This paper compares Luhmanns systems theorie and Bourdieus praxeology by discussing their concepts of political power. It will be showed that power can be described as a symbolic generalised medium of communication since media accelerate social processes. The second section explores how power is related to the political sphere of a society. With its symbolic character, power is predestinated to act as the medium of the politicial subsystem of a society and becomes political power. The political construction called state comes to exist, if political power is accepted as legitime.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Macht als Gegenstand der Soziologie und Thema dieser Arbeit
2. Politische Macht bei Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu
2.1 Der Begriff der Macht
2.1.1 Macht als soziale Beziehung
2.1.2 Machtausübung als Handeln
2.1.3 Macht als Kommunikationsmedium
2.1.4 Macht als generalisiertes Kommunikationsmedium
2.1.5 Macht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium
2.2 Macht und Politik
2.2.1 Politisches System und politisches Feld
2.2..2 Politisch-symbolische Macht und politisches System/Feld
2.2..3 Legitime politische Macht und der Staat
2.3 Exkurs zu den Konzepten Kapital und Medium
2.3.1 Macht als Kapital?
2.3.2 Macht als Ziel oder Mittel/Medium?
3. Resümee und Bemerkung zur gemeinsamen Grundintention
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit vergleicht die Systemtheorie von Niklas Luhmann mit der Praxeologie von Pierre Bourdieu, um den Begriff der politischen Macht theoretisch zu durchdringen. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in der Machtanalyse aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit Macht in beiden Ansätzen als Medium zur Beschleunigung sozialer Prozesse und zur Konstitution politischer Systeme fungiert.
- Vergleichende Analyse des Machtbegriffs bei Luhmann und Bourdieu
- Macht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium
- Verortung von Macht im politischen System bzw. politischen Feld
- Konstitution des Staates durch legitime politische Macht
- Diskussion der Konzepte Kapital, Medium und Ziel-Mittel-Relation
Auszug aus dem Buch
2.1.5 Macht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium
Wenn Macht als Sprache verstanden wird, und Sprache ein System von Symbolen ist, dann lässt sich Macht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium beschreiben. Erst in dieser Form lässt sich Macht als explizit dem politischen Feld bzw. System zuweisen, wie später noch erläutert wird. Gemäß dem soziologischen Grundkonsens verweisen Symbole auf etwas, das sie selbst nicht sind, sie ermöglichen die Aktualisierbarkeit eines Abwesenden, z.B. die Konstruktion von Vermeidungsalternativen oder alternativer Weltsichten.
Um zur basalen Symbolhaftigkeit der Machtkommunikation bei Luhmann vorzudringen, empfiehlt es sich, die konkrete Machtpraxis zu untersuchen. Macht wird ausgeübt, in dem der Machthaber eine für den Machtunterlegenen positiv oder negativ bewertete Alternative konstruiert und die Motivation zur Erreichung bzw. Vermeidung der positiven bzw. negativen Alternative benutzt, um den Machtunterlegenen zu einer Handlung (bzw. Unterlassung) zu bewegen, die er ohne diese Motivation nicht ausgeführt hätte. Erst im Fall der hypothetischen Kombination einer Vermeidungsalternative handelt es sich dabei um einen Zustand, eine negative Sanktion, die weder der Machthaber noch der Machtunterlegene verwirklicht sehen möchte, wobei „der Machtunterlegene seine Alternative (...) vergleichsweise eher vermeiden möchte als der Machthaber“ (Luhmann 2003b: 22, Hervorhebung im Orig., Anm. d. Verf.).
