Das norwegische Bildungssystem - vor und nach PISA


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Allgemeine Informationen über Norwegen
2.1 Entwicklung und Grundsätze des norwegischen Bildungssystems
2.2 PISA Ergebnisse für Norwegen

3 Aufbau des norwegischen Bildungssystems
3.1 Struktur
3.2 Vorschule
3.3 Grundstufe
3.4 Sekundarstufe
3.5 Hochschulwesen

4 Erwachsenenbildung - Lebenslanges Lernen

5 Schluss

6 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Norwegen steht mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von $230 Mrd. an der Spitze der Industrienationen. Das BIP je Einwohner von $49.500 ist das höchste Welt.1 Die Kosten für Bildung und Ausbildung betragen ca. $16 Mrd. und entsprechen somit ca. 7 % des BIP. Der OECD Durchschnitt liegt nur bei ca. 5 %. Von 4,3 Mio. Einwohnern befinden sich fast eine Million in der Ausbildung. Weiterhin nehmen jährlich eine Million Menschen an Weiterbildungen teil, somit sind fast 50% der Bevölkerung in Bildungsmaßnahmen involviert. In Norwegen haben ca. 80% der Bevölkerung eine Ausbildung über die 10-jährige Pflichtschule hinaus, 55% haben eine weiterführende Pflichtschule besucht und 31% haben eine Universitäts- oder Hochschulausbildung.2 Diese quantitativen Fakten sind beeindruckend und werfen die Frage auf, ob bei diesem hohen Bildungsniveau der Gesamtbevölkerung die Qualität der Bildung auf dem gleichen hohen Niveau ist. Diese Frage möchte ich mit dieser Arbeit beantworten. Ein Blick in die PISA- Studie 2003 zeigt, dass Norwegen trotz seiner hohen Bildungsausgaben nur Mittelmaß im internationalen Vergleich ist und nicht wesentlich besser als das deutsche Bildungssystem abgeschnitten hat.. Vor allem die Bereiche Naturwissenschaften und Problemlösung stellen ein Problem für die norwegischen Schüler dar, hierbei liegen sie weit unter dem Durchschnitt der anderen nordischen Länder. Das Lernklima scheint an norwegischen Schulen besonders schlecht zu sein, denn es sind die lautesten Schulen aller OECD Länder.

Ein wesentlicher Grundsatz des norwegischen Schulsystems ist das Bemühen um Chancengleichheit. Allen Menschen wird vom Gesetz das Recht zugestanden eine 10-jährige Schulausbildung zu absolvieren. Mädchen und Jungen müssen hierbei gleich behandelt werden. Randgruppen, wie Behinderte und Migranten werden in das Bildungssystem integriert. Es gibt nur einige Sonderschulen für Menschen mit starker Behinderung. Das Schulsystem ist nicht wie in Deutschland 3-fach unterteilt, sondern jeder durchläuft die gleiche Schule bis zur 10. Klasse. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich zwischen Berufsausbildung oder der Vorbereitung auf die Universität zu entscheiden.

Neben der Ausbildung für die junge Generation wird in Norwegen außerdem sehr viel Wert auf lebenslanges Lernen gelegt. Im ganzen Land gibt es ständig Fortbildungsmaßnahmen, die es den Arbeitnehmern ermöglichen mit den sich schnell verändernden Bedingungen im Arbeitsleben zu Recht zu kommen. Diese Arbeit soll im Folgenden die Prinzipien sowie die Struktur des norwegischen Bildungssystems näher beleuchten. Mit Hilfe der PISA- Studie werden Kritikpunkte aufgezeigt und die daraufhin erlassenen Reformen dargestellt.

2 Allgemeine Informationen über Norwegen

In der Landessprache heißt Norwegen - Kongerit Norge - dabei bedeutet „Norge“ soviel, wie „Weg nach Norden“, einem Motto dem das Seefahrervolk der Norweger seit der Wikingerzeit gefolgt ist.

