Der Götz und der Urgötz - Ein Vergleich


Seminararbeit, 2000
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Entstehungsgeschichte „Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand dramatisirt“

III. Charaktere
1. Gottfried von Berlichingen
2. Elisabeth
3. Marie
4. Adelhaid von Walldorf
5. Adelbert von Weislingen

IV. Gesellschaftsdarstellung:
1. Fürsten
2. Bauern

V. Verfall Gottfrieds von Berlichingens

VI. Religionsaspekt

VII. Fazit

VIII. Literaturverzeichnis

I: Einleitung

Diese Hausarbeit soll die gravierenden Unterschiede des Werkes „Die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand, dramatisirt“ Johann Wolfgang Goethes mit seiner Überarbeitung „Götz von Berlichingen“ aufzeigen.

Nach einem kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte des „Urgötz“ werden die Eigenschaften der einzelnen Charaktere dieser Urfassung detailliert beschrieben und an interessanten Stellen mit denen des „Götz von Berlichingen“ verglichen.

Ferner geht die Hausarbeit auf die im „Urgötz“ deutlicher herausgestellten Themen der Gesellschaftsdarstellung, Gottfrieds Verfall und des Religionsaspektes ein. Wichtige Aussagen werden in allen Kapiteln durch Aussagen aus der Sekundärliteratur gestützt, welche im Literaturverzeichnis nachzulesen ist.

II. Entstehungsgeschichte „Gottfrieds von Berlichingen mit der Eisernen Hand dramatisirt“

Oft nur zu einem Entwurf heruntergestuft wurde Johann Wolfgang Goethes Werk „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand dramatisirt“, welches er im Oktober und November 1771 innerhalb von nur sechs Wochen verfasste.

Dem Werk lag ein wohlbedachter Plan zugrunde. Auf diese Tatsache weist schon das „Usong“-Motto aus Albrecht von Hallers Staatsromans hin:

„Das Unglück ist geschehn, das Herz des Volks ist in den Kot getreten und keiner edlen Begierde mehr fähig.“[1]

Ein solches Schlagwort, an den Anfang eines Dramas gestellt, setzt voraus, dass sich der Autor sehr wohl Gedanken über Sinn und Struktur des Werkes gemacht haben muss.[2]

Seine Begegnung mit Herder weckte in Goethe das Interesse an einer Fülle historischer Eindrücke und am Fehdewesen. Notizen und Excerpte zu diesem Thema führte Goethe zu dieser Zeit stetes mit sich.

Im August 1771 stieß Johann Wolfgang Goethe auf die „Apologia pro vita sua“ des Raubritters Gottfried von Berlichingen (um 1480 – 1562), herausgegeben 1731 bei Felßecker in Nürnberg von Georg Tobias Pistorius unter dem Pseudonym Veronus Franck von Steigerwald: Hier fanden sich Anschauungen aus dem Leben des Gottfrieds von Berlichingen, die Goethe in seinem Drama zusammen mit der kräftigen Sprache und der Charakterisierung Gottfriedens von Berlichingen als „bieder“ und „getreuherzig“ entlehnte.

Nach gründlichen Studien weiterer Quellen entwickelte Goethe schließlich den „Plan zur Dramatisierung der extrem undramatischen Vorlage“.[3] Er wollte nach dem Vorbild Shakespeares Weltheater geben, ein buntes Bild sollte auf das andere folgen.

Mit der „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“ konzipierte Goethe einen „Gegensatz zu der schläfrig gewordenen Sittlichkeit und dem zwecklos dahinschleichenden Leben seiner eigenen Zeit“[4] (siehe Usong-Motto). Wie auch in seinen „Mitschuldigen“ zeigte Goethe dem Rezipienten im „Gottfried von Berlichingen“ eine degenerierte Gesellschaft auf, in der gesellschaftliche Fäulnis gärte.[5] Die „Perückenkultur“ wird in der „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“ zur „Perversion von Tugend und schlechterdings unsittlich“[6].

Als Programmwort diente Goethe bei der Umsetzung seiner mehr oder weniger direkten Gesellschaftskritik im „Urgötz“ der Begriff der „Tätigkeit“, unter dem er ebenso kraftvolles wie gutes Handeln verstand. Der Raubritter Gottfried von Berlichingen war perfektes Gegenbild zu Goethes eigener Situation, „an einem Ort zu leben wo unsre ganze Wircksamkeit in sich selbst summen muß“[7].

