der Novelle ermöglichen als die traditionellen, oft starren Definitionsversuche.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse und kritische Kommentierung der vorhandenen Forschungsliteratur sowie der einschlägigen primärtheoretischen Schriften angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Darstellung der Novellentheorien des 19. und 20. Jahrhunderts sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit spezifischen theoretischen Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Novelle, Gattungstheorie, Struktur, Wendepunkt, Falkentheorie und literarische Fiktion charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich Schunichts Ansatz von der "Falkentheorie"?
Schunicht kritisiert die isolierte Betrachtung von Begriffen wie dem "Falken" und schlägt stattdessen die Analyse einer bilateralen, teleologischen Struktur vor, um den Eigenarten der Gattung gerecht zu werden.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor bezüglich der Gattungsdefinition?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es aufgrund der unüberschaubaren Variabilität der Gattung unmöglich ist, eine für alle Epochen gültige und eindeutige Definition der Novelle festzulegen.
- Arbeit zitieren
- MA Annette Wallbruch (Autor:in), 2000, Novellentheorien. 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert und neue Ansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65133