Der Großraum München macht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch dynamisches wirtschaftliches Wachstum und sein gutes Image auf sich aufmerksam. Davon profitieren auch die Gemeinden im Umland Münchens. Im Vergleich zu anderen deutschen Ballungsräumen steht die Region München durch ihr hohes BIP/EW sowie durch höchste Kaufkraft und Produktivität an der Spitze. Des weiteren herrscht in der Region München ein positives Gründungsklima, welches sich in der relativ hohen Anzahl der Gewerbeanmeldungen je Einwohner widerspiegelt. Einen hohen Anteil der Exporte der Region München nehmen die Industrieexporte ein, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region unterstreicht. Zudem hat sich die Region zu einem Dienstleistungszentrum entwickelt. Hierfür werden nicht zuletzt die weichen Standortfaktoren als Begründung herangezogen (Vgl.: Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, 2003: „Metropolregion München – das Kraftzentrum Deutschlands. Deutsche Metropolregionen im Vergleich“). Die Landeshauptstadt München ist durch ihre funktionalen Verflechtungen mit dem Umland der maßgebliche Motor der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadtumlandgemeinden. Deshalb ist es von Interesse, die Gewerbeentwicklung und Standortplanung ausgewählter prosperierender Gemeinden im Umland Münchens zu untersuchen.
Die Forschungsfragen der Diplomarbeit richten sich auf die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinden. Besonderes Augenmerk soll in der Arbeit auf folgende Forschungsfragen gelegt werden:
· Welche Gemeinden im Münchener Umland sind aus wirtschaftlicher Perspektive besonders gut positioniert?
· Welche Gewerbeentwicklungsstrategien werden verfolgt?
· Sind bestimmte Branchen für diese positive Entwicklung verantwortlich?
· Welche Standortfaktoren schätzen die ansässigen Unternehmen, und welche weniger?
· Welches wirtschaftliche Zukunftspotential haben die Gemeinden?
Die Forschungsfragen nehmen sowohl Bezug auf die privaten, als auch auf die öffentlichen Akteure, da sich das Verhalten beider gegenseitig beeinflusst.
Zunächst wird ein Überblick über das theoretische Grundgerüst der in der Literatur hervorgebrachten und diskutierten wissenschaftlichen Ansätze gegeben. Nach dem theoretischen Bezugsrahmen der Diplomarbeit wird ein praktischer/empirischer Teil folgen. Aus den Ergebnissen des empirischen Teils und der Analyse der vorherrschenden Standortfaktoren und Strukturdaten der Gemeinden werden Zukunftsprognosen und Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Regionalwirtschaftliche Entwicklungstheorien
2.1 Das Kreative Milieu als Erfolgsmodell in der Regionalwirtschaft
2.1.1 Definition des Kreativen Milieus
2.1.2 Schwächen im Ansatz des Kreativen Milieus
2.2 Das Konzept der Industriedistrikte im Bedeutungswandel der Zeit
2.2.1 MARSHALLS Industriedistrikt
2.2.2 Der Industriedistrikt nach PIORE und SABEL
2.2.3 Kritikpunkte am Modell der Industriedistrikte
2.3 Das Modell der Geographischen Industrialisierung nach STORPER und WALKER
2.3.1 Phase der Lokalisierung
2.3.2 Phase der selektiven Clusterung
2.3.3 Phase der Dispersion
2.3.4 Phase der Verlagerung der industriellen Wachstumszentren
2.3.5 Schwächen im Ansatz der Geographischen Industrialisierung
2.4 Die regionale Clusterbildung als Erfolgskonzept in der Gewerbeentwicklung
2.4.1 Die Clustertheorie nach PORTER
2.4.2 Diskussion der Clustertheorie
2.5 Die Erfolgsfaktoren kommunaler Gewerbeentwicklung in den regionalwirtschaftlichen Entwicklungstheorien
3 Abgrenzung des Untersuchungsraums und Methodik
3.1 Abgrenzung des Untersuchungsraums
3.2 Strukturmerkmale des Großraums München
3.3 Methodische Vorgehensweise
3.3.1 Quantitative Vorgehensweise und Clusteranalyse
3.3.2 Qualitative Erhebung durch Experteninterviews
4 Gemeinden mit erfolgreicher Gewerbeentwicklung
