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Der Bundestag in der Europäischen Dimension

Title: Der Bundestag in der Europäischen Dimension

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 15 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Bernhard Kuttenhofer (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Der Bundestag ist im politischen System der Bundesrepublik Deutschland das am besten durch das Volk legitimierte Legislativorgan auf Bundesebene. Die Mitglieder des Deutschen Bundestages werden direkt vom Volk gewählt. Können sich die Wahlberechtigten „ihre“ Bundestagsabgeordneten auch nicht frei aussuchen - müssen sie doch auf Grundlage der von den Parteien getroffenen Vorauswahl der Kandidaten ihre Entscheidung fällen - sind die direkten Möglichkeiten, auf die Zusammensetzung des Bundestages Einfluss auszuüben, deutliche höher als bei der zweiten Kammer der bundesdeutschen Legislative - dem Bundesrat nämlich: Letzten Endes sind die dortigen Repräsentanten die Abgesandten einer Regierung, die von einem Ministerpräsidenten gebildet wurde, der wiederum von einem weiteren zwischengeschalteten Gremium - den Landtagen - gewählt wurde. Dieser höheren Legitimität des Bundestages aufgrund der Direktwahl durch das Volk wird mit dem größeren Einfluss im Gesetzgebungsverfahren Rechnung getragen. Im Kern der Gesetzgebung besitzt der Bundestag die höchsten Gestaltungsmöglichkeiten und Kompetenzen was
Bundesangelegenheiten angeht. Im neuen Jahrtausend gewinnt Politik in ihrer unmittelbaren Auswirkung auf die Menschen eine immer stärkere europäische Dimension. Europa war noch nie so gegenwärtig in den politischen Entscheidungsprozessen wie heute, gerade in den Kernbereichen Handel, Wirtschaft und Agrar. Diese logische Folge einer fortgesetzten europäischen Integration und die zunehmende Übertragung von
Entscheidungskraft auf europäische Institutionen eröffnet ein Problemfeld: Verstärkt werden damit auch Kompetenzen der Legislative des Bundes auf die höhere Ebene der Europäischen Union verlagert, und damit dem offenbar am stärksten legitimierten Gremium der bundesdeutsche Gesetzgebung entzogen. Stattdessen werden die Entscheidungen für Europa, die letzten Endes auch jeden einzelnen Bürger betreffen, überstaatlich von weitaus weniger direkt vom Volk legitimierten Institutionen getroffen, etwa vom Ministerrat oder der EU-Kommission.
Es stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Einbettung des Bundestages in den europäischen Kontext auf seine Kompetenzen hat, oder kurz: Welche Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bestehen für den Deutschen Bundestag bei den Entscheidungen für und in Europa und welche Bedeutung hat die europäische Dimension für die Arbeit des höchsten deutsche Parlamentes?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Das höchste deutsche Legislativorgan und die europäische Dimension: Frage: Welche Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten hat der Bundestag in und für Europa?

B. Aspekte

1. De Facto: Einschränkung der Mitwirkungsmöglichkeit durch Europäisierung der Politik

a) nationale Exekutive wirkt als europäische Legislative

b) Fehlende Kontrollmöglichkeit der nationalen Parlamente

c) Rechtsnormensetzung durch die EU

d) EU-Politik als „Außenpolitik“

2. De Iure: Institutionalisierte Mitwirkungsmöglichkeiten

a) Festlegungen des Grundgesetzes

b) Der Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union

3. Der Verfassungsentwurf des europäischen Konvents und die Prognose für den Bundestag

C. Beantwortung der Frage: Souveränitätstransfer auf die europäische Ebene

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Rolle des Deutschen Bundestages als nationales Parlament im Kontext der fortschreitenden europäischen Integration und analysiert die daraus resultierenden Einschränkungen sowie Möglichkeiten der parlamentarischen Mitwirkung.

  • Verhältnis zwischen nationaler Legislative und europäischer Exekutive
  • Defizite in der parlamentarischen Kontrollfunktion durch Europäisierung
  • Die Rolle des Bundestages in der EU-Gesetzgebung (de facto vs. de iure)
  • Entwicklung und Bedeutung des Ausschusses für Angelegenheiten der Europäischen Union
  • Perspektiven durch den europäischen Verfassungsentwurf

Auszug aus dem Buch

b) Fehlende Kontrollmöglichkeit der nationalen Parlamente

Eine dem Bundestag vom Grundgesetz zugedachten Aufgaben ist die Kontrolle der Regierung und ihrer Vertreter. Im dem ausentwickelten Entscheidungsprozess einer Gesetzgebung gehört zur Kontrolle eine genaue Beobachtung des vielzitierten „Ganges der Gesetzgebung“. Nur so kann die Arbeit der Entscheidungsträger und ihre Interaktion beobachtet, analysiert und zur Normensetzung herangezogen werden. Auf nationaler Ebene ist dies bei der legislativen Funktion des Bundestages möglich. Sind die Ausschusssitzungen des Arbeitsparlamentes zwar meist nicht öffentlich, können jedoch zumindest die Debatten des Plenums, dem Ort, wo die Gesetzgebung formell immanent wird, jederzeit verfolgt werden. Das „Schaulaufen“ der Parteirepräsentanten und der Schlagabtausch der Meinungen zeigen der Öffentlichkeit die Konfliktlinien zwischen den Fraktionen und im Endeffekt der Parteien, die sie vertreten, auf. Dies sorgt für Struktur im Geflecht der Meinungen und macht einen öffentlichen Diskurs möglich.