Diese Konstruktion von unterschiedlich peiorisierten Vermeidungsalternativen ist hypothetisch, da es „im Interesse der Macht [liegt, Anm. d. Verf.], eine solche Wendung zu vermeiden. Sie bricht zusammen, wenn es zur Verwirklichung der Vermeidungsalternativen kommt“ (ebd.: 23), was unter anderem damit zutun hat, dass eine permanente Realisierung der Vermeidungsalternativen inflationäre Wirkungen verursachen kann. Damit sieht sich der Machthaber mit der Paradoxie konfrontiert, negative Sanktionen durch die Demonstration ihrer Realisierung glaubhaft zu machen, ohne das Machtpotential durch die tatsächliche Realisierung zu verspielen. Der Machthaber kann, und darin liegt die Symbolhaftigkeit der Macht, zur Auflösung der Paradoxie seine Macht in Form von Symbolen demonstrieren, welche Drohungen auf Dauer stellen und zur Einschüchterung der Untergebenen keiner Realisierung bedürfen, ohne ihren Erfolg einzubüßen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Macht als Gegenstand der Soziologie und Thema dieser Arbeit: Einführung in die Thematik und methodische Herangehensweise an den Vergleich der Theorien von Luhmann und Bourdieu.
2. Politische Macht bei Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu: Untersuchung des Machtbegriffs in verschiedenen sozialen und theoretischen Kontexten.
2.1 Der Begriff der Macht: Systematische Herleitung von Macht als soziale Beziehung, Handlung, Medium und Kommunikationsform.
2.2 Macht und Politik: Analyse der Ausdifferenzierung des Politischen bei beiden Theoretikern unter Berücksichtigung von Systemen und Feldern.
2.3 Exkurs zu den Konzepten Kapital und Medium: Theoretische Auseinandersetzung mit der Frage, ob Macht bei Bourdieu als Kapital oder Medium zu verstehen ist.
3. Resümee und Bemerkung zur gemeinsamen Grundintention: Zusammenfassung der Ergebnisse und Feststellung einer gemeinsamen probabilistischen Grundintention der Autoren.
4. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Politische Macht, Niklas Luhmann, Pierre Bourdieu, Systemtheorie, Praxeologie, Kommunikationsmedium, symbolisches Kapital, politisches Feld, politisches System, Legitimität, Staat, Vermeidungsalternativen, soziale Beziehung, Soziologie, Theorievergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit unternimmt einen Theorienvergleich zwischen Niklas Luhmanns Systemtheorie und Pierre Bourdieus Praxeologie, um das Phänomen der politischen Macht soziologisch zu ergründen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen der Begriff der Macht als soziales Phänomen, die symbolische Natur von Machtkommunikation sowie die Strukturen und Funktionsweisen von politischen Systemen und Feldern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Durchdringung politischer Macht, insbesondere die Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten in den Ansätzen von Luhmann und Bourdieu bei der Analyse von Herrschafts- und Entscheidungsstrukturen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen systematischen Theorienvergleich auf einem abstrakten Niveau, bei dem Luhmanns präzisere Bestimmung des Machtbegriffs als analytische Folie dient, vor der Bourdieus Ergebnisse expliziert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Macht, die mediale Funktion von Macht zur Beschleunigung sozialer Kommunikation, die Verortung von Macht im politischen Raum sowie das Verhältnis von Macht zu Kapital und Legitimität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Politische Macht, Symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, Systemtheorie, Praxeologie und Legitime Herrschaft charakterisieren.
Warum ist die Symbolhaftigkeit der Macht für Luhmann entscheidend?
Sie ermöglicht es, Drohungen und Vermeidungsalternativen glaubhaft zu kommunizieren, ohne sie physisch permanent realisieren zu müssen, was das Machtpotential schont und die Verwaltbarkeit politischer Entscheidungen erhöht.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Kapital und Medium bei Luhmann und Bourdieu?
Während bei Luhmann Macht primär als funktionales Kommunikationsmedium zur Systemerhaltung dient, sieht Bourdieu politische Macht stärker als symbolisches Kapital, um das Akteure in einem umkämpften Feld konkurrieren.
- Quote paper
- Manuel Wätjen (Author), 2005, Politische Macht bei Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65288