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Fremdkulturelles Lachen verstehen - Am Beispiel Afrika und Südamerika

Title: Fremdkulturelles Lachen verstehen - Am Beispiel Afrika und Südamerika

Seminar Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christian Albrecht (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Sobald Menschen in Beziehung zueinander treten, verhalten sie sich. Als Weisen des Verhaltens gibt es Ausdrucksformen wie Liebe, Wut und Aggression, Überraschung, Freude, Furcht und viele andere. In dieser Arbeit wird die Verhaltensweise des Lachens kulturvergleichend untersucht. Lachen ist eine universelle menschliche Ausdrucksform, während Tiere nicht lachen (mit Ausnahme vielleicht der dem Menschen am nächsten verwandten Menschenaffen, die im Ansatz zu Lachen fähig sind). Hitzige Debatten um die Natur des Menschen debattierten um Pro und Contra der „menschlichen Natur“, z.B. stritten der Kulturrelativismus und der Existentialismus universell verbindliche Vorstellungen vom menschlichen Wesen ab. 1 Fest steht, dass alle heutigen Menschen einen einheitlichen biologischen Ursprung haben, wenn es auch verschiedene Menschenrassen gibt. 2 Der interessanten Frage nach der menschlichen Natur soll hier nicht nachgegangen werden, sie soll nur dazu dienen, Überlegungen zu der Universalität von Humor und Lachen anzuregen. Humor verstehe ich hier als eine intellektuelle und emotionale Leistung, während Lachen der Ausdruck der humorvollen Empfindung sein kann, aber so wie jede andere Verhaltensweise auch zweckentfremdet für bestimmte Absichten instrumentalisiert werden kann (z.B. boshaftes Auslachen zum Zwecke der Verspottung). Doch lachen Menschen in verschiedenen Kulturen über das Gleiche? Wie stark ist der kulturelle Einfluss, wie stark die genetische Vererbung? Wenn andere Völker über andere Dinge lachen, können wir das Lachen überhaupt verstehen (und sogar mitlachen)? Um diesen Fragen nachzugehen, wenden wir uns im Folgenden drei ethnologischen Fallbeispielen zu. Zunächst beginne ich mit der Darstellung der Ik in Uganda. Collin M. Turnbull hat dieses Volk in Afrika als grausame Menschen dargestellt, die egoistisch Andere verlachen und Mitmenschen Böses wollen. Die Tiv in Afrika, die Laura Bohannen erforscht hat, sind Bodenbauen, die nach einer schlimmen Pockenepidemie das Grauen mit Lachen verarbeiten. Schließlich wenden wir uns den Slumvierteln in Brasilien zu und sehen eine Form von „laughter out of place“ (Donna Goldstein). [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lachen in Afrika

a) Das „grausame“ Verlachen der Ik

b) Katastrophenlachen bei den Tiv

4. Humor in einem Slumviertel in Südamerika

5. Abschluss

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Lachens aus einer kulturvergleichenden ethnologischen Perspektive. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Humor und Gelächter in unterschiedlichen sozialen Kontexten interpretiert werden können und inwieweit das Lachen als Ausdruck gesellschaftlicher Zustände oder als Bewältigungsmechanismus fungiert.

  • Kulturvergleichende Analyse des Lachens
  • Ethnologische Fallbeispiele (Ik in Uganda, Tiv in Westafrika, Slumviertel in Brasilien)
  • Lachen als soziale Kontrolle und Ventilfunktion
  • Kontextualisierung von Humor bei extremen Lebensbedingungen
  • Die Rolle des Ethnologen bei der Interpretation fremdkultureller Ausdrucksformen

Auszug aus dem Buch

a) Das „grausame“ Lachen der Ik

Collin M. Turnbulls Buch „Das Volk ohne Liebe“ ist gekennzeichnet durch eine unverständliche Haltung gegenüber den Forschungsgegenstand, dem Volk der Ik. Für den Autor „handelt das Buch von der Suche nach dem, was menschlich ist, und einer Entdeckung, die uns zeigt, dass der Mensch die Fähigkeit in sich trägt, unmenschlich zu sein, ja dass wir alle diese Fähigkeit haben“.3 Denn menschlich sind die Ik für Turnbull nicht. Im Verlauf seines Buches vergleicht er sie mit Tieren, „nur dass die ‚animalischen’ Tiere beim Vergleich mit den Menschen insofern besser abschneiden, als sie mehr ‚menschliche’ Eigenschaften aufweisen als die Ik“.4 Die Ik sind für ihn eine „ziemlich schauerliche Gesellschaft“,5 „ganz allgemein niederträchtig, wie es Menschen nur sein können“6 und „… für gewöhnlich krasse Egoisten“.7 Wie ist Turnbull zu dieser negativen Einstellung gekommen? Wie begründet er diese für einen „wertneutralen“ Ethnologen ungewöhnlich abschätzige Wertung einer fremden Gesellschaft?8