4.1 Die Stadt Garching als erfolgreicher Universitäts- und Forschungsstandort
4.1.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Garching
4.1.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotential Garchings
4.2 Haar als Wachstumsgemeinde durch Messeeffekte
4.2.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Haar
4.2.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial Haars
4.3 Die Flughafengemeinde Hallbergmoos
4.3.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Hallbergmoos
4.3.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial von Hallbergmoos
4.4 Landsberg am Lech als erfolgreiche Kreisstadt
4.4.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Landsberg am Lech
4.4.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial von Landsberg am Lech
4.5 Der Industriestandort Pullach
4.5.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Pullach
4.5.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial Pullachs
4.6 Die Gemeinde Unterföhring – von der Medienstadt zum Dienstleistungsstandort
4.6.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Unterföhring
4.6.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial Unterföhrings
4.7 Die Gemeinde Weßling als bedeutender Standort der Luftfahrtindustrie
4.7.1 Erfolgsfaktoren der Gewerbeentwicklung in Weßling
4.7.2 Das wirtschaftliche Zukunftspotenzial Weßlings
5 Zusammenführung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, wirtschaftlich besonders erfolgreiche Gemeinden im Münchener Umland zu identifizieren und die Faktoren zu analysieren, die zu ihrer positiven wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen haben. Dabei wird untersucht, welche Strategien verfolgt werden und welche Rolle Standortfaktoren sowie Branchencluster für den Erfolg spielen.
- Identifikation wirtschaftlich erfolgreicher Gemeinden im Münchener Umland
- Analyse von Gewerbeentwicklungsstrategien und Erfolgsfaktoren
- Untersuchung der Bedeutung von Clustern und Standortfaktoren
- Bewertung der Rolle von Wirtschaftsförderung und informellen Netzwerken
- Prognose des wirtschaftlichen Zukunftspotenzials der untersuchten Standorte
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Stadt Garching als erfolgreicher Universitäts- und Forschungsstandort
Die Gemeinde Garching liegt im Norden der Landeshauptstadt München. Die Flurgrenze Garchings schließt unmittelbar an die Stadtgrenze von München an. Im Osten bildet die Isar eine natürliche Grenze zur Gemeinde Ismaning, im Westen schließt sich Oberschleißheim an. Im Norden grenzt die Flur Garchings an die Gemeindegrenze von Eching und den Landkreis Freising (vgl. Beilage Flächennutzungsplan Garching).
Garching ist mit etwa 15 500 Einwohnern eine kleine Stadt, und hat ein dynamisches Beschäftigungswachstum von 16,1 % in einem Zeitraum von 1993 bis 2003 erlebt. So werden heute etwa 11 400 Arbeitsplätze geboten. Die Stadt erfreut sich daher an mehr als doppelt so vielen Einpendlern als Auspendlern, was für einen Ort dieser Größe enorm ist (vgl. Tabelle 1). Eine Folge daraus ist, dass die Gewerbegebiete und Sondergebiete (Hochschul- und Forschungsgelände) einen größeren Flächenverbrauch aufweisen als die Wohnbebauung Garchings (vgl. Beilage Flächennutzungsplan Garching). Bemerkenswert ist, das die Bodenrichtwerte in einem moderaten Bereich angesiedelt sind, und für den Großraum München als günstig zu bezeichnen sind. Der Hebesatz für die Gewerbesteuer ist mit 350 zwar relativ hoch, aber für den Großraum München durchaus normal. Der Hebesatz der Stadt München liegt, zum Vergleich, derzeit bei 490.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung erläutert die wirtschaftliche Dynamik im Großraum München und definiert das Ziel, erfolgreiche Gemeinden im Umland sowie deren Entwicklungsstrategien und Standortfaktoren zu untersuchen.
