Ausländische Direktinvestitionen und internationaler Handel - Eine Meta-Analyse


Diplomarbeit, 2006
100 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Erklärung zur selbständigen Abfassung der Diplomarbeit

1. Einleitung

2. Ausländische Direktinvestitionen
2.1. Kennzeichen ausländischer Direktinvestitionen
2.2. Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen
2.3. Die multinationale Unternehmung
2.4. Motive für Direktinvestitionen
2.4.1. Absatzorientierung
2.4.2. Beschaffungsorientierung
2.4.3. Kostenorientierung
2.4.4. Orientierung an der Wirtschaftsordnung und -politik
2.5. Formen der Direktinvestitionen
2.6. Wirkungen ausländischen Direktinvestitionen
2.6.1. Ausländische Direktinvestitionen und Wachstum
2.6.2. Ausländische Direktinvestitionen und Beschäftigung

3. Theorie der ausländischen Direktinvestitionen und des internationalen Handels
3.1. Ricardianische Außenhandelstheorie
3.2. Heckscher-Ohlin-Samuelson-Theorem
3.3. Der Ansatz von Mundell
3.4. Der Industrial-Organisation- Ansatz nach Hymer
3.5. Die Produktlebenszyklustheorie nach Vernon
3.6. Dunnings eklektisches Paradigma
3.7. Die „neue“ Handelstheorie
3.7.1. Vertikale Integration nach Helpman
3.7.2. Horizontale Integration nach Markusen
3.8. Erweiterungen der „neuen“ Handelstheorie

4. Empirische Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen FDI und Exporten
4.1. Studien auf Länderebene
4.2. Studien auf Industrieebene
4.3. Studien auf Unternehmensebene

5. Meta-Analyse
5.1. Vorteile einer Meta-Analyse
5.2. Probleme einer Meta-Analyse
5.2.1. Literaturauswahl
5.2.2. Publikationsverzerrungen
5.2.3. Heterogenität und Unabhängigkeit der Beobachtungen

6. Meta-Analyse des Zusammenhangs zwischen ausländischen Direktinvestitionen und Exporten
6.1. Auswahl der Studien
6.2. Konstruktion des Datensatzes
6.3. Bewertung des Datensatzes
6.3.1. Existenz des Zusammenhangs zwischen FDI und Exporten
6.3.2. Probleme der Gewichtung
6.3.3. Weiterführende Beschreibung des Datensatzes
6.4. Empirisches Vorgehen und Ergebnisse der Regressionen
6.4.1. Test auf die Signifikanz
6.4.1.1 Beschreibung des Modells
6.4.1.2 Ergebnisse der logistischen Regression
6.4.2. Test auf das Vorzeichen
6.4.2.1 Beschreibung des Modells
6.4.2.2 Ergebnisse der logistischen Regressionen
6.4.3. Test auf das Ausmaß der t-Werte
6.4.3.1 Beschreibung des Modells
6.4.3.2 Ergebnisse der OLS-Schätzung – Modell (1)
6.4.3.3 Ergebnisse der OLS-Schätzung – Modell (2)
6.4.3.4 Ergebnisse der OLS-Schätzung – Modell (3)
6.4.3.5 Ergebnisse der „random-effects“-Schätzungen
6.4.4. Test auf Publikationsverzerrungen
6.4.4.1 Analytische Betrachtung
6.4.4.2 Grafische Betrachtung

7. Schlussbemerkungen

8. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: FDI-Bestände (Inward) 1980-2004 in Mrd. $

Abbildung 2: FDI-Flüsse (Inward) 1980-2004 in Mrd. $

Abbildung 3: Wert der Exporte 1980-2004 in Mrd. $

Abbildung 4: Verschiedene Internalisierungsstrategien in Abhängigkeit der Intensität von Kapital- und Managementleistungen

Abbildung 5: Phasen des Produktlebenszyklus und Auswirkungen auf den internationalen Handel nach Wells (1972)

Abbildung 6: OLI-Entscheidungsmatrix

Abbildung 7: Verteilung der t-Werte mit Ausreißer

Abbildung 8: Verteilung der t-Werte ohne Ausreißer

Abbildung 9: funnel plot des Datensatzes

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: In der MRA verwendete Studien

Tabelle 2: Zusammenhang zwischen FDI und Exporten: zusammengefasste T-Statistik mit und ohne Ausreißern

Tabelle 3: Zusammenhang zwischen FDI und Exporten: zusammengefasste T-Statistik mit und ohne Gewichtung

Tabelle 4: Merkmale der Beobachtungen

Tabelle 5: Ergebnisse der logistischen Regression beim Test auf die Signifikanz

Tabelle 6: Ergebnisse der logistischen Regression beim Test auf das Vorzeichen

Tabelle 7: OLS-Schätzung – Modell (1)

Tabelle 8: Ergebnisse der OLS-Schätzung aller drei Modelle

Tabelle 9: Ergebnisse der „random-effects“ - Schätzung aller drei Modelle

Abstract

Der Zusammenhang zwischen ausländischen Direktinvestitionen und dem internationalen Handel steht schon seit längerer Zeit im Fokus des wirtschaftswissenschaftlichen Interesses. Vor allem die starke Zunahme der weltweiten Direktinvestitionsströme seit den 1960er Jahren lieferte die Notwendigkeit zur Entwicklung einer belastbaren Theorie.

Eine Reihe von partialanalytischen Ansätzen beschreibt ein Verhältnis, bei dem ausländische Direktinvestitionen die Exporttätigkeit eher ersetzen als unterstützen. Die große Mehrheit der empirischen Untersuchungen dieses Zusammenhangs findet allerdings ein komplementäres Verhältnis. Mit Hilfe der Meta-Regressions-Analyse wird ein Datensatz konstruiert bei dem die einzelnen Charakteristika der Studien dahingehend untersucht werden, ob sie einen Einfluss auf den Zusammenhang ausüben.

