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Zeit- und Kulturkritik in Hermann Hesses »Der Steppenwolf«

Title: Zeit- und Kulturkritik in Hermann Hesses »Der Steppenwolf«

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 30 Pages , Grade: 1

Autor:in: Eduard Luft (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Hermann Hesses Steppenwolf, diese »Pathographie des modernen Intellektuellen« 1 , wurde immer auch als ein zeit- und kulturkritischer Roman gelesen, hängt doch der individuelle Konflikt des Protagonisten untrennbar zusammen mit seiner Abscheu vor den Auswüchsen der modernen Massen-und Industriegesellschaft und mit seiner Verzweiflung, den Untergang all dessen erleben zu müssen, was ihm kulturelle Identität und Heimat ist. Diese Zivilisationskritik ist von einer Stilisierung des einsamen und verkannten Künstler-Ichs durchzogen, in der noch die Jugendbewegung der sechziger Jahre Identifikationsmuster für ihren Protest gegen das Establishment gefunden hat. Auf diese zur Lebenshaltung erhobene Selbstisolation wird im Folgenden näher einzugehen sein, zumal sie gemeinsam mit dem Gegenentwurf des Protagonisten zum herrschenden Zeitgeist den Kontext für die im Roman geäußerte Kritik bildet. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, Hesses Werk bloß als literarische Erhöhung des Außenseitertums oder als Aufruf zum Nonkonformismus zu betrachten, vielmehr ist es der Versöhnungs- und Toleranzgedanke, der sich letztendlich über alle Animositäten hinweg in den Vordergrund drängt. Hesse hat stets betont, dass die Geschichte des Steppenwolfs »zwar eine Krankheit und eine Krisis darstellt, aber nicht eine, die zum Tode führt, nicht einen Untergang, sondern das Gegenteil: eine Heilung«. 2 Nun stellt dies keine prinzipielle Rücknahme oder auch nur Glättung der Wogen dar, die im Verlauf der Handlung geschlagen werden, dennoch lohnt es sich, die teilweise radikale Kritik des Harry Haller nicht als etwas Absolutes zu begreifen, sondern eben auch als eine Art dramaturgische Fallhöhe, zu deren Klimax hin Harry seiner Umwelt immer weiter entfremdet wird, um sich ihr am Ende in einem mühsamen Lernprozess wieder anzunähern. Bevor aber auf der Grundlage dieser Prämissen eine eingehende Beschäftigung mit dem eigentlichen Thema dieser Arbeit, der Zeit- und Kulturkritik im Steppenwolf, stattfinden kann, gilt es noch, den historischen Referenzrahmen auszuleuchten, auf dem diese Kritik gründet. Ohne ein prinzipielles Verständnis der komplizierten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge jener Epoche, die als die Goldenen Zwanziger in die deutsche Erinnerungskultur eingegangen ist, wird Hesses Roman kaum verstanden werden können. Der anschließende Hauptteil ist dann in drei Abschnitte unterteilt: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Problembeschreibung und Konzeption

2. Der historisch-kulturelle Hintergrund: Die Zeit der »Goldenen Zwanziger«

3. »Immer auf der Spur des Großen und Ewigen« Erläuterungen zur Lebenshaltung des Protagonisten

4. »Eine Welt für Politiker, Schieber und Lebemänner«: Aspekte der Zeit- und Kulturkritik im Roman

5. Der Besuch beim Professor: Kritik am Bildungsbürgertum

6. »Mahnend und angstvoll«: Die Ankündigung des Weltkriegs

7. Abschließende Betrachtungen: Die Kritik an der Kritik

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Zeit- und Kulturkritik in Hermann Hesses Roman »Der Steppenwolf«. Ziel ist es, den historischen Referenzrahmen der Goldenen Zwanziger zu beleuchten, die Entfremdung des Protagonisten Harry Haller von seiner Umwelt zu analysieren und zu hinterfragen, inwiefern seine Kritik Ausdruck eines tiefgreifenden Identitätsverlusts und einer gesellschaftlichen Zäsur ist.

  • Historischer Kontext der Weimarer Republik
  • Die Figur Harry Haller als Ausdruck eines Epochenwechsels
  • Kritik an der modernen Massenkultur und Technik
  • Das Bildungsbürgertum als Zielpunkt der Kritik
  • Die prophetische Warnung vor dem kommenden Krieg

Auszug aus dem Buch

4. »Eine Welt für Politiker, Schieber und Lebemänner«: Aspekte der Zeit- und Kulturkritik im Roman

Wie oben dargelegt, hat der Protagonist des Steppenwolf-Romans einerseits zwar mit der Wilhelminischen Epoche abgeschlossen und sich von ihren politischen, sozialen und moralischen Postulaten distanziert, ist dabei jedoch seiner ganzen Bildung und Ästhetik nach ganz ein Kind dieser Zeit geblieben. Harry war und ist ein vielseitig bewanderter »Gedanken- und Büchermensch« (19), er verehrt Michelangelo, Goethe, Jean Paul und Novalis, Dostojewski, Descartes und Nietzsche, er beschäftigt sich mit der orientalischen und fernöstlichen Philosophie und Mythologie (19, 100, 110), er romantisiert die Natur (50), er malt Aquarelle und schwärmt für die »herrliche alte Musik« (40) eines Händel und Mozart. Die italienische Renaissance findet in ihm ebenso einen Bewunderer wie Shakespeare und »die von ihrem Volk vergessenen Bücher der deutschen Dichter vor hundert und vor zweihundert Jahren« (50). Die Kunst ist ihm »Tür zum Jenseits« (40), sie gibt ihm »Sinn in [s]einem törichten Leben« (49); während eines guten Konzerts oder beim Lesen eines Dichters sieht er »eine goldene göttliche Spur durch [s]ein Leben gehen« (41).

