Die vorliegende Seminararbeit behandelt das Thema Zero Base Budgeting. Es wird erklärt wie diese Methode der Budgetierung funktioniert, welche Vor- und Nachteile diese hervorbringen kann und wie dieses Instrument in strategischen Handelsunternehmen eingesetzt werden kann. Zero Base Budgeting ist ein Budgetierungsverfahren, das auf der Situation Null aufbaut. Dies bedeutet, dass Unternehmen davon ausgehen, dass jedes Budget in jedem Jahr neu begründet werden muss. Ausgangspunkt ist also, dass es zunächst keine Budgets gibt. Jede Abteilung, jedes Projekt muss aufs Neue begründen, warum und wofür sie ein Budget benötigen und wie hoch dieses sein soll. Demzufolge setzt sich jeder Verantwortungsträger von verursachenden Kosten mit seinen Aufgaben auseinander, bestimmt die Kosten seines Tätigkeitsbereiches und den für das Unternehmen erbrachten Nutzen, sowie einen Vorschlag für eine alternative Lösungsmöglichkeit sollte der Posten gestrichen werden. Die ausgewählten Kostenprogramme werden nach Unternehmensnutzen in einer Prioritätenliste geordnet, die den Zweck der Kontrolle und der Übersicht verfolgt, aber auch für den Fall gedacht ist, sollten während des Budgetjahres Mittel frei oder benötigt werden, die Entscheidung leichter fällt welche Tätigkeitsbereiche davon betroffen sind. Der grundsätzliche Unterschied von Zero Base Budgeting und herkömmlichen Budgetplanungen, die jedes Jahr übernommen werden, ist, dass ein bestehendes Ausgabenprogramm nicht in jedem Fall auch kostengerechtfertigt ist. Oft werden Ausgabenposten übernommen, die im Laufe der Zeit überflüssig geworden sind. Ein Ziel von Zero Base Budgeting ist es, Funktionen und Arbeitsgänge hinsichtlich ihrer Kosten und des mit diesen Kosten angestrebten Nutzens zu prüfen sowie unvorteilhafte Programme und solche, deren Nutzen nicht mehr gegeben ist, zu beenden. Budgets können ein wichtiges Management Instrument darstellen um Strategien und Ziele in Aktivitäten umzusetzen. Die Methode des Zero Base Budgeting setzt voraus, dass die Strategie und die Ziele eines Unternehmens immer wieder hinterfragt und angemessen formuliert werden. Die begründete Planung und die richtige Zuweisung von Budgets sind Vorraussetzungen dafür, dass Strategien wirklich umgesetzt werden können. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung des Zero Base Budgeting
3. Zero Base Budgeting – Erläuterung
4. Die Wirkungsweise von Zero Base Budgeting
5. Das Verfahren von Zero Base Budgeting
5.1 Entscheidungspakete
5.2 Wertungsverfahren
6. Vorteile und Nachteile des Systems
7. Strategische Bedeutung des Zero Base Budgeting
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Budgetierungsverfahren "Zero Base Budgeting" und dessen Anwendungsmöglichkeiten in strategischen Handelsunternehmen, um Prozesse zu optimieren und Ausgaben konsequent am tatsächlichen Unternehmensnutzen auszurichten.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Zero Base Budgeting
- Methodik der Entscheidungspakete und Wertungsverfahren
- Kosten-Nutzen-Analyse und Priorisierung von Tätigkeitsbereichen
- Gegenüberstellung von Vorteilen und systemimmanenten Nachteilen
- Strategische Relevanz der Budgetplanung im Handel
Auszug aus dem Buch
5.1 Entscheidungspakete
Im weiteren Schritt folgt die Bildung von Entscheidungspaketen. Werden Arbeitsabschnitte in kleinere Einheiten gefasst so bilden diese Entscheidungspakete. Ein Entscheidungspaket ist als eine Beschreibung von Tätigkeiten oder Betriebsfunktionen zu verstehen, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind. Entscheidungspakete fassen also den zielorientierten Einsatz von Menschen, Betriebsmitteln und Werkstoffen zusammen.
Beispielsweise wird bei Texas Instruments ein Entscheidungspaket als ein abgegrenzter Arbeitsgang in Bezug auf
o Geleistete oder zu leistende Tätigkeiten,
o Begründung eines Nutzens,
o Angabe der Methode einer Nutzenmessung
o Angabe der finanziellen Erfordernisse und
o Angabe von Alternativen und Konsequenzen bei Nichtgenehmigung
definiert.
Entscheidungspakete bzw. zu leistende Tätigkeiten müssen hinreichend beschrieben werden um
o eine Bewertung,
o einen Vergleich mit anderen Entscheidungspaketen,
o eine Einstufung (Priorität) und
o eine Billigung oder Ablehnung
zu gestatten.