Anfang Januar 1772 schickte Goethe die „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand dramatisirt“ an Herder; dieser äußerte sich zu dem Werk „unfreundlich und hart“[8] - trotzdem fand Goethe in dem Schreiben seines großen Vorbildes Trost und Ermutigung. So nahm er schließlich diverse Veränderungen – aus seiner Sicht Verbesserungen - vor. „Es muss eingeschmolzen von Schlaken gereinigt mit neuem edleren Stoff versetzt und umgegossen werden“[9], äußerte er sich zu diesem Vorgang. Zum Jahresende 1772 machte er sich an die Arbeit, der Druck der Überarbeitung war im Juni 1773 abgeschlossen: Mitte des Monats erschien schließlich anonym das Werk „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ein Schauspiel 1773“.

III. Charaktere der „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“

1. Gottfried von Berlichingen

In der „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand dramatisirt“ tritt die Position Goethes gegenüber der Gesellschaft deutlicher als im „Götz“ zutage. Hof und Kirche kritisiert Goethe durch seine Hauptfigur, der Raubritter Gottfried, mehr und härter als im „Götz von Berlichingen“, was schließlich in Beschimpfungen und anderen verbalen Angriffen gipfelt (siehe Kapitel VI „Religion“).

Doch nicht nur die Kirche wird von Gottfried scharf kritisiert: Er weiss auch um die Ungerechtigkeit der Politik und verachtet deshalb die Fürsten, die so lange kämpfen, „bis sie die geringsten gefesselt haben“[10]. Eher können sich seiner Meinung nach die Fürsten Aktionen oder Äußerungen, die das Staatsoberhaupt, also Kaiser Maximilian deformieren, erlauben, als dass die „kleinen Leute“ ihre Verehrung für ihn auf ihre Art ausdrücken dürfen.[11]

Verachtung und Beleidigung der Fürsten sind im „Götz von Berlichingen“ wesentlich seltener zu finden, in der „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“ dagegen häufen sie sich.[12]

Eine klare Abgrenzung Gottfrieds gegenüber den Fürsten und dem Bamberger Kirchenoberhaupt erreicht Goethe durch das Resümee über Herrschaft und gute Fürsten (Akt IV). Im „Götz von Berlichingen“ erzählt Götz seiner Frau Elisabeth und dem Jungen Georg:

„Hab ich nicht unter den Fürsten treffliche Menschen gekannt, und sollte das Geschlecht ausgestorben sein?“[13]

Im „Gottfried von Berlichingen“ klagt der Raubritter dagegen über die Verblendung der „Großen“ und kann über keine „Musterbeispiele“ an Fürsten berichten. Er hofft lediglich auf eine bessere Zukunft und stellt sie dem Rezipienten in einer fast biblischen Zukunftsvision vor, „die er noch durch ein kategorisches `Es wird!Es wird!Es wird!`behauptet“.[14] Im Mittelpunkt dieser Vision steht bei dieser Vision das Wohl der Untertanen.

Sie sind es auch, um die Gottfried sich sorgt: Er möchte sie glücklich sehen, sie sollen nicht von den Fürsten unterjocht werden. Goethe lässt seine Hauptfigur „den idealen Herrn, der nur darin glücklich sein will, dass er seinen Untertanen Glück macht“[15], verkörpern.

Zwar verabscheut Gottfried die Gewalttätigkeit Metzlers, ist aber trotzdem zu Beginn des Bauernkrieges gutmütig bereit, „ihnen zu ihren rechten und Freiheiten behülflich zu sein“.[16] Er lässt Sympathie für die Bauern und deren Belange durchblicken, kann sie verstehen.[17]

Die Mordlust der Bauern kann der edle Ritter jedoch nicht nachvollziehen. Er merkt, dass er einen großen Fehler begangen hat, sich als Anführer der Bauern zur Verfügung zu stellen und charakterisiert die diese als Gesellen des Teufels[18].

Ebenfalls klarer als im „Götz von Berlichingen“ wird der Begriff der „Ritterlichkeit“ und sein langsamer Verfall in der neuen Gesellschaft gekennzeichnet, weiterhin das Auseinanderfallen der Familienbande Gottfrieds (siehe Kapitel V: „Verfall“). Der Wunsch nach einem Sohn, der wie Gottfried selber die Tätigkeit dem Müßiggang vorzieht, ist im „Urgötz“ mehr in den Vordergrund gestellt, sieht Gottfried Carl doch als für ihn und die Familie vollkommen verloren an: Er verspottet seinen Sohn sogar als „Hans Küchenmeister“[19].