Als Resultat zeigt sich, dass Studien, die auf Querschnittsdaten beruhen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein positives Verhältnis aufweisen als Studien, die auf Zeitreihen- oder Paneldaten zurückgreifen. Die Analyse zeigt weiterhin, dass ältere Studien mit einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit signifikantere Ergebnisse liefern. Zudem scheinen der Aggregationsgrad der Daten und die Größe des Beobachtungsumfangs einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe des t-Wertes zu haben. Studien auf Länderebene und Studien mit großen Beobachtungsumfängen liefern höhere t-Werte. Ferner gibt es Anzeichen für Verzerrungen der Ergebnisse, die durch den Publikationsprozess der Studien begründet sind.

Erklärung zur selbständigen Abfassung der Diplomarbeit

Hiermit erkläre ich an Eides Statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne unerlaubte fremde Hilfe angefertigt, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und die den benutzten Quellen und Hilfsmittel wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe. Weiterhin habe ich alle Quellen aus dem Internet als solche unter Angabe des Tages des Zugriffs gekennzeichnet. In Absprache mit Herrn Prof. Dr. Nitsch wird auf den Ausdruck verwendeter Internetseiten verzichtet. Die Arbeit hat zudem keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegen.

Berlin, 4.Oktober 2006

Thomas Fuß

1. Einleitung

Die Weltwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten unter dem Schlagwort der Globalisierung schneller entwickelt als je zuvor. Ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment = FDI) und der internationale Handel gelten dabei als wichtige messbare Indikatoren dieses Wandlungsprozesses.

Die volkswirtschaftliche Theorie der Außenwirtschaft hat in den vergangenen Jahrhunderten versucht, Erklärungen dafür zu finden, warum Handel zwischen Ländern stattfindet, welche Faktoren diesen Handel beeinflussen und welche Auswirkungen der Handel auf das Einkommen, die Beschäftigung und die wirtschaftliche Struktur eines jeden Landes hat.

Im Zuge dieser Theoriebildung war es jedoch auch nötig, verstärkt die Akteure von Handel und Investitionen zu berücksichtigen. Vor allem die Motive von multinationalen Unternehmungen (MNU) sind die treibende Kraft für steigende Investitionen und das wachsende Handelsvolumen. Dabei stellen ausländische Direktinvestitionen das wichtigste Mittel dar, mit dem neue Absatzmärkte erschlossen und Faktorkosten reduziert werden können. Dies liegt unter anderem daran, dass FDI mehr sind als die reine Übertragung von Geldkapital. Mit FDI werden auch intangible Unternehmenswerte wie Markenimage, Know-how, Managementverfahren oder die Unternehmenskultur in das Investitionsobjekt integriert.

In der öffentlichen Diskussion werden häufig Argumente angeführt, die auf die Gefahren der Globalisierung hinweisen. Vor allem die Auswirkungen des Handels auf die Verteilung des Volkseinkommens bilden die Grundlage für Ängste vor der Globalisierung. Handelsbarrieren sind deswegen meistens das Ergebnis des Versuchs die eigene Volkswirtschaft vor den möglichen Risiken des Handels zu schützen. Die positiven Aspekte werden dabei häufig übersehen oder als selbstverständlich angenommen. Es soll deswegen daran erinnert werden, dass Handel generell besser ist als kein Handel. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Abkommen, die die in der Vergangenheit geschaffenen Handelsbarrieren wieder abzubauen versuchen.

Auf der disaggregierten Ebene der einzelnen Unternehmung spielen diese bestehenden Handelsbarrieren eine große Rolle bei der Frage, wie ein ausländischer Absatzmarkt bedient werden kann. Aus dieser Grundfrage heraus ergeben sich für die MNU zwei unterschiedliche Möglichkeiten, mit denen diese Bedienung erfolgen kann. Zum einen kann die MNU ihre Waren im Inland produzieren und dann ins Ausland exportieren, um sie dort zu verkaufen. Zum anderen kann sie aber auch die Waren direkt in ausländischen Produktionsstätten für den dortigen Markt produzieren. Für den Aufbau dieser ausländischen Produktionsstätten sind ausländische Direktinvestitionen nötig.

Die beiden beschriebenen Möglichkeiten zeigen den Zusammenhang, der zwischen FDI und Exporten besteht. In der theoretischen Beschreibung dieses Verhältnisses führt die Betrachtung dieser Möglichkeiten als Alternativen dazu, sie als Substitute zu betrachten. Exporte werden auf der Ebene der einzelnen Unternehmung durch Direktinvestitionen eher ersetzt als unterstützt. Gleichzeitig zeigen aber eine Reihe empirischer Untersuchungen zu diesem Zusammenhang überwiegend ein komplementäres Verhältnis. Die Betonung soll hier auf dem Wort „überwiegend“ liegen. Es gibt durchaus einige Studien, die die Sustitutionalitätshypothese bestätigen.

Die Unterschiedlichkeit der Ergebnisse der Studien liegt dabei in der Unterschiedlichkeit der Studien selbst begründet. Die Studien nutzen verschiedenen Datensätze, verschiedene Beobachtungsumfänge, verschiedene Untersuchungsmethoden, etc. Das Ziel dieser Arbeit soll es deshalb sein, Erklärungen dafür zu finden, warum es diese Unterschiede in den Ergebnissen der Studien gibt. Als Hilfsmittel für die Analyse soll das Verfahren der Meta-Regressions-Analyse dienen. Es handelt sich dabei um ein Instrument, welches die Unterschiedlichkeit der Studien selbst benutzt, um die differierenden Ergebnisse der einzelnen Analysen zu erklären. Diese abstrakte Technik ermöglicht es Aussagen darüber zu treffen, welche Charakteristika der Studien möglicherweise einen Einfluss auf die Richtung und das Ausmaß des ermittelten Zusammenhangs zwischen ausländischen Direktinvestitionen und Exporten ausüben.

