Viele zeitgenössische Historiker beschäftigen sich mit dem Thema der Schlacht bei Tannenberg/Grunwald, in der am 15. Juli 1410 das Heer des deutschen Ritterordens gegen dem polnisch-litauischen kämpfte und verlor. Eine der größten Ritterschlachten des späten Mittelalters. Eine Schlacht, die sowohl glorifiziert, wie auch als ein Zeichen der Schmach gesehen wurde, die es zu beseitigen galt. Den Historikern ging dabei weniger um die Schlacht selbst, als vielmehr um die Aufarbeitung der geschichtlichen Tatsachen und die Klärung des aus jener Schlacht entstandenen Mythos, sowohl auf der deutschen wie auch auf der polnischen Seite.
Teilweise ist der Versuch einer Art „Aufklärung“ gelungen, doch den Mythos, der im nationalen, literarisch-kulturellen Gedanken seine Wurzeln hat, schaffte man nicht gänzlich beiseite zu räumen.
Ich versuche hier lediglich ein paar der Nachforschungen, Analysen zusammenzustellen, sie miteinander zu vergleichen, um zu einer Art Zwischenergebnis zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung, oder worüber reden wir?
1. Die geschichtlichen Fakten
1.1 - der Deutsche Ritterorden im preußischen Land
1.2 - Christianisierung Preußens oder eine Form des Imperialismus?
1.3 - Konflikte
1.4 - die Schlacht bei Tannenberg und ihre Folgen
2. Ein Mythos entsteht.
2.1 - aus der polnischen Sicht
2.2 - aus der deutschen Sicht
3. Wie geht man heute damit um?
3.1 - die Denkmäler: Reichsehrenmal vs. sozialistisches Denkmalkomplex
3.2 - Aufarbeitung des geschichtlichen Terminus „Drang nach Osten“
3.3 - was lernt man darüber in der Schule?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Schlacht bei Tannenberg/Grunwald im Jahr 1410 und analysiert, wie diese im Laufe der Jahrhunderte auf deutscher und polnischer Seite instrumentalisiert, mythologisiert und in der Erinnerungskultur verarbeitet wurde, um ein besseres Verständnis für die heutige deutsch-polnische Wahrnehmung zu schaffen.
- Historische Grundlagen des Deutschen Ritterordens und die Ursachen des Konflikts
- Die Entstehung und Pflege nationaler Mythen in Literatur und Geschichtsschreibung
- Vergleich der Denkmalkulturen (Reichsehrenmal vs. sozialistische Gedenkorte)
- Kritische Reflexion des geschichtspolitischen Begriffs „Drang nach Osten“
- Pädagogische Vermittlung der Schlachtenthematik im Bildungskontext
Auszug aus dem Buch
1.4 die Schlacht bei Tannenberg und ihre Folgen
Das polnische Heer brach unerwartet nach Nordosten ein, eroberte Teile des Ordensstaates und vereinigte sich mit dem litauischen Heer unter dem Kommando Witolds am rechten Ufer der Weichsel, bei Czerwinsk.
Der Orden, den im Osten die Litauer und im Süden die Polen bedrängten mußte sich systematisch zurückziehen. Zwar war das des Hochmeisters Ulrich von Jungingen zahlenmäßig dem polnisch-litauischen Heer unterlegen, (ca. 20000 Mann auf der polnischen - und ca. 15000 auf der Ordensseite), doch war es mit moderneren Waffen ausgerüstet und verfügte über eine stärkere berittene Truppe. Deshalb hoffte der Hochmeister auf eine offene Schlacht.
