Der Zusammenbruch der ehemaligen sozialistischen Staaten und das Ende der einstigen Großmacht der Sowjetunion führte nicht nur im Binnenland, sondern gerade in der entsprechenden Küstenregion der Ostsee zu grundlegenden Veränderungen. Mit dem politischen Umbruch in Rußland wurde die Gründung und Unabhängigkeit der baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen hervorgerufen. Durch den politischen Integrationsprozeß nach der Wiedererlangung der politischen Souveränität der drei baltischen Republiken haben sich innerhalb der vergangenen Jahre neue Handels- und Verkehrsströme entwickelt.
Nach der Trennung von dem sozialistischen System der Sowjetunion kam es im Jahre 1990 zur Integration der baltischen Häfen in das marktwirtschaftliche System. Hierbei entstand für jeden einzelnen Hafen eine neue Situation - man war durch die Loslösung von den alten Traditionen jetzt den Regeln des Wettbewerbs ausgesetzt.
Im Gegensatz zu früher, als die Warenströme zentral von Moskau aus gesteuert wurden, funktioniert der Warenverkehr mit den westlich orientierten Ländern heute ebenfalls nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Durch die Zunahme des Handels mit den westeuropäischen Ländern, sowie die Globalisierung und Internationalisierung der Märkte erfolgte eine Vielzahl von Handelsbeziehungen, die durch den Einsatz verschiedener Verkehrsträger durchgeführt werden.
Eine Variante, um Güter von A nach B zu befördern, ist das Seeschiff. Derzeit werden etwa 7 Prozent des Weltseeverkehrs über die Ostsee abgewickelt. Das heißt konkret, es bewegen sich jährlich fast 80.000 Schiffe in diesem Verkehrsraum.
Damit gehört die Ostsee zu den verkehrsreichsten Meeren der Erde und entwickelt sich durch den fortschreitenden Erweiterungsprozeß der Europäischen Union immer stärker zu einem europäischen "Binnenmeer".
Glaubt man den Prognosen für die Zukunft, wird sich der Güterverkehr in den kommenden Jahren drastisch erhöhen. Das wird sich auch auf die einzelnen Hafenstandorte auswirken. Zuversichtliche Vorhersagen versprechen sogar eine Verdopplung des derzeitigen Umschlagvolumens bis zum Jahr 2010. Die Seehäfen spielen dabei in ihrer Funktion als logistische Schnittstelle zwischen Wasser und Land eine entscheidende Rolle.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Einführung mit Erläuterung von Grundbegriffen
2.1 Bedeutung der Seeschiffahrt
2.2 Beteiligte im Seeverkehr
2.3 Schiffstypen und deren Charakteristika
2.3.1 RoRo-Schiffe
2.3.2 Andere Schiffsbaureihen
2.4 Transportbehälter im Seeverkehr
2.4.1 Container
2.4.2 Trailer
2.4.3 Wechselbehälter
2.5 Seehäfen
2.5.1 Allgemeine Bedeutung
2.5.2 Funktionen und ökonomische Zwänge
2.5.3 Abgrenzung zwischen Infra- und Suprastruktur von Häfen
2.6 Der Ostseeraum
2.6.1 Historische Entwicklung
2.6.2 Definition und Gebietsabgrenzung
3. Die baltischen Staaten und Rußland
3.1 Estland
3.2 Lettland
3.3 Litauen
3.4 Rußland
3.5 Ökonomische Entwicklung in der baltischen und russischen Region
3.5.1 Makroökonomische Betrachtung der Länder
3.5.2 Wirtschaftsbeziehungen im Ostseeraum
3.5.2.1 Handelsbilanz Estland
3.5.2.2 Handelsbilanz Lettland
3.5.2.3 Handelsbilanz Litauen
3.5.2.4 Handelsbilanz Rußland
3.5.3 Außenhandel zwischen Deutschland und dem Baltikum
4. Baltische Seehäfen und Verkehrsinfrastruktur im Hinterland
4.1 Estland
4.1.1 Infra- und Suprastruktur
4.1.2 Güterumschlag
4.1.3 Muuga-Port of Tallinn
4.2 Lettland
4.2.1 Liepaja
4.2.1.1 Infra- und Suprastruktur
4.2.1.2 Güterumschlag
4.2.2 Ventspils
4.2.2.1 Infra- und Suprastruktur
4.2.2.2 Güterumschlag
4.2.3 Riga Commercial Port
4.2.3.1 Infra- und Suprastruktur
4.2.3.2 Güterumschlag
4.3 Litauen
4.3.1 Klaipeda
4.3.1.1 Infra- und Suprastruktur
4.3.2.2 Güterumschlag
4.3.2 Umschlagbetriebe in Klaipeda
4.5 Kurze Zusammenfassung
4.6 Verkehrsinfrastruktur der baltischen Länder
4.6.1 Estland
4.6.1.1 Schienenverkehr
4.6.1.2 Straßenverkehr
4.6.2 Lettland
4.6.2.1 Schienenverkehr
4.6.2.2 Straßenverkehr
4.6.3 Litauen
4.6.3.1 Schienenverkehr
4.6.3.2 Straßenverkehr
4.6.4 Überregionale Verkehrsprojekte
5. Russische Ostseehäfen
5.1 St. Petersburg
5.1.1 Infra- und Suprastruktur des Hafens
5.1.2 Güterumschlag
5.2 Kaliningrad
5.2.1 Infra- und Suprastruktur
5.2.2 Güterumschlag
6. Deutsche Handelspartner der Region
6.1 Kiel
6.1.1 Infra- und Suprastruktur
6.1.2 Güterumschlag
6.1.3 Schiffsverbindungen ab Kiel
6.1.4 Transportkostenvergleich
6.2 Lübeck
7. Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Seeverkehrsmarkt im Baltikum und in Rußland nach den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen der 1990er Jahre. Das primäre Ziel ist die Untersuchung der Hafenstandorte, deren Infrastruktur, Suprastruktur sowie deren Güterumschlag in einer Region, die sich zunehmend marktwirtschaftlich orientiert.