Der Aufbau der Arbeit ist dabei der Folgende: Kapitel 2 liefert einen Überblick über die Kennzeichen, die Entwicklung, die Motive, die Formen und Wirkungen von FDI. Ferner wird die MNU als Akteur von ausländischen Direktinvestitionen vorgestellt. Kapitel 3 beschreibt die Entwicklung der Theorie des internationalen Handels und liefert zudem Ansätze, mit denen die Direktinvestitionen erklärt werden können. Kapitel 4 beschreibt kurz einige repräsentative empirische Studien zum Zusammenhang zwischen FDI und Exporten, bevor in Kapitel 5 Möglichkeiten und Grenzen der Meta-Regressions-Analyse vorgestellt werden. Im Kapitel 6 werden verschiedene Tests durchgeführt, die Hinweise darauf liefern sollen, ob es Charakteristika der Studien gibt, die die Signifikanz, das Vorzeichen oder das Ausmaß der geschätzten Zusammenhänge zwischen FDI und Exporten der betrachteten Studien beeinflussen. Zudem soll getestet werden, ob es Verzerrungen der Ergebnisse der Studien gibt, die im Publikationsprozess begründet liegen. Kapitel 7 liefert einige abschließende Bemerkungen.

2. Ausländische Direktinvestitionen

In diesem Abschnitt der Untersuchung soll zunächst der Frage nachgegangen werden, wie sich ausländische Direktinvestitionen von anderen Formen der Investitionstätigkeit unterscheiden. Dazu sollen verschiedene Kennzeichen von FDI genannt und auch ein Blick auf die Entwicklung der FDI-Ströme und -Bestände geworfen werden. Im Anschluss daran soll kurz sowohl auf die Akteure und die Motive ausländischer Direktinvestitionen als auch auf allgemeine Wirkungen von FDI eingegangen werden.

2.1. Kennzeichen ausländischer Direktinvestitionen

Die Literatur liefert keine allgemein verbindliche Definition der Begriffe FDI bzw. Direktinvestition. Die verschiedenen Erklärungen setzen an unterschiedlichen Punkten an, die jeweils ein bestimmtes Kennzeichen des Begriffes besonders betonen. Es wäre demnach eine vollkommen willkürliche Entscheidung, welche der existierenden Definitionen gewählt wird. Es soll deswegen nicht eine reine Begriffsbestimmung geliefert werden, sondern es sollen vielmehr zwei zentrale Kennzeichen genannt werden, die das Wesen einer ausländischen Direktinvestition näher bestimmen:

1. Ein inländischer Investor gewinnt durch FDI einen dauerhaften und stabilen Einfluss auf einen ausländischen Investitionsgegenstand. Wie dieser Einfluss ausgeübt wird, ist unterschiedlich. Es kann sich dabei um die Ausübung von Stimmrechten oder anderen Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftsführung im Ausland handeln. Wichtig ist aber, dass eine gewisse unmittelbare Kontrolle ausgeübt werden kann.
2. Der Bestand der Kapitalanlage muss zu mindestens 10% dem Investor gehören. Damit soll sichergestellt werden, dass dieser ein bestimmtes Maß an Mitspracherechten erhält. Der Wert von 10% ist nur ein Richtwert, der vom Internationalen Währungsfonds (IWF 1993) vorgeschlagen wird. Er liegt seit dem Jahr 1999 auch der deutschen Direktinvestitionsstatistik zu Grunde und dient somit als eine Art Konvention, mit der die Vergleichbarkeit der Statistiken der verschiedenen Länder erleichtert werden soll.

Direktinvestitionen sind also dadurch gekennzeichnet, dass es sich um langfristige Kapitalanlagen handelt, bei der eine effektive Einflussnahme auf das Management des Zielobjektes möglich ist.

Nach Jahrreiß (1984) grenzen sie sich damit von so genannten Portfolioinvestitionen ab. Dies sind Investitionen, die eher kurzfristig angelegt sind und bei denen Renditegesichtspunkte im Vordergrund steht. Das Ertragsmotiv ist somit dominierend und die Investoren können keinen Einfluss auf die Geschäftsführung des kapitalempfangenden Unternehmens erlangen.

Nach dem World Investment Report (2005, S. 297) bestehen ausländische Direktinvestitionen maßgeblich aus drei Bestandteilen:

- dem anteiligen Kapital, also dem vom Investor erworbenen Anteil an einer Unternehmung in einem anderen Land,
- reinvestierte Gewinne, also Gewinne, die in dem anteilig erworbenen Unternehmen nicht in Form von Dividenden oder ähnlichem ausgeschüttet, sondern thesauriert wurden und
- andere Kapitalbestandteile, vornehmlich kurz- und langfristige innerbetriebliche Anleihen und Kredite zwischen dem Investor und dem Investitionsgegenstand.