Zu dieser kam es auch am 15. Juli 1410 bei Tannenberg. Die Kreuzritter hatten hinter ihren ersten Linien Wolfsgruben ausgehoben, um die polnische Reiterei gleich beim ersten Angriff zu stoppen. Daraus wurde jedoch nichts, denn Jagiello schickte zuerst die leicht bewaffneten litauischen Abteilungen in den Kampf, die größtenteils zu Fuß waren. Sie überwanden das Hindernis mühelos und schlugen sogleich auf die ersten Linien des Ordensheeres ein. Die geharnischten Abteilungen setzte Jagiello auf der rechten und der linken Seite ein. Aus der Defensive formierten sich die Ordensritter neu und konnten sich auf beiden Seiten wirkungsvoll verteidigen. Als die Schlacht unentschieden zu verlaufen schien, warfen beide Führer ihrer Reserven in den Kampf. Ulrich von Jungingen setzte sie frontal ein, um die schon geschwächten leicht bewaffneten litauischen Truppenteile gänzlich zu vernichten, um dann einen Ausfall auf die Flanken zu machen. Jagiello hingegen unterstützte die litauischen Reste nur mit zwei Gruppen (ca.60 Mann) schwer bewaffneter und gepanzerter Reiter, die übrigen schickte er abseits der Flanken, um den Feind von hinten anzugreifen. dadurch schloß sich der Ring um das Ordensheer. Der Hochmeister fiel und mit ihm viele seiner einflußreichsten Mitglieder.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung, oder worüber reden wir?: Die Einleitung erläutert die Ambivalenz der Schlacht als glorifiziertes Ereignis und nationale Schmach und steckt den Rahmen für den Vergleich historischer Mythen ab.
1. Die geschichtlichen Fakten: Dieses Kapitel liefert den faktischen Hintergrund über den Deutschen Ritterorden, die christliche Expansion in Preußen und den unmittelbaren Verlauf der Schlacht von 1410.
2. Ein Mythos entsteht.: Der Abschnitt beleuchtet die ideologische Verklärung des Ereignisses in der polnischen Literatur und der deutschen Geschichtsschreibung, inklusive der nationalsozialistischen Vereinnahmung.
3. Wie geht man heute damit um?: Das Kapitel analysiert die moderne Aufarbeitung durch Denkmäler, hinterfragt den Terminus „Drang nach Osten“ und diskutiert die pädagogische Rolle der Geschichte im deutsch-polnischen Dialog.
Schlüsselwörter
Schlacht bei Tannenberg, Grunwald, Deutscher Ritterorden, Mythosbildung, deutsch-polnische Beziehungen, Nationalismus, Gedenkkultur, Reichsehrenmal, Drang nach Osten, Geschichtsbewusstsein, Ostexpansion, Kreuzritter, Erinnerungspolitik, Jagiello, Ulrich von Jungingen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation primär?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Schlacht bei Tannenberg/Grunwald von 1410 und untersucht kritisch, wie dieses Ereignis über Jahrhunderte hinweg für nationale Mythen und politische Propaganda instrumentalisiert wurde.
Welche zentralen Themenbereiche werden abgedeckt?
Neben den historischen Fakten zur Expansion des Deutschen Ritterordens stehen die unterschiedliche Wahrnehmung der Schlacht in Polen und Deutschland, die Symbolik der Denkmäler sowie die Bedeutung von geschichtlichen Fachbegriffen im Fokus.
Was ist das Hauptziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Mythenbildung rund um die Schlacht aufzudecken und durch den Vergleich polnischer und deutscher Sichtweisen zu einem sachlicheren Verständnis der gemeinsamen Geschichte beizutragen.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Der Autor stützt sich auf eine vergleichende Analyse zeitgenössischer Historikermeinungen, literarischer Quellen sowie geschichtspolitischer Diskurse, um die Konstruktion von Mythen transparent zu machen.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine faktische Rekonstruktion der Ereignisse, die detaillierte Analyse der Mythenentstehung in den beiden betroffenen Ländern und eine Untersuchung der heutigen Erinnerungskultur.
Welche zentralen Schlagworte charakterisieren das Werk?
Schlüsselbegriffe sind Tannenberg/Grunwald, Nationalismus, Mythosbildung, Ritterorden und die kritische Auseinandersetzung mit historischer Propaganda.
Wie bewertet der Autor den Begriff „Drang nach Osten“?
Unter Berufung auf Historiker wie Benedykt Zientara wird der Begriff als historisch unpräzise und ideologisch aufgeladen abgelehnt, da er eine biologistische oder schicksalhafte Expansion unterstellt, die nicht den komplexen wirtschaftlichen Realitäten des Mittelalters entspricht.
Welche Rolle spielten Denkmäler bei der Mythologisierung?
Denkmäler wie das Tannenberg-Reichsehrenmal wurden gezielt genutzt, um nationale Identität zu stiften und Überlegenheit zu demonstrieren, wobei sie oft die historischen Tatsachen zugunsten okkultistischer oder nationalistischer Mythen verzerrten.
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- Paul Lindner (Author), 2001, Die Schlacht bei Tannenberg/Grunwald , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65234