Die vorliegende Diplomarbeit gibt theoretische und empirische Einblicke in die Organisationsproblematik des Wissenstransfers am Spezialfall der Personalfluktuation. Dabei wird hier von einem Koordinationsproblem und einem Motivationsproblem ausgegangen.
Im Mittelpunkt dieses Werkes stehen eine theoriebasierte Analyse des Wissenstransfers und die Identifikation möglicher Einflussfaktoren auf die Wissenstransfermotivation. Hierfür haben wir ein Modell entworfen, welches wichtige individuelle und kollektive Einflüsse auf die Motivation zum Wissenstransfer enthält. Diese Einflussfaktoren werden zuerst theoretisch erläutert und bilden die Grundlage für die sich anschließende qualitativ-empirische Betrachtung.
Zur Zielgruppe gehören damit neben Studierenden, Dozenten und Wissenschaftlern, auch interessierte „Wissensmanager“, die den Wissenstransfer in ihrer Organisation analysieren und gestalten wollen.
Ausgehend von der Zielsetzung unserer Arbeit werden im ersten Teil die theoretischen Grundlagen des Wissenstransfer und der Personalfluktuation erläutert. Wir stellen verschiedene Typologisierungen des Wissensbegriffs vor und ordnen den Wissenstransfer in das Themengebiet des Wissensmanagements ein. Anschließend werden verschiedene Fluktuationsgründe beurteilt und resultierenden Fluktuationsarten zugeordnet.
In den folgenden Kapiteln rückt das Motivationsproblem des Wissenstransfers ins Zentrum der Betrachtung. Dabei orientieren wir uns am dafür entwickelten Analyseschema und stellen die erwähnten Einflussfaktoren vor. Diese werden in Koordinationseinflüsse, sowie individuelle und kollektive Einflussfaktoren eingeteilt.
Im Anschluss daran, stellen wir den methodischen Ansatz der empirischen Untersuchung vor. Unsere Analyse orientiert sich hauptsächlich an konkreten Erfahrungen und subjektiven Eindrücken. Um die Beweggründe der Organisationsteilnehmer für bestimmte Handlungen zu erschließen und um eine Offenheit für neue Aspekte zu gewährleisten, legten wir uns deshalb auf die Durchführung einer qualitativen empirischen Untersuchung fest. Schließlich widmen wir uns der empirischen Betrachtung. Dabei werden wir zuerst Design und Methoden der Datenerhebung vorstellen sowie unsere Vorgehensweise bei der Durchführung erläutern. Abschließend erfolgt eine ausführliche Ergebnisauswertung, die wir nach dem Auswertungsverfahren der zusammenfassenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring erstellt haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Die Bedeutung des Wissenstransfers bei Personalfluktuation
1.2 Ziel und Gang der Arbeit
2 Grundlagen des Wissenstransfers
2.1 Der Wissensbegriff
2.1.1 Kognitivistische- und Konstruktivistische Perspektive des Wissens
2.1.2 Wissensentstehung und Abgrenzung zu Zeichen, Daten, Informationen
2.1.3 Wissenstypologisierungen
2.1.3.1 Explizites und implizites Wissen
2.1.3.2 Prozedurales und deklaratives Wissen
2.1.3.3 Individuelles und kollektives Wissen
2.1.3.4 Transferierbares und nicht-transferierbares Wissen
2.1.4 Arbeitsdefinition
2.2 Wissenstransfer
2.2.1 Wissenstransfer als Teil des Wissensmanagements
2.2.2 Perspektiven auf den Wissenstransfer
2.3 Unterscheidungsformen und Methoden des Wissenstransfers
2.3.1 Anteil des persönlichen Kontakts am Wissenstransfer
2.3.2 Initiierungsrichtung des Wissenstransfers
2.3.3 Methoden des Wissenstransfers
2.4 Der Wissenstransfer als Organisationsproblem
2.4.1 Das Koordinationsproblem als Teilproblem
2.4.2 Das Motivationsproblem als Teilproblem
2.5 Wissenstransfer als Lernprozess
2.5.1 Der Lernprozess als Phasenschema
2.5.2 Kollektives und organisationales Lernen
2.6 Wissenstransfer als Logistikprozess
3 Wissenstransfer und Personalfluktuation
3.1 Der Fluktuationsbegriff
3.2 Fluktuationsgründe und Konsequenzen für den Wissenstransfer
3.3 Das organisationale Wissen als Reaktion auf Personalfluktuation
4 Das Motivationsproblem des Wissenstransfers bei Personalfluktuation
4.1 Modellvorschlag als Analysegerüst
4.2 Motivation und Wissenstransfer
4.2.1 Überblick Motivationstheorien
4.2.2 Motivation – Resultat aus Motiven und Anreizen
4.2.3 Motive als personale Faktoren
