Themen zur Aufklärung für 10-12 jährige Kinder (Sexualerziehung)


Hausarbeit, 2001

29 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Die Sexualerziehung

Die Pubertät

Die Körpervorgänge bei Menstruation und Schwangerschaft

Die Empfängnisverhütung

Quellenangaben

Sexualerziehung

Präambel:

Früher hatten es die Eltern leichter, da man allgemein der Überzeugung war, Sexualität und sexuelle Bedürfnisse entstünden erst mit der Fortpflanzungsfähigkeit und wurden somit von Eltern ignoriert oder sogar bestraft. Im Laufe der Jahre hat sich zu diesem Thema einiges geändert. Vater und Mutter haben gelernt, dass bereits frühkindliche sexuelle Äußerungen ein Ausdruck der Lust sind und nicht unterdrückt werden sollten, ohne zu wissen, wie sie selbst aufgrund sexualfeindlicher Erziehung mit Hemmungen und Ängsten umgehen können und müssen.

Die Hohe Schule der Aufklärung

Wenn Kinder wissen, wie Kinder gezeugt und geboren werden und dass zur Sexualität Zärtlichkeit und Liebe gehören, dann hat man schon ein gutes Fundament, auf dem Lehrer bei den Jungen und Mädchen im Grundschulalter aufbauen können. Die Kinder schnappen viele unterschiedliche Begriffe aus diesem Bereich auf, können sie aber noch nicht verstehen. Was sind Prostituierte, Zuhälter, Homosexuelle, Lesben, Exhibitionisten etc.?

Von allen Seiten stürzen neue Begriffe auf sie ein. Eltern und Lehrern können den Rat gegeben werden, die Fragen des Kindes nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern sie ernsthaft und sachlich zu beantworten. Denn ein fragendes Kind bemüht sich ja um sachliche Aufklärung. Wenn man als Elternteil eine Frage des Kindes selbst ad hoc nicht beantworten kann, so sollte zusammen mit dem Kind in einem geeigneten Buch nachgeschlagen werden. Spricht man auch über abseitige Themen der Sexualität nicht nur sachlich, sondern auch noch ganz persönlich, hat das Kind die Möglichkeit von Elternseite zusätzlich wichtige Werte zu vermittelt bekommen.

Wenn ein Kind zum Beispiel nach dem Begriff Prostitution fragt, könnte eine mögliche Elternantwort sein: „ Für mich gehört zur Sexualität immer Liebe. Ich liebe deinen Vater, darum schlafe ich auch sehr gern mit ihm. Ich könnte außer mit ihm jetzt mit keinem anderen Mann schlafen. Prostituierte schlafen mit jedem Mann, der dafür bezahlt. Für sie ist Sexualität ein Geschäft, ein Beruf. Mein Beruf, mein Geschäft könnte es nicht sein. Aber das gilt für mich. Andere Menschen können darüber anders denken.“

Wenn es um Fragen nach Lesben und Homosexuellen geht, kommt ein ebenfalls wichtiger Wert ins Gespräch - die Toleranz gegenüber anders denkenden Menschen -. Zur hohen Schule der Aufklärung gehören natürlich auch Antworten auf Fragen nach Verhütungsmitteln, nach Aids, auch nach sexuellen Straftaten und nach Geschlechtskrankheiten. Wer die Werte , die er seinem Nachwuchs gern vermitteln möchte, selbst nicht realisieren kann, sollte sich bei Fragen auf sachliche Antworten beschränken.

