Einflüsse auf die Ausbildung politischen Interesses


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Theoretische und empirische Hintergründe
Zum Begriff „politisches Interesse“
Wer ist an Politik interessiert ?
Hypothesen

Untersuchung des Datensatzes
Bildung der AV
Generierung der UV´s
Multiple Regressionsanalyse
Pfadmodell

Schlussbemerkung

Anhang

Literatur

Einleitung

Die politische Sozialisierung des Menschen bzw. die Politisierung des Individuums ist gerade in unserer heutigen demokratischen Gesellschaft ein zentraler Aspekt. Die politische Sozialisation ist als ein Teilprozess der allgemeinen Sozialisation zu verstehen, in dem politische Kenntnisse, Einstellungen, Werte und Handlungsmuster erworben werden. Unter diesem Gesichtspunkt kann man sicher auch die Ausbildung des politischen Interesses als ein Produkt der politischen Sozialisation nennen.

So hat es uns in diesem Zusammenhang interessiert, welche Faktoren für die Herausbildung des politischen Interesses von entscheidender Wichtigkeit sind.

Der Begriff „politisches Interesse“ stellt hierbei auch einen, in der Wahlforschung allgemein üblichen und häufig abgefragten zentralen Begriff dar. Meist wird die Variable in die Kategorien „sehr stark“ „stark“ „etwas bzw. mittelmäßig“ „kaum“ und „gar nicht“ unterteilt.

Oft wird der Bergriff „politisches Interesse“ auch in Zusammenhang mit dem Wahlverhalten gebracht, wobei sich aber in der persönlichen Gesprächserfahrung während einer langjährigen Interviewtätigkeit bei der Forschungsgruppe Wahlen oft herausgestellt hat, dass sich nicht unweigerlich jeder, der regelmäßig und pflichtbewusst wählen geht, auch für Politik im Allgemeinen interessiert.

Es liegt nun in unserem Interesse herauszufinden, wer sich besonders für Politik interessiert, unabhängig von der Wahlabsicht bzw. dem Wahlverhalten und ob bzw. wie sich solch Politikinteressierte von weniger Interessierten unterscheiden.

In der vorliegenden Arbeit haben wir uns vor allem vier Prädiktoren zugewendet und uns bei der Untersuchung auf diese vier beschränkt.

Naheliegend finden wir es hierbei, zunächst auf den Bildungsstand derjenigen einzugehen, die besonders an Politik interessiert sind, da politisches Interesse oftmals auch in einem Zug mit politischer Bildung genannt wird. Unter politischer Bildung versteht man dabei, das Ausmaß an Wissen über politische Vorgänge, Institutionen, etc. welches das Individuum besitzt bzw. erlernt hat.

Demnach vermuten wir einen Zusammenhang zwischen dem politischen Interesse und dem Prädiktor Bildung.

Auch die Variable Einkommen erscheint uns von Bedeutung, da es sicher auch einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Lage und dem Ausmaß an politischem Interesse insofern gibt, als dass die persönliche wirtschaftliche Lage auch Folgen für die politischen Urteile und das politische Handeln von Individuen haben kann.

Wenn man an die variablen Bildung und Einkommen denkt, kommt man zwangsläufig auf die soziale Schicht, da diese meist über die Variablen Bildung, Beruf und Einkommen gebildet wird. Wir gehen davon aus, dass es in den oberen Schichten eher zum „guten Ton“ gehört, sich für Politik zu interessieren. So möchten wir auch untersuchen, inwieweit die Schichtzugehörigkeit eine Erklärung für die Ausbildung politischen Interesses liefert.

In unserer Arbeit beziehen wir uns vor allem auf den Datensatz des Forschungsprojektes von Gunnar Otte: „Lebensstile in Mannheim“. Dieses Projekt wurde zwar ursprünglich aufgrund einer anderen interessierenden Fragestellung durchgeführt, dennoch wurde auch hier die Variable „politisches Interesse“ erhoben und wir möchten anhand des vorliegenden Datensatzes untersuchen, inwieweit ein Zusammenhang zwischen den vier bereits genannten Prädiktoren und unserer abhängigen Variable „politisches Interesse“ besteht.

