Sprechen und Hören in einem integrativen Deutschunterricht am Beispiel des Bundesblinden Institut (BBI) Wien


Zusammenfassung, 2006
10 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Beobachtungen am BBI
2.1.1. Eigene Beobachtungen in der 5./6. Schulstufe ASO (= allgemeine Sonderschule) am BBI Wien
2.1.2. Kurz ein paar Zahlen zum BBI allgemein
2.1.3. Ausstattung der Klasse und Sitzordnung
2.1.4. Lehrinhalte
2.1.5. Lob/Tadel/Feedback durch die Lehrkraft
2.1.6. Organisation/Disziplin
2.1.7. Methoden/Strategien
2.1.8. Haltung der Schüler zum Unterricht
2.2. Fragebogen
2.2.1. Beurteilung der mittels Fragebogen befragten
Lehrer (in Anlehnung an den Fragebogen im
"Kommunikationstraining"-Buch von Klippert)

3. Technische Hilfsmittel erleichtern Kommunikation und Zugang zu Wissen

4. Schlußfolgerung und Zusammenfassung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Davon ausgehend, dass im Normalfall 3 Komponenten an einer funktionierenden Kommunikation beteiligt sind, nämlich

- das Sprechen
- das Hören und
- das Sehen,

wobei letzteres Mimik, Gestik, Körpersprache, aber auch die Schrift als Mittel der Kommunikation umfasst, möchte ich mich in meinem heutigen Vortrag mit Kommunikationsteilnehmern beschäftigen, bei denen eben diese dritte Komponente ganz, bzw. großteils ausfällt, nämlichen mit Blinden.

Zunächst muss man sich die Frage stellen, was "blind" eigentlich bedeutet. Dabei kann man nach verschiedenen Einteilungskriterien vorgehen. Die eine Möglichkeit wäre zwischen

- von Geburt an Blinden und
- durch Krankheit oder Unfall Erblindeten
zu unterscheiden.

Blindheit im weiteren Sinne umfasst allerdings ein breites Spektrum an Ausformungen, wobei man wiederum grob nach den folgenden Merkmalen unterteilen kann:

- Vollblindheit
- Wahrnehmungsfähigkeit von Licht und Dunkel
- Fähigkeit zwischen verschiedenen Farben und Formen zu unterscheiden
- und Objekte aus nächster Nähe erkennen zu können
- oder auch eine extreme Blickfeldeinschränkung

Prinzipiell gibt es vom Gesetzgeber festgelegte Kriterien zur Beurteilung, um diverse Rechte und Ansprüche, wie etwa den Bezug des Pflegegeldes, oder den Erhalt eines Behindertenausweises zu regeln. (Beilage Nr. 1)

Diese Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten der Blindheit ist auch wichtig für die richtige Wahl der Lehrstrategien.

Man muss sich vorstellen, dass unser Gehirn in gewissem Sinne eine "tabula rasa" ist, d.h. es funktioniert so, dass wir nur eine Vorstellung von Dingen haben, von denen es schon ein Abbild in unserem Gehirn gibt, daraus folgt, dass ein von Geburt auf Vollblinder niemals wissen kann

- was eine Farbe ist,
- sich weder Höhen, noch Tiefen oder Distanzen vorstellen kann, die außerhalb des ertastbaren
Bereiches liegen,
- nicht weiß, was ein Sehender mit Begriffen, wie etwa "geradeaus" meint.

Auch wird das Fehlen des Augenlichtes nicht als "Schwärze" empfunden, sondern einfach als "Nichts". Ein von Geburt an Vollblinder hat auch keine optischen Eindrücke im Traum.

Man kann also jetzt bereits sehen, dass hier die Kommunikation auf gewisse Barrieren stossen muss.

Aber auch ein schwer Sehbehinderter, der bei der Augenuntersuchung mittels der "Snellen-Skala" - das ist die Tafel mit den verschieden großen Buchstaben, die von Augenärzten zum Sehtest herangezogen wird - gerade noch den obersten Buchstaben lesen kann, gilt vor dem Gesetz als "blind". (Beilage Nr. 2)

Im Jahr 1824 hat der damals 15-jährige blinde Louis Braille die Blindenschrift, die sogenannte "Braille-Schrift" entwickelt. Es handelt sich dabei um ein System von 6-Punkt-Zellen (bzw. 8-Punkt-Zellen), wobei mittels verschiedener Kombinationen aus erhabenen Punkten Folgendes dargestellt werden kann:

- die Buchstaben des Alphabets
- Punktuationszeichen
- Zahlen
- sogar Musiknoten
- und Kürzel (ähnlich unserer Stenographie) (Beilagen Nr. 3 und 4)