- Analyse der Transport- und Seeverkehrswirtschaft im Ostseeraum
- Untersuchung der nationalen Verkehrsinfrastrukturen in Estland, Lettland, Litauen und Rußland
- Detaillierte Hafenbetrachtungen (Hafenstandorte und Umschlagkapazitäten)
- Wirtschaftliche Bedeutung und Handelsbeziehungen (inklusive Außenhandel mit Deutschland)
- Prognosen zur Entwicklung des Güterverkehrs bis 2010
Auszug aus dem Buch
2.3.1 RoRo-Schiffe
Eine weit verbreitete Art von Seeschiffen, die den Hauptanteil im Ostseeverkehr darstellen, sind die des RoRo-Typs (roll on / roll off). Diese Baureihe ist speziell für den Transport von rollender Ladung konzipiert. Die Ladungsaufnahme erfolgt horizontal über Bug-, Seiten- oder Heckpforten. Daraus ergibt sich eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber hafenseitigen Umschlageinrichtungen.
Das typische RoRo-Schiff im Kurzstreckenverkehr verfügt über ein System aus Rampen, über die im Schiffsinneren jede rollende Ladung in die zugedachten Decks gefahren werden kann. Diese Rampen sind entweder hydraulisch beweglich oder fest installiert. Manchmal ersetzen Lifte die Arbeit von Rampen, indem sie vom Hauptdeck aus entweder den Unterraum oder das Wetterdeck bedienen. Jedes Schiffsdeck stellt für sich einen schottenlosen Laderaum dar. Es gibt unterschiedliche Arten von Schiffsaufzügen. Einige können nur eine Einheit (unit) pro Fahrt bewegen, andere sind in der Lage, gleich mehrere Ladungsgüter zu transportieren. Der Lifteinsatz ist meist zeitintensiver als die Verladung über Rampen.
Durch die Beweglichkeit der Rampe lassen sich vertikal unterschiedliche Gewichte der Ladung und Wasserstände ausgleichen. Ihre Tragfähigkeit ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von 30 t bis ca. 70 t.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Wandel und die neue marktwirtschaftliche Situation im Ostseeraum sowie das Ziel der Diplomarbeit.
2. Theoretische Einführung mit Erläuterung von Grundbegriffen: Legt die Grundlagen zu Seeverkehr, Schiffstypen, Transportbehältern, Seehäfen und dem Ostseeraum.
3. Die baltischen Staaten und Rußland: Analysiert die politische und ökonomische Entwicklung der betroffenen Länder und deren Wirtschaftsbeziehungen.
4. Baltische Seehäfen und Verkehrsinfrastruktur im Hinterland: Untersucht spezifische Häfen in Estland, Lettland und Litauen sowie deren Anbindung an das Hinterland.
5. Russische Ostseehäfen: Beleuchtet die Situation und den Umschlag in St. Petersburg und Kaliningrad.
6. Deutsche Handelspartner der Region: Betrachtet die Rolle der deutschen Häfen Kiel und Lübeck im Warenverkehr mit dem Baltikum.
7. Schlußbetrachtung: Führt die Ergebnisse zur Wettbewerbssituation und dem wirtschaftlichen Potenzial der Region zusammen.
Schlüsselwörter
Seeverkehr, Ostseeraum, Baltikum, Rußland, Güterumschlag, Seehäfen, RoRo-Schiffe, Hafeninfrastruktur, Transportlogistik, Außenhandel, Transitverkehr, Hafenwirtschaft, EU-Osterweiterung, Container, Wirtschaftsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Seeverkehrsmarkt mit den baltischen Staaten und Rußland unter Berücksichtigung der marktwirtschaftlichen Transformation nach 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Hafeninfrastruktur, den Güterumschlag in spezifischen Häfen, die wirtschaftliche Lage der Länder und die logistischen Schnittstellen zwischen Wasser und Land.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der baltischen Seehäfen zu untersuchen, um zu beurteilen, wie diese mit den veränderten Handelsströmen und steigenden Kapazitätsanforderungen umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Betrachtung auf Basis von offiziellen Statistiken, Wirtschaftsberichten und Interviews mit Akteuren im Hafengeschäft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Länderanalysen (Estland, Lettland, Litauen, Rußland), spezifische Hafenporträts und eine Analyse der deutschen Schnittstellen in Kiel und Lübeck.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Seeverkehr, Ostseeraum, Hafenwirtschaft, Transitverkehr und wirtschaftliche Transformation.
Welche Rolle spielt die russische Wirtschaftskrise für die baltischen Häfen?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Häfen durch den hohen Transitanteil von russischen Gütern stark von der ökonomischen Stabilität und den Importvolumina in Russland abhängig sind.
Warum wird der Hafen von Kiel im Vergleich zu den baltischen Häfen thematisiert?
Kiel dient als bedeutendes deutsches Drehkreuz im Ostseeverkehr; die Arbeit untersucht die Wettbewerbssituation und die Transportkostenvergleiche im Vergleich zu direkten baltischen Destinationen.
- Quote paper
- Nils Hüttenrauch (Author), 2000, Analyse des Seeverkehrsmarktes im Baltikum und Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6534