Die genannten einzelnen Bestandteile der Direktinvestition erschweren die Bereitstellung der Daten in den Direktinvestitionsstatistiken. So konnten im Jahr 2003 nur 78% aller entwickelten Länder Daten zu reinvestierten Gewinnen liefern, da es in manchen Ländern schwierig ist, diese Daten aus Geschäftsberichten der Unternehmen oder aus den Umfragen für die Zahlungsbilanzstatistik zu entnehmen. Auch die Verlässlichkeit der gelieferten Daten ist nicht immer gewährleistet, da es Diskrepanzen in den Messmethoden für FDI in den verschiedenen Ländern gibt. Der World Investment Report (2005, S.4) gibt ein Beispiel dafür. Betrachtet werden sollen die deutschen FDI-Flüsse im Jahr 2000 nach China. Es zeigt sich, dass nach deutschen Angaben $ 819 Mio. in China direkt investiert wurden. Nach Angaben der Volksrepublik China wurden jedoch $ 1.041 Mio. aus Deutschland in China investiert. Fischer (2000) zufolge müssten sich Direktinvestitionsströme per Saldo ausgleichen, wenn sie mit den entsprechenden Gegenbuchungen der Partnerländer konsolidiert werden. Der Grund für die Unterschiedlichkeit der Angaben liegt in den voneinander abweichenden Methoden der Datenerhebung, verschiedenen Zeitperioden der Beobachtungen und fehlerhaften geografischen Zuordnungen. Die Wechselkurse zwischen den Ländern schwanken ebenfalls ständig, so dass eine einheitliche Bewertung der Direktinvestitionsflüsse und -bestände erschwert wird. Auch wurden nicht immer alle drei Bestandteile von FDI bei der Datenbereitstellung mit einbezogen. Dies ist jedoch nicht ein Problem, welches nur die deutsch-chinesischen Beziehungen betrifft. Im Jahr 2004 beispielsweise wurden global betrachtet 13% mehr Abflüsse von FDI verbucht, als es Zuflüsse gab. Diese Diskrepanz zeigt den dringenden Handlungsbedarf für die Entwicklung einer einheitlichen Messmethode von ausländischen Direktinvestitionen.

2.2. Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen

Im Folgenden soll ein Blick auf die Entwicklung der globalen FDI-Bestände und -Ströme geworfen werden. Abbildung 1 zeigt deutlich, dass die Kapitalbestände, die durch ausländische Direktinvestitionen begründet sind, stetig zunehmen. Dabei ist vor dem Hintergrund der Abbildung 3 auch zu sehen, dass diese Zunahme sogar größer ist, als die der globalen Exporte im selben Zeitraum. FDI wuchsen nominal und in US-Dollar gerechnet mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 10% pro Jahr, während die Exporte um rund 7% pro Jahr zunahmen.

Es ist ersichtlich, dass die FDI-Bestände in den entwickelten Ländern größer als die Bestände in den Entwicklungsländern sind. Dies ist aber nicht weiter verwunderlich, da der größte Teil der ausländischen Direktinvestitionen zwischen entwickelten Ländern fließt und auch von den Industrieländern ausgeht. Allerdings hat sich der Anteil der Bestände in den Entwicklungsländern am Gesamtbestand erhöht. Im Jahr 2004 betrug dieser Anteil immerhin 25% an den Gesamtbeständen.

Abbildung 1: FDI-Bestände (Inward) 1980-2004 in Mrd. $

Ein Blick auf die FDI-Flüsse, also auf die jährliche Veränderung der Bestände in Abbildung 2 zeigt, dass es im Jahr 2001 erstmals seit einem zehnjährigen beständigen Wachstum einen Rückgang der weltweiten Direktinvestitionstätigkeit gegeben hat, der bis zum Jahr 2003 andauerte. Die globalen Direktinvestitionsströme haben sich im Jahr um rund 60% gegenüber ihrem Höchststand im Jahr 2000 verringert. Dessen ungeachtet spricht das Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung 2004/2005 davon, dass die Direktinvestitionstätigkeit über den gesamten Zeitraum betrachtet ein dynamischeres Element als der internationale Handel sei.

Abbildung 2: FDI-Flüsse (Inward) 1980-2004 in Mrd. $

Es ist in Abbildung 3 ersichtlich, dass die weltweiten Exporte entgegen dem Trend der Direktinvestitionsströme, bis auf eine Ausnahme im Jahr 2001, zugenommen haben. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen auch noch eine andere Entwicklung. Zwar wuchsen die Exporte entwickelter Länder stetig, doch die FDI-Flüsse in entwickelte Länder nahmen weiter ab. Wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen FDI und Exporten unterstellt wird, dann handelt es sich hierbei um ein substitutionales Verhältnis. Im Gegensatz dazu zeigen FDI-Flüsse und Exporte bei Entwicklungsländern seit dem Jahr 2002 ein komplementäres Verhältnis, denn sowohl Direktinvestitionsflüsse als auch Exporte wuchsen an.

Abbildung 3: Wert der Exporte 1980-2004 in Mrd. $

2.3. Die multinationale Unternehmung

Direktinvestitionen können auf mehrere Arten interpretiert werden. Bisher lag der Fokus eher darauf, FDI als internationale Faktorbewegungen zu betrachten, die über die Erweiterung der Produktionsstätten einen Einfluss auf den internationalen Handel ausüben. Nun soll aber ein Blick auf den Akteur geworfen werden, also auf den Investor selbst. Nach Fischer (2000) können sowohl private als auch öffentliche Einzelpersonen oder Gruppen mit oder ohne eigene Rechtspersönlichkeit als Direktinvestor auftreten. Meistens übernehmen jedoch multinationale Unternehmen (MNU) diese Funktion.

Das Kennzeichen einer multinationalen Unternehmung ist, wie der Begriff schon sagt, die Multinationalität, also das internationale Agieren auf globalen Märkten. Dabei übt ein Mutterunternehmen einen signifikanten Einfluss auf ein anderes Unternehmen in einem anderen Land als dem Heimatland aus. Signifikant ist der Einfluss meist, wenn das Mutterunternehmen mehr als die Hälfte der Kapitalanteile kontrolliert. Abbildung 4 zeigt Möglichkeiten der Auslandstätigkeit einer Unternehmung in Abhängigkeit von den Kapital- und Managementleistungen vor Ort.

