Das Berufsprinzip bildet den tragenden Pfeiler gesellschaftlicher Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Sowohl das berufliche Bildungssystem, in dem sich speziell die staatlich anerkannten Ausbildungsberufe herausgebildet haben, als auch das Beschäftigungssystem orientieren sich an vorhandene oder neu gestaltete Berufsbilder. Die Ausbildung staatlich anerkannter Ausbildungsberufe erfolgt in einem dualen System, das Deutschland von seinen Nachbarländern differenziert. Im Laufe mehrerer Jahre haben sich einige kritische Stimmen zu der Orientierung an das Berufsprinzip und dem Bildungssystem geäußert. Es ist von Erosion oder gar Aufhebung des Berufsbildes und einer Modernisierung des Bildungssystems die Sprache. Um die Aussagekraft dieser Meinungen untersuchen zu können, beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Herausbildung der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe im Hinblick auf das Berufsprinzip und den didaktischen Regelungen des dualen Systems. Dabei wird zunächst das Berufprinzip in seiner Sozialisations- und Integrationsfunktion, bezogen vor allem auf die Ausbildung, beleuchtet und der Zusammenhang zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem dargestellt. Die didaktische Konkretisierung im Konstrukt des staatlich anerkannten Ausbildungsberufes wird anhand der Erläuterung des dualen Systems deutlich gemacht. Weiterhin werden kritische Äußerungen zum Berufsprinzip vorgestellt und diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Problemstellung
2.0 Berufsausbildung und Berufsprinzip
2.1. Ein historischer Abriss
2.2. Das Berufsprinzip – Sozialisations- und Integrationsfunktion
2.3. Teilarbeitsmärkte
2.4. Staatlich anerkannte Ausbildungsberufe
2.5. Das Berufsprinzip als Mittler
3.0 Das duale System
3.1. Berufsausbildung im dualen System
3.2. Ausbildungsordnungen
3.3. Ausbildungsordnungskonzepte
3.4. Rahmenlehrpläne
3.5. Verfahren zur Erarbeitung von Ausbildungsordnungen und ihrer Abstimmung mit den Rahmenlehrplänen
5.0 Das Berufsprinzip – Kritik und Gegenargumente
5.1. Einbahnstraße Beruf
5.2. Berufsbilder als Persönlichkeitsbilder
6.0 Schlussbetrachtung
7.0 Anhang
7.1 Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Berufsprinzips als zentrales Strukturmerkmal der gesellschaftlichen Arbeit in Deutschland. Dabei wird analysiert, wie staatlich anerkannte Ausbildungsberufe im dualen System didaktisch konkretisiert werden und inwiefern dieses System trotz kritischer Stimmen zur Erosion von Berufsbildern als unverzichtbarer Integrationsmechanismus fungiert.
- Historische Entwicklung und soziologische Bedeutung des Berufsbegriffs
- Die Funktion von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen im dualen System
- Der Zusammenhang zwischen Bildungssystem und Teilarbeitsmärkten
- Diskussion von Kritikpunkten wie der „Einbahnstraße Beruf“ und sozialem Status
- Die Rolle des Berufsprinzips als Vermittler zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem
Auszug aus dem Buch
2.5. Das Berufsprinzip als Mittler
Im Bildungssystem werden theoretische Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die zum Teil im Beschäftigungssystem im Rahmen des Erwerbslebens wieder auftauchen, beansprucht und vorausgesetzt werden. Es soll also den Schüler auf das Erwerbsleben vorbereiten und ihm die Tür zu diesem öffnen. Da das Bildungssystem aber nicht alle einzelnen Betriebe auf deren Anforderungen prüfen kann, orientiert es sich an Berufen, deren Qualifikationsbündel bereits durch die Organisation in staatlich anerkannte Ausbildungsberufe festgelegt sind. Das Beschäftigungssystem orientiert sich bei seiner Personalplanung ebenfalls nach diesen Berufsmustern, da die Betriebe aufgrund des Abschlusses eines einzelnen Schülers auf dessen Fähigkeiten schließen können.
Sowohl das Bildungs- als auch das Beschäftigungssystem orientieren sich demnach an dem Berufsprinzip, das in dieser Form als Übersetzungsmechanismus auftritt. Demnach codiert der Beruf Qualifikationen, wodurch eine Kommunikation auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht wird. Somit bindet das Berufsprinzip an „einen betriebsexternen Arbeitsmarkt, der als ‚Drehscheibe’ zwischen dem ‚Erzeugungs-’ und dem ‚Verwertungsraum’ beruflicher Qualifikationen fungiert.’’
