Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Culture, Technology, Nations

Hautgravuren zur Individualisierung des Körpers

Title: Hautgravuren zur Individualisierung des Körpers

Diploma Thesis , 2006 , 114 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Victoria Groß (Author)

Sociology - Culture, Technology, Nations
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Eine Tätowierung ist ein mit Farbpigmenten in die Haut gearbeitetes Bild oder Text. „Tätowierung“ - so lautet die Definition des Lexikons der Psychologie (5 Bände, 2000 - 2003) - (ist) die „Gestaltung des Körpers durch Symbole und Ornamente (...). In westlichen Kulturkreisen ist seit Mitte der 80er Jahre eine Zunahme an Tätowierungen zu beobachten, die sich in den 90er Jahren nochmals verstärkt hat: Tätowierungen als Modeerscheinung und/oder Ausdruck eines bestimmten Lebensstils.“
Die Etymologie des Wortes „Tätowierung“ oder „Tattoo“ wird auf das tahitianische Wort „Tatau“ zurückgeführt. Dieses bedeute etwa „Wunden schlagen“ und erinnere an die Geräusche, die während des Tätowierens durch die Schläge auf den Tätowierkamm, dessen Zacken die Farbe unter die Haut brächten, verursacht würden, so Oettermann (1995, 121). Er führt weiter aus, dass sich das Wort „Tatau“ gerade im Englischen durchsetzen konnte, da es in England seit 1644 die gleichlautende Vokabel „Tattoo“ mit ähnlicher Bedeutung gegeben habe. „Tattoo“ finde seinen englischen Ursprung in dem Satz „Doe den taptoe“ und bedeute, was das Schlagen eines bestimmten militärischen Trommelwirbels beschreibe (Oettermann, 1995, 121).
Medizinisch ähneln Tätowierungen leichten Schürfwunden, wobei die Intensität des Schmerzes und der Heilungsprozess mit denen eines Sonnenbrands verglichen werden. Bei großflächigen Tattoos ist es deshalb von Nöten, eine Abheilung der Hautpartien abzuwarten, ehe die Arbeit fertig gestellt werden kann. Die Tätowierung wird mit dem Zeichnen der Umrisse begonnen, um dann später mögliche Farben und Schattierungen aufzufüllen. Das Ergebnis dieser Prozedur macht die nun tätowierte Person zu der Gruppe der Tätowierten zugehörig.
Die Verbreitung von Tätowierungen hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen, und immer mehr Menschen verändern ihr Aussehen durch Tätowierungen dauerhaft, was diese Thematik für die psychologische und soziologische Forschung interessant macht. Allein in Berlin gibt es, laut
Internetauskunft der Gelben Seiten vom 31. August 2005, 42 Tätowierstudios.
Die genaue Zahl tätowierter Menschen in Deutschland ist nicht bekannt, doch meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2003, Nr. 178/320 D), die Zahl der Tattoo-Träger in Deutschland habe sich seit Mitte der neunziger Jahre verdoppelt. Diese Schätzung stimmt zumindest in der berichteten Tendenz mit den Angaben des Lexikons der Psychologie überein. Etwa 4,2 Millionen Deutsche seien im Jahr 2003 tätowiert gewesen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Tätowierung – Eine soziologische und sozialpsychologische Einordnung