Abbildung 4: Verschiedene Internalisierungsstrategien in Abhängigkeit der Intensität von Kapital- und Managementleistungen

Werden ausländische Direktinvestition getätigt, so wird ein hohes Maß an Kapital, aber auch Kontrollrechte und eine gewisse Organisationsstruktur an die Auslandsniederlassungen, Betriebsstätten und Tochtergesellschaften übertragen. Generell kann deswegen auch von multinationalen Konzernen gesprochen werden. Bei der Unternehmensform des Konzerns sind die Tochterunternehmen meist rechtlich selbständig, jedoch befinden sie sich in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Mutterunternehmen und werden von diesem auch einheitlich geleitet. Jahrreiß (1984) merkt an, dass alle Methoden, vom reinen Export bis hin zur Tochterfiliale im Ausland für ein Unternehmen grundsätzlich in Frage kommen. Ob es aber für ein MNU sinnvoll ist, alle Formen zu nutzen, kann jedoch nur eine Einzelfallprüfung zeigen.

Direktinvestitionen bedeuten für die MNU also eine Möglichkeit der Internalisierung, wenn durch neu gegründete oder erworbene Tochtergesellschaften neue Produktionskapazitäten im Ausland geschaffen oder bestehende Produktionsanlagen dorthin verlegt werden. Mit der Entscheidung, FDI im Ausland zu tätigen, schlägt die MNU einen Weg ein, bei dem bestimmte Aktivitäten wie beispielsweise die Produktion von Komponenten etc. in der Unternehmung verbleiben. Die MNU könnte die benötigten Komponenten zwar auch auf dem freien Markt beziehen, doch dies bedeutet zusätzliche Transaktionskosten, die eingespart werden können. Durch die Internalisierung versucht die MNU mehrere Vorteile zu gewinnen. Sie versetzt die MNU in die Lage, sich von bestimmten Abhängigkeiten von Zulieferern frei zu machen, indem sie wichtige Komponenten selbst produziert. Je spezialisierter der Vorlieferant auf eine bestimmte Komponente oder ein System ist, desto größer ist der Einfluss, den er im Zweifelsfall auf ein MNU ausüben könnte. Dieser Einfluss kann beispielsweise zu einem Erpressungspotenzial und damit verbundenen unvorhersehbaren Risiken führen. Die MNU versucht dieses Problem zu unterbinden, indem sie vor- bzw. nachgelagerte Produktionsstufen vertikal in die Unternehmensstruktur integriert.

Die Kostenseite der Internalisierungsentscheidung ist uneinheitlich zu beurteilen. Zwar können Transaktionskosten minimiert werden, die im Zusammenhang mit Käufen auf den freien Markt entstehen, doch die Rentabilität der Produktion vor Ort ist davon abhängig, wie schnell Skalenerträge auf Fabrikebene realisiert werden können. Zwar kann ein Technologietransfer, also ein Transfer unternehmensinternen Wissens hin zu den ausländischen Produktionsstätten zu Kostensenkungen führen. Wenn jedoch ein lokaler Anbieter bessere Kenntnisse über die Marktsituation vor Ort hat, kann er diesen Informationsvorteil nutzen, um schneller, besser und damit vielleicht sogar billiger zu produzieren.

Grundsätzlich lassen sich MNU nach Dersch (1992) in drei verschiedene Ausprägungsformen einteilen, die sich hauptsächlich an den Unternehmenszielen orientieren. Dabei handelt es sich um:

- den polyzentrischen Typ, bei dem die gut angepassten ausländischen Tochtergesellschaften allein entsprechend ihres Wachstums und ihrer Rentabilität bewertet werden,
- den geozentrischen Typ, bei dem zwar die Unternehmung weltweit betrachtet wird und die globalen Unternehmensziele im Vordergrund stehen, es aber keine Identifizierung der Tochtergesellschaften mit den Gastländern gibt,
- den ethnozentrischen Typ, bei dem das Mutterunternehmen eine gewisse Verbundenheit mit dem Heimatland aufweist und die Tochtergesellschaften keinen Einfluss auf die Formulierung der Unternehmensziele besitzen.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei diesen Typisierungen um Extreme handelt, die so in der Praxis mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht existieren. Oft bildet eine Kombination dieser Extreme eine gute Beschreibung für ein MNU.

Es kann festgehalten werden, dass ausländische Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen miteinander in einer Beziehung stehen, sich aber nicht bedingen. Eine ausländische Direktinvestition kann in diesem Fall nur von einem MNU durchgeführt werden, da das Unternehmen durch die Investition über die nationalen Grenzen hinaus agiert. Umgedreht gilt aber nicht der Fall, dass MNU unbedingt Direktinvestitionen tätigen müssen. Eine MNU kann auch weiterhin durch heimische Exporte oder andere Möglichkeiten den ausländischen Markt bedienen.

2.4. Motive für Direktinvestitionen

Die Ziele multinationaler Unternehmen ergeben sich aus den Motiven, mit denen eine ausländische Direktinvestition begründet wird. Es sollen nachfolgend einige zentrale Motive für Direktinvestitionen beschrieben werden, die das zustande kommen von FDI erklären können. Nach Fischer (2000) lassen sich die unterschiedlichen Motive grundlegend in vier Gruppen unterteilen. Demnach werden Absatzorientierung, Beschaffungsorientierung, Kostenorientierung und Orientierung an der Wirtschaftsordnung und -politik unterschieden. Auf jedes Motiv soll im Folgenden kurz eingegangen werden.