Diese Kontrollmöglichkeit ist beim Gang der Gesetzgebung auf Europäischer Ebene nicht umsetzbar. Das zentrale Beschluss- und Lenkungsorgan ist der Rat der EU, der aus den Fachministern der Mitgliedsstaaten besteht. Hier werden Rechtsakte erlassen und Durchführungsbefugnisse an die Kommission weiter gegeben. Die Sitzung des Rates sind jedoch nicht öffentlich – ein genauer Einblick in die Vorgehensweise und die Positionen der Regierungsvertreter im Detail entzieht sich der Kenntnis der Öffentlichkeit. Lediglich das Ergebnis der Beschlussfassung, nicht aber deren Zustandekommen sind bekannt. Eine Mitgestaltung beim Entscheidungsprozess ist erst recht nicht möglich. Mögen die Vertreter der nationalen Regierungen auch an die Mehrheit des Bundestages, also die Abgeordneten der Regierungskoalition, gebunden sein, besteht jedoch für den Bundestag grundsätzlich ein Informationsdefizit. Da die Debatte inhaltlich nicht verfolgt werden kann, ist eine Einflussnahme sowie ein Diskutieren der anstehenden Beschlüsse und der aktuellen Themen in der Öffentlichkeit nicht möglich. Der Bundestag wird letzten Endes mit dem Ergebnis konfrontiert.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Das höchste deutsche Legislativorgan und die europäische Dimension: Frage: Welche Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten hat der Bundestag in und für Europa?: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, wie die steigende europäische Integration die Gestaltungsmacht des Bundestages im Vergleich zur nationalen Exekutive beschränkt.

B. Aspekte: Hier werden die faktischen Einschränkungen der parlamentarischen Kontrolle sowie die rechtlichen Grundlagen der Mitwirkung des Bundestages in EU-Angelegenheiten detailliert beleuchtet.

1. De Facto: Einschränkung der Mitwirkungsmöglichkeit durch Europäisierung der Politik: Die Untersuchung zeigt auf, dass die nationale Exekutive im EU-Ministerrat agiert und der Bundestag aufgrund fehlender Öffentlichkeit und personeller Unterlegenheit kaum Einfluss auf europäische Entscheidungen nehmen kann.

2. De Iure: Institutionalisierte Mitwirkungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel analysiert die verfassungsrechtlichen Pflichten zur Unterrichtung des Bundestages durch die Bundesregierung sowie die historische Entwicklung und Effektivität des EU-Ausschusses.

3. Der Verfassungsentwurf des europäischen Konvents und die Prognose für den Bundestag: Der Abschnitt bewertet, inwiefern zukünftige Verfassungsänderungen und Frühwarnsysteme die Mitspracherechte des Parlaments stärken könnten.

C. Beantwortung der Frage: Souveränitätstransfer auf die europäische Ebene: Das Fazit bestätigt einen signifikanten Souveränitätstransfer in Kernbereichen wie Handel und Wirtschaft, der den Bundestag in manchen Entscheidungsprozessen zu einem Redeparlament degradiert.

Schlüsselwörter

Bundestag, Europäische Union, Europäisierung, Parlamentarische Kontrolle, Souveränitätstransfer, Gesetzgebung, Ministerrat, Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union, Artikel 23 GG, Mitwirkungsrechte, Gesetzgebungsverfahren, Arbeitsparlament, Redeparlament, Europäische Integration, Grundgesetz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die politische Rolle des Deutschen Bundestages als nationales Parlament unter den Bedingungen der europäischen Integration und die damit einhergehenden Veränderungen seiner Mitwirkungsmöglichkeiten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen der Souveränitätstransfer auf die EU-Ebene, die Kontrolldefizite des Bundestages gegenüber der nationalen Exekutive im EU-Rat und die institutionelle Rolle des Europa-Ausschusses.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Frage lautet, welche Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Bundestag bei Entscheidungen für und in Europa besitzt und welche Bedeutung die europäische Dimension für seine Arbeit hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse von Verfassungsnormen, parlamentarischen Strukturen und dem Vergleich von de facto gelebten Entscheidungsprozessen gegenüber de iure festgelegten Rechten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung faktischer Einflussverluste durch die Europäisierung, die Analyse der rechtlichen Beteiligungsmechanismen gemäß Grundgesetz sowie die Bewertung der Rolle des EU-Ausschusses.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Bundestag, Europäische Union, Parlamentarische Kontrolle, Souveränitätstransfer, EU-Ausschuss und Mitwirkungsrechte.

Warum wird der Bundestag als "Redeparlament" bezeichnet?

Die Arbeit argumentiert, dass der Bundestag durch das Fehlen direkter Einflussmöglichkeiten auf die europäische Rechtsetzung und durch die Dominanz der Regierungsvertreter im Rat oftmals nur noch nachrangig an den vollendeten Tatsachen mitwirken kann.

Welche Rolle spielt das "Frühwarnsystem" für den Bundestag?

Laut dem Auszug dient das vorgeschlagene Frühwarnsystem im Rahmen des europäischen Verfassungsentwurfs dazu, den Bundestag bereits bei Entwurfsstadium über Kommissionsvorschläge zu informieren, um rechtzeitig Einfluss nehmen zu können.

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Details

Title
Der Bundestag in der Europäischen Dimension
College
University of Regensburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Regieren im Nationalstaat und unter europäischen und globalen Bedingungen
Grade
1,7
Author
Bernhard Kuttenhofer (Author)
Publication Year
2004
Pages
15
Catalog Number
V65356
ISBN (eBook)
9783638579506
ISBN (Book)
9783656791270
Language
German
Tags
Bundestag Europäischen Dimension Regieren Nationalstaat Bedingungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernhard Kuttenhofer (Author), 2004, Der Bundestag in der Europäischen Dimension, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65356
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