Wir alle führen permanent Gespräche: zu Hause, in der Universität, am Arbeitsplatz, unter Freunden – überall. Durch Gespräche stellen wir uns dar, erfahren andere etwas über und von uns. Und obwohl wir alle täglich Gespräche führen, sind sie doch nicht alle gleich aufgebaut. Männer und Frauen beispielsweise sprechen `irgendwie´ anders – das haben die Meisten im Gefühl. Doch lässt sich diese Ungleichheit im sprachlichen Handeln auch wissenschaftlich nachweisen und wenn ja, was genau macht sie aus? Wer hat in einem Gespräch häufiger das Wort, wer unterbricht seinen Gesprächspartner häufiger, wer hört aufmerksamer zu und wer bestimmt worüber geredet wird?
Ziel dieser Arbeit ist, diese Fragen mit Hilfe von empirischen Studien zu beantworten. Anhand der Kategorien „Redezeit und Redebeiträge“, „Unterbrechungen“, „Hörerinnenaktivitäten“ und „Steuerung des Gesprächsthemas“ wird untersucht, ob sich tatsächlich ein geschlechtstypischer Gesprächsstil bestimmen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Redezeit, Anzahl und Dauer der Redebeiträge
2.1. Ergebnisse aus der Forschung
2.2. Schlussfolgerungen
3. Sprecherwechsel: Unterbrechung, Unterbrechungsversuch und Überlappung
3.1. Ergebnisse aus der Forschung
3.2. Schlussfolgerungen
4. Gesprächsarbeit und Hörer/Innenaktivitäten: Minimalbestätigungen
4.1. Ergebnisse aus der Forschung
4.2. Schlussfolgerungen
5. Steuerung des Gesprächsthemas
5.1. Ergebnisse aus der Forschung
5.2. Schlussfolgerungen
6. Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Ziel der Arbeit besteht darin, anhand empirischer Studien zu klären, ob ein wissenschaftlich nachweisbarer, geschlechtstypischer Gesprächsstil existiert. Dabei wird untersucht, wie Kategorien wie Redezeit, Unterbrechungen, Höreraktivitäten und Themensteuerung durch das Geschlecht oder durch den situativen Status der Gesprächspartner beeinflusst werden.
- Analyse von Redezeit und Redebeiträgen
- Untersuchung von Unterbrechungen und Überlappungen
- Bewertung von Gesprächsarbeit durch Minimalbestätigungen
- Evaluation der Steuerung des Gesprächsthemas
- Einfluss des situativen Status und der Expertise auf das Gesprächsverhalten
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Wir alle führen permanent Gespräche: zu Hause, in der Universität, am Arbeitsplatz, unter Freunden – überall. Durch Gespräche stellen wir uns dar, erfahren andere etwas über und von uns. Und obwohl wir alle täglich Gespräche führen, sind sie doch nicht alle gleich aufgebaut. Männer und Frauen beispielsweise sprechen `irgendwie´ anders – das haben die Meisten im Gefühl. Doch lässt sich diese Ungleichheit im sprachlichen Handeln auch wissenschaftlich nachweisen und wenn ja, was genau macht sie aus? Wer hat in einem Gespräch häufiger das Wort, wer unterbricht seinen Gesprächspartner häufiger, wer hört aufmerksamer zu und wer bestimmt worüber geredet wird?
Ziel dieser Arbeit soll sein, diese Fragen mit Hilfe von empirischen Studien zu beantworten. Anhand der Kategorien „Redezeit und Redebeiträge“, „Unterbrechungen“, „Hörerinnenaktivitäten“ und „Steuerung des Gesprächsthemas“ soll untersucht werden, ob sich tatsächlich ein geschlechtstypischer Gesprächsstil bestimmen lässt. Beim Vergleich der Studien soll darauf geachtet werden, inwieweit Gruppengröße, Gruppenzusammensetzung oder der Grad der Öffentlichkeit das Ergebnis beeinflussen. Besonders soll auch auf das soziale Verhältnis der Beteiligten in der konkreten Gesprächssituation geachtet werden. Dieses soziale Verhältnis wird im Folgenden mit „situativer Status“ bezeichnet. Der situative Status einer Person kann unter Umständen höher oder niedriger sein, als ihr beruflicher Status. Der situative Status wird am stärksten durch die (unterstellte) Kompetenz für ein Gesprächsthema beeinflusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und Einführung in die zentrale Fragestellung zur Existenz eines geschlechtstypischen Gesprächsstils.
2. Redezeit, Anzahl und Dauer der Redebeiträge: Analyse, ob Männer signifikant mehr Redezeit beanspruchen als Frauen.
3. Sprecherwechsel: Unterbrechung, Unterbrechungsversuch und Überlappung: Untersuchung der Hypothese, dass Männer ihre Gesprächspartner häufiger unterbrechen.
4. Gesprächsarbeit und Hörer/Innenaktivitäten: Minimalbestätigungen: Betrachtung der kooperativen Funktion von Minimalbestätigungen und der Verteilung der Hörerarbeit.
5. Steuerung des Gesprächsthemas: Analyse der Themenkontrolle und wie Sprecher auf die Beiträge ihrer Vorredner eingehen.
6. Abschließende Bemerkung: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung zur Bedeutung des situativen Status gegenüber dem Geschlecht.
Schlüsselwörter
Geschlechtstypisches Gesprächsverhalten, Soziolinguistik, Redezeit, Unterbrechungen, Gesprächsarbeit, Minimalbestätigungen, Themenkontrolle, situativer Status, Expertenstatus, Sprachwissenschaft, Kommunikation, Geschlechterforschung, Gesprächsstil, empirische Studien, Diskursanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Fundierung eines geschlechtstypischen Gesprächsstils durch die Analyse empirischer Studien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen Redezeit, Sprecherwechsel (Unterbrechungen), Gesprächsarbeit (Minimalbestätigungen) und die Steuerung von Gesprächsthemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist zu prüfen, ob sich Unterschiede im Gesprächsverhalten signifikant auf das Geschlecht zurückführen lassen oder ob andere Faktoren wie der situative Status entscheidender sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse und einen kritischen Vergleich bereits existierender empirischer Studien aus der Soziolinguistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien Redezeit, Unterbrechungen, Minimalbestätigungen und Themensteuerung detailliert anhand von Forschungsergebnissen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Soziolinguistik, Gesprächsstil, Themenkontrolle, situativer Status und Geschlechterforschung charakterisiert.
Welche Rolle spielt der „situative Status“?
Der situative Status (meist verbunden mit Expertenwissen) erweist sich oft als dominanterer Faktor für das Gesprächsverhalten als das Geschlecht der Person.
Wie werden Minimalbestätigungen bewertet?
Sie werden als Indikatoren für aktive Gesprächsarbeit und Unterstützung gewertet, wobei Frauen diese häufiger einsetzen, um Kohärenz und Kooperation im Gespräch zu fördern.
- Quote paper
- Lucia Esther Momo Rita Müller (Author), 2005, Gender Studies: Geschlechtstypisches Gesprächsverhalten. Mythos oder Faktum?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65314