2.4.1. Absatzorientierung

Die Erschließung und Durchdringung neuer Absatzmärkte für die eigenen Produkte ist für eine Vielzahl der MNU eines der zentralen Motive für Investitionen im Ausland. Dabei soll der eigene ausländische Marktanteil nicht nur gesichert, sondern auch ausgebaut werden. Das MNU muss sich entscheiden, ob es einen Zielmarkt direkt oder indirekt beliefert. Von direkt soll in diesem Zusammenhang gesprochen werden, wenn Produktion bzw. Distribution und Verkauf im selben Land beheimatet sind. Indirekte Belieferung dagegen bedeutet, dass der Zielmarkt nicht im Land der Produktion bzw. Distribution liegt. In Europa sind die Aktivitäten amerikanischer MNU vor allem in Irland konzentriert. Viele Unternehmen nutzen das Land als Drehkreuz durch das der gesamte europäische Markt bedient werden kann. Niedrige Löhne, keine Besteuerung von Exportgewinnen und ein einfacher Marktzutritt machen das Land als amerikanische Exportplattform in Europa attraktiv. Grundsätzlich können durch die Diversifikation der Standorte neue Distributionskanäle für die Belieferung der Märkte im Gastland entstehen und effizient genutzt werden. Dadurch kann eine starke Konkurrenz sowohl zu lokalen Anbietern als auch zu heimischen Wettbewerbern geschaffen werden. Es können bei besonderen Anlässen auch zusätzliche Gewinne realisiert werden, wenn sich die MNU durch die Markterschließung einen first-mover-advantage sichert. Dies ist ein Vorteil, der entsteht, wenn das MNU als Erstes einen bisher unzugänglichen Markt erschließt. Als Beispiele aus der Vergangenheit können die Einrichtung des europäischen Binnenmarktes, die deutsche Wiedervereinigung und die Öffnung Osteuropas durch den Beitritt zur EU genannt werden.

Weiterhin sind nach Adebahr (1981) ausländische Direktinvestitionen für MNU in Ländern mit ausgeprägten Importbeschränkungen, die den Handel verhindern sollen, oftmals der einzige Weg, den Markt dort zu bedienen. Diese Beschränkungen werden aus der Sicht des Gastlandes eingeführt, um Importe aus dem Ausland zu Gunsten der heimischen Produktion zurück zu drängen. In den letzten Jahren haben vor allem Investitionen in China bei den meisten MNU eine hohe Priorität, um in den riesigen chinesischen Markt eintreten zu können. Dabei wird aber von der chinesischen Regierung aber schon seit Jahren gefordert, dass ein Markteintritt nur durch eine gesellschaftsrechtliche Verbindung mit einer chinesischen Gesellschaft möglich ist.

2.4.2. Beschaffungsorientierung

Genauso wie der Zugang zum Absatzmarkt sollte auch der Zugang zum Beschaffungsmarkt gesichert sein. Dabei stehen im Prinzip die klassischen Produktionsfaktoren im Fokus: Arbeit, Boden und Kapital.

Mit der Direktinvestition soll bei arbeitsintensiver Produktion der Zugriff auf Niedriglohn-Arbeitskräfte gesichert werden. In Abhängigkeit vom Tätigkeitsfeld der MNU kann auch der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften das Unternehmen motivieren im Ausland zu investieren. Oft erfolgt dabei die Ansiedlung der Unternehmen in so genannten clustern. Dies sind nicht nur reine Produktionsstätten, sondern eher eine Art Ideenwerkstatt. Dort profitieren hochqualifizierte Arbeitskräfte gegenseitig von einer gemeinsamen Arbeit und Forschung durch wissensbasierte Spillover-Effekte. Silicon Valley, aber auch das mitteldeutsche Chemiedreieck können als Beispiele für solch ein cluster genannt werden.

Der Faktor „Boden“ wird indes vertreten durch die Infrastruktur des Ziellandes der Investition. MNU sind eher motiviert in Ländern zu investieren, die mit einer guten physischen Infrastruktur (Straßen, Seezugang, Eisenbahnnetz, etc.) ausgestattet sind. Zudem kann auch jegliche Form von Bodenschätzen und Rohstoffen unter den Faktor „Boden“ subsumiert werden.

Letztendlich spielt auch die Bedeutung des Kapitals eine Rolle bei der Motivation einer MNU im Ausland zu investieren. Der Kapitaltransfer kann sowohl durch die Aussicht auf höhere Renditen im Ausland als auch durch Kenntniszuwachs bei Produktionstechniken, beim Management bei Forschung und Entwicklung, bei Brancheninformationen und Technologieentwicklung motiviert sein.

2.4.3. Kostenorientierung

Die oftmals wichtigste Motivation für die Tätigung einer ausländischen Direktinvestition stellen die möglichen Effizienzgewinne dar. Dabei gilt es grundsätzlich der Frage nachzugehen, wie ein ausländischer Absatzmarkt bedient werden soll - durch Exporte oder durch Produktion vor Ort? Diese Fragestellung ist unter Umständen am einfachsten durch die Klärung einer anderen Frage zu beantworten: Ist es unter Kostengesichtspunkten für die einzelne Unternehmung günstiger weiterhin ins Ausland zu exportieren oder neu im Ausland in Produktionsanlagen zu investieren? Die Argumentation über die Kostenseite ist relativ schwierig, da eine Vielzahl unterschiedlicher Kostenarten zu beachten ist. Es soll im Folgenden auf einige Kriterien eingegangen werden.

Neben den Produktionskosten gibt es eine Reihen weiterer Kosten, die im Produktionsprozess einer Unternehmung anfallen. Dazu zählen Kosten für die Materialbeschaffung, Logistikkosten, direkte und indirekte Infrastrukturkosten, Arbeitskosten und Energiekosten, die von der Anlieferung der Rohstoffe bis zum Verkauf des fertigen Produktes in der Produktionslinie anfallen. Ausländische Direktinvestitionen können helfen, einige dieser unternehmensinternen Kostenbestandteile zu verringern. Dabei ist das Ausmaß der möglichen Kostenreduktion von der Produktionsstruktur und dem Tätigkeitsfeld des Unternehmens abhängig. Damit ist gemeint, dass es davon abhängt, ob das Unternehmen in der Lage ist, die Produktion aufzusplitten und bestimmte Produktionsstufen zu verlagern oder ob nur die gesamte Produktionsstruktur verlegt werden kann. Dazu muss das Unternehmen wissen, ob es Betriebsgrößenvorteile auf der Unternehmensebene (firm level scale economies) oder eher auf der Fabrikebene (plant level scale economies) realisieren kann. Man unterscheidet deswegen zwischen horizontalen und vertikalen Direktinvestitionen.