Sexualerziehung bedeutetet vor allem, sein Kind in seiner sexuellen Entwicklung einfühlsam zu begleiten, es zum Beispiel nicht durch ständige Tabus oder Verbote zu hemmen oder sogar zu belasten, sondern ihm eine Atmosphäre von Zärtlichkeit, Liebe und Geborgenheit zu geben. Um das leisten zu können, muss man die sexuelle Entwicklung seines Kindes genauestens kennen, denn die elterlichen Reaktionen auf die kindlichen sexuellen Erlebnisse setzen Maßstäbe. Abwehr, Abscheu oder Verbote bauen Hemmungen auf, die möglicherweise lebenslang das partnerschaftliche Verhalten prägen können oder zumindest nur sehr schwer abzubauen sind. Aufklärung bedeutet nichts anderes, als alle Fragen über den sexuellen Bereich zu beantworten wie andere vom Kind gestellte Fragen. Einfühlsame Aufklärung heißt, diese Fragen immer dann zu beantworten, wenn sie vom Kind gestellt werden und zwar nur soweit, wie es das Kind in diesem Moment wissen will.

Sexualerziehung beginnt also nicht erst mit der Geschlechtsreife der Kinder in der Pubertät, wie viele Eltern möglicherweise annahmen, sondern schon ein Baby kann zum Ausdruck bringen, dass es Lust empfindet, wenn Mutter oder Vater zum Beispiel beim Wickeln oder Baden seine Genitalien berührt.

Schon lange bevor die verbale Aufklärung einsetzen kann, werden Kinder in vielen Bereichen ganz natürlich aufgeklärt. Sie beobachten sehr genau, was um sie herum geschieht. Dabei bemerken sie auch, wie Vater und Mutter zu ihrem Körper stehen und was sich beziehungsmäßig und atmosphärisch zwischen den Eltern abspielt. Viele Kinder haben ein gutes Gespür, sind sehr sensibel und kriegen daher meist viel mehr mit, als Eltern glauben.

Während das eine Elternpaar im engen Familienkreis sich sehr locker gibt und ungehemmt nackt durch die Wohnung läuft, zeigt sich das andere Elternpaar seinen Kindern nur mit Kleidung. Beim Duschen wird die Tür vor dem Kind verschlossen. Das Kind erfährt an diesem Beispiel zwei ganz unterschiedliche Botschaften. Das eine Elternpaar zeigt seine Offenheit dem Kind gegenüber und verheimlicht nicht die Liebe und Zuneigung. Das Kind wird oftmals in solchen Familien in die Zärtlichkeit mit einbezogen.

Das andere Elternpaar dagegen wird vermutlich jede Art von Zärtlichkeit für den späten Abend sich aufsparen, wenn das Kind schläft, so dass es wohl wenig davon bemerken wird.

Ein anderes Beispiel zeigt, dass das eine Elternpaar Streitigkeiten, die es in jeder Ehe gibt, nie vor dem Kind austrägt, sondern seine Meinungsverschiedenheiten stets, wenn die Kinder nicht anwesend sind, klären. Das andere Elternpaar hingegen klärt seine Probleme vor den Kindern immer dann, wenn sie auftreten.

Auch sind bei der Problemlösung Unterschiede festzustellen, da die einen dieses sachlich und ruhig, die anderen emotional und teilweise sogar unsachlich tun. Nach Carl Gustav Jung, einem sehr bekannten Psychiater, werden Kinder dadurch erzogen, was die Eltern darstellen, und nicht, was sie reden. Mit anderen Worten hat es wenig Bedeutung für das Kind, wenn Eltern, die sehr gefühlskalt sind, ihrem Kind erzählen, dass Sexualität von Empfindungen geprägt sei, die sich durch Liebe und Zärtlichkeit zwischen Mann und Frau zeigen. Vor allem wenn es sich um noch sehr kleine Kinder handelt, die längere Erklärungen noch nicht verarbeiten können, ist das alltägliche Leben, das die Eltern verkörpern und vorleben, das Fundament des Kindes für das spätere Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber.

Es ist doch nicht verwunderlich, dass Kinder, die keine Zärtlichkeit erfahren haben, diese auch nicht weitergeben können. Wer als Kind erlebt hat, wie sich Menschen, die sich nahe stehen, bei Meinungsverschiedenheiten sich verhalten, wird später in ähnlicher Weise reagieren können.