Bei Texas Instruments werden Entscheidungspakete in der Regel von Mitarbeitern auf der niedrigsten Betriebs- oder Organisationseinheit formuliert. Sinn und Bedingung dabei ist, dass diese Mitarbeiter die konkrete Aufgabe kennen und ausreichend Kenntnisse über Lösungsmöglichkeiten besitzen. Es können dadurch Tätigkeiten detailliert dargestellt und Engagement bei den ausführenden Mitarbeitern durch die engagierte Mitarbeit bei der Entdeckung neuer Alternativen geweckt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Zero Base Budgeting ein und erläutert, wie durch eine budgetäre "Nullbasis" veraltete Kostenstrukturen identifiziert und strategische Ziele effizienter umgesetzt werden können.
2. Entwicklung des Zero Base Budgeting: Das Kapitel beschreibt den Ursprung der Methode im Jahr 1968 bei Texas Instruments und die anfängliche Zielsetzung, ein Instrument zur Beurteilung strategischer Alternativausgaben zu schaffen.
3. Zero Base Budgeting – Erläuterung: Hier wird der Kern der Methode als ein Verfahren definiert, das jegliche Ausgaben konsequent rechtfertigt und eine intensive Auseinandersetzung mit den Aufgaben des jeweiligen Verantwortungsbereichs erzwingt.
4. Die Wirkungsweise von Zero Base Budgeting: Dieser Abschnitt beleuchtet den methodischen Wechsel von der bloßen Fortschreibung alter Budgets hin zu einer radikalen, nutzenorientierten Neubewertung sämtlicher Funktionen und Programme.
5. Das Verfahren von Zero Base Budgeting: Das Kapitel detailliert die operative Durchführung, von der Unterteilung in Verantwortungsbereiche bis hin zur konkreten Erstellung von Entscheidungspaketen und der Durchführung von Wertungsverfahren.
6. Vorteile und Nachteile des Systems: Hier werden die positiven Effekte, wie gesteigerte Transparenz und Kosteneffizienz, den Herausforderungen gegenübergestellt, insbesondere dem hohen administrativen Arbeitsaufwand und der subjektiven Schwierigkeit bei der Quantifizierung von Nutzen.
7. Strategische Bedeutung des Zero Base Budgeting: Der Abschlussteil ordnet das Verfahren in den Kontext des strategischen Managements ein und betont die Rolle der Budgetierung als Prozess zur Existenzsicherung und langfristigen Ausrichtung eines Unternehmens.
Schlüsselwörter
Zero Base Budgeting, Budgetierung, Handelsmanagement, Kosten-Nutzen-Analyse, Entscheidungspakete, Prioritätenliste, Gemeinkosten, Wirtschaftlichkeitsprinzip, Strategische Planung, Ressourcenallokation, Nullbasis, Leistungsstufen, Kosteneffizienz, Unternehmenssteuerung, Budgetplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Zero Base Budgeting als strategisches Instrument in Handelsunternehmen, um Ausgaben kritisch zu hinterfragen und nur solche Programme zu finanzieren, die aktiv zur Zielerreichung beitragen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die methodischen Grundlagen der "Nullbasis-Budgetierung", der Prozess der Paketbildung für Entscheidungen, die Priorisierung von Leistungen sowie eine Abwägung der Vor- und Nachteile dieses Systems.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung eines Budgetierungsverfahrens, das Unternehmen zwingt, jedes Jahr sämtliche Kostenstellen und Programme neu zu legitimieren, anstatt sie bloß aus der Vergangenheit fortzuschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Managementtheorien sowie auf die systematische Beschreibung und Anwendung des Zero Base Budgeting als Instrument der strategischen Handelssteuerung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit genau behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung der Wirkungsweise, die detaillierte Beschreibung des operativen Verfahrens durch Entscheidungspakete und die kritische Würdigung der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie "Entscheidungspakete", "Prioritätenliste", "Gemeinkosten", "Nutzenorientierung" und "Wirtschaftlichkeitsprinzip".
Wie unterscheidet sich Zero Base Budgeting von herkömmlichen Planungsverfahren?
Während herkömmliche Budgets meist auf den Vorjahreszahlen basieren, fordert Zero Base Budgeting eine Begründung für jeden Cent, basierend auf der "Situation Null", wodurch überflüssig gewordene Ausgaben effizient eliminiert werden.
Warum spielt das Wertungsverfahren eine so kritische Rolle?
Das Wertungsverfahren ist entscheidend, da es dem Management eine objektive Basis bietet, um komplexe Tätigkeitsbereiche anhand ihres Nutzens in eine Prioritätenliste einzuordnen und somit knappe Ressourcen dorthin zu lenken, wo sie die größte strategische Wirkung erzielen.
- Quote paper
- Gina Hartwig (Author), 2006, Strategische Bewertungsverfahren - Zero Base Budgeting im Handel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65575