Norwegen ist nicht nur der längste und dünnst besiedelte Staat auf dem europäischen Kontinent, hier befinden sich auch die größten Gletscher, tiefsten Seen und größten Hochebenen Europas. Im Süden, Westen und Norden ist Norwegen vom Meer umgeben. An seiner breitesten Stelle ist Norwegen 430 km, an der schmalsten nur 6 km breit. Die angrenzenden Nachbarländer sind Schweden, Finnland und Russland. Norwegen hat ca. 4,5 Mio. Einwohner, wobei ein Viertel der Bevölkerung in den vier größten Städten Oslo, Bergen, Trondheim und Stavanger leben. Das Land ist eine konstitutionelle Monarchie und das Staatsoberhaupt ist König Harald. Das Parlament wird alle vier Jahre im September gewählt. Norwegen besteht aus 19 Fylke (Provinzen), die mit weitgehenden Befugnissen in vielen politischen Bereichen ausgestattet sind.

Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich Norwegen von einer ruhigen Agrargesellschaft zu einem dynamischen, hoch technisierten Land entwickelt, das an erster Stelle der Weltwirtschaft steht. Es ist eine der größten Ölexport- Nationen und weltweit führend in einer großen Anzahl von Industriebereichen, wie Aquakultur, Meeresindustrie, Wasserkrafttechnik und Telekommunikation. Um 1900 ebnete die Bändigung der vielen Wasserfälle im Land den Weg für energieaufwendige Unternehmungen, wie die metallurgische, die chemische und die Papier-/Zellstoffindustrie. Das Meer spielt eine entscheidende Rolle in der norwegischen Wirtschaft. Die Schifffahrtstradition schaffte den Rahmen für die gegenwärtigen Unternehmungen an und auf dem Meer, wie die Öl- und Gasförderung, die Produktion von Schifffahrtsausrüstungen und die Fisch- bzw. Meeresfrüchteproduktion.

Innerhalb einer Zeitspanne von nur einigen Jahrzehnten hat sich Norwegen von einer Wirtschaft auf der Basis natürlicher Rohstoffe zu einer Wissensnation entwickelt. Die Konzentration auf Forschung und Entwicklung haben die Entwicklung nationaler Kompetenz in vielen Bereichen, wie Software- und Kommunikationstechnologie, Raumfahrtindustrie, Maschinenbau und Bio- Technologie, vorangebracht.

Norwegen isst kein Mitglied der Europäischen Union, aber die Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftszone garantiert den vollen Zugang zum europäischen Markt, zur Zeit sind das drei Viertel des gesamten Außenhandel Norwegens.3

Die norwegische Bildungspolitik ist stark vom Bemühen um Chancengleichheit und Zugang zu Bildung für alle geprägt. Norwegen schnitt im PISA Test nur wenig besser ab, als Deutschland. Aufgrund dessen beschloss das norwegische Parlament 2004 eine Schulreform.

2.1 Entwicklung und Grundsätze des norwegischen Bildungssystems

Die Entwicklung eines vollständigen Schulsystems in Norwegen war hauptsächlich beeinflusst durch die zwei vorher existierenden Schulsysteme der ländlichen und städtischen Bevölkerung. Ein anderer Faktor, der das Bildungssystem im letzten Jahrhundert maßgeblich beeinflusst hat, ist das Streben danach alle Schüler in ein System zu integrieren, egal welche Hintergründe, Lernfähigkeiten und körperliche Behinderungen sie haben.4

1739 eine Verordnung für ländliche Schulen, gestattet das Recht auf öffentliche Bil- dung

1802 die Fächer Norwegisch, Rechnen und Zeichnen wurden in den Unterricht aufgenommen, dieser fand sonntags statt

1811 Gründung der ersten Universität in Oslo

1850 technische 3- Jahres- Abendschulen wurden als Unterricht eingeführt

1884 Frauen wurden an der Universität zugelassen

1889 ein 7-jähriges Pflichtschulsystem wurde eingeführt

1910 Errichtung technischer Hochschulen, die Tag und Abendunterricht anboten

1940 Erlass eines Gesetzes für Berufsschulen erlassen

1947 Schaffung eines staatlichen Bildungsfond, aus dem Kredite und Stipendien für Studenten gegeben wurden

1950 Erlass eines Gesetzes, das die theoretischen Fächer zu einem Pflichtteil in der schulischen Bildung macht, jedoch lag es an den Gemeinden dies umzusetzen

