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'In Südeuropa haben Frauen keine Freundschaften!' - Widerlegung einer Ideologie

Title: 'In Südeuropa haben Frauen keine Freundschaften!' - Widerlegung einer Ideologie

Seminar Paper , 2005 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christian Albrecht (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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In unserem westlichen Leben spielen Freundschaften eine große soziale Rolle. Das geht sogar so weit, dass man Menschen ohne Freunde für etwas sonderbar, vielleicht eigenbrötlerisch hält. Aber gibt es das überhaupt: Menschen ohne Freunde? Muss nicht jeder Mensch fast zwangsweise mit anderen Menschen in Kontakt treten und dabei auch Leute kennen lernen, mit denen er sich gut versteht und infolge dessen eine Freundschaft aufbaut?
Das Thema dieser Arbeit ist die Untersuchung von Männer- und Frauenfreundschaften im Südeuropa (von Portugal bis Kreta). Es gibt Ethnologen und Soziologen, die die These vertreten, es gäbe keine Freundschaften zwischen Frauen in diesem Raum (z.B. Gilmore 1975: 3181). Frauen seien demnach in Familie und Verwandtschaft eingebunden. Es wird gesagt, Frauen seien aufgrund ihres neidischen Charakters und ihrer Klatschsucht unfähig für die tieferen Gefühle, die für eine Freundschaft nun einmal Bedingung sind. Anhand meiner Arbeit möchte ich diese These auf Signifikanz untersuchen und zwei Fragen beantworten: 1) Sind Frauenfreundschaften so hervorstechend wie Männerfreundschaften? 2) Unterscheiden sie sich von Männerfreundschaften? Wenn ja, wie? Zu diesem Zweck werde ich anfänglich Vorbemerkungen zum Thema Freundschaft voranschicken und Aspekte der Geschlechtertrennung diskutieren, wobei das Sprichwort „Frauen gehören ins Haus und Männer auf die Straße“ tonangebend sein soll. Diesen Vorbereitungen folgt der Hauptteil, indem ich anhand der Arbeiten von David Gilmore (1975) und Sahra Uhl (1991) Männer- und Frauenfreundschaften in Andalusien darstellen werde. Da auf Kreta ähnliche soziale Muster vorherrschen, werden im letzten Punkt einige psychologische Aspekte von Frauenfreundschaften untersucht. Im Schlussteil werden die Erkenntnisse in Hinblick auf die These, Frauen hätten in Südeuropa keine Freundschaften, diskutiert und entweder bestätigt oder als wissenschaftlicher Mythos entlarvt.
Leider nicht nachgehen kann ich einer Analyse der Beziehung von Feldforscher zu Informanten - dazu verweise ich auf Beer (2002).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Vorbemerkungen zu Freundschaft allgemein

3. Aspekte der Geschlechtertrennung in Südeuropa

4. Männer- und Frauenfreundschaften in Südeuropa

4.1. Bei Männern in Fuenmayor (Andalusien

4.1.1. Fuenmayor

4.1.2. Männerfreundschaften

4.1.3. Freundschaften im Lebenszyklus

4.2. Bei Frauen in Escalona (Andalusien

4.2.1 Escalona (Andalusien

4.2.2. Frauenfreundschaften

4.3 Psychologie der Freundschaft bei Frauen in Hatzi (Kreta

5. Abschluss und Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die verbreitete ethnologische These, dass es in südeuropäischen Gesellschaften keine Freundschaften zwischen Frauen gebe, da diese ausschließlich in Familie und Verwandtschaft eingebunden seien. Durch eine Analyse soziologischer und ethnologischer Studien zu Andalusien und Kreta wird hinterfragt, ob Frauenfreundschaften lediglich durch die herrschende Geschlechterideologie verschleiert werden, anstatt nicht zu existieren.

  • Kritische Auseinandersetzung mit westlichen Konzepten von Freundschaft und deren Übertragbarkeit.
  • Analyse der sozialen Geschlechtertrennung und der kulturellen Konstruktion von Ehre und Scham.
  • Untersuchung der Struktur männlicher Freundschaftsformen als öffentliche, reziproke Beziehungen.
  • Aufdeckung der verborgenen, kontextgebundenen Natur von Frauenfreundschaften in ländlichen Räumen.
  • Psychologische Bedeutung von Frauenfreundschaften als Coping-Mechanismus und Ausdruck individueller Identität.

Auszug aus dem Buch

4.2.2. Frauenfreundschaften

Sahra Uhl schreibt:

„Moreover, like other Andalusians, Escalenses commonly conceive of friendship as a male phenomen organized around leisure time and offering men trusting companionship, solace, and ultimately, as Driessen (1983) puts it, release from the tensions of a family life often dominated by wives and mothers-in-law. There is as yet no substantiated reason to believe that Andalusian women (or women elsewhere in rural southern Europe) may not have similar needs” (Ebd.)