Doktorspiele – Frühkindliche Sexualität

Vor dem Schuleintritt wird bei fast allen Kindern in der sexuellen Entwicklung ein vorläufiges Reifestadium erreicht. Viele Jungen erleben Gliedversteifungen, die durch Reibung der Kleidung oder auch durch eine gefüllte Blase zustande kommen können. Die dabei entstehenden Gefühle versuchen sie mit der Hand zu verstärken, bis sie ihren Lusthöhepunkt erreicht haben. Der Unterschied des Orgasmus zu einem geschlechtsreifen Mann besteht darin, dass noch kein Sperma ausgestoßen wird. Die Mädchen verhalten sich in ähnlicher Weise und reizen mit der Hand vor allem ihren Kitzler. Bis zum Kindergartenalter haben fast alle Kinder begriffen, dass es Männer und Frauen und Jungen und Mädchen

gibt. Schon ab drei Jahren erproben Kinder ihren Körper, falls sie nicht durch Tabus und Verbote davon abgehalten wurden. Ganz allmählich wird auch der Körper des anderen Geschlechts interessanter und die sogenannten Doktorspiele geben dafür besonders gute Gelegenheit, den Körper des anderen zu erforschen.

Kinder spielen Lehrer und Schüler, Polizist und Verkehrsteilnehmer, Kaufmann und Kunde. Warum also nicht auch Doktor und Patient? So kann das Kind, das den Doktor spielt, auf ganz legitime Weise den Körper eines anderen Kindes untersuchen. Oft stehen Schüchternheit und Scham im Vordergrund, nicht zu wissen, wie man sich verhalten soll, die allerdings nach kurzer Zeit rasch abgelegt werden. Solche Doktorspiele finden meist hinter verschlossenen Kinderzimmertüren statt. Viele Eltern ahnen etwas, wissen aber nicht, wie sie auf diese bestimmte Situation reagieren sollen.

Die Kinderzimmertür zu öffnen, wäre auch nicht die feine englische Art, denn dieses würde ein Eingriff in die Intimsphäre des Kindes darstellen. Vor allem aber kann die heftige Störung durch den Erwachsenen, der wahrscheinlich gleich fordert, sofort dem mit Spiel aufzuhören, zum traumatischen Erlebnis werden, das die spätere Sexualität des Kindes schwer beeinflussen könnte. Sollte ein wichtiger Grund tatsächlich vorliegen das Kinderzimmer betreten zu müssen, dann sollte dieses durch leises Anklopfen geschehen, auch mit der Entschuldigung für die Störung, denn die Eltern wollen ja auch ein Recht auf ihre Intimsphäre haben. Den Kindern sollte dann ein wenig Zeit gelassen werden, um in die Wirklichkeit zurückzukehren.

Eltern sollten wissen, dass die kindliche Neugier der Motor der geistigen Entwicklung ist.

Pubertät

Begriffsklärung

Pubertät heißt die Entwicklungsphase in Deinem Leben, in der Du erwachsen wirst. In dieser Zeit wirst Du körperlich und geistig reifer. Bei den meisten Menschen beginnt diese Zeit mit ungefähr 11 Jahren und sie dauert bis man etwa 18 Jahre alt ist. Mädchen kommen oftmals früher in die Pubertät als Jungen. Es lässt sich aber nie genau vorhersagen wann genau es losgeht und wann diese Phase abgeschlossen ist. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Außerdem verlaufen die körperliche (physische) und geistige (psychische) Entwicklung nicht immer gleichzeitig. So kann es vorkommen, dass zwei gleichaltrige Jugendliche aufeinandertreffen, die in unterschiedlichen Phasen stecken. Während der eine körperlich schon voll ausgereift ist, steht der andere noch am Anfang dieser Entwicklung. Sowohl die „Frühentwickler“ als auch die „Spätentwickler“ müssen sich keine Sorgen machen, beides ist völlig normal. Der Ausdruck Pubertät wurde übrigens von dem lateinischen Wort „pubertas“ abgeleitet. Das bedeutete „Mannbarkeit“; gemeint ist aber die Geschlechtsreife von Jungen und Mädchen. An dieser Stelle wollen wir Dir etwas über die körperlichen Veränderungen erzählen, die in Deinem Körper vor sich gehen.