2 Regionalwirtschaftliche Entwicklungstheorien: Dieses Kapitel stellt theoretische Ansätze wie das Kreative Milieu, Industriedistrikte, die Geographische Industrialisierung und die Clustertheorie vor, um den theoretischen Rahmen für die Gewerbeentwicklung zu bilden.
3 Abgrenzung des Untersuchungsraums und Methodik: Hier wird der Untersuchungsraum (Planungsregion 14) definiert, Strukturmerkmale des Großraums München dargelegt und die quantitative Clusteranalyse sowie die qualitative Methodik der Experteninterviews beschrieben.
4 Gemeinden mit erfolgreicher Gewerbeentwicklung: In diesem Hauptteil werden spezifische Fallbeispiele erfolgreicher Gemeinden analysiert, wobei Erfolgsfaktoren, Strategien und Zukunftspotenziale für jeden untersuchten Standort individuell dargestellt werden.
5 Zusammenführung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die zentralen Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit der zuvor diskutierten Theorien auf die untersuchten Gemeinden.
Schlüsselwörter
Gewerbeentwicklung, Großraum München, Wirtschaftsförderung, Standortfaktoren, Clusterbildung, Kreatives Milieu, Industriedistrikte, Geographische Industrialisierung, Infrastruktur, Unternehmensexternalitäten, Arbeitsmarktentwicklung, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsfähigkeit, Interkommunale Zusammenarbeit, Wirtschaftsstandort
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Faktoren für eine erfolgreiche kommunale Gewerbeentwicklung in prosperierenden Gemeinden des Großraums München.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen regionale Entwicklungstheorien, die Identifikation von Wachstumsgemeinden, die Rolle der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie die Analyse von Standortfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, wirtschaftlich erfolgreiche Gemeinden im Münchner Umland aufzuzeigen und die zugrunde liegenden Erfolgsfaktoren und Strategien zu analysieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit kombiniert eine quantitative Clusteranalyse von Sekundärstatistiken mit einer qualitativen Erhebung durch leitfadengestützte Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sieben spezifische Gemeinden (Garching, Haar, Hallbergmoos, Landsberg am Lech, Pullach, Unterföhring, Weßling) detailliert hinsichtlich ihrer Erfolgsfaktoren und Zukunftsaussichten untersucht.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gewerbeentwicklung, Clusterbildung, Wirtschaftsstandort, Standortfaktoren und Regionalwirtschaft.
Warum spielt die Nähe zu München eine so entscheidende Rolle für die untersuchten Gemeinden?
Die Nähe zur Landeshauptstadt bietet Zugang zu einem großen Arbeitsmarkt, Universitäten und einer starken technologischen Infrastruktur, was für die Wettbewerbsfähigkeit der Umlandgemeinden entscheidend ist.
Wie unterscheidet sich die Situation in Hallbergmoos von anderen Gemeinden?
Hallbergmoos hat ein außergewöhnliches Beschäftigungswachstum durch den Flughafen München erlebt, was durch die Theorie der Geographischen Industrialisierung erklärt werden kann, während andere Orte stärker auf Branchencluster oder lokale Netzwerke setzen.
Warum bremsen einige Gemeinden wie Pullach ihr Wachstum bewusst?
In Pullach steht der Erhalt der Wohn- und Lebensqualität sowie der Schutz des Naturbestands vor einem weiteren, forcierten Wirtschaftswachstum, da der Ort bereits eine sehr gefestigte wirtschaftliche Basis besitzt.
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- Dipl.-Geogr. Markus Makrutzki (Author), 2005, Erfolgsfaktoren kommunaler Gewerbeentwicklung im Großraum München, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65491