Im Nachfolgenden möchten wir zunächst darauf eingehen, was wir bezüglich unserer Fragestellung in der Literatur gefunden haben und welche Erkenntnisse wir daraus gewonnen haben.

Theoretische und empirische Hintergründe

Zum Begriff „politisches Interesse“

Schlägt man in der Literatur nach stößt man unweigerlich auf eine Vielzahl von Begriffen, die im gleichen Atemzug mit politischem Interesse genannt werden:

Politische Einstellung, politisches Bewusstsein, politisches Wissen, politische Bildung, politische Sozialisation, politisches Lernen, etc.

Dabei tauchte bei uns die Frage auf, warum man zwischen diesen Begriffen nicht ganz explizit unterscheidet und warum es keine allgemein gültige Definition von politischem Interesse gibt.

Es scheint so zu sein, dass die Ausbildung des politischen Interesses von Einzelnen eine Folge der politischen Sozialisation ist, die man ja, wie bereits erwähnt, als einen Teilaspekt der allgemeinen Sozialisation eines Menschen ansehen kann.

Unter Sozialisation versteht man hierbei „die Aneignung von Werten, Normen und Handlungsmustern, durch die der weitgehend ohne natürlich geborene Mensch seine Handlungsfähigkeit und persönliche Identität erwirbt. ...“ (Soziologielexikon, 1997, S. 604).

Politische Sozialisation bedeutet „die Gesamtheit der Prozesse, durch die Kenntnisse, Überzeugungen, Gefühlshaltungen, Werte, Normen und Symbole, die das politische Handeln regeln, dem Individuum vermittelt und von diesem internalisiert und übernommen werden.“ (Soziologielexikon, 1997, S. 604).

Man erlangt also im Zuge dieses Sozialisationsprozesses durch Lernen einen bestimmten politischen Wissensstand über den man ein Bewusstsein für politische Vorgänge ausbildet und zu einer persönlichen Einstellung gegenüber Politik gelangt. Dieser Prozess und die daraus entstandene politische Einstellung sind Determinanten für die Ausprägung des eigenen Interesses an Politik und an politischen Vorgängen, wie eigenen politischen Handlungen.

So ist politisches Interesse einerseits etwas sehr subjektives, andererseits aber auch etwas Gesellschaftsbedingtes, etwas, dass durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorgegeben werden kann. Hierbei ist vor allem der Begriff „politische Bildung“ von zentraler Bedeutung.

Politische Bildung bedeutet 1. ein dynamischer Prozeß, der gleichzusetzen ist mit politischer Sozialisation und 2. ein Lernprozeß, der bewusst initiiert und geplant ist, um ein bestimmtes politisches Verhalten zu erzielen (vgl. Hüser/Beckers/Küpper, 1976, S.3).

Das heißt also, dass man schon im Jugendalter in der Schule eine politische Erziehung bzw. Ausbildung genießt, die das Individuum auf bestimmte, meist beabsichtigte Weise prägt. Im Erwachsenenalter tragen mancherlei Fortbildungsmöglichkeiten zur Meinungsbildung bei und vor allem der mediale Einfluß von Presse, Hörfunk sowie Fernsehen stellt eine große Bildungs- bzw. Sozialisationsinstanz dar.

Wer ist an Politik interessiert?

Um Zuge der Frage, wer sich besonders für Politik interessiert und wer nicht, haben wir auf die Datenauswertung des letzten Politbarometers, einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, vom September 1999 zurückgegriffen, welche uns freundlicherweise von der Forschungsgruppe Wahlen zur Verfügung gestellt wurde. Dabei wurden vom 20. bis 23. September 1999 1.962 telefonische, computerunterstützte Interviews durchgeführt. Es wurden 1.010 wahlberechtigte Bürger im Westen und 952 Bürger im Osten befragt. Für die Tabellenauswertung wurde der Anteil jedes Gebietes an der wahlberechtigten Bundesbevölkerung berücksichtigt. Rein rechnerisch ergaben sich dabei 1.261 Interviews: 1.010 im Westen und 251 im Osten.

