Aussagekraft der Ansätze der Erlöskontrolle


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Problemstellung

B. Grundlagen der Erlöskontrolle
I. Kennzeichnung der Erlöskontrolle
II. Darstellung des Kontrollprozesses
1. Stufen des Kontrollprozesses
2. Überblick über Abweichungsanalysemethoden
3. Abweichungsursachen
III. Anforderungen an die Ansätze der Erlöskontrolle

C. Aussagekraft der Ansätze der Erlöskontrolle
I. Analyse des traditionellen Ansatzes
1. Darstellung des traditionellen Ansatzes
2. Beurteilung des traditionellen Ansatzes
II. Analyse des funktionalen Ansatzes
1. Darstellung des funktionalen Ansatzes
2. Beurteilung des funktionalen Ansatzes

D. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

A. Problemstellung

In der Literatur sind zahlreiche Definitionen von Controlling zu finden. Nach Friedl beinhaltet das Controlling sowohl die zielorientierte Koordination von Führungsentscheidungen durch die Umsetzung von Koordinationskonzepten als auch die Versorgung der Unternehmensführung mit entscheidungsrelevanten Informationen.[1] Bereits anhand dieser Definition, aber auch anhand anderer hier nicht aufgeführter Definitionen wird deutlich, dass Controlling weit mehr darstellt als nur eine reine Kontrollfunktion.[2] Im Rahmen dieser Arbeit wird diese Tatsache weiter verdeutlicht in dem auf das zum operativen Controlling zugehörige Erlöscontrolling eingegangen wird.[3]

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Aussagekraft von Ansätzen der Erlöskontrolle. Es stellen sich zunächst die Fragen: Was ist die Erlöskontrolle, was sind ihre wesentlichen Bestandteile, aus welchen Gründen wird die Erlöskontrolle benötigt und welchen Anforderungen muss diese genügen? Die Beantwortung dieser Fragen liefert die Grundlage für die anschließende Beschreibung der existierenden Ansätze der Erlöskontrolle, die im Folgenden nach traditionellen und funktionalen Ansätzen unterteilt werden; in der neueren Literatur erfolgt eine äquivalente Unterscheidung von Symptomanalyse und Ursachenanalyse.[4]

Das Erlöscontrolling und folglich damit auch die Erlöskontrolle wird in der Literatur als Stiefkind des Rechnungswesens und des Controllings dargestellt.[5] Es heißt u. a. bei Stelling, dass die Erlöskontrolle nahezu kaum verbreitet ist und eine unzureichende theoretische Fundierung besitzt.[6] Witt und Witt sprechen davon, dass die Erlösseite im Gegensatz zur Kostenseite bisher nur sehr mangelhaft behandelt worden ist. Danach kann eine Übernahme der Erlösabweichungsanalyse aus der Kostenrechnung nur bedingt erfolgen. Statt dessen wird eine Abweichungsanalyse benötigt, die in der Lage ist die für die Erlösseite spezifischen Abweichungseinflüsse aufzuzeigen.[7] Diese Kritik wirft die Frage auf inwieweit die in der vorliegenden Arbeit aufgeführten Ansätze der Erlöskontrolle aussagekräftig sind. Dies ist insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass in Märkten mit kürzeren Produktzyklen und sehr intensivem Wettbewerb eine einseitige, auf Kosten beschränkte Betrachtung sehr gefährlich ist und damit die detaillierte Betrachtung der Erlösseite notwendig macht, von essentieller Bedeutung.[8] So ist der Erfolg vieler Produkte heutzutage weniger von niedrigen Kosten, sondern vielmehr von hoher Effektivität des Marketings abhängig.[9]

B. Grundlagen der Erlöskontrolle

Bevor nun die verschiedenen Ansätze der Erlöskontrolle aufgeführt werden, wird zunächst auf die Kennzeichnung der Erlöskontrolle und die Bestandteile des Kontrollprozesses eingegangen.

I. Kennzeichnung der Erlöskontrolle

Die Erlöskontrolle ist Bestandteil des Erlöscontrollings, das neben dem Kosten- und Erfolgscontrolling zum operativen Controlling zählt. Das Erlöscontrolling stellt ein institutionalisiertes Instrument der Unternehmensführung dar.[10] Es befasst sich mit der Einnahmenseite des Unternehmens; wesentliche Aufgaben sind die Analyse von Erlösschmälerungen, der Erlösstruktur sowie den Abweichungen zwischen geplanten und realisierten Erlösen mit dem Ziel der Erlössteuerung.[11]