2.1 Die Funktionen der Haut

2.2 Das Prozedere der Tätowierung

2.3 Tätowierung als „Impression Management“ und Kommunikationsmittel – eine sozialpsychologisch-soziologische Sicht

2.4 Tätowierungen als Gegenstand der Literatur

3 Tätowierung als Untersuchungsgegenstand in der bisherigen Forschung

3.1 Lynne Caroll, Roxanne Andersen und Aldis Putnins (2002)

3.2 Douglas Degelman und Nicole Deann Price (2002)

3.3 Andrés Martin (1997)

3.4 Aglaja Stirn (2004)

3.5 Gordon B. Forbes (2001)

3.6 Katherine Irwin (2001)

4 Entwicklung der Fragestellung

4.1 Erläuterung der Interviewfragen

4.2 Der „Interviewrahmen“

4.3 Tabellarische Übersicht der Interviewfragen

5 Untersuchungsmethodik

5.1 Interviewteilnehmer

5.2 Der Interviewablauf

5.3 Der Untersuchungsplan

6 Auswertung der narrativen Interviews

6.1 Persönliche Anmerkungen und Gedächtnisprotokolle zu den Interviews

6.2 Der erste Auswertungsschritt: Die Inhaltskategorien der Antworten

6.2.1 Identität als überragendes Thema

6.2.2 Vorbilder und Identifikation

6.2.3 Die Tätowierung als Ankerfunktion an einen bestimmten ideologischen Ort

6.2.4 Die Ablösung von den Eltern - die Mama Kategorie

6.2.5 Schutz vor anderen - auch als Botschaft an andere und vor dem Altern

6.2.6 Empfundener Schmerz während der Tätowierung

6.2.7 Das Tätowiertwerden hat etwas Symbolisches, das es zu einem „Ritual“ macht

6.2.8 Der Aspekt der Gruppenzugehörigkeit

6.2.9 Persönliche Atmosphäre

6.2.10 Emotionale Nähe zur Tätowierung

6.2.11 Zusammenfassung

6.2.12 Die Experten Kategorie Auftrag

6.3 Der zweite Auswertungsschritt: Die fragezentrierte Analyse der Antworten

6.3.1 Angaben zur ersten Tätowierung

6.3.2 Die Eigenständigkeit der Entscheidung sich tätowieren zu lassen und die Reaktion der näheren Umwelt

6.3.3 Zusammenfassung

6.3.4 Die positive Veränderung des Selbstbildes durch die Tätowierung

6.3.5 Zusammenfassung

6.3.6 Die Wirkung der Tätowierung auf die eigene Körperlichkeit

6.3.7 Zusammenfassung

6.3.8 Ergebnisse der Expertenfragen

6.3.9 Zusammenfassung

7 Vergleich der Ergebnisse der inhaltsanalytischen Auswertungsansätze

8 Fazit

8.1 Ergebnis der Arbeit unter Berücksichtigung der Ausgangsfragestellung

8.2 Die Ergebnisse der vorliegenden Studie vor dem Hintergrund der bisherigen Literatur

8.3 Ideen für zukünftige Studien

8.4 Schluss

9 Exkurs

9.1 Darstellung der Tätowierungen in den internationalen Fachmagazinen

9.1.1 Erscheinungsort der Magazine

9.1.2 Tatuajes y Perforaciones

9.1.3 Skin & Ink

9.1.4 Das Tätowiermagazin

9.2 Zusammenfassung

10 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Hintergründe der Tätowierung bei modernen Tattoo-Trägern. Ziel ist es, durch die Auswertung narrativer Interviews zu verstehen, welche persönlichen Beweggründe zur permanenten Körperveränderung führen und ob sich das Selbstbild oder die Identität der Befragten durch das Tätowieren verändert hat, wobei explizit auch die Expertenperspektive von Tätowierern in die Analyse einbezogen wird.

  • Soziologische und sozialpsychologische Einordnung der Tätowierung
  • Identitätsbildung und das Konzept des "Haut-Ichs"
  • Impression Management und Selbstdarstellung durch Tattoos
  • Qualitative Analyse narrativer Interviews mit Tattoo-Trägern
  • Vergleich der Expertenperspektive (Tätowierer) mit den Erfahrungen der Kunden

Auszug aus dem Buch

2.3 Tätowierung als „Impression Management“ und Kommunikationsmittel – eine sozialpsychologisch-soziologische Sicht

Oettermann sieht den „Schlüssel zur Tätowierung“ (Oettermann, 1982, 348) in ihrer kommunikativen Funktion, da die Voraussetzungen und die Bestandteile menschlicher Kommunikation keineswegs nur Worte sind, wie Watzlawick feststellte. Vielmehr umfasst Kommunikation jegliche Form paralinguistischer Ausdrucksweisen, also den Tonfall, die Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache – einschließlich Sprachpausen, jedoch auch jede Form der Körpersprache, wie sie durch Körperhaltung verdeutlicht und mitgeteilt werden kann. Demzufolge ist jede Form von Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation Kommunikation und hat Mitteilungscharakter. Nach Watzlawick heißt dies, da Verhalten kein Gegenteil hat: „Man kann sich nicht nicht verhalten.“ (Watzlawick, 2000, 51) – und daraus folgt: Man kann nicht nicht kommunizieren. Jegliches Verhalten, ob Schweigen oder Sprechen, hat Mitteilungscharakter und beeinflusst andere, die ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren können und somit innerhalb dieser zwischenpersönlichen Situation interagieren.

Tätowierte befinden sich in einem Akt permanenter Kommunikation durch ihre (sichtbaren) Tattoos. Ermacora (1996, 26-27) erkennt in Tätowierungen, deren Motive an der Symbolik fremder Kulturen orientiert sind, den Wunsch, sich des Inhalts dieser Symbole „zu bemächtigen“, um „mit einem modernen Kontext [...] mit anderen Menschen zu kommunizieren.“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel definiert Tätowierungen als Gestaltung des Körpers und beleuchtet die historische Etymologie sowie die zunehmende Verbreitung des Tattoo-Phänomens in westlichen Kulturkreisen.