„Jetzo sieht er [Gottfried] deutlich ein dass es Geist beim Jungen ist nicht Beispiel“[20], berichtet Gottfrieds Frau Elisabeth ihrer Schwägerin Marie über die Beziehung Gottfrieds zu Carl .

2. Elisabeth

Auch Elisabeth hält nicht viel von ihrem Sohn Carl. Sie hat kein richtiges Verhältnis zu ihrem Kind und macht ihn vor Marie, der Schwester Gottfrieds, lächerlich.

Jetzo da der Besitz unsrer Güter so unsicher ist, müssen wir Männer zu Hausvätern haben. Carl wenn er eine Frau nähm, könnte sie nicht mehr Frau sein als er.“[21]

Sie zeigt keinerlei Mitleid mit ihrem Sohn, den sie in gewisser Weise mit Adelbert von Weislingen vergleicht und dessen Weg laut Elisabeth schon vorbestimmt ist. Von den „Mährgen“, die Marie Carl erzählt, hält sie nicht viel[22], da sie Carl „vor der Zeit zum Pfaffen“[23] machen würden.

Elisabeth legt rigoroses Denken gegenüber allen Schwächeren an den Tag:

Schwache, passen an keinen Platz in der Welt, sie müßten denn Spitzbuben sein. Deswegen blieben die Frauen wenn sie gescheut sind zu Hause, und Weichlinge kriechen ind Kloster.“[24]

Auch Marie oder ihr Ehemann Weislingen sind für Elisabeth zu weich. Elisabeth rügt ihre Schwägerin, dem Kind zu viele Märchen zu erzählen und es damit zu „wohltätig“ zu machen.

Elisabeth verehrt ihren Mann Gottfried: Er ist stark, treu und tapfer und kein „Weichling“. Elisabeth ist überzeugt, dass der von ihm gewählte Weg, seine Rechte zu erkämpfen, der Richtige ist.

[...]


[1] Goethe, Johann Wolfgang: „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand dramatisirt“. In: Johann Wolfgang Goethe: Sämtliche Werke – Dramen 1765-1775 – Hrsg. Dieter Borchmeyer. Frankfurt a.M. 1985

[2] Vgl. Zimmermann, Rolf Christian: „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“. In: R.Ch .Z. : Das Weltbild des jungen Goethe. München 1979. Bnd.2.S. 39-76 2 Vgl. Ebd., S.42

[3] Neuhaus, Volker: „Götz von Berlichingen“ in Goethe-Handbuch Band 2: Dramen Hrsg. Theo Buck. Stuttgart, Weimar 1996, S. 78-99, hier S.79

[4] Zimmermann, Rolf Christian: „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“. a.a.O., S. 44

[5] Neuhaus, Volker: „Götz von Berlichingen“ a.a.O., S. 83

[6] Zimmermann, Rolf Christian: „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“ a.a.O., S. 44

[8] Neuhaus, Volker: „Götz von Berlichingen“ a.a.O., S. 82

[9] Ebd., S.82

[10] Goethe, Johann Wolfgang: „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“ a.a.O., S. 145

[11] Vgl. Ebd., S. 205

[12] Vgl. Ebd., S. 205/208/209

[13] Johann Wolfgang Goethe: „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Reclam Ausgabe Stuttgard 1968, 1993, S. 75

[14] Nägele, Rainer. „Götz von Berlichingen“. In: Goethes Dramen. Neue Interpretationen. Hrsg. Von Walter Hinderer. Stuttgard 1980. S. 65-77. – Wiederabdr. In: Interpretationen: Dramen des Sturm und Drang. Stuttgard 1987 S. 7-31, hier S. 27

[15] Goethe Handbuch S. 85

[16] Goethe: Gottfried von Berlichingen; a.a.O., S. 229

[17] Vgl. Goethe-Handbuch: a.a.O., S. 85

[18] Ebd., S. 229

[19] Ebd., S. 142

[20] Goethe: Gottfried von Berlichingen; a.a.O, S. 171

[21] Ebd., S. 171

[22] Nägele, Rainer: „Götz von Berlichingen“, a.a.O., S. 29

[23] Goethe: Gottfried von Berlichingen a.a.O S. 137

[24] Goethe: Gottfried von Berlichingen a.a.O ., S. 171

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Götz und der Urgötz - Ein Vergleich
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar Götz und seine Brüder
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
25
Katalognummer
V6547
ISBN (eBook)
9783638140904
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Götz, Urgötz, Vergleich, Proseminar, Brüder
Arbeit zitieren
Anne Katrin Kaiser (Autor), 2000, Der Götz und der Urgötz - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6547

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