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Georg Büchners Fatalismusbrief - Zeugnis persönlicher Resignation oder Voraussetzung politischer Aktion?

Title: Georg Büchners Fatalismusbrief - Zeugnis persönlicher Resignation oder Voraussetzung politischer Aktion?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jasmin Braun (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Hier ist kein Berg, wo die Aussicht frei sei. Hügel hinter Hügel und breite Täler, eine hohle Mittelmäßigkeit in Allem; ich kann mich nicht an diese Natur gewöhnen, und die Stadt ist abscheulich.“ Als sich Georg Büchner im Jahre 1834 nach längerem Stillschweigen mit diesen Worten von Gießen aus an seine Verlobte Wilhelmine Jaeglé wendet, beginnt er damit einen Brief, dessen Interpretation die Forschung wie kaum ein anderer beschäftigen wird.
Schon die genaue zeitliche Einordnung des sogenannten „Fatalismusbriefs“ gestaltet sich schwierig, eine exakte Datumsbestimmung ist unmöglich, da Büchner selbst den Brief undatiert ließ. Sein Bruder Ludwig ordnet das Schriftstück nach dem Tod des Dichters in seinem Werk „Nachgelassene Schriften“ an erster Stelle der Reihe „Briefe an die Braut, aus Gießen, 1833 und 1834“ ein und die Herausgeber der späteren Sammelwerke folgen dieser Ordnung.2 Die daraus resultierende Datierung bewegt sich um den Zeitraum des Frühjahrs 1834, gilt aber lange Zeit als sehr unsicher. Erst Max Zobel von Zabeltitz stellt diese Einordnung aber als erster so in Frage, dass er den Brief am Ende seiner Nachforschungen im Jahre 1915 mit folgendem Argument umdatieren kann: „Büchner war 1833 erst seit Herbst in Gießen [...]. Brief 1 könnte noch am ehsten 1833 geschrieben sein, wenn die Erwähnung von Frühling und Veilchen sich vielleicht nicht wörtlich nehmen lassen kann [...]“.3 Ihm folgt sieben Jahre später Fritz Bergemann und Jan-Christoph Hauschild verschiebt das Datum nochmals um einige Monate in den Januar 1834. Den bis dahin geltenden inhaltlichen Widerspruch löst er folgendermaßen auf: „Halten wir fest: im Herbst und Winter 1833/34 schlug das Wetter Kapriolen. Der Satz ‚Bei uns ist Frühling, ich kann deinen Veilchenstrauß immer ersetzen‘ rückt den ‚Fatalismusbrief‘ also keineswegs ins Frühjahr 1834, genausogut könnte er Ende Oktober 1833 [...] im November oder Anfang Januar geschrieben sein.“4 Als endgültigen Entstehungszeitraum legt Hauschild in seinem Aufsatz die Tage „zwischen dem 10. und 20. Januar 1834“ fest.5

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Brief als Zeugnis persönlicher Resignation

3. Der Brief als Voraussetzung politischer Aktion

3.1. Der Begriff „Fatalismus“ und seine Bedeutung

3.2. Der Fatalismus von Georg Büchner

3.3. Büchner und seine Arbeit am „Hessischen Landboten“

4. Der Einfluss des Fatalismusbriefes auf das Drama „Dantons Tod“

4.1. Das Studium der Geschichte: Büchners Vorarbeit zur Dramenkonzeption

4.2. Der „Fatalismusbrief“ als direkte Quelle

4.3. Der Fatalismus-Gedanke als charakterbildendes Element

5. Schlussfolgerungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den sogenannten „Fatalismusbrief“ von Georg Büchner und analysiert, inwiefern dieser ein Zeugnis persönlicher Resignation darstellt oder als theoretische Voraussetzung für Büchners darauffolgendes politisches Handeln und sein literarisches Schaffen im Drama „Dantons Tod“ zu verstehen ist.