- Horizontale Direktinvestitionen

Bei horizontalen Direktinvestitionen wird die komplette Produktionsanlage dupliziert im Gastland aufgebaut um vor Ort direkt für den dortigen und die angrenzenden Märkte und deren besondere Ansprüche produzieren zu können. Das Absatzmotiv dominiert dabei das Kostenmotiv. Dies liegt daran, dass die Produktion im Ausland bei der Betrachtung der Betriebsgrößenvorteile auf der Ebene der einzelnen Produktionsstätte teurer ist. Bei der Betrachtung von Betriebsgrößenvorteilen auf der Ebene des gesamten Unternehmens jedoch können eingesparte Transportkosten in Form von Zöllen, Importbeschränkungen, etc. die Gesamtkosten senken, da ein möglicherweise abgeschotteter Markt direkt bedient werden kann.

- Vertikale Direktinvestitionen

Bei vertikalen Direktinvestitionen wird hingegen nur ein Teil der Produktion verlegt. Die im Gastland produzierten Produkte sind meist nicht für den dortigen Verkauf bestimmt, sondern werden in das Stammland des MNU re-importiert, von wo aus das Mutterunternehmen die weitere Distribution leiten kann. Werden Betriebsgrößenvorteile eher auf der Ebene der einzelnen Produktionsstätte realisiert, so kann sich die Verlagerung der Produktion unter Umständen lohnen. Dabei kann sowohl die ganze Produktion als auch nur Teile derselben ins Ausland verlegt werden. Diese Form der Direktinvestition verursacht jedoch immense Logistikkosten. Immerhin wird ein Großteil der gesamten Exporte intra-industriell gehandelt. Wenn es jedoch signifikante Unterschiede in den Faktorkosten der Produktion, beispielsweise beim Faktor Arbeitskräfteeinsatz gibt, dann können die hohen Transportkosten durch niedrige Arbeitskosten kompensiert werden und die MNU kann Betriebsgrößenvorteile auf der Ebene des Gesamtkonzerns realisieren.

Auch der Wechselkurs spielt eine Rolle bei der Frage, ob ein Unternehmen einen ausländischen Markt durch Exporte oder durch Produktion vor Ort bedienen soll. Generell kann davon ausgegangen werden, dass der Wechselkurs den Preis der Exporte eines Unternehmens beeinflusst. Wenn die heimische Währung einer Aufwertungsgefahr unterliegt, können die gestiegenen Kosten eine Unternehmung eher dazu motivieren, im Ausland zu investieren. Gleichzeitig kann der Wechselkurs aber auch dazu führen, dass die Kosten für die Materialbeschaffung ansteigen

Es gibt noch eine Reihe weiterer Faktoren, die die Kostenstruktur der Produktion bestimmen können. Zwar können nicht alle Umstände zusammenfassend aufgezählt werden, doch es soll hier zum Abschluss daran erinnert werden, dass auch Subventionen oder Steuervorteile, die vom Gastland der Investition gewährt werden, sich positiv auf das Kostenargument der Produktion im Ausland auswirken können.

2.4.4. Orientierung an der Wirtschaftsordnung und -politik

Die zuletzt genannten Kostenmotive durch Subventionen und Steuervergünstigungen sind durch die Wirtschaftspolitik des Gastlandes und des Ursprungslandes der Investition gleichermaßen bedingt. Die verschiedenen Länder der Welt stehen genau wie einzelne Unternehmen in einem ständigen Konkurrenzkampf miteinander. Die staatliche Ordnung oder besser gesagt das politische System der Länder hat einen bedeutsamen Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen im Land. Die direkten Mittel, die dem Staat dabei zur Verfügung stehen sind unter anderem die Zollpolitik, die generelle Belastung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital durch Steuern und Abgaben, sowie der Grad des Protektionismus, welcher sich unter anderem durch das Ausmaß von Export- bzw. Importbeschränkungen ausdrückt. Die Zielländer von Direktinvestitionen können den MNU somit bedeutende Anreize zu Investitionen geben. Der Erfolg der Inselrepublik Irland beispielsweise ist maßgeblich das Ergebnis einer guten Wirtschaftspolitik. Seit den späten 1950er Jahren werden dort keine Steuern mehr auf Exportgewinne von Gütern und Waren erhoben. Zusätzlich startete die Regierung Programme zur gezielten hohen Förderung einzelner Projekte, anstatt viele Projekte nur wenig zu fördern. Für die gesamte Volkswirtschaft führte dies zu höheren Löhnen, mehr Wohlstand und Beschäftigung.

Ein eher gesellschaftliches als wirtschaftliches Problem dieses Konkurrenzkampfes zwischen den Ländern besteht in der Gefahr, dass dieser Kampf auf Kosten bestimmter Errungenschaften der zivilisierten Welt ausgetragen wird. Gemeint sind hiermit beispielsweise Umweltschutzauflagen oder die Sozialcharta. Die Staaten sollten sich nicht mehr dazu hinreißen lassen, sich weiterhin in der Anreizgestaltung zu unterbieten, sonst ist eine gewisse Erpressbarkeit der Länder durch die MNU nicht abzuwenden.

2.5. Formen der Direktinvestitionen

Die Direktinvestition ist, wie in Abschnitt 2.1. erläutert, durch Kapitalbeteiligungen und die Übertragung bestimmter Kontrollrechte gekennzeichnet. Dabei können grundsätzlich drei Formen dieser Kapitalbeteiligung unterschieden werden: Neuinvestition, Unternehmensakquisition und Gemeinschaftsunternehmung.

