Frauen und Menschenrechte im Islam


Essay, 2005

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Essay über: „Frauen und Menschenrechte im Islam“

Als vor 14 Tagen die elektronischen Medien über den Wahlvorgang in Afghanistan berichteten, vielen mir zwei Dinge auf, von denen das eine mehr grundlegender und das andere scheinbar mehr visueller, kurzfristiger Art war.

Zum ersten kam ein etwas diffuses Gefühl von Zufriedenheit und Selbstbestätigung angesichts freier Wahlen – auch und gerade für Frauen – auf, da ich mich vor einigen Jahren in einer Hausarbeit am Gymnasium mit der Rolle der Taliban in Afghanistan auseinander gesetzt hatte, als die Vorgänge dort noch nicht im Blickpunkt des „öffentlichen Weltinteresses“ gerückt waren und ich in meiner Abschlussbetrachtung mit Vehemenz die Realisierung demokratischer Strukturen gefordert hatte und das mit mehr allgemeinen Vorstellungen, da zu diesem Zeitpunkt das Verständnis für eine realistische Veränderung des Regimes dort weitestgehend fehlte.

Zum zweiten sehe ich in den bereits erwähnten Medien Frauen zur Wahl gehen, die die während der Taliban – Diktatur vorgeschriebene „Burka“ trugen, ein Gewand, das den Körper einschließlich Kopf gänzlich bedeckt und lediglich für das Gesicht ein eingeschränktes Blickfeld hinter einer Art Gitter sehr eingeschränkt frei lässt. Da mir aus der Literatur noch der Bericht einer Frau geläufig war, die über die sehr stark eingeschränkten Sichtmöglichkeiten, die Schwere bzw. Dicke des Stoffes und die damit verbundenen Ohnmachtsgefühle berichtete, fiel mir spontan nur ein, dass es doch völlig unverständlich sei, wenn Frauen im Rahmen einer freien Wahl, also dem prägnantesten Symbol von Freiheit ein ebensolches der absoluten Unfreiheit für Frauen tragen und nach außen deutlich machen.

Diese sehr westlich geprägte, spontane weibliche Reaktion hat mich später dazu gebracht, dieses Erlebnis zum Anlass zu nehmen, über die Rolle der Frau im Islam und die damit ganz offensichtlich im Einklang befindlichen Menschenrechtsverletzungen intensiver nachzudenken. War die Rolle der Frauen im Islam bereits im „Urkoran“ des Propheten Mohammeds so festgelegt oder gab es – wie oft in der Geschichte von Religionen und Kulturen – erst später sukzessive veränderte Interpretationen in Richtung Einschränkung von Rechten? Wie verhält es sich mit dem Entwicklungsprozess der „Menschenrechte“ für Frauen? Wie sieht eigentlich die aktuelle Situation von Frauen im Islam aus?

Welche Maßnahmen müssten gegebenenfalls getroffen werden, um diese – und zwar nicht primär aus der Sicht westlicher Frauen – verändern zu können? Gibt es in diesem Zusammenhang gegebenenfalls sogar gravierende Unterschiede zwischen der modernen (?) islamischen Kultur und unserer westlichen Betrachtungsweise bezüglich der Einschätzung von „Menschenrechtsverletzungen“?

Obwohl sich bereits in der Antike namentlich die griechischen Philosophen allgemein mit dem Thema „Menschenrechte“ befasst haben, sind die ersten Menschenrechtserklärungen erst im 18. Jahrhundert in Europa schriftlich formuliert worden.

Nach dem 1. Weltkrieg bemühten sich verschiedene Wissenschaftler ein allgemein gültiges System zu erarbeiten, was jedoch auf erheblichen Widerspruch verschiedener Regierungen stieß und sich erst nach den Erfahrungen im 2. Weltkrieg weiter verfolgen und realisieren ließ.

Eine „ Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ erfolgte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen, am 10.12.1948 anlässlich der Geschehnisse im Nationalsozialismus verbunden mit den dort erfolgten zahlreichen Menschenrechtsverletzungen. Bis dahin wurde eher der Völkerrechtsgedanke, der den Staat als Völkerrechtssubjekt versteht und ihm somit die Behandlung seiner Staatsangehörigen überlässt, beachtet. Der neue Ansatz der Menschenrechte wollte dabei sowohl die historische Dimension erfassen, als auch eine inhaltliche Zielsetzung verfolgen, die den Erfahrungen der Vergangenheit gerecht wird.

Obwohl die o.a. Menschenrechte als universal angesehen werden, sind sie wegen der oftmals fehlenden Vereinbarungen auf nationaler Ebene nicht verbindlich gültig. D.h. sie können im Einzelfall nicht unbedingt bei Verletzungen der Menschenwürde wie z.B. Vertreibung, Folter, Vergewaltigung, usw. angewendet werden. Ursächlich hierfür sind Umstände, die in unterschiedlichen religiösen, politischen, sozialen, historischen oder kulturellen Lebensformen zu suchen sind und eine einheitliche Vorgehensweise erschweren oder vielleicht sogar zu verhindern mögen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Frauen und Menschenrechte im Islam
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Politikwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V65251
ISBN (eBook)
9783638578677
ISBN (Buch)
9783656808831
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Menschenrechte, Islam
Arbeit zitieren
Sara Schlieper (Autor:in), 2005, Frauen und Menschenrechte im Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65251

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