In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden einen Überblick über den Volksbegriff von Hans Freyer zu geben.
Ausgehend von der Fragestellung, ob sich Gemeinsamkeiten zwischen dem Freyerschen Volksbegriff und der Konzeption von Gemeinschaft und Gesellschaft von Ferdinand Tönnies erkennen lassen oder ob diese völlig konträr zueinander stehen, soll der Begriff des Volkes untersucht werden und in Hinblick auf die Rezension anderer Soziologen bewertet werden.
Ziel dieser Arbeit ist also eine kritische Auseinandersetzung mit Freyers Werk, um ein stringentes Verständnis von der Begrifflichkeit des Volkes zu gewinnen, bereichert durch diverse Perspektiven, die andere Soziologen aufzuzeigen vermochten.
Zu Beginn soll auf Freyers und Tönnies´ Biographie eingegangen werden, um eine schlüssige und vor allem plastische Analyse vornehmen zu können. Im Anschluss wird der Volksbegriff als solcher vorgestellt und dabei auf die einzelnen Komponenten, die diesem zugrunde liegen, näher eingegangen. Daran schließt sich die Konzeption von Tönnies´ Gemeinschaft und Gesellschaft, wie auch der Titel seines wichtigsten Werkes lautet, an. Sind diese beiden Konzepte in ihren einzelnen Teilen vorgestellt, lässt sich der erste Teil der Fragestellung beantworten – nämlich, ob beide Begrifflichkeiten konform oder konträr zueinander stehen. Im letzten Teil dieser Arbeit soll dann im Rahmen der Rezension und Bewertung des Freyerschen Werkes und Schaffens durch andere Soziologen, dieses einer eigenen Beurteilung unterworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person Hans Freyers
3. Zur Person Ferdinand Tönnies´
4. Freyers Begriff des Volkes
4.1. Vorbemerkung
4.2. Das Entstehen des politischen Volkes
4.3. Schlussbemerkung
5. Tönnies´ Gemeinschaft und Gesellschaft
5.1. Wesenwille
5. 2. Kürwille
6. Politisches Volk und die Sozialformen Gemeinschaft und Gesellschaft
7. Bewertung des Freyerschen Werkes und Wirkens im Dritten Reich durch andere Soziologen
8. Eigene Bewertung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Volksbegriff von Hans Freyer kritisch zu analysieren und ihn mit der soziologischen Konzeption von Gemeinschaft und Gesellschaft durch Ferdinand Tönnies in Beziehung zu setzen, um zu prüfen, ob sich zwischen diesen Ansätzen Gemeinsamkeiten oder fundamentale Widersprüche feststellen lassen.
- Biographische und theoretische Einordnung von Hans Freyer und Ferdinand Tönnies
- Analyse der Entstehung und Bedeutung des Freyerschen Begriffs des "politischen Volkes"
- Gegenüberstellung von Tönnies' Unterscheidung zwischen Wesenwille und Kürwille
- Kritische Reflexion der Rolle Freyers im Kontext des Nationalsozialismus und der wissenschaftlichen Rezeption seines Werkes
Auszug aus dem Buch
4.2. Das Entstehen des politischen Volkes
Freyer geht von der Annahme aus, dass die industrielle Gesellschaft auf nichts anderem basiert, „als auf der Berechnung der Materien und Kräfte, aus denen sie gebaut ist. Sie ist nicht auf gewachsenem Boden gegründet, sondern schwebt frei.“ (Freyer 1931: 20) Die reine Ökonomie diktiert hier die Realität. Freyer äußert sich dahingehend in seiner, ihm eigenen blumigen Sprache:
„Der Zyklopenbau aus Ökonomie und gesellschaftlichem Interesse – wahrhaftig nicht von Zyklopen aufgetürmt, sondern von höchst rechenhaften Realisten – muß alle seine Bausteine in Ware und Preis umdenken: nur unter dieser Bedingung geht seine Rechnung auf.“ (ebd.: 23)
Dies beinhaltet Freyer zufolge auch die Konsequenz, dass, „…was man nicht kaufen kann – zum Beispiel die Wahrheit, der Staat, der Mensch – muß so lange von sich selbst abstrahiert, so lange zu gesellschaftlichem Interesse oder zu bloßer Technik neutralisiert werden, bis es auf Ökonomie reduziert ist.“ (ebd.) Das einzige Gesetz der Bewegung in der industriellen Gesellschaft, ist demnach dass des Diktats der Ökonomie – alles ist diesem Gesetz unterworfen und lässt die Eigendynamik des Marktes sichtbar werden. Freyer ist weiterhin der Auffassung und befindet sich damit, wie bereits erwähnt, in geistiger Nähe zu Karl Marx, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse des 19.Jh. bewirkten, dass sich ein Proletariat konstituierte, welches den Keim revolutionärer Energie in sich barg. „Dieses Zeitalter ist revolutionär in seiner geschichtlichen Substanz.“ (ebd.: 10)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob der Freyersche Volksbegriff und Tönnies’ Konzept von Gemeinschaft und Gesellschaft miteinander vereinbar sind oder in Widerspruch stehen.