Für Sahra Uhl beteiligen sich Ethnologen und Soziologen und deren Informanten unbewusst und unbeabsichtigt an einer „Verschwörung“, indem sie Frauenfreundschaften minimieren oder gar ganz negieren um Freundschaft als männliches, wichtiges Phänomen zu portraitieren (Ebd.: 92). Damit geben die Forscher nur die vorgefundene Ideologie wieder, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Uhl kritisiert diese Auffassung, da Frauen aus ihrer Sicht ebenso Freundschaften brauchen und auch führen wie Männer. Sie meint, Soziologen nähmen an, Frauen hätten „family relationships“. Frauen seien eben mehr gebunden und oft von anderen Frauen isoliert, was den Kontakt zu anderen Frauen erschwert, während Männer mobiler seien (Ebd.: 90-91) – sie gehen in Kneipen, Casinos usw. Für Südeuropa gibt es das Bild, dass Frauen vor der Heirat beste Freunde waren, sich aber danach meiden würden: Die Bande der Verwandtschaft bekommen dann Vorrang vor denen der Freundschaft (Ebd.: 91).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, ob in Südeuropa Frauen tatsächlich keine Freundschaften pflegen oder ob dies ein wissenschaftlicher Mythos ist.

2. Theoretische Vorbemerkungen zu Freundschaft allgemein: Beleuchtung der westlichen Sichtweise auf Freundschaft und deren Abhängigkeit von Autonomie, Individualisierung und moralischen Vorstellungen.

3. Aspekte der Geschlechtertrennung in Südeuropa: Diskussion der lokalen Geschlechterideologien („Frauen ins Haus, Männer auf die Straße“) sowie der Begriffe Ehre und Scham.

4. Männer- und Frauenfreundschaften in Südeuropa: Detaillierte Fallstudien aus Andalusien und Kreta, die männliche Freundschaftsstrukturen den verborgenen Frauenfreundschaften gegenüberstellen.

5. Abschluss und Diskussion: Fazit, dass Frauen sehr wohl Freundschaften führen, diese aber aufgrund sozialer Restriktionen qualitativ anders und im privaten, häuslichen Bereich organisiert sind.

Schlüsselwörter

Südeuropa, Frauenfreundschaften, Männerfreundschaften, Geschlechtertrennung, Ethnologie, Andalusien, Kreta, soziale Rolle, Ideologie, Ehre und Scham, Vertrauen, soziale Sanktionen, Feldforschung, Privatsphäre, Geschlechterstereotypen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die ethnologische Annahme, dass Frauen in südeuropäischen Ländern keine Freundschaften führen, und widerlegt diese These durch eine Analyse spezifischer sozialer Rahmenbedingungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die soziale Konstruktion von Geschlechterrollen, die strikte Trennung von privater und öffentlicher Sphäre, die Dynamik von Freundschaftsbeziehungen sowie den Einfluss kultureller Ideologien auf das soziale Verhalten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob Frauenfreundschaften in Südeuropa tatsächlich nicht existieren oder ob sie lediglich aufgrund von Geschlechterstereotypen und dem Fehlen öffentlicher Räume für Forscher unsichtbar bleiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine qualitative Literaturanalyse durch und wertet ethnologische Feldstudien von Wissenschaftlern wie David Gilmore, Sahra Uhl und Robinette Kennedy aus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Freundschaftsstrukturen bei Männern und Frauen in andalusischen Dörfern sowie auf Kreta und zeigt die Unterschiede in der Ausübung und Wahrnehmung von Freundschaft auf.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Südeuropa, Frauenfreundschaften, Geschlechtertrennung, Ethnologie, Ehre, Scham und Vertrauen.

Warum werden Frauenfreundschaften oft als nicht existent bezeichnet?

Da sie nicht im öffentlichen Raum stattfinden und den gängigen männlich geprägten Vorstellungen von Freundschaft widersprechen, werden sie von der Forschung oft übersehen oder negiert.

Welche Rolle spielt die Privatsphäre bei Frauenfreundschaften?

Die Privatsphäre (insbesondere das Haus) ist der zentrale Ort für Frauenfreundschaften; Handlungen dort sind jedoch oft in häusliche Pflichten eingebettet, um sozialen Konventionen zu entsprechen.

Wie unterscheidet sich die Freundschaft bei Männern?

Männliche Freundschaften sind oft öffentlich, zeitlich durch Freizeit geprägt, reziprok und dienen der Repräsentation, während Frauenfreundschaften stärker auf Vertrauen und emotionalem Austausch basieren.

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Details

Title
'In Südeuropa haben Frauen keine Freundschaften!' - Widerlegung einer Ideologie
College
University of Leipzig  (Ethnologie)
Course
Gesellschaftsethnologie
Grade
2,0
Author
Christian Albrecht (Author)
Publication Year
2005
Pages
18
Catalog Number
V65235
ISBN (eBook)
9783638578530
ISBN (Book)
9783656789475
Language
German
Tags
Südeuropa Frauen Freundschaften Widerlegung Ideologie Gesellschaftsethnologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Albrecht (Author), 2005, 'In Südeuropa haben Frauen keine Freundschaften!' - Widerlegung einer Ideologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65235
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