Die Neuinvestition (greenfield investment) stellt dabei die aufwendigste Form der Direktinvestition dar, weil eine neue, zusätzliche Unternehmung auf einem fremden Markt geschaffen und eingerichtet werden muss. Arbeitskräfte müssen eingestellt und die Produktionsstätten errichtet werden. Das Kostenargument dominiert meist die Auswahl dieser Form von FDI.

Die Unternehmensakquisition (merger and acquisition, M&A) stellt die wichtigste Form der ausländischen Direktinvestition dar. Knapp drei von vier Kapitalbeteiligungen wählen diesen Weg, weil bestehende Unternehmensstrukturen erhalten bleiben und auf vorhandene Produktionsstätten zurückgegriffen werden kann. Es ist in diesem Zusammenhang aber zu bedenken, dass unterschiedliche Unternehmenskulturen gerade bei ethnozentrischen Mutterunternehmen zu Problemen führen können.

Die Gemeinschaftsunternehmung ist ein dritter Weg, eine Kapitalbeteiligung durchzuführen. Dabei entstehen je nach Beteiligungsgrad unterschiedliche Mitspracherechte. Von einer Minderheitsbeteiligung (unter 50%) über Mehrheitsbeteiligungen (50-95%) bis hin zum völligen Eigentum (größer 95%) sind mehrere Formen möglich. Um den vollen Nutzen aus dieser Form der Kapitalbeteiligung ziehen zu können, sind einige Bedingungen notwendig. Zum einen muss die optimale Betriebsgröße bestimmt werden, damit eine gemeinschaftliche Produktion effizient durchgeführt werden kann. Zum anderen müssen Operationalität und eine Risikobegrenzung die erfolgreiche Arbeit der Gemeinschaftsunternehmung sicherstellen.

2.6. Wirkungen ausländischen Direktinvestitionen

Die Erklärung der Wirkungen von FDI im Heimatland und Gastland ist eine überaus komplexe Angelegenheit. Die volkswirtschaftliche Theorie versucht klassische, eher makroökonomisch motivierte Fragestellungen nach den Wirkungen von Kapitalbewegungen zu formulieren. So kann generell gefragt werden, welche Effekte ausländische Direktinvestitionen auf das Wachstum, den Handel, den Beschäftigungsstand oder die Verteilung des Volkseinkommens einer Volkswirtschaft ausüben. Im Rahmen dieser Arbeit soll der Zusammenhang zwischen FDI und internationalem Handel im Vordergrund stehen. Es sollen deswegen nachfolgend nur einige Anmerkungen zu den anderen ökonomischen Größen geliefert werden, die natürlich im Rahmen eines kurzen Einblicks in die Thematik keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben können.

2.6.1. Ausländische Direktinvestitionen und Wachstum

Die traditionelle neoklassische Wachstumstheorie nach Solow (1956) stellt die Akkumulation von Sachkapital als die bestimmende Ursache des Wachstums einer Volkswirtschaft dar. Mankiw, Romer und Weil (1992) erweitern dieses Konzept um den Faktor Humankapital und sagen einen Konvergenzprozess zwischen der entwickelten und der sich entwickelnden Welt voraus. Die Gründe dieses Prozesses liegen in den unterschiedlichen Grenzproduktivitäten des Kapitals zwischen den Ländern. Diese ist in Entwicklungsländern aufgrund der geringeren Pro-Kopf-Ausstattung mit Kapital höher als in entwickelten Ländern. Es ergibt sich also für Unternehmen in entwickelten Ländern ein Anreiz im Ausland, wo eine höhere Grenzproduktivität des Kapitals besteht, zu investieren und somit Kapital zu transferieren. Ausländische Direktinvestitionen führen so zu einer erhöhten Kapitalakkumulation im Gastland und erhöhen dort das Wachstum. Problematisch ist aber eine Situation, in der die investierende MNU mit den im Ausland ansässigen Unternehmen um begrenzte Ressourcen konkurriert und diese vom Markt verdrängt. Der Nettoeffekt auf das Wachstum kann durch die Investition somit unter Umständen sogar negativ sein.

Diese Argumentation scheint aber zu kurz gegriffen, wenn man die Tatsache mit einbezieht, dass die größten FDI-Flüsse zwischen entwickelten Ländern stattfinden. Die Konvergenz der Grenzproduktivitäten des Kapitals stellt somit nur eine mögliche Erklärung des Wachstumsprozesses dar. Die Motive für Direktinvestitionen haben gezeigt, dass es eine Vielzahl anderer Erklärungen für FDI geben kann. Nicht vergessen werden darf auch der große Einfluss, den die Politik durch die Gestaltung des ordnungspolitischen Rahmens ausüben kann.

Die Übertragung von Humankapital und bestimmten Management-Methoden liefert dem Gastland einen wichtigen Zugang zu wachstumspolitischem Wissen, der durch Schulungen oder Weiterbildung des dortigen Personals gesichert wird. Generell kann aus der theoretischen Sicht eher eine neutrale Wirkung von FDI auf das Wachstum ausgegangen werden, da negative Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden können. Die Empirie liefert eine Reihe von Untersuchungen, die mehrheitlich einen positiven Zusammenhang identifizieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Ausländische Direktinvestitionen und internationaler Handel - Eine Meta-Analyse
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Volkswirtschaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
100
Katalognummer
V65373
ISBN (eBook)
9783638579612
ISBN (Buch)
9783638710756
Dateigröße
1170 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausländische, Direktinvestitionen, Handel, Eine, Meta-Analyse, FDI, Foreign Direct Investments, Investitionen, Investition, Meta, Analyse, Regression, Foreign, Direct, Investments
Arbeit zitieren
Dipl.-Vw. Thomas Fuß (Autor), 2006, Ausländische Direktinvestitionen und internationaler Handel - Eine Meta-Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65373

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