  • Kritische Analyse des Begriffs „Fatalismus“ bei Georg Büchner.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen persönlicher Krise und politischem Engagement.
  • Darstellung des Einflusses des Fatalismus-Gedankens auf die Dramenkonzeption von „Dantons Tod“.
  • Gegenüberstellung kontroverser Forschungsmeinungen zur Entwicklung des politischen Denkens des Dichters.
  • Analyse der inhaltlichen und rhetorischen Verbindung zwischen dem Brief an Wilhelmine Jaeglé und dem Drama „Dantons Tod“.

Auszug aus dem Buch

Der „Fatalismusbrief“ als direkte Quelle

Büchner bezieht sich in seinem Drama auf zwei Arten auf den „Fatalismusbrief“: Zum einen legt er seinen Figuren direkte Brief-Zitate in den Mund und zum anderen stattet er einige Charaktere mit seinen fatalistisch geprägten Ansichten aus. Die direkten Zitate tauchen jedoch nicht willkürlich innerhalb des Stückes auf, sondern sind an einer bedeutenden Stelle plaziert. Die 5. Szene des zweiten Aktes bildet die strukturelle Mitte des Dramas, inhaltlich beschreibt sie die Nacht der Verhaftung Dantons, der voller dunkler Vorahnungen ein Zwiegespräch mit Julie hält, in dem der Leser zum ersten Mal Einblicke in Dantons Seelenleben erhält. Gegen Ende des Gesprächs, dass sich bis dahin mit der Rechtfertigung der sogenannten „September-Morde“ beschäftigt, erklärt Danton: „Der Mann am Kreuze hat sich’s bequem gemacht: es muß ja Ärgernis kommen, doch wehe dem, durch welchen Ärgernis kommt.“ Auch im „Fatalismusbrief“ verwendet Büchner diesen „Ärgernis-Ausspruch“, der ursprünglich in der Bibel als Wort Christi zitiert wird und bezeichnet diesen Ausspruch als „schauderhaft“ (GB). Dabei lässt in wohl die Erkenntnis erschauern, dass der Mensch nicht nur „unter schicksalhaftem Zwang handeln muß, sondern daß er dennoch für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird.“ Für Danton bedeutet dieses Zitat einen weiteren Rechtfertigungsversuch, vor allem vor sich selbst. Er will damit die Position, die er bei den „September-Morden“ eingenommen hat, entschuldigen und jegliche Verantwortung von sich weisen.

Das zweite direkte Brief-Zitat folgt unmittelbar auf das erste: „Was ist das, was in uns hurt, lügt, stiehlt und mordet?“ (DT: 100) fragt Danton seine Julie oder nur sich selbst, denn er erwartet eigentlich keine Antwort. Büchner stellt sich in seinem Brief dieselbe rhetorische Frage und nennt dabei gesellschaftliche Verhaltensweisen, die dort verstärkt vorkommen, wo menschliches Leid und Elend vorherrscht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Datierung des sogenannten „Fatalismusbriefs“ ein und skizziert die wissenschaftliche Kontroverse um dessen Interpretation.

2. Der Brief als Zeugnis persönlicher Resignation: Dieses Kapitel erörtert die Forschungsmeinung, dass der Brief einen Wendepunkt in Büchners politischem Denken markiert, der von einer Resignation gegenüber revolutionären Bestrebungen geprägt ist.

3. Der Brief als Voraussetzung politischer Aktion: Es wird analysiert, wie der Fatalismus-Begriff in Büchners Zeit zu verstehen ist und dass das „Fatalismus-Erlebnis“ nicht zwangsläufig zur politischen Lähmung führte, sondern neue Ansätze für sein Handeln bot.

3.1. Der Begriff „Fatalismus“ und seine Bedeutung: Hier wird die Begriffsgeschichte des Fatalismus untersucht, die bei Büchner eher eine notwendige Gesetzmäßigkeit als blindes Schicksal impliziert.

3.2. Der Fatalismus von Georg Büchner: Dieses Kapitel verknüpft Büchners Geschichtstheorie mit den sozioökonomischen Verhältnissen seiner Zeit und der Enttäuschung über die bürgerliche Revolution.