Die Erlösrechnung kann als Pendant zur Kostenrechnung betrachtet werden.[12] Sie dient der Wirtschaftlichkeitskontrolle sowie der Kontrolle der unternehmerischen Erfolge.[13] Die wesentlichen Bestandteile der Erlösrechnung sind die durch eine ex-ante-Betrachtung erfolgende Erlösplanung und die durch eine ex-post-Betrachtung erfolgende Erlöskontrolle, die ausgewählten Sollgrößen entsprechende realisierte Istgrößen gegenüber stellt. Um eine effiziente Steuerung des Unternehmens gewährleisten zu können, ist eine inhaltliche und organisatorische Abstimmung beider Instrumente, durch die eine Vergleichbarkeit der Daten gegeben ist, zwingend erforderlich. Die Erlöskontrolle ist als eine spezifische Funktion im Führungsprozess einer Unternehmung der Planung, der Entscheidung und der Durchsetzung nachgelagert[14] und dient der Aufdeckung, Analyse und Interpretation der eingetretenen Abweichungen.[15] Damit beinhaltet die Erlöskontrolle sowohl eine Entscheidungs- als auch eine Verhaltenssteuerungsfunktion. Erstere Funktion bezieht sich auf die Verbesserung zukünftiger Planungs- und Entscheidungsprozesse mit Hilfe der durch die Kontrolle ermittelten Informationen. Zweitere, sehr wesentliche Funktion bezieht sich auf die Koordination der in der Unternehmung dezentral getroffenen Entscheidungen.[16]

Die Einflussgrößen für den Erlös sind neben der Absatzmenge Marketinginstrumente, Absatzpreis, Werbeaktivitäten, Distributionsmaßnahmen, Kundengruppe sowie Angebotsstruktur.[17] Im Gegensatz zur Kostenkontrolle sind die Einflussgrößen der Erlöskontrolle voneinander abhängig. Sie unterliegen im stärkeren Maße dem Einfluss nicht kontrollierbarer Größen, wie z. B. gesamtwirtschaftlichen Größen, Marktentwicklung, Verhalten der Kunden und der Konkurrenz.[18] Im Rahmen der Abweichungsanalyse kann versucht werden diese externen von den sowohl kontrollierbaren als auch unkontrollierbaren internen Größen zu trennen.[19]

II. Darstellung des Kontrollprozesses

1. Stufen des Kontrollprozesses

Eine Kontrolle stellt einen Prozess dar, der durch folgende Handlungen gekennzeichnet ist: die Aufstellung des Kontrollfeldes, d. h. die Festlegung des Kontrollobjektes, des Kontrollausmaßes sowie der Kontrollhäufigkeit[20], d. h. zum einen die Ermittlung der Sollgrößen und zum anderen die Ermittlung der identisch zu den gewählten Sollgrößen definierten Istgrößen[21], die Erlösabweichungsanalyse und die abschließende Auswertung der ermittelten Ergebnisse.[22] Durch den Ablauf eines Kontrollprozesses kann überprüft werden, ob und in welchem Umfang Vorgaben und Anordnungen der Unternehmensleitung von den jeweils Verantwortlichen eingehalten worden sind.[23] Eine entsprechende Abweichungsanalyse sowie Interpretation der Abweichungen dient anschließend der Aufdeckung möglicher Ursachen für die entstandenen Abweichungen.[24]

2. Überblick über Abweichungsanalysemethoden

Die Erlösabweichungsanalyse stellt ein wesentliches Instrument der Erlöskontrolle dar. Die in der Abweichungsanalyse ermittelte Gesamterlösabweichung ergibt sich aus der Differenz von Plan- und Istgrößen.[25] Die Differenz kann auf unterschiedliche, formal jedoch äquivalente Arten gebildet werden: möglich ist ein Ist-Soll-Vergleich oder ein Soll-Ist-Vergleich. Das Ergebnis beider Vergleiche unterscheidet sich lediglich im Vorzeichen. Die Wahl des Vergleiches ist in der Regel abhängig von der notwendigen Interpretation; so wird bei Erlösabweichungen vorrangig der Ist-Soll-Vergleich verwendet, bei Kostenabweichungen dagegen der Soll-Ist-Vergleich.

Es gibt verschiedene Methoden der Abweichungsanalyse, die sich jeweils in der Zerlegung der Gesamterlösabweichung in Bestandteile unterscheiden, die jeweils eindeutig einem Verantwortlichen zugeordnet werden können.[26] Die traditionelle, symptomorientierte Auswertungsmethode gliedert die Erlösabweichungen in Mengen-, Preis- und Strukturkomponenten, die funktionale, ursachenorientierte Auswertungsmethode sieht die zuvor genannte Aufspaltung als unzureichend an und fordert eine weitere Unterteilung in unternehmensendogene und -exogene Einflussgrößen.[27]

Die Absatzpreis- und Absatzmengenabweichungen sind den entsprechenden Verantwortlichen eindeutig zuzuordnen. Die Zuordnung der Abweichung zweiter Ordnung, d. h. die mit der Preisabweichung bewertete Mengenabweichung[28] erfährt aufgrund der nicht eindeutigen Zuordnungsfähigkeit unterschiedliche Behandlung, wie an der folgenden Darstellung der Abweichungsanalysemethoden deutlich werden wird.[29]