Manche sogenannte Blinde können aber auch Gedrucktes entziffern, wenn sie "Großdruck" verwenden. Man spricht von "Großdruck" ab einer Schriftgröße von 18. Im Vergleich dazu ist die Norm-Schriftgröße 10. (Beilage Nr. 5)

Weiters kann die Verwendung von Sehhilfen in vielen Fällen eine große Erleichterung beim Lernen und im täglichen Leben darstellen. Solche Sehhilfen können zum Beispiel sein:

- Lupenbrillen (oft einseitig, da meist ein Sehrest auf nur einem Auge erhalten ist)
- Monokel (für die Ferne)
Weitere Hilfen zum Lernen, und um Informationen zu erhalten, sind:
- Lehrkassetten,
- Hörbücher,
- sogar wöchentliche Zusammenfassungen des Weltgeschehens auf Audiokassetten, die man

abonnieren kann, werden produziert.

2. Hauptteil

2.1. Beobachtungen am BBI

Der nun folgende Abschnitt gliedert sich in 2 Teile, und zwar in den 1. Teil, in welchem ich meine eigenen Beobachtungen am BBI schildern möchte, und den 2. Teil, der der Auswertung der Fragebögen gewidmet ist, die ich am BBI an einige Deutschlehrer und die Direktorin verteilen durfte.

2.1.1. Eigene Beobachtungen in der 5./6. Schulstufe ASO (= allgemeine Sonderschule) am BBI

Wien

- Alter der Schüler: 12 - 13 Jahre
- Klassengröße: 04 - 05 Schüler (übliche durchschnittliche Klassengröße am BBI = max. 08

Schüler)

Von den 4 permanenten Schülern dieser ASO-Klasse lernen 2 Deutsch als Zweitsprache, d.h. 50 %, während der durchschnittliche Anteil am BBI etwa bei 35 % liegt. Ferner besteht diese Klasse aus 1 Vollblinden und 3 schwer Sehbehinderten.

2.1.2. Kurz ein paar Zahlen zum BBI allgemein

- Schülergesamtzahl: 149
davon:
- DaF/DaZ-Schüler: 52 (ca. 35 %)
- Mehrfachbehinderte: auch etwa 35 %
Spezielle DaF/DaZ-Klassen gibt es nicht.
- Lehrergesamtzahl: 50

davon:
- selbst sehbehindert: 03
- Deutschlehrer: 06, bzw. in der ASO-Klasse ist es der Klassenlehrer, der Deutsch

unterrichtet

Das Lehrpersonal benötigt eine spezielle Ausbildung (z. B.: Braille-Schrift).

- Schultypen am BBI: Kindergarten

BFK

S-Klassen

ASO

Volksschule

Hauptschule

PTS

Orientierungsklasse

Gewerbliche Berufsausbildung

Lehrgang für Telekommunikation

HAS

Masseurausbildung

Die Möglichkeit eine Matura abzuschließen gibt es am BBI derzeit nicht.

Für auswärtige Schüler ist auch ein Internat angeschlossen.

2.1.3. Ausstattung der Klasse und Sitzordnung

Zunächst fällt einmal auf, dass es keine Tafel gibt, sondern individuelle Lesemaschinen, einige PCs, sowie eine Braille-Schreibmaschine für den vollblinden Schüler.

Die Sessel stehen im Kreis, der Vollblinde sitzt mit dem Gesicht zur Wand, was akzeptiert wird, da die gebogene Wand die Schallwellen reflektiert, und er sich somit nach dem Klang orientieren kann. Auffallend ist weiters, dass es eben nur eine Klassenlehrkraft gibt, die alle Gegenstände unterrichtet.

2.1.4. Lehrinhalte

- Deutsch Kommunikation
Die Schüler hatten ein Gedicht auswendig lernen müssen, welches nun jeder einzelne von ihnen aufsagen muss. In der Folge werden Themen diskutiert, die sich teilweise aus der Besprechung des Gedichtes ergeben, teilweise aber auch spontan von Schülern aufgeworfen werden. Auf diese Art und Weise ergibt sich z. B. eine Diskussion darüber, ob man Leben um jeden Preis retten solle, bzw. ob Ärzte ev. Schuldgefühle haben, wenn sie zwar Leben retten, aber dadurch Dauerschäden bleiben, wodurch ein Bezug zur Blindheit durch den Brutkasten bei Frühgeborenen hergestellt wurde.
- Deutsch
Es wird ein Gedicht zum Staatsfeiertag gelesen, wobei jeder Schüler eine Zeile liest. Dabei wird im Uhrzeigersinn vorgegangen. Danach wird die Hausübung gegeben und vorbesprochen. Je 8 Sätze zum Thema Vor- und Nachteile des Lebens in einer Großstadt sollen geschrieben werden