Im Rahmen des empirischen Seminars Persönlichkeitspsychologie wurde die Thematik Persönlichkeit und die Bereitschaft, Anderen zu vertrauen untersucht. Es galt herauszufinden welchen Einfluss die Persönlichkeitsausprägungen (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) auf interpersonelles Vertrauen (Allgemeines Vertrauen, Vertrauen in Freunde und Leichtgläubigkeit) haben. In dieser Arbeit wurde jedoch nur auf die Skala Allgemeines Vertrauen und deren Zusammenhang mit den Persönlichkeitsdimensionen näher eingegangen. Weiters wurde überprüft, ob es bezüglich der Ausprägung des Allgemeinen Vertrauens Unterschiede zwischen Altersgruppe und Geschlecht gab. Es wurden insgesamt 32 Personen, aufgeteilt nach Altersgruppe und Geschlecht, befragt. Zur Erhebung der Persönlichkeitsdimensionen wurde das NEO-Fünf-Faktoren-Inventar nach Costa und McRae von Borkenau und Ostendorf (1993) verwendet und zur Erhebung des Vertrauens wurde das Inventar zur Erhebung interpersonellen Vertrauens nach Kassebaum (2004) verwendet. Zusätzlich wurde mittels selbstkonstruierten Fragen überprüft, welchen Einfluss schlechte (negative) Erfahrungen auf Vertrauenswerte haben und ob die Befragten anderen (bekannten und unbekannten) Personen mehr oder weniger vertrauen würden.
Es zeigte sich ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Allgemeinem Vertrauen und Extraversion. Für die anderen Persönlichkeitsdimensionen zeigten sich keine signifikanten Zusammenhänge. Bezüglich der Altersgruppen und deren Ausprägung von Allgemeinem Vertrauen konnte kein signifikanter Unterschied zwischen Jüngeren und Älteren festgestellt werden. Das Geschlecht stellt ebenfalls keinen signifikanten Einfluss auf die Vertrauensfähigkeit im Allgemeinen dar. Die Werte bei Allgemeinen Vertrauen standen in einem signifikant negativen Zusammenhang mit negativen Erfahrungen. Die Einschätzung, wie man Anderen vertrauen würde, stand in keinem Zusammenhang mit Allgemeinem Vertrauen.
Inhaltsverzeichnis
1 Literatur
1.1 Einleitung
1.2 Vertrauen und Persönlichkeit
1.3 Ausprägung des Allgemeinen Vertrauens
1.4 Erfahrungen und Vertrauenseinschätzungen
2 Fragestellungen und Hypothesen
2.1 Fragestellungen
2.2 Zusammenhangshypothesen
2.3 Unterschiedshypothesen
3 Methodik
3.1 Stichprobe
3.2 Erhebungsverfahren
3.2.1 Persönlichkeitsdimensionen
3.2.2 Allgemeines Vertrauen
3.2.3 Negative Erfahrungen
3.2.4 Vertrauenseinschätzung bekannter Personen
3.2.5 Vertrauenseinschätzung unbekannter Personen
3.3 Ablauf
3.4 Ethische und juristische Gesichtspunkte
4 Ergebnisse
4.1 Demographische Daten
4.2 Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit
4.3 Zusammenhänge zwischen Vertrauen
4.4 Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Allgemeinem Vertrauen
4.5 Unterschiede zwischen Geschlechtern bei Allgemeinem Vertrauen
4.6 Unterschiede zwischen Altersgruppen bei Allgemeinem Vertrauen
4.7 Zusammenhänge zwischen Allgemeinem Vertrauen und negativen Erfahrungen
4.8 Zusammenhänge zwischen Vertrauenseinschätzungen
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen (insb. Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit) auf das interpersonelle Vertrauen sowie die Auswirkungen negativer Erfahrungen auf die Vertrauensbereitschaft.
- Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsdimensionen und Allgemeinem Vertrauen.
- Unterschiede in der Vertrauensneigung hinsichtlich Alter und Geschlecht.
- Einfluss von negativen Erfahrungen auf das Vertrauen.