3.3. Büchner und seine Arbeit am „Hessischen Landboten“: Die Analyse zeigt auf, wie der Dichter trotz seiner fatalistischen Einsichten zur aktiven, frühkommunistisch orientierten politischen Arbeit überging.

4. Der Einfluss des Fatalismusbriefes auf das Drama „Dantons Tod“: Dieses Kapitel untersucht, wie Büchners Studien zur Französischen Revolution direkt in die Konzeption seines Dramas einflossen.

4.1. Das Studium der Geschichte: Büchners Vorarbeit zur Dramenkonzeption: Hier wird erläutert, wie Büchner historische Quellen nutzte, um seine dramatischen Figuren und die Geschichtsauffassung zu formen.

4.2. Der „Fatalismusbrief“ als direkte Quelle: Es wird aufgezeigt, wie Büchner Zitate aus dem Brief direkt in die Dialoge von „Dantons Tod“ einbaute.

4.3. Der Fatalismus-Gedanke als charakterbildendes Element: Dieses Kapitel verdeutlicht, wie Büchner seine fatalistischen Überzeugungen nutzte, um die gegensätzlichen Charaktere von Danton und Robespierre zu schärfen.

5. Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst zusammen, dass der Brief trotz seines privaten Charakters als zentrales Dokument für Büchners literarisches und politisches Verständnis dient.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Fatalismusbrief, Dantons Tod, Französische Revolution, Hessischer Landbote, Resignation, Determinismus, Geschichtsauffassung, Politische Aktion, Geschichtstheorie, Dramenkonzeption, Wilhelmine Jaeglé, Geldaristokratismus, Fatalismus, Vormärz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Interpretation von Georg Büchners sogenanntem „Fatalismusbrief“ und dessen Bedeutung für sein späteres politisches und literarisches Wirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Philosophie des Fatalismus, die persönliche Lebenskrise des Dichters im Jahr 1834, der Einfluss der französischen Revolutionsstudien und die Verbindung zwischen Briefentwurf und Drama.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die zwei gegensätzlichen Interpretationsansätze – Resignation gegenüber der Politik versus theoretische Grundlage für politisches Handeln – kritisch gegenüberzustellen und zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärquellen (Briefe, literarische Werke) in Verbindung mit einer Literaturrecherche und dem Vergleich unterschiedlicher wissenschaftlicher Forschungsmeinungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Briefes als Zeugnis der Resignation, die Einordnung des Fatalismus-Begriffs in den Kontext politischer Aktionen und die Analyse des Einflusses auf das Drama „Dantons Tod“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Fatalismus, Geschichtsphilosophie, Georg Büchner, Revolution und politische Resignation charakterisieren.

Wie unterscheidet sich Büchners Fatalismus vom modernen Verständnis?

Zu Büchners Zeit war Fatalismus eher als objektive Gesetzmäßigkeit oder Notwendigkeit zu verstehen, weniger als rein passives Ergeben in ein Schicksal.

Welche Rolle spielt „Dantons Tod“ für das Verständnis des Briefes?

Das Drama dient als Anwendungsbeispiel, da sich dort die fatalistischen Einsichten, die Büchner im Brief an seine Verlobte formulierte, in der Charaktergestaltung und den Dialogen der Figuren wiederfinden.

Warum wird der Brief als „Fatalismusbrief“ bezeichnet?

Diese Bezeichnung leitet sich aus der prominenten Passage im Brief ab, in der Büchner beschreibt, wie er sich unter dem „gräßlichen Fatalismus der Geschichte“ zernichtet fühlte.

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Details

Title
Georg Büchners Fatalismusbrief - Zeugnis persönlicher Resignation oder Voraussetzung politischer Aktion?
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Büchners Dramen
Grade
1,3
Author
Jasmin Braun (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V65360
ISBN (eBook)
9783638579520
ISBN (Book)
9783656781929
Language
German
Tags
Georg Büchners Fatalismusbrief Zeugnis Resignation Voraussetzung Aktion Büchners Dramen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jasmin Braun (Author), 2005, Georg Büchners Fatalismusbrief - Zeugnis persönlicher Resignation oder Voraussetzung politischer Aktion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65360
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