- Alternative Methode

Bei der alternativen Methode wird die Abweichung zweiter Ordnung sowohl der Absatzpreis- als auch der Absatzmengenabweichung zugeteilt.[30]

- Kumulative Methode

Die kumulative Methode hat im Bereich der Kostenrechnung sowohl in der wissenschaftlichen Lehre als auch in der betrieblichen Praxis eine dominierende Stellung eingenommen.[31] Die Abweichung zweiter Ordnung wird bei der kumulativen Methode entweder der Absatzmengen- oder der Absatzpreisabweichung erster Ordnung zugeteilt.[32]

- Symmetrische Methode

Die symmetrische Methode ermittelt den Handlungserfolg der Entscheidungsträger auf der Basis der tatsächlich eingetretenen Handlungsbedingungen.[33] Ein Vertreter der symmetrischen Methode ist Link. Er teilt die Abweichung zweiter Ordnung jeweils zur Hälfte der beiden Abweichungen erster Ordnung zu. Begründet wird dieses Vorgehen zum einen damit, dass eine Abweichung zweiter Ordnung nur dann entsteht, wenn sowohl der Verantwortliche für den Absatzpreis als auch der Verantwortliche für die Absatzmenge von der Plangröße abgewichen ist. Zum anderen geht Link davon aus, dass eine Vervielfachung der Abweichung erster Ordnung um den Faktor x auch zu einer Vervielfachung der Abweichung zweiter Ordnung um den Faktor x führt.

- Differenzierte Methode, auch differenziert-kumulative Methode genannt

Die differenzierte Methode ermittelt den Handlungserfolg der Entscheidungsträger auf der Basis der ursprünglich geplanten Handlungsbedingungen.[34]

Die differenzierte Methode ordnet die Abweichung zweiter Ordnung dem Absatzpreis- und Absatzmengenverantwortlichen gemeinsam zu, da beide Verantwortliche die Entstehung der Abweichung gemeinsam zu verantworten haben.[35] Die Abweichung zweiter Ordnung wird separat ausgewiesen und keiner Primärabweichung zugeteilt.[36]

[...]


[1] Vgl. Friedl (2000), S. 218.

[2] Vgl. Betz (1996), S. 1.

[3] Vgl. Stelling (1998), S. 5

[4] Vgl. Witt & Witt (1992), S. 64, 75, Witt (1992b), S. 75, 78 und Albers (1989a), S. 637.

[5] Vgl. ebd., S. 51 und Albers (1989a), S. 637.

[6] Vgl. Stelling (1998), S. 5.

[7] Vgl. Witt & Witt (1992), S. 50.

[8] Vgl. Witt (1992b), S. 72.

[9] Vgl. Albers (1989a), S. 637.

[10] Vgl. Schweitzer & Küpper (1998), S. 29.

[11] Vgl. Schulte (1996), S. 207 und Betz (1996), S. 22.

[12] Vgl. Engelhardt (1992), S. 656 ff.

[13] Vgl. Haberstock (1997), S. 4.

[14] Vgl. Ewert & Engelhardt (2000), S. 342.

[15] Vgl. Engelhardt (1992), S. 656 ff.

[16] Vgl. Ewert & Wagenhofer (2000), S. 344.

[17] Vgl. ebd., S. 375.

[18] Vgl. Witt (1992b), S. 73.

[19] Vgl. Ewert & Wagenhofer (2000), S. 377.

[20] Vgl. ebd., S. 348.

[21] Vgl. ebd., S. 348 ff.

[22] Vgl. Kloock & Bommes (1982), S. 225.

[23] Vgl. Laßmann (1968), S. 33.

[24] Vgl. Engelhardt (1977), S. 23.

[25] Vgl. Ewert & Wagenhofer (2000), S. 353.

[26] Vgl. Betz (1996), S. 25.

[27] Vgl. Engelhardt (1992), S. 658.

[28] Vgl. Fässler et al. (1991), S. 17 f.

[29] Vgl. Betz (1996), S. 25 f.

[30] Vgl. ebd. (1996), S. 27.

[31] Vgl. Link (1987), S. 780.

[32] Vgl. Betz (1996), S. 28 f.

[33] Vgl. zu diesem Abschnitt ebd., S. 30 f.

[34] Vgl. Link (1988), S. 1204.

[35] Vgl. Betz (1996), S. 32 f.

[36] Vgl. Liessmann (1997), S. 13.

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Details

Titel
Aussagekraft der Ansätze der Erlöskontrolle
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Lehrstuhl Controlling)
Veranstaltung
Management Accounting
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V6556
ISBN (eBook)
9783638140980
ISBN (Buch)
9783656521044
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aussagekraft, Ansätze, Erlöskontrolle, Management, Accounting
Arbeit zitieren
Silja Schröder (Autor), 2002, Aussagekraft der Ansätze der Erlöskontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6556

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