Jedoch ist es für Harry selten möglich, »diese Gottesspur zu finden [...] inmitten dieser so sehr zufriedenen, so sehr bürgerlichen, so sehr geistlosen Zeit, im Anblick dieser Architekturen, dieser Geschäfte, dieser Politik, dieser Menschen« (41). Zwar versucht er immer wieder, »im letzten irren Chaos noch Offenbahrung und Gottesnähe« (50) zu finden, doch bleibt er seiner Zeit und ihrer Kultur, die sich so sehr von seiner inneren Bilderwelt unterscheidet, entfremdet; »die Art, wie man heute denkt, liest, baut, Musik macht, Feste feiert, Bildung betreibt« (201 f.) ist ihm zutiefst verhasst. Harry Haller, der humanistisch gebildete Ästhet, ist in die »fremde, flirrende Spielwelt« (182) der zwanziger Jahre hineingeraten, die ihren eigenen Göttern dient und ihren eigenen Gesetzen gehorcht, in eine Welt, deren »sogenannte Kultur in ihrem verlogenen und gemeinen blechernen Jahrmarktsglanz [ihm] auf Schritt und Tritt wie ein Brechmittel entgegengrinst« (36).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problembeschreibung und Konzeption: Einleitung in die Fragestellung und Erläuterung des methodischen Vorgehens zur Analyse der Zeit- und Kulturkritik.

2. Der historisch-kulturelle Hintergrund: Die Zeit der »Goldenen Zwanziger«: Darstellung der politisch-gesellschaftlichen Krisensituation und kulturellen Neuorientierung der Weimarer Epoche.

3. »Immer auf der Spur des Großen und Ewigen« Erläuterungen zur Lebenshaltung des Protagonisten: Untersuchung der Sozialisation Harry Hallers und seines daraus resultierenden Identitätsverlusts.

4. »Eine Welt für Politiker, Schieber und Lebemänner«: Aspekte der Zeit- und Kulturkritik im Roman: Analyse der hallerschen Ablehnung von Massenkultur, Kommerzialisierung und moderner Zivilisation.

5. Der Besuch beim Professor: Kritik am Bildungsbürgertum: Auseinandersetzung mit der Heuchelei und der moralischen Leere des akademischen Bürgertums.

6. »Mahnend und angstvoll«: Die Ankündigung des Weltkriegs: Aufarbeitung der pazifistischen Haltung Hesses und der Vorahnung des heraufziehenden Zweiten Weltkriegs.

7. Abschließende Betrachtungen: Die Kritik an der Kritik: Kritische Reflexion der Subjektivität der hallerschen Position und der Aporie zwischen traditioneller Bildung und moderner Wirklichkeit.

Schlüsselwörter

Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Zeitkritik, Kulturkritik, Weimarer Republik, Goldene Zwanziger, Harry Haller, Bildungsbürgertum, Moderne, Entfremdung, Identitätsverlust, Pazifismus, Technikskeptizismus, Humanität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Zeit- und Kulturkritik im Roman »Der Steppenwolf« von Hermann Hesse vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche der Weimarer Republik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Goldenen Zwanziger, der Identitätskonflikt des Protagonisten Harry Haller, seine Ablehnung der Massenkultur sowie seine kritische Haltung gegenüber der deutschen Bildungstradition.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Hesses Roman die Spannung zwischen einem konservativen Werteideal und der sich als kränklich empfundenen Moderne abbildet und bewertet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur historischen Epoche und zur Rezeptionsgeschichte des Werks.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des historisch-kulturellen Hintergrunds, die Untersuchung der Lebenshaltung Harry Hallers, eine Betrachtung der Kritik an Massenkultur und Technik sowie eine Analyse der Auseinandersetzung mit dem Bildungsbürgertum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Identitätsverlust, Entfremdung, Zivilisationskritik, das Bildungsbürgertum und die politisch-gesellschaftliche Krise der Weimarer Zeit.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Bildungsbürgertums?

Der Autor zeigt anhand Harry Hallers auf, dass das Bildungsbürgertum als verkrustet, heuchlerisch und mitverantwortlich für den moralischen Verfall und die politische Instabilität der Zeit angesehen wird.

Warum spielt das Thema Krieg eine so bedeutende Rolle im Roman?

Der Roman wird als schriftstellerischer Selbstheilungsprozess gedeutet, in dem Hesse seine eigene pazifistische Haltung verarbeitet und die heraufziehende Katastrophe eines neuen Weltkriegs mahnend thematisiert.

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Details

Title
Zeit- und Kulturkritik in Hermann Hesses »Der Steppenwolf«
College
University of Leipzig  (Institut für Germanistik)
Course
»Der Glasperlenspieler« - Hermann Hesses Leben und Werk
Grade
1
Author
Eduard Luft (Author)
Publication Year
2006
Pages
30
Catalog Number
V65415
ISBN (eBook)
9783638579841
ISBN (Book)
9783656611011
Language
German
Tags
Kulturkritik Hermann Leben Werk Zeitkritik Gesellschaftskritik Steppenwolf Hesse Analyse Goldene Zwanziger Zivilisationskritik Kriegsgeist Moderne Künstler Massengesellschaft Intellektuelle Selbstisolation Glasperlenspiel Zeitgeist Nonkonformismus Harry Haller Textanalyse Roman
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eduard Luft (Author), 2006, Zeit- und Kulturkritik in Hermann Hesses »Der Steppenwolf«, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65415
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