4.2.4 Anreize als situative Faktoren einer Wissenstransfersituaton
4.2.5 Extrinsische vs. intrinsische Motivation
4.2.5.1 Die Vorzüge intrinsischer Motivation
4.2.5.2 Das Verhältnis von intrinsischer zu extrinsischer Motivation
5 Mögliche Einflüsse auf die Wissenstransfermotivation
5.1 Koordination als Motivationsvoraussetzung des Wissenstransfers
5.1.1 Wissensart und die Wahl des Kommunikationskanals
5.1.2 Auswahl der Transferpartner
5.2 Individuelle Einflussfaktoren als Transferbarrieren
5.2.1 Ausstieg auf Grund unbefriedigter Arbeitsmotive
5.2.1 Das Machtmotiv als Transferbarriere
5.3 Strukturelle bzw. kollektive Einflussfaktoren
5.3.1 Unternehmenskultur als organisationaler Handlungsrahmen
5.3.1.1 Sichtweisen in der Unternehmenskulturforschung
5.3.1.2 Das Unternehmenskulturmodell nach Schein
5.3.1.3 Wissensorientierte Unternehmenskultur
5.3.1.4 Führungsstil
5.3.1.5 Anreizpolitik
5.3.2 Vertrauen – Grundlage persönlicher Beziehungen
5.3.2.1 Grundlegende Motive zur Vertrauensbildung
5.3.2.2 Beziehungsart als ausgewählter Einflussfaktor auf die Bildung persönlicher Vertrauensbeziehungen
5.3.2.3 Vertrauensbildung über Informationskategorien
5.3.2.4 Probleme von Vertrauensbeziehungen
6 Standortbestimmung im Verlauf der Arbeit
6.1 Zwischenfazit
6.2 Methodischer Ansatz
6.3 Erkenntnisziele und Arbeitshypothesen
7 Empirische Betrachtung und Auswertung
7.1 Design der empirischen Erhebung
7.1.1 Methoden der Datenerhebung
7.1.2 Teilnehmer der Datenerhebung
7.2 Die qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsverfahren
7.3 Untersuchungsergebnisse
7.3.1 Beschreibung und Interpretation der Hauptkategorien
7.3.1.1 Relevanz des Themas
7.3.1.2 Einflussfaktoren auf den Wissenstransfer
7.3.1.3 Motivation im Unternehmen
7.3.1.4 Motivation zum Wissenstransfer
7.3.1.5 Vorstellungen von idealem Führungsverhalten
7.3.1.6 Mitarbeiterbeziehungen und Motivationsfaktoren
7.3.1.7 Erfahrungen mit organisationalen Wissenstransfers
7.3.2 Unternehmensspezifische Ausprägung des Wissenstransfers
7.3.2.1 Sehr geringe Differenz zwischen Ideal und Realität
7.3.2.2 Geringe Differenz zwischen Ideal und Realität
7.3.2.3 Große Differenz zwischen Ideal und Praxis
7.3.3 Beurteilung der Ergebnisse
8 Schlussbetrachtungen
8.1 Forschungshypothesen
8.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Motivationsproblem des Wissenstransfers innerhalb von Organisationen im Kontext von Personalfluktuation zu untersuchen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identifikation individueller und kollektiver Einflussfaktoren, die die Motivation von Mitarbeitern fördern oder hemmen, ihr Wissen an Nachfolger oder Kollegen weiterzugeben.
- Grundlagen des Wissensbegriffs und der Wissenstypologien
- Strukturierung des Wissenstransfers als Koordinations- und Motivationsproblem
- Theoretische Analyse der Motivationsfaktoren bei Personalfluktuation
- Einfluss der Unternehmenskultur und persönlicher Vertrauensbeziehungen
- Qualitativ-empirische Betrachtung von Unternehmen zur Identifikation von Transferhemmnissen
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Bedeutung des Wissenstransfers bei Personalfluktuation
Aufgefallen ist uns, dass Wissen als Schlüsselfaktor für den zukünftigen Erfolg heutiger Industrieländer stetig an Beachtung gewinnt (vgl. z.B. Drucker 1993, S. 16). Dagegen scheint die Bedeutung der einzelnen „Humanressourcen“ durch Dynamisierung und Globalisierung der Arbeitsmärkte abzunehmen. Geht man nun davon aus, dass der größte Teil des Wissens personengebunden ist, ergibt sich auf Grund der unterschiedlichen Bedeutungsentwicklungen ein Spannungsverhältnis. Beispielhaft seien hier trotz der aktuellen Rentendiskussion, die vielen Frühverrentungsprogramme oder Entlassungswellen von Großunternehmen, wie der Deutschen Telekom AG genannt. Dabei ergibt sich das Dilemma für die Organisationen aus dem Kostendruck (Lohnkosten) einerseits und dem Innovationsdruck (Wissensgenerierung) andererseits. Diese Entwicklung hat uns animiert, das Problem der Wissenserhaltung im Zusammenhang mit Personalfluktuation aus einer organisationstheoretischen Perspektive zu betrachten.