Bei der vorliegenden Tabellenauswertung sind die Skalenwerte als Mittelwerte nach den Ausprägungen der Variablen aufgeschlüsselt.

Wir fanden es besonders interessant, vor unserer eigenen Auswertung einige für die gesamte Bundesbevölkerung repräsentative Ergebnisse aufzeigen zu können und später zwischen den gesamtdeutschen Werten und den nur in Mannheim erhobenen Werten vergleichen zu können. Wir waren besonders gespannt darauf, ob ein Unterschied zwischen der Bundesbevölkerung und „uns Mannheimern“ bezüglich des politischen Interesses und seiner Determinanten besteht.

Unsere Prädiktoren waren Bildung, Einkommen, Schicht und Geschlecht. In der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen fanden wir aber leider nur die Variablen Bildung hier Schulbildung, Geschlecht kombiniert mit Alter und Beruf des Haushaltsvorstandes. Dies macht natürlich einen direkten vergleich zwischen unseren Variablen und denen der Forschungsgruppe Wahlen nicht ganz möglich, zeigt aber im Vorfeld unserer Untersuchung dennoch einige interessante Ergebnisse aufgrund derer wir unsere Hypothesen ableiten können.

Wir beschränken uns hierbei auf die Frage 14 des Politbarometers: Wie stark interessieren Sie sich für Politik?

Auch bei dieser Untersuchung wurde die Variable in die Kategorien „sehr stark“, „stark“, „etwas“, „kaum“ und „gar nicht“ aufgeteilt.

Zunächst wollen wir in der folgenden Tabelle anhand der aufgeführten Werte auf den Zusammenhang zwischen Schulbildung und politischem Interesse eingehen.

Tabelle1: Zusammenhang Bildung / politisches Interesse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es fällt auf, dass die höheren Abschlussarten (hier Hochschulreife) sich eher stark bis sehr stark für Politik interessieren, als die darunter liegenden Abschlussarten. Das heißt, dass jemand mit einer Hochschulausbildung sich eher für Politik interessiert als jemand der entweder Mittlere Reife oder Hauptschulabschluß hat. Die Gruppen sind allerdings in sich nicht konsistent. Das heißt, dass man eigentlich davon ausgeht, dass in der Kategorie Hauptschulabschluß, hier Volksschule (noch mal unterteilt ob mit oder ohne anschließende Lehre), nicht, wie zu erwarten der höchst besetzte Wert bei „kaum“ bzw. „gar nicht“ angesiedelt ist, wobei in der Kategorie Hochschulreife der Spitzenwert tatsächlich bei „stark“ liegt.

Interessant ist allerdings, dass bei der Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen anschließend noch eine Untersuchung der Extremkategorien 1. „sehr stark / stark“ und 2. „kaum / gar nicht“ durchgeführt wurde und hier zeigt sich dann tatsächlich, dass die 1. Kategorie hauptsächlich mit Hochschulabsolventen und die 2. Kategorie überwiegend mit Hauptschulabsolventen besetzt ist.

Als nächsten möchten wir auf die Variable Geschlecht eingehen

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Einflüsse auf die Ausbildung politischen Interesses
Hochschule
Universität Mannheim  (Methoden und empirische Sozialforschung)
Veranstaltung
Methoden 2
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
23
Katalognummer
V6523
ISBN (eBook)
9783638140706
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit untersucht die Ausbildung von politischem Interesse in Abhängigkeit verschiedener Variablen wie z.B. Bildung, Einkommen, usw. Sie ist im Rahmen einer Methodenveranstaltung enstanden und beinhaltet ausführliche statistische Untersuchungen, Ergebnisse und Anleitungen zum Thema. Die statistischen Auswerungen wurden mit Stata 6.0 durchgeführt. 290 KB
Schlagworte
Stata, Statistik, Methoden, Politik, Soziologie, politisches Interesse, Empirie
Arbeit zitieren
Nadine Buschmann (Autor), 2000, Einflüsse auf die Ausbildung politischen Interesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6523

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