1. Einleitung
Für meine erste exegetische Hausarbeit habe ich einen biblischen Teiltext aus dem Markusevangelium gewählt. „Markus war der Dolmetscher [...] des Petrus und schrieb sorgfältig auf, was er im Gedächtnis behalten hatte, jedoch nicht der Reihe nach,...“1. Er ist der Verfasser des ältesten Evangeliums und schrieb dieses für Griechisch sprechende Leser bzw. Hörer. Ich habe mich für einen Text dieses Evangelisten entschieden, weil das Markusevangelium „lange hinter den [...] Evangelien nach Matthäus, Lukas und Johannes“2 stand, obwohl es als erstes verfasst wurde. Der Evangelist Markus gehört zusammen mit Matthäus und Lukas zu den Synoptikern (Synopse = Zusammenschau). Diese drei Evangelisten „stimmen deswegen untereinander auf weiten Strecken überein, weil Matthäus und Lukas das Markusevangelium als Vorlage benutzt haben.“3 Wie Anfangs schon erwähnt, schrieb Markus nur aus dem Gedächtnis, bei Lukas und Matthäus kommen zusätzlich zum Markusevangelium als Quellen noch das jeweilige Sondergut und die Logienquelle Q hinzu. So ist es auch zu erklären, dass das Evangelium nach Markus als nicht so ausführlich gilt, obwohl der von mir auszulegende Teiltext bei Markus länger erzählt wird, als z.B. bei Matthäus.
Bei der Wahl einer Textstelle habe ich mich sofort dafür entschieden, nach einer Wundergeschichte zu suchen. Diese hatten schon immer eine besondere Wirkung auf mich, wenn ich sie z.B. in der Schule oder in der Kirche gehört habe.
Ich denke Wundergeschichten lösen allgemein bei den Zuhörern starke Reaktionen aus. Kinder sind fasziniert von dem „Zauberer“ Jesus. Viele Erwachsene ziehen solche Wundererzälungen ins Lächerliche und nehmen gerade solche Bibelgeschichten zum Anlass nicht zu glauben. Sie begründen ihren Nicht-Glauben dann damit, dass man an solchen Geschichten sähe, dass die Bibel lügt, weil natürlich keiner, auch nicht Jesus, zaubern kann. Ein Glaube, der sich auf solche „Lügengeschichten“ bezieht, könne, nach deren Meinung, nur „falsch“ sein. Andere Menschen werden durch solche Wundergeschichten dazu angeregt über die Bibel nachzudenken. Diese werden dann feststellen, dass man die Bibel sozusagen zwischen den Zeilen lesen muss, um die Botschaft des Reich Gottes zu verstehen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersetzungsvergleich
3. Vorbereitende Schritte einer Textanalyse
3.1 Segmentierung des Textes
3.2 Bestimmung von Anfang und Ende des Textes
3.3 Einordnung des Textes in den Kontext
3.4 Untersuchung des Textes auf Einheitlichkeit bzw. Uneinheitlichkeit
4. Sprachlich-syntaktisch-stilistische Analyse
5. Textsemantische Analyse
6. Textsortenbestimmung
7. Wortsemantische Analyse
8. Traditions- und Redaktionskritik
9. Gesamtinterpretation
10. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende exegetische Hausarbeit setzt sich zum Ziel, die biblische Erzählung von der „Heilung eines Taubstummen“ (Mk 7, 31-37) methodisch fundiert zu analysieren und deren Bedeutung im Kontext der Wundererzählungen des Markusevangeliums zu erschließen.
- Methodischer Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen.
- Strukturelle Analyse und kontextuelle Einordnung der Perikope.
- Untersuchung der semantischen und stilistischen Merkmale.
- Formgeschichtliche Bestimmung als Heilungswunder.
- Interpretation des Heilungsgeschehens als Symbol für Glauben und Vollmacht Jesu.
Auszug aus dem Buch
3.2 Bestimmung von Anfang und Ende des Textes
Hierzu werde ich zunächst alle Merkmale, die auf den Beginn eines neuen bzw. das Ende des voran stehenden Teiltextes hinweisen, durcharbeiten:
a) Übergeordneter Hinweis auf die Art des Textes
Hinweise auf einen Neuanfang:
„Heilung eines Taubstummen“
Die Überschrift weist daraufhin, dass die Erzählung eines Heilungswunders folgt.
b) Zeit- und Ortsangaben
Hinweise auf einen Neuanfang:
Mk 7, 31: „Und wieder hinausgehend aus den Gebieten von Tyros, kam er durch Sidon ans Meer der Galilaia mitten in die Gebiete (der) Dekapolis.“
Die Zeitangabe „Und wieder“ ist hier sehr ungenau formuliert, Ortsangaben sind aber sehr deutlich zu erkennen. Während der Heilung des Taubstummen befindet sich Jesus an einem anderen Ort, als in der vorausgehenden Perikope.
Hinweise auf einen Abschluss:
Mk 8, 1: „In jenen Tagen…“
Im nachfolgenden Teiltext ist eine neue Zeitangabe zu finden, der Ort wechselt jedoch nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin begründet die Wahl des Markusevangeliums und der Wundererzählung Mk 7, 31-37 aufgrund deren persönlicher Relevanz und der synoptischen Bedeutung.
2. Übersetzungsvergleich: Anhand dreier verschiedener Übersetzungen werden Unterschiede in Wortwahl und Sprachstil analysiert, um die Bedeutung der spezifischen Formulierungen hervorzuheben.
3. Vorbereitende Schritte einer Textanalyse: Dieses Kapitel widmet sich der formalen Abgrenzung der Perikope durch Zeit- und Ortsangaben sowie der Einordnung in den thematischen Kontext des siebten Kapitels.
4. Sprachlich-syntaktisch-stilistische Analyse: Hier wird das Verhältnis von Nomen und Verben sowie der Gebrauch von Pronomen untersucht, um den textlichen Charakter und die Betonung des Wunderwirkens zu beleuchten.
5. Textsemantische Analyse: Durch die Identifikation von Lexemen und Sinnlinien werden inhaltliche Oppositionen erarbeitet und in einem semiotischen Viereck visualisiert.
6. Textsortenbestimmung: Die Perikope wird formgeschichtlich als Heilungswunder kategorisiert und mittels eines Motivinventars nach Theißen präzise bestimmt.
7. Wortsemantische Analyse: Die Bedeutung des Begriffs "taub-stumm" wird philologisch und theologisch reflektiert, wobei die symbolische Ebene des "Nicht-Glaubens" hervortritt.
8. Traditions- und Redaktionskritik: Es wird die Rolle des Evangelisten Markus als Redaktor untersucht, der durch gezielte Anpassungen das Wirken Jesu für ein griechischsprachiges Publikum verständlich machte.
9. Gesamtinterpretation: Abschließend werden die Analysen zusammengeführt, um Mk 7, 31-37 als Demonstration der Vollmacht Jesu über das Böse und als Einladung zum Glauben zu deuten.
10. Literaturliste: Verzeichnis der verwendeten exegetischen Kommentare, Lexika und wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Mk 7 31-37, Heilungswunder, Exegese, Taubstummer, Jesus Christus, Dämonenaustreibung, Dekapolis, Wundererzählung, Formgeschichte, Religionspädagogik, Glaubensbotschaft, Redaktionskritik, Wunderhandlung, Bibelarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der Wundererzählung "Heilung eines Taubstummen" nach Markus 7, 31-37.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt formgeschichtliche Aspekte, sprachliche Analysen, das Verständnis von Wundererzählungen im Neuen Testament und die theologischen Implikationen des Heilungswunders.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Wunder von Mk 7, 31-37 zu analysieren und zu klären, ob es sich um ein historisches Ereignis oder eine bildhafte Verdeutlichung des Glaubens handelt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Verfasserin nutzt den Übersetzungsvergleich, die Textanalyse, die formgeschichtliche Methode nach Bultmann und Theißen sowie die traditions- und redaktionskritische Methode.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sprachliche Untersuchungen, die Bestimmung der Textsorte, eine semantische Analyse sowie die historische Einordnung des markinischen Evangeliums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Markusevangelium, Heilungswunder, Exegese, Vollmacht Jesu und die symbolische Deutung der Taubheit.
Wie unterscheidet sich das Münchener Neue Testament von den anderen Quellen?
Das Münchener Neue Testament wird als sehr wörtliche Übersetzung hervorgehoben, die häufig Eigennamen direkt vom Originaltext übernimmt, was eine distanziertere Darstellung Jesu als "Lehrmeister" bewirkt.
Was bedeutet das "Geheimhaltungsgebot" in der Perikope?
Das Geheimhaltungsgebot (Vers 36) unterstreicht das Wirken Jesu und dient bei Markus dazu, die Ausbreitung der Kunde über das Wunder trotz des Verbots hervorzuheben.
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- Sabrina Kumpf (Author), 2003, Exegese "Heilung eines Taubstummen" Mk 7,31-37, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65497