- Bewertung der Vertrauenswürdigkeit bekannter und unbekannter Personen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Einleitung
Dass die Relevanz der Thematik des interpersonellen Vertrauens in der psychologischen Forschung und Praxis nicht unterschätzt werden kann, ist vermutlich unbestritten. Dem Vertrauen kommt eine der entscheidendsten Rollen für die Entwicklung und das Gelingen zwischenmenschlicher Interaktionen zu (Kassebaum, 2004). So etwa meint Bolle (1998), dass das alltägliche Leben in einem größerem Ausmaß durch Vertrauen bestimmt wird, als wir uns bewusst sind. Nach Luhmann (1968) kann der Mensch ohne jegliches Vertrauen nicht leben.
Eines der Hauptprobleme der Vertrauensforschung besteht darin, dass der Vertrauensbegriff sowohl universal als auch komplex angesehen werden kann. So weckt dieser deutlich mehr Assoziationen als andere und lässt eine Vielzahl unterschiedlichster Gedankengänge zu. Dies erschwert nicht nur die Operationalisierung, sondern auch die Definition des Vertrauensbegriffs, was dazu führt, dass sich keine allgemein akzeptierte Begriffsbestimmung finden lässt. Kassebaum (2004) definiert Vertrauen mit vier Komponenten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Literatur: Einführung in die theoretischen Grundlagen des Vertrauensbegriffs, die Differenzierung nach Persönlichkeitseigenschaften sowie die Bedeutung von Erfahrungen für Vertrauensprozesse.
2 Fragestellungen und Hypothesen: Darstellung der Forschungsziele bezüglich der Korrelation von Persönlichkeitsmerkmalen und Vertrauen sowie der Untersuchung demographischer Unterschiede.
3 Methodik: Beschreibung der Stichprobenzusammensetzung (N=32) und der verwendeten Erhebungsinstrumente (NEO-FFI, IIV) sowie der Versuchsbedingungen.
4 Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertungen, darunter der signifikante Zusammenhang zwischen Extraversion und Vertrauen sowie die Analyse von Geschlechts- und Altersgruppenunterschieden.
5 Diskussion: Interpretation der Studienergebnisse im Kontext der Literatur sowie Reflexion über methodische Grenzen und mögliche Artefakte der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Interpersonelles Vertrauen, Persönlichkeitspsychologie, Allgemeines Vertrauen, Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Erfahrungen, negative Erfahrungen, Vertrauenseinschätzung, NEO-FFI, Kassebaum, psychologische Forschung, Stichprobe, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Seminararbeit erforscht die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsstrukturen und der Bereitschaft, anderen Menschen zu vertrauen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen das "Allgemeine Vertrauen", die Einflüsse von Persönlichkeitsdimensionen (Big Five), die Rolle vergangener negativer Erfahrungen und die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von Personenbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung, inwieweit Persönlichkeitseigenschaften das interpersonelle Vertrauen beeinflussen und ob demographische Faktoren wie Alter und Geschlecht hierbei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Befragung von 32 Personen durchgeführt, wobei das NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI) und das Inventar zur Erfassung interpersonellen Vertrauens (IIV) eingesetzt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Vertrauensbegriffs, die Definition der Hypothesen, die methodische Durchführung der Datenerhebung sowie die detaillierte Darstellung und statistische Analyse der Ergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind interpersonelles Vertrauen, die Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen und der Einfluss von Erfahrungen auf die Vertrauensbereitschaft.
Warum konnte der vermutete Zusammenhang zwischen Vertrauen und Verträglichkeit nicht statistisch signifikant bestätigt werden?
Dies könnte laut Autor auf eine zu geringe Stichprobengröße sowie methodische Aspekte der Fragebogengestaltung, wie eine Regression zur Mitte, zurückzuführen sein.
Welche Bedeutung haben die Bilderbewertungen im Versuchsaufbau?
Die Bewertungen dienten als Auflockerung und zur Untersuchung, ob die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit bekannter und unbekannter Personen mit den gemessenen allgemeinen Vertrauenswerten korreliert.
- Quote paper
- Stephan Berndl (Author), 2006, Persönlichkeit und Bereitschaft, Anderen zu vertrauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65194