Angefangen hat alles mit Turnbulls Forschung, die er in zwei Etappen insgesamt zwei Jahre durchführte. Eigentlich hatte er zunächst vor, bei einer anderen Gruppe zu leben, musste aber aufgrund von Schwierigkeiten kurzerhand umdisponieren und kam so zu den Ik. Die Ik waren früher Jäger und Sammler in den Savannen im Nordosten von Uganda im Kidepo-Tal, wo sie frei umherstreiften. Die etwa 2000 Individuen wurden in den 1960ern von der Regierung zur Sesshaftigkeit gezwungen, und sie durften das fortan als Naturschutzgebiet geltende Tal nicht mehr als Jagdgebiet nutzen. Aufgrund Turnbulls sehr positiven Erfahrungen mit den Mbuti-Pygmäen, die als Jäger und Sammler leben, hatte er sehr positive Erwartungen für seine Feldforschung bei den Ik. So vermutete er für die Ik Tugenden wie Gutartigkeit, Großmut, Fürsorglichkeit, Liebevoll, Ehrlichkeit, Gastfreundlichkeit, Mitgefühl usw. Umso überraschter war er, als sich die vermeintlichen Jäger und Sammler dann als Feldbauern während einer Dürreperiode herausstellten und in einem gnadenlosen Überlebenssystem steckten, das Egoismus und Neid förderte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die anthropologische Fragestellung zur Universalität von Lachen und Humor ein und stellt die drei ethnologischen Fallbeispiele vor, die zur Untersuchung herangezogen werden.

2. Lachen in Afrika: Dieses Kapitel analysiert anhand der Beispiele der Ik und der Tiv, wie Lachen als Ausdruck von Grausamkeit, sozialer Kontrolle oder als Bewältigung von Katastrophen innerhalb unterschiedlicher afrikanischer Kulturen interpretiert werden kann.

4. Humor in einem Slumviertel in Südamerika: Hier wird der Humor in einem brasilianischen Slum als Form des Widerstands und als Ventil unter extremen Lebensbedingungen untersucht, wobei das Konzept von Laura Goldstein im Vordergrund steht.

5. Abschluss: Im Fazit wird betont, dass die Erforschung des Lachens in fremden Kulturen stets eine tiefgreifende Kenntnis des gesellschaftlichen Kontextes erfordert, um Fehlinterpretationen zu vermeiden und den sozialen Sinn hinter dem Lachen zu erfassen.

Schlüsselwörter

Ethnologie, Lachen, Humor, Kulturvergleich, Ik, Tiv, Slum, Brasilien, soziale Kontrolle, Bewältigungsmechanismus, Kontextualisierung, anthropologische Feldforschung, Grausamkeit, Widerstand, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das menschliche Ausdrucksverhalten des Lachens aus einer kulturvergleichenden ethnologischen Perspektive und analysiert, wie Lachen in verschiedenen Gesellschaften gedeutet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Interpretationen von Humor und Lachen als soziale, psychologische und kulturelle Phänomene in Afrika und Südamerika.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, ob Lachen universell ist und ob Außenstehende das Gelächter fremder Kulturen verstehen können, ohne den spezifischen sozialen Kontext zu kennen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Literaturstudie, die ethnographische Berichte und Beobachtungen von Turnbull, Bohannan und Goldstein analysiert und kritisch hinterfragt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Fallstudien: das „grausame“ Lachen der Ik, das Katastrophenlachen der Tiv und den Humor als Widerstandsform in einem brasilianischen Slum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Ethnologie, Humor, soziale Kontrolle, Bewältigung, kultureller Kontext und anthropologische Feldforschung.

Warum wird das Lachen der Ik von Turnbull so negativ dargestellt?

Turnbull interpretiert das Lachen der Ik aufgrund ihrer prekären Lebensbedingungen und seines eigenen Unverständnisses als Ausdruck von Egoismus und Grausamkeit, wobei er eine sehr subjektive Sichtweise einnimmt.

Wie unterscheidet sich Goldsteins Ansatz von dem der anderen Autoren?

Im Gegensatz zu Turnbull oder Bohannan bemüht sich Goldstein stärker um eine systemische Analyse des gesellschaftlichen Kontextes, statt das beobachtete Verhalten lediglich moralisch zu verurteilen.

Was ist das „Katastrophenlachen“ bei den Tiv?

Es beschreibt die Art und Weise, wie die Tiv nach traumatischen Ereignissen wie einer Pockenepidemie das Lachen und Scherzen nutzen, um das Grauen zu verarbeiten und die Angst zu bewältigen.

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Details

Title
Fremdkulturelles Lachen verstehen - Am Beispiel Afrika und Südamerika
College
University of Leipzig  (ethnologie)
Course
etnologie der emotionen
Grade
2,0
Author
Christian Albrecht (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V65237
ISBN (eBook)
9783638578554
ISBN (Book)
9783656776413
Language
German
Tags
Fremdkulturelles Lachen Beispiel Afrika Südamerika
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Albrecht (Author), 2005, Fremdkulturelles Lachen verstehen - Am Beispiel Afrika und Südamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65237
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