2 Tätowierung – Eine soziologische und sozialpsychologische Einordnung: Hier werden hauttheoretische Konzepte wie Didier Anzieus "Haut-Ich" und Oliver Königs "interaktives Organ" vorgestellt, um die Funktion der Haut als Grenze und Kommunikationsmedium zu erläutern.

3 Tätowierung als Untersuchungsgegenstand in der bisherigen Forschung: Das Kapitel bietet einen Literaturüberblick, der das Spektrum von klinischen, psychopathologischen Sichtweisen bis hin zu soziologischen Ansätzen wie der Identitätssuche Jugendlicher abdeckt.

4 Entwicklung der Fragestellung: Hier werden die Forschungsfragen und der Leitfaden für die narrativen Interviews erläutert, die als Basis für die qualitative Untersuchung dienen.

5 Untersuchungsmethodik: Es werden der qualitative Forschungsansatz, die Auswahl der Interviewpartner und der Ablauf der narrativen Interviews dargelegt.

6 Auswertung der narrativen Interviews: Dieses umfangreiche Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Interviews, unterteilt in inhaltliche Kategorien wie Identität, Schmerz, Gruppenzugehörigkeit und die Perspektive der Experten.

7 Vergleich der Ergebnisse der inhaltsanalytischen Auswertungsansätze: Hier werden die verschiedenen Analysemethoden methodisch gegenübergestellt und validiert.

8 Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, bewertet sie vor dem Hintergrund der Forschungsfragen und der Literatur und gibt Anregungen für zukünftige Studien.

9 Exkurs: Dieser Abschnitt analysiert die Darstellung von Tattoos in internationalen Fachmagazinen und vergleicht diese mit den Ergebnissen der eigenen Untersuchung.

Schlüsselwörter

Tätowierung, Haut-Ich, Identität, Impression Management, Körpermodifikation, narrative Interviews, Soziologie, Sozialpsychologie, Selbstdarstellung, Ritual, Kommunikation, Körperlichkeit, Tattoo-Studios, Individualisierung, Körperkultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die soziologischen und psychologischen Hintergründe von Tätowierungen, insbesondere wie Tattoo-Träger ihre Körpermodifikationen wahrnehmen und wie diese zur Identitätsfindung beitragen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Funktion der Haut als interaktives Organ, der Kommunikation durch Tattoos, Selbstdarstellungstechniken (Impression Management) und der Rolle von Tattoos in sozialen Gruppen.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Hauptziel ist es, die Beweggründe der Befragten für ihren Entschluss zur permanenten Körperveränderung zu verstehen und zu analysieren, wie sich ihr Selbstbild durch das Tätowieren langfristig verändert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden narrative Interviews mit Tattoo-Trägern und Experten geführt, deren Aussagen inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Kategorien der Interviews ausgewertet, darunter Identitätsaspekte, der Umgang mit Schmerz, die Gruppenzugehörigkeit sowie die fachliche Einstellung von Tätowierern als Experten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Tätowierung, Identität, Haut-Ich, Körpermodifikation, Impression Management und qualitative Sozialforschung.

Warum ist die Unterscheidung zwischen "Tattoo haben" und "Tätowiert sein" so wichtig?

Die Arbeit deckt einen signifikanten Konflikt bei vielen Befragten auf: Während sie sich vordergründig zum "Tätowiert sein" bekennen, zeigt die tiefere Analyse oft den Wunsch, die Tätowierung wieder "abzulegen", was eine gewisse Entfremdung vom tätowierten Körperteil impliziert.

Welche Rolle spielen die Experten (Tätowierer) in dieser Studie?

Tätowierer werden als Experten befragt, um die Produktionsseite des Tätowierens zu verstehen. Überraschend zeigt sich hier eine oft unkritische, künstlernahe Selbsteinschätzung, die wenig Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden nimmt.

Excerpt out of 114 pages  - scroll top

Details

Title
Hautgravuren zur Individualisierung des Körpers
College
Free University of Berlin  (Institut für Soziologie)
Grade
1,5
Author
Victoria Groß (Author)
Publication Year
2006
Pages
114
Catalog Number
V65197
ISBN (eBook)
9783638578271
Language
German
Tags
Hautgravuren Individualisierung Körpers
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Victoria Groß (Author), 2006, Hautgravuren zur Individualisierung des Körpers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65197
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  114  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint