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Formale und inhaltliche Grenzüberschreitungen als literarisches Gestaltungsmittel in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"

Title: Formale und inhaltliche Grenzüberschreitungen als literarisches Gestaltungsmittel in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Jasmin Braun (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Ludwig Tieck befindet sich im Jahre 1796 als 23-Jähriger eigentlich erst am Beginn seiner literarischen Schaffenszeit. Seinen beruflichen Alltag als Dichter bestreitet Tieck in Berlin vornehmlich mit Auftrags- und Gelegenheitsarbeiten für seinen Verleger Nicolai. Dabei orientiert er sich inhaltlich und formal an französischen Novellensammlungen oder arbeitet populäre Volksbücher auf. Autoren wie Perrault oder Retif de la Bretonne gelten zu dieser Zeit als seine Vorbilder. Zur Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte des Werkes „Der blonde Eckbert“ dienen der heutigen Forschung die Erinnerungen eines Tieckschen Zeitgenossen. Rudolf Köpke berichtet dazu:
„Der jüngere Nicolai wünschte nichts sehnlicher, als das Erscheinen der Märchen zu beschleunigen. [...] Um den Dränger zufriedenzustellen hatte Tieck einmal auf gut
Glück geantwortet:>Der blonde Ekbert!<. Es war ein Name, der ihm in den Mund gekommen war. Später fiel ihm die Leichtfertigkeit auf die Seele, mit welcher er eine Dichtung angekündigt hatte, für die er bis jetzt weder Fabel noch Idee habe. Er setzte sich zum Schreiben nieder.“
Aus dieser Begebenheit ergeben sich für die Forschung zahlreiche interpretatorische Ansätze. Am bedeutsamsten scheint festzuhalten, dass das Werk als erstes ganz den Gedanken Ludwig Tiecks entspringt, also völlig frei von literarischen Vorgaben ist und sich aus diesem Grund besonders gut dazu eignet, den Autor anhand seines Werkes zu ergründen. Für Diether H. Haenicke birgt die Kenntnis dieser Entstehungsgeschichte beispielsweise die Erklärung für „manchen unscharfen Zug der Dichtung“ und den Titel, der „im Märchen völlig belanglos“ sei. Des weiteren erwähnt Haenicke zahlreiche Motive aus der Schauerliteratur, der Tieck damals gesteigertes Interesse entgegenbrachte und die „auf das Lesepublikum der von Tieck damals produzierten Unterhaltungsliteratur [...] absatzfördernd wirken sollten.“ Darüber hinaus verknüpft er einige Motive des Werkes aber auch direkt mit Tiecks Biographie: „Der Wahnsinn, der sich hier in dem Zusammenfallen verschiedener Realitätsebenen manifestiert, in dem Unsicherwerden des vordergründig Sichtbaren, war ein gefährlicher Begleiter des heranwachsenden Tieck gewesen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturelle Grenzüberschreitungen

2.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Struktur des klassischen Volksmärchens

2.2 Die einzelnen Erzählebenen und ihre formale Ausgestaltung

2.3 Der unzuverlässige Erzähler

3. Inhaltliche Grenzüberschreitungen

3.1 Die eröffnende Rahmenhandlung

3.2 Berthas Erzählung

3.3 Die Strohmian-Szene

3.4 Die Schlussszenen

4. Moralische Grenzüberschreitungen

4.1 Der Schuld-Komplex

4.2 Das Inzest-Motiv

5. Schlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert" im Hinblick auf formale, inhaltliche und moralische Grenzüberschreitungen, die als zentrales Gestaltungsmittel fungieren. Ziel der Analyse ist es, den Forschungsstand zur Gattungsbestimmung des Werkes als hybride Form zwischen Märchen und Roman zu erläutern und aufzuzeigen, wie die Protagonisten durch die bewusste oder unbewusste Missachtung von Grenzen in ein Verhängnis aus Schuld und Wahnsinn geraten.

  • Strukturelle Analyse der Erzählebenen und der Rolle des unzuverlässigen Erzählers.
  • Untersuchung der Verwischung von Realität und Fiktion in ausgewählten Schlüsselszenen.
  • Deutung der psychologischen Hintergründe von Schuldkomplexen und Verdrängung.
  • Interpretation des Inzest-Motivs als Symbol für die Unfähigkeit zur wahren Kommunikation und die Flucht in den Narzissmus.
  • Einordnung des Werkes in den Kontext der frühromantischen Literatur und Tiecks persönlicher Schaffensgeschichte.

Auszug aus dem Buch

3.2 Berthas Erzählung

Obwohl das Geheimnis von beiden Partnern gleichermaßen gehütet wird, ist Bertha die eigentliche Hauptperson und übernimmt folglich den aktiven Erzählpart. Zunächst schildert sie die örtlichen, finanziellen und alltäglichen Begebenheiten ihrer frühen Kindheit, das Erzählschema der einleitenden Rahmenhandlung scheint sich zu wiederholen und vermittelt auch in diesem Fall ein Gefühl der Authentizität.

Doch hier kommt ebenfalls kurz darauf ein bestehender Grundkonflikt zur Sprache: Bertha erweist sich als ungeschickt in den täglichen Aufgaben und scheint generell ihren Platz in der vorherrschenden Personenkonstellation nicht finden zu können. Aus diesem Grund flüchtet sie immer öfter in eine Fantasiewelt, in der sie die bestehenden Verhältnisse umkehren und zumindest geistig aus ihrer determinierten Realität ausbrechen kann.

In ihrer Vorstellung hat sie ihre erlebte Welt also schon lange verlassen, als sie mit ihrer tatsächlichen Flucht und dem Überqueren des Felsengebirges auch die räumliche Grenze zwischen den Welten überschreitet. Aus diesem Blickwinkel erscheint es dann nur logisch, dass sie in der Märchenwelt die Umkehrung der Verhältnisse mühelos erreicht und die neue Welt ohne Zögern als Realität akzeptiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte von "Der blonde Eckbert" und stellt die literaturwissenschaftliche Relevanz des Werkes als Pionierstück einer neuen Gattung dar.

2. Strukturelle Grenzüberschreitungen: In diesem Kapitel wird analysiert, wie Tieck durch die Vermischung von Märchenstruktur, unzuverlässigem Erzählen und komplexen Erzählebenen die Gattungsgrenzen sprengt.

3. Inhaltliche Grenzüberschreitungen: Hier werden zentrale Szenen wie die Rahmenhandlung, Berthas Erzählung und die Begegnung mit Walther untersucht, um die inhaltliche Auflösung der Grenze zwischen Realität und Traum aufzuzeigen.

4. Moralische Grenzüberschreitungen: Dieses Kapitel widmet sich den moralischen Verfehlungen der Hauptfiguren, insbesondere dem Schuldkomplex und dem Inzest-Motiv als psychologische Projektionen.

5. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Tieck durch das bewusste Überschreiten literarischer Grenzen eine neue Form schuf, die den Untergang seiner Protagonisten in einer Welt aus Verdrängung und Wahnsinn spiegelbildlich darstellt.

Schlüsselwörter

Ludwig Tieck, Der blonde Eckbert, Romantik, Kunstmärchen, Grenzüberschreitung, unzuverlässiger Erzähler, Realität und Fiktion, Schuldkomplex, Inzest-Motiv, Verdrängung, Erzählstruktur, Literarische Gattung, Identität, Wahrnehmung, Schauerliteratur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die formalen, inhaltlichen und moralischen Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks Erzählung "Der blonde Eckbert" als zentrales literarisches Gestaltungsmittel.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur des Textes, der Rolle des Erzählers, der Verschleierung zwischen Wirklichkeit und Märchenwelt sowie der psychologischen Deutung der Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie Tieck durch die bewusste Grenzüberschreitung eine neue literarische Gattungsform etabliert und die Identitätskrise seiner Figuren psychologisch begründet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den aktuellen Forschungsstand zur Struktur und Interpretation des Werkes einbezieht und auf Fachliteratur sowie das Primärwerk stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in strukturelle, inhaltliche und moralische Untersuchungen, wobei die Erzählebenen, der unzuverlässige Erzähler und die moralischen Abgründe von Eckbert und Bertha im Fokus stehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Grenzüberschreitung", "unzuverlässiger Erzähler", "romantisches Kunstmärchen", "Schuldkomplex" und "Identitätszerfall".

Welche Bedeutung kommt der Strohmian-Szene zu?

Die Szene dient als Katalysator, da Walther durch die Nennung des Namens "Strohmian" die Grenze zwischen Berthas verdrängter Vergangenheit und der aktuellen Realität gewaltsam aufbricht.

Wie interpretiert die Arbeit das Inzest-Motiv am Ende?

Das Motiv wird nicht nur trivial-schockierend, sondern als symbolische Spiegelung der Isolation und des Narzissmus interpretiert, in der Bertha und Eckbert gefangen sind.

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Details

Title
Formale und inhaltliche Grenzüberschreitungen als literarisches Gestaltungsmittel in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Unheimliches Sehen
Grade
2,3
Author
Jasmin Braun (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V65359
ISBN (eBook)
9783638579513
ISBN (Book)
9783656786276
Language
German
Tags
Formale Grenzüberschreitungen Gestaltungsmittel Ludwig Tiecks Eckbert Unheimliches Sehen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jasmin Braun (Author), 2006, Formale und inhaltliche Grenzüberschreitungen als literarisches Gestaltungsmittel in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65359
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