Weiterhin fällt es einem Jugendlichen heutzutage immer schwerer sich in dem Dschungel der Qualifikationsanforderungen von Seiten der Arbeitgeber zurechtzufinden. Das Berufsprinzip verschafft ihm dennoch einen halbwegs transparenten Überblick in Bezug auf den Arbeitsmarkt, da er sich an den einheitlich geregelten Qualifikationsbündeln, die in einem Beruf zusammengefasst sind und den Bedarf der Betriebe an Erfordernissen charakterisieren, orientieren und sich danach ausbilden lassen kann. Es besteht also durch die Berufsmuster eine „Entlastung bei der Aufgabe, ihr Arbeitsvermögen überhaupt brauchbar und einsetzbar zu entwickeln’’.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Problemstellung: Einleitung in die Bedeutung des Berufsprinzips als tragender Pfeiler der deutschen Arbeitswelt und Skizzierung der Problemstellung dieser Arbeit.
2.0 Berufsausbildung und Berufsprinzip: Analyse der historischen Herkunft, der sozialen Integrationsfunktion und der Segmentation des Arbeitsmarktes durch das Berufsprinzip.
3.0 Das duale System: Untersuchung der institutionellen Strukturen, inklusive der Ausbildungsordnungen, Lehrpläne und der Verfahren zur Abstimmung dieser Vorgaben.
5.0 Das Berufsprinzip – Kritik und Gegenargumente: Kritische Auseinandersetzung mit der Vorwurf der beruflichen Einbahnstraße und der Statussymbolik von Berufsbildern.
6.0 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung, in der die Autorin für die Beibehaltung des Berufsprinzips aufgrund seiner Orientierungsfunktion plädiert.
7.0 Anhang: Auflistung der verwendeten Literaturquellen im Rahmen der Bibliographie.
Schlüsselwörter
Berufsprinzip, duales System, Ausbildungsberuf, Berufsbildung, Arbeitsmarktsegmentation, Ausbildungsordnung, Rahmenlehrplan, Facharbeiterqualifizierung, Berufsbild, Bildungs- und Beschäftigungssystem, soziale Integration, berufliche Handlungskompetenz, Qualifikationsbündel.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das deutsche Berufsprinzip als maßgebliche Struktur der Arbeitswelt und hinterfragt seine didaktische Umsetzung im dualen System.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese, den rechtlichen Rahmenbedingungen der Ausbildung und der Rolle des Berufes als Vermittler zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Aussagekraft kritischer Stimmen zu prüfen, die eine Erosion des Berufsbildes fordern, und die Bedeutung des Prinzips für die Berufsorientierung darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die soziologische und pädagogische Fachliteratur zur Analyse heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Berufsausbildung im dualen System, die Beschreibung der rechtlichen Vorgaben (Ausbildungsordnungen) und eine kritische Debatte zu den Funktionsweisen des Systems.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Zentrale Begriffe sind das duale System, die staatliche Anerkennung von Berufen, die Arbeitsmarktsegmentation und die soziale Absicherung durch Berufsmuster.
Warum wird das duale System als „Drehscheibe“ bezeichnet?
Weil es als Übersetzungsmechanismus zwischen dem Bildungsraum, in dem Qualifikationen erzeugt werden, und dem Beschäftigungsraum, in dem diese verwertet werden, fungiert.
Wie bewertet die Autorin die Kritik an der „Einbahnstraße Beruf“?
Die Autorin argumentiert, dass die Erstausbildung für die Mehrheit der Jugendlichen passend ist und das duale System durch fachübergreifende Kompetenzen eine hinreichende Flexibilität für spätere Berufswechsel bietet.
Warum ist die Einheitlichkeit von Ausbildungsordnungen so wichtig?
Sie ermöglichen eine landesweit vergleichbare Qualität und die Einordnung in das Tarif- und Sozialrechtssystem, was die soziale Absicherung für Absolventen erst ermöglicht.
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- Maria-Carina Holz (Author), 2006, Das Berufsprinzip als Strukturmerkmal der professionellen Organisation gesellschaftlicher Arbeit in der BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65264