Wachstum

Zunächst einmal merken die meisten Kinder gar nicht, dass sie in die Pubertät kommen. Die allerersten Veränderungen kann man nämlich nicht sehen, da sie im Körperinneren stattfinden. So ist die erste große Veränderung die Du wahrscheinlich bemerkst, dass Du größer wirst. Die Zellen in Deinen Knochen werden dazu angeregt sich zu vermehren und so werden Deine Knochen länger. Dieser Wachstumsschub wird durch die steigende Menge Hormone ausgelöst, die Du produzierst.

Hormone sind chemische Substanzen, die ganz viele verschiedene Aufgaben innerhalb Deines Körpers haben. Sie werden in Drüsen gebildet und gelangen dann mit dem Blut in die jeweiligen Körperteile in denen sie dann direkt auf die Organe einwirken, sie sozusagen zur Arbeit anregen. Solche Hormone sind auch die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen. So wird das Testosteron im Hoden gebildet und das Östrogen in den Eierstöcken. Mit dem Ende der Kindheit, wenn Du ein bestimmtes Wachstumsstadium erreicht hast, gibt Dein Gehirn den Befehl an Deinen Körper diese Hormone in größeren Mengen zu produzieren.

Von nun an bildet Dein Körper Keimzellen, bei Frauen sind das die Eizellen, bei Männern die Samenzellen. Die Geschlechtshormone sind also in erster Linie dazu da, dass Du Kinder empfangen bzw. zeugen kannst. Sie sind verantwortlich für das Wachstum Deiner Geschlechtsorgane (den primären Geschlechtsmerkmalen), ebenso wie für die sichtbaren (sekundären) Geschlechtsmerkmalen. Zu denen gehören bei den Mädchen die Brüste und die Hüften und bei den Jungen das breitere Kreuz und der Bart. Bei beiden wachsen zudem Achsel- und Schamhaare, das Gesicht wird länger und weniger rundlich und Du bekommst mehr Muskeln.

In Deinen Geschlechtsorganen bildet sich übrigens auch immer eine kleine Menge des jeweils anderen Hormons. Das heißt: Männer produzieren in ihren Hoden auch Östrogen und Frauen in ihren Eierstöcken Testosteron.

Bei Jungen sind Herz und Lunge vergleichsweise größer, sie bekommen mehr Muskeln, haben breitere Schultern und werden insgesamt größer als Mädchen. Das sind die Gründe dafür, dass sie oft stärker sind als Mädchen. Frauen dagegen haben mehr Ausdauer und sie leben im Durchschnitt länger als Männer.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Themen zur Aufklärung für 10-12 jährige Kinder (Sexualerziehung)
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Autor
Jahr
2001
Seiten
29
Katalognummer
V6531
ISBN (eBook)
9783638140751
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Hausarbeit wird auf die Grundlagen der Sexualerziehung, welche auf Kinder und damit angehende Pubertierende abzielt, eingegangen. Wichtige Themenbereiche, die beispielsweise auch ein Lehrer bei seiner Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in der Schule in Sexualerziehung erörtern sollte, sind Pubertät , Körpervorgänge bei Menstruation und Schwangerschaft sowie die Empfängnisverhütung. Die Ausarbeitung basiert auf Informationsschriften der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 410 KB
Schlagworte
Sexualerziehung, Pubertät, Menstruation, Empfängnisverhütung
Arbeit zitieren
Andre Steege (Autor), 2001, Themen zur Aufklärung für 10-12 jährige Kinder (Sexualerziehung), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6531

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