1969 Gesetzgebung bezüglich Primär und untere Sekundärbildung; Einführung einer 9-jährigen Pflichtschulbildung; Gründung von mehreren regionalen Hochschulen, die es auch Studenten in ländlichen Gegenden möglich macht, in der Nähe ihrer Heimatorte zu studieren

1974 Berufsbildung und akademische Bildung wurden in ein System integriert

1975 erste Gesetze zur Ganztagsbetreuung für Vorschulkinder

1976 Regelung der Erwachsenenbildung durch Gesetze

1985 Beschluss über die finanzielle Unterstützung von Schülern und Studenten

1987 Änderung der nationalen Lehrpläne für Primär und untere Sekundärbildung

1992 Verabschiedung einer Bildungsreform durch die Nationalversammlung; gesetzliches Recht für alle jungen Leute zwischen 16-19 Jahren auf eine 3- jährige obere Sekundärbildung; die Reform integriert auch Berufsbildung mit der Ausbildung direkt am Arbeitsplatz

1993 ein neuer Kernlehrplan für die Primär- Sekundär- und Erwachsenenbildung wurde forciert

1995 Gesetz für Universitäten und Hochschulen, u.a. Einführung eines norwegischen Netzwerks für höhere Bildung und Forschung

1997 ein neuer nationaler Lehrplan von einer 10-jährigen Pflichtschulbildung wurde forciert

2000 Änderungen des Bildungsgesetzes, dadurch wird auch Erwachsenen das Recht auf Primär- und Sekundärbildung gegeben

Die Grundsätze des norwegischen Bildungssystems sind:5

- Ein hohes allgemeines Bildungsniveau der gesamten Bevölkerung x gleiche Zugangsmöglichkeiten für alle
- Dezentralisierung
- Die Erfüllung von kurzfristigen und langfristigen Anforderungen des Arbeitsmarktes, der Gesellschaft und der Individuen
- Einen Schwerpunkt auf breite und allgemeine Grundausbildung und eine Spezialisierung erfolgt auf späteren Stufen
- Möglichkeiten für lebenslanges Lernen durch ein breites Spektrum and Trainings- und anderen Studienprogrammen
- Eine hohe Priorität gilt auch der Forschung und der Rekrutierung von Wissenschaftlern; Stärkung der höheren Bildung

2.2 PISA Ergebnisse für Norwegen

Im Folgenden werden die PISA Ergebnisse für Norwegen aus dem Jahre 2003 zusammen gefasst, um einen Überblick darüber zu geben, wo das norwegische Bildungssystem im internationalen Vergleich verortet ist.

Mathematik

Die norwegischen Schüler schließen in den OECD Ländern durchschnittlich ab, jedoch weit unter dem Durchschnitt der anderen nordischen Länder. Seit 2000 sind ihre Mathematikergebnisse leicht gefallen. In den meisten Ländern sind Jungen besser als Mädchen, allerdings ist dieser Geschlechtsunterschied in Norwegen nur minimal.

Naturwissenschaften

Die norwegischen Schüler befinden sich hier unter dem OECD Durchschnitt. Norwegen ist sogar unter den Ländern, mit den am stärksten sinkenden Leistungen in diesem Bereich. Auch hier ist der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen nur minimal.

Lesen

Im Bereich Lesekompetenz schließen die norwegischen Schüler nur knapp über dem OECD Durchschnitt ab. Auch hier ein leichter Abfall der Leistungen, im Vergleich zu 2000 zu verzeichnen. Mädchen haben hier die Nase vorn, die ist vor allem auf die verschlechterten Leistungen der Jungen zurück zu führen. Norwegische Mädchen schließen relativ gut in den Bereichen Reflektion und Auswertung ab. Es ist eine Tendenz dazu, dass die Jugendlichen in ihrer freien Zeit mehr lesen, als noch vor einigen Jahren.

Problemlösung

In diesem Bereich liegen die Ergebnisse unter dem OECD Durchschnitt und weit unter dem Durchschnitt der anderen nordischen Länder. Mädchen haben ein wenig bessere Ergebnisse, als ihre männlichen Mitschüler.