Auch wenn Wissen und Lernen stark in den Mittelpunkt aktueller Forschungen gerückt sind, nahmen sie schon immer eine entscheidende Rolle ein. „For hundreds of years, owners of family businesses have passed their commercial wisdom on to their children, master craftsmen have painstakingly taught their trades to apprentices, and workers have exchanged ideas and know-how on the job.” (Hansen et al. 1999, S. 106). Dennoch wäre es fatal die neuen Herausforderungen der so genannten Informations- bzw. Wissensgesellschaft nicht ernst zu nehmen. Denn es gilt heute als gemeinhin anerkannt, dass die in den Unternehmen tätigen Menschen jeweils mehr Wissen zu managen haben, als die vorherige Generation (vgl. Kieser 1999, S. 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel motiviert die Untersuchung des Wissenstransfers unter Berücksichtigung von Personalfluktuation und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Grundlagen des Wissenstransfers: Hier werden theoretische Wissenskonzepte, Transfermethoden und die Aufteilung in Koordinations- und Motivationsprobleme dargelegt.
3 Wissenstransfer und Personalfluktuation: Dieses Kapitel verknüpft den Fluktuationsbegriff mit der Relevanz für den Wissenstransfer und analysiert Ursachen und Konsequenzen.
4 Das Motivationsproblem des Wissenstransfers bei Personalfluktuation: Aufbauend auf einem Analysegerüst werden Motivationstheorien sowie die Bedeutung von Motiven und Anreizen erläutert.
5 Mögliche Einflüsse auf die Wissenstransfermotivation: Eine tiefgehende Analyse von Koordinations-, individuellen und kollektiven Einflussfaktoren auf die Transfermotivation.
6 Standortbestimmung im Verlauf der Arbeit: Zwischenfazit der theoretischen Überlegungen und methodische Vorbereitung der anschließenden empirischen Untersuchung.
7 Empirische Betrachtung und Auswertung: Detaillierte Darstellung der qualitativen Erhebungsmethodik und Analyse der Untersuchungsergebnisse aus der Praxis.
8 Schlussbetrachtungen: Synthese der Ergebnisse sowie Formulierung von Forschungshypothesen und einem Fazit.
Schlüsselwörter
Wissenstransfer, Personalfluktuation, Wissensmanagement, Motivation, Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation, Unternehmenskultur, Vertrauen, Wissensgesellschaft, Organisationsproblem, Personalisierungsstrategie, Kodifizierungsstrategie, Lernprozess, Wissenstransfermotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Wissen innerhalb einer Organisation transferiert werden kann, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, und welche motivationalen Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen Wissensmanagement, Motivationstheorien, Personalfluktuation, Unternehmenskultur sowie die Bedeutung von Vertrauen in zwischenmenschlichen Arbeitsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifikation von individuellen und kollektiven Einflussfaktoren auf die Motivation zum Wissenstransfer, um Wissensverlust bei Fluktuation zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf teilstandardisierten Experteninterviews und einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Problemanalyse hinsichtlich Motivation und Koordination sowie eine detaillierte empirische Auswertung in drei Fallunternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Wissenstransfer, Personalfluktuation, Motivation, Unternehmenskultur und Wissensmanagement.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur laut den Ergebnissen?
Die Unternehmenskultur fungiert als essentieller Rahmen, der die Bereitschaft zum Wissenstransfer durch Normen, Werte und Vertrauensbildung maßgeblich beeinflusst.
Welches Fazit ziehen die Autoren bezüglich der Praxis?
Es zeigt sich, dass Wissenstransfer bei Fluktuation in der Praxis oft vernachlässigt wird und stark von der Eigeninitiative der Mitarbeiter abhängt, anstatt in formalen, stetigen Prozessen verankert zu sein.
- Quote paper
- Markus Kepke (Author), Felix Schuldes (Author), 2006, Probleme des Wissenstransfers bei Personalfluktuation. Theoretische Überlegungen und empirische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65571