2. Zur Person Hans Freyers: Das Kapitel skizziert den biographischen Werdegang Freyers und seine Entwicklung hin zu einem der einflussreichsten Soziologen im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts.
3. Zur Person Ferdinand Tönnies´: Hier wird das Leben des "Vaters der deutschen Soziologie" dargestellt, wobei insbesondere sein Engagement für die Arbeiterbewegung und sein kritischer Geist hervorgehoben werden.
4. Freyers Begriff des Volkes: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption des "politischen Volkes" als Gegenspieler zur industriellen Gesellschaft und diskutiert die Ambivalenzen seiner Definition.
5. Tönnies´ Gemeinschaft und Gesellschaft: Das Kapitel behandelt die theoretische Unterscheidung zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft sowie die zugrundeliegenden Willensformen, Wesenwille und Kürwille.
6. Politisches Volk und die Sozialformen Gemeinschaft und Gesellschaft: Es erfolgt ein direkter Vergleich beider Konzepte, wobei die unterschiedlichen Ansätze in Bezug auf Marx und die industrielle Gesellschaft aufgezeigt werden.
7. Bewertung des Freyerschen Werkes und Wirkens im Dritten Reich durch andere Soziologen: Das Kapitel beleuchtet die konträren Einschätzungen der Rolle Freyers während der NS-Zeit durch namhafte Fachkollegen.
8. Eigene Bewertung: Abschließend nimmt der Verfasser eine eigene kritische Einordnung von Freyers Wirken vor und reflektiert die Problematik seiner historischen Positionierung.
Schlüsselwörter
Hans Freyer, Ferdinand Tönnies, Volksbegriff, Gemeinschaft, Gesellschaft, politisches Volk, Industrialisierung, Nationalsozialismus, Revolution von rechts, Wesenwille, Kürwille, Soziologie, Klassenkampf, Deutsche Gesellschaft für Soziologie, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den Volksbegriff von Hans Freyer und setzt diesen in einen theoretischen Vergleich mit der soziologischen Unterscheidung von Gemeinschaft und Gesellschaft nach Ferdinand Tönnies.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung soziologischer Begriffe im 19. und 20. Jahrhundert, der Rolle des Staates, den sozialen Auswirkungen der Industrialisierung sowie der politischen Rolle von Soziologen im Dritten Reich.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob das Konzept des "politischen Volkes" von Hans Freyer mit Ferdinand Tönnies' Theorie von Gemeinschaft und Gesellschaft konform geht oder ob die beiden Modelle konträr zueinander stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit den Originalwerken der Autoren sowie einschlägiger Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Darstellung, die Erläuterung des Freyerschen Volksbegriffs und der Tönnieschen Gemeinschaftslehre sowie eine vergleichende Analyse und eine Rezension zur Rolle Freyers im Nationalsozialismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Analyse?
Wesentliche Begriffe sind das "politische Volk", der "Wesenwille", der "Kürwille", die "Revolution von rechts" sowie die Spannung zwischen industrieller Gesellschaft und organischer Gemeinschaft.
Wie unterscheidet sich Freyers Volksbegriff von einer bloßen Kulturnation?
Freyers Konzept legt den Fokus auf Tat, Entscheidung und den Machtfaktor der Führung, anstatt auf kulturelle Leistungen oder Traditionen.
Wie bewertet der Autor Freyers Rolle im Nationalsozialismus?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Freyers Rolle als ambivalent zu betrachten ist; er war kein Nationalsozialist, aber auch kein entschiedener Widerständler, was seine Position dubios erscheinen lässt.
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- Sten Cudrig (Author), 2005, Gedanken zum Volksbegriff Hans Freyers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65475