Selbstbestimmtes Lernen

In Mathematik nutzen die Schüler wenig Lernstrategien und sie probieren wenig aus. Des Weiteren ist ihre Motivation für Mathematik geringer als im OECD Durchschnitt. Jungen haben allerdings eine höhere Motivation als Mädchen. Es bestehen starke Zusammenhänge zwischen dem Level im selbstbestimmten Lernen und der Ergebnisse in Mathematik

Der Einfluss des familiären Hintergrundes

In Norwegen hängen die Ergebnisse der mathematischen Kompetenz weniger mit den sozio- ökonomischen Hintergründen des Schülers zusammen, als im OECD Durchschnitt. Der Zusammenhang des Bildungsniveaus und des Elternhauses ist in Norwegen im Vergleich zu den anderen nordischen Ländern am höchsten.

Schulfaktoren

Die Schulen in Norwegen unterscheiden sich von ihren Lernergebnissen kaum voneinander. Die Schüler haben oft ein starkes Identitätsbewusstsein für ihre Schule, jedoch stehen sie ihren Lernergebnissen nicht so positiv gegenüber und geben sogar an, dass die Schüler- Lehrer Beziehungen nicht so gut wären und ihre Lehrer sie nicht so gut unterstützen würden. Das Empfinden für Lautstärke, Unterbrechungen und Zeitverschwendung ist höher, als im OECD Durchschnitt.

Veränderungen seit 2000

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ergebnisse norwegischer Schüler in allen Fächern dem OECD Durchschnitt entsprechen und sogar teilweise darunter liegen. Norwegen liegt aber auch hinter den anderen skandinavischen Ländern.

2000 wurden vor allem folgende Bereiche als besonders kritisch bewertet:

- Die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Lesen; Mädchen lesen mehr als Jungen
- Norwegische Schüler benutzen kaum Lernstrategien x Norwegische Klassenräume sind laut und störend

Nach den Ergebnissen von 2003 steht fest, dass sich diese Problemfelder eher verstärkt als verbessert haben. In allen Fächern schließen norwegische Schüler schlechter ab als noch 2000, vor allem im Bereich Naturwissenschaften. Der Geschlechtsunterschied beim Lesen hat sich verstärkt und es gibt keine Anzeichen dafür, dass mehr von Lernstrategien Gebrauch gemacht wird. Die Daten ergeben auch, dass sogar das allgemeine Schulklima schlechter ist. Im OECD Vergleich ist es in norwegischen Klassenzimmern am lautesten.

Der PISA- Test 2003 wurde schon ein Jahr nach der Veröffentlichung der Ergebnisse von PISA 2000 gemacht, von daher ist es nicht allzu verwunderlich, dass viele Veränderungen noch keine erheblich Wirkung zeigen, da der Zeitraum viel zu kurz war. Jedoch müssen wohl trotzdem fundamentale Veränderungen herbeigeführt werden, damit sich das Bildungssystem in Zukunft mehr zum Positiven entwickelt.6

[...]


1 http://www.welt-in-zahlen.de/laenderinformation.phtml?country=156 (Stand 21.07.06)

2 http://www.norwegen.no/education/education/facts/facts.htm (Stand: 21.07.06)

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Norwegen (Stand: 22.07.06)

4 Vgl.: http://194.78.211.243/Eurybase/Application/frameset.asp?country=NO&language=EN (Stand: 05.07.06) 4

5 Vgl.: http://194.78.211.243/Eurybase/Application/frameset.asp?country=NO&language=EN (Stand: 05.07.06) 5

6 Vgl.: http://www.pisa.oecd.org/dataoecd/47/35/36889322.pdf (Stand: 06.07.06)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das norwegische Bildungssystem - vor und nach PISA
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Lernwelten in Asien und Europa
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V65396
ISBN (eBook)
9783638579742
ISBN (Buch)
9783640101597
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungssystem, PISA, Lernwelten, Asien, Europa
Arbeit zitieren
Daniela Steinbiß (Autor), 2006, Das norwegische Bildungssystem - vor und nach PISA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65396

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