II.I Aufbau der Arbeit
Als Sozialpädagoge wird man mit dem unterschiedlichsten Klientel konfrontiert. Jedes Klientel hat seine eigenen Problematiken. Und doch haben alle eines gemeinsam.
Alle sind Mitglieder einer Familie. Nun hat jede Familie ihre eigenen Probleme. Die meisten Familien können ihre Probleme recht gut selber lösen und gehen gestärkt aus einer Krise hervor. Sie versuchen gemeinsam über das Problem zu reden. Vielleicht betrifft das Problem auch nur ein einzelnes Familienmitglied und sie versuchen dennoch gemeinsam eine Lösung zu finden.
Aber was geschieht mit den Problematiken, die sich nicht lösen lassen?
Für gewöhnlich treten dann ähnliche Symptome auf.
Die Probleme wirken sich auf zwischenmenschliche Beziehungen aus. Einzelne Familienmitglieder reagieren mit psychischen Erkrankungen, andere wiederum reagieren mit physischen Erkrankungen. Irgendwann spitzt sich die Familiensituation dermaßen zu, dass in solchen Fällen die Familie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte bzw. muss.
Diese Hilfe kann sich die Familie an unterschiedlichen Stellen holen. Hier nun eine kurze Aufzählung familienberaterischer- bzw. familientherapeutischer Hilfestellen.
* Amt für Jugend und Familie, Erziehungsberatung
* PRO FAMILIA und andere private Beratungszentren
* Sozialpädagogische Familienhilfe nach § 31 SGB VIII und § 36 KJHG
* Kinder- und Jugendpsychotische Tages- oder Wochenkliniken
* Niedergelassene Psychologen und Therapeuten
Eine Arbeitsmethode wird in der Familienberatung und der Familientherapie seit geraumer Zeit immer häufiger angewendet. Man nennt diese Arbeitsmethode systemische Familienberatung und systemische Familientherapie.
Sozialpädagogen und Psychologen, die nach diesem Ansatz arbeiten, versuchen Probleme einer Familie in Abhängigkeit von dem in der Familie bestehenden Beziehungssystem zu sehen. Ihre Hilfestellung bezieht sich nicht auf den einzelnen Symptomträger. Es wird vielmehr Wert auf eine Intervention auf das betreffende System gelegt.(vgl. Burnham, Systemische Familienberatung 1995, S. 19) [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Aufbau und Fragestellung
II.I Aufbau der Arbeit
II.II Fragestellungen
III. Geschichte der Systemtheorie
IV. Die Entwicklung der Systemtheorie
IV.I Kybernetik
IV.II Homöostase
IV.III Synergetik
IV.IV Autopoiese
V. Soziale Systeme
V.I Wandel der Betrachtung familiärer Systeme
V.II Die Familie als soziales System
V.III Soziale Systeme und ihre Umwelt
V.IV Strukturmerkmale des sozialen Systems
V.V Grenzen
V.V.I Diffuse Grenzen
V.V.II Starre Grenzen
V.V.III Klare Grenzen
V.V.IV Zusammenfassung
V.VI Regeln
V.VII Kommunikation
VI. Fundament der Systemtheorie
VI.I Systemzugehörigkeit
VI.II Systemfunktionalität
VI.II.I Funktionsausfall
VI.II.II Fehlfunktion
VI.II.III Funktionskonflikt
VI.III Systembeziehungen
VI.III.I Negative Systembeziehungen
VI.III.I.I Mangelnde Systembeziehungen
VI.III.I.II Zweckfremde Systembeziehung
VI.III.I.III Systemkonflikt
VII Familienbeziehungen
VII.I Paar- und Elternbeziehung
VII.II Eltern-Kind Beziehung
VII.III Geschwisterbeziehungen
VIII. System therapeutische Grundannahmen und Haltungen
VIII.I Problementstehung
VIII.II Hypothesenbildung
VIII.III Allparteilichkeit und Neutralität
VIII.IV Verstörung und Anregung
VIII.IV Ressourcen- und Lösungsorientierung
IX. Systemische Vorgehensweisen, Techniken und Methoden
IX.I Informationen und Hypothesen
IX.II Genogramme
IX.II.I Systembeziehungen
IX.III Zuweisungskontext
IX.IV Systemisches Fragen
IX.IV.I Zirkuläres Fragen
IX.IV.II Fragen zur Verdeutlichung von Unterschieden
IX.IV.III Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion
IX.IV.IV Fragen zur Möglichkeitskonstruktion
IX.V Familienbrett
IX.VI Familienskulptur
IX.VII Positive Konnotation und wertschätzende Konnotation
IX.VIII Umdeutung
IX.IX Schlussinterventionen
IX.X Reflektierendes Team
X. Beantwortung der Fragestellungen
XI. Schlussbemerkung
XII. Literatur
XII.I Bücher
XII.II Internet
XII.III Zeitschriften
XII.IV Gesichtete aber nicht zitierte oder wiedergegebene Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den systemischen Ansatz in der Familienberatung und Familientherapie, um dessen theoretische Grundlagen zu beleuchten, eine Abgrenzung zu anderen Beratungsansätzen zu ermöglichen und die praktische Anwendbarkeit sowie Wirksamkeit dieser Methode bei familiären Problemlagen kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagentheorien systemischen Denkens und ihre geschichtliche Entwicklung.
- Die Familie als soziales System: Strukturmerkmale, Grenzen und Kommunikationsmuster.
- Systemtherapeutische Haltungen wie Allparteilichkeit, Neutralität und Ressourcenorientierung.
- Methodische Vorgehensweisen wie Genogrammarbeit, zirkuläres Fragen und Familienskulptur.
- Kritische Reflexion der Anwendung systemischer Techniken in der psychosozialen Praxis.
Auszug aus dem Buch
IX.IV.II Fragen zur Verdeutlichung von Unterschieden
Diese Art des Fragens hat nur einen einzigen Sinn, nämlich die Verdeutlichung von Unterschieden. Diese werden noch einmal unterteilt in Klassifikationsfragen, Prozentfragen, Übereinstimmungsfragen und Subsystemvergleichen.(vgl. von Schlippe und Schweizer, Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung 2000, S. 143ff)
Klassifikationsfragen dienen dazu Unterschiede in den Sichtweisen und den Beziehungen deutlich herauszuarbeiten und diese dann dem Rang nach zu ordnen. Eine Beispielfrage wäre: „Wer freut sich über den Einzug der Schwiegermutter in den Haushalt am meisten, wer am wenigsten?“ (von Schlippe und Schweizer, Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung 2000, S. 143)
Prozentfragen dienen dazu Ideen, Überzeugungen, Stimmungen etc. zu differenzieren. Diese Art des Fragens lässt sich hervorragend dazu eignen widersprüchliche Bestrebungen innerhalb der Familie zu verdeutlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung schildert den persönlichen Zugang des Autors zum systemischen Arbeiten, ausgehend von anfänglicher Skepsis hin zur Begeisterung durch praktische Erfahrungen in der Supervision.
II. Aufbau und Fragestellung: Dieses Kapitel skizziert die Gliederung der Arbeit und definiert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der Besonderheiten und des Nutzens des systemischen Ansatzes in der Familienberatung.
III. Geschichte der Systemtheorie: Es wird dargelegt, dass keine einheitliche Systemtheorie existiert, sondern verschiedene Autoren unterschiedliche Arbeitskonzepte entwickelten, die dennoch eine gemeinsame Grundhaltung teilen.
IV. Die Entwicklung der Systemtheorie: Das Kapitel behandelt die für das systemische Denken relevanten Konzepte der Kybernetik, Homöostase, Synergetik und Autopoiese.
V. Soziale Systeme: Hier wird die Familie als soziales System definiert und dessen Strukturmerkmale wie Grenzen, Regeln und Kommunikation detailliert analysiert.
VI. Fundament der Systemtheorie: Die drei Säulen der Systemtheorie – Systemzugehörigkeit, Systemfunktionalität und Systembeziehungen – werden erläutert, wobei auch negative Systembeziehungen und Dysfunktionen thematisiert werden.
VII. Familienbeziehungen: Dieses Kapitel betrachtet die verschiedenen Beziehungsformen innerhalb einer Familie, wie Paar-, Eltern-Kind- und Geschwisterbeziehungen, und deren Wandel über den Lebenszyklus.
VIII. System therapeutische Grundannahmen und Haltungen: Es werden die zentralen systemtherapeutischen Prämissen wie die Sicht auf Problementstehung, Hypothesenbildung, Allparteilichkeit, Neutralität und Ressourcenorientierung beschrieben.
IX. Systemische Vorgehensweisen, Techniken und Methoden: Das umfangreiche Kapitel stellt praktische systemische Techniken vor, darunter Genogrammarbeit, zirkuläres Fragen, Familienbrett, Familienskulptur, Umdeutung und das reflektierende Team.
X. Beantwortung der Fragestellungen: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, wie systemische Konzepte dazu beitragen, Probleme als Teil eines komplexen Beziehungsgeflechts zu verstehen und konstruktive Lösungen zu fördern.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Familientherapie, Systemische Beratung, Soziale Systeme, Kybernetik, Autopoiese, Kommunikation, Familienregeln, Genogramm, Systemische Fragen, Familienskulptur, Ressourcenorientierung, Interaktion, Beziehungsgeflechte, Kurzzeittherapie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung systemischer Theorien und Methoden in der Familienberatung und Familientherapie unter Berücksichtigung ihrer theoretischen Grundlagen und praktischen Umsetzung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte und Entwicklung systemischer Konzepte, die Familie als soziales System, diverse Beziehungsstrukturen sowie eine Vielzahl spezifischer therapeutischer Interventionstechniken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Eigenständigkeit des systemischen Ansatzes zu definieren, seine revolutionären Grundannahmen darzulegen und aufzuzeigen, wie er zur Lösung familiärer Problematiken beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine fundierte Literaturanalyse durch, um bestehende systemtheoretische Konzepte und therapeutische Methoden zusammenzuführen und für die Praxis der Sozialpädagogik nutzbar zu machen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Systemtheorie, die Analyse familiärer Beziehungssysteme sowie eine detaillierte Darstellung und kritische Würdigung systemischer Arbeitstechniken.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Systemtheorie, Familientherapie, Kommunikation, Interaktion, Systemische Fragen, Ressourcenorientierung und Familienskulptur.
Warum ist laut der Arbeit eine Unterscheidung zwischen "offenen" und "verdeckten" Familienregeln wichtig?
Die Unterscheidung hilft Sozialpädagogen zu verstehen, ob Verhaltensweisen explizit vereinbart wurden oder unbewusst zur Systemstabilisierung und Harmonisierung beitragen, was für den Beratungsprozess entscheidend ist.
Was unterscheidet das Konzept der "wertschätzenden Konnotation" von der klassischen "positiven Konnotation"?
Während die klassische positive Konnotation jedes Verhalten als per se funktional und sinnvoll bezeichnet, betont die wertschätzende Konnotation die Bemühung des Therapeuten, die subjektiven Hintergründe für jedes Verhalten im Kontext des Gesamtsystems nachzuvollziehen, ohne jedes Verhalten zwangsläufig positiv bewerten zu müssen.
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- Kevin Blohm (Author), 2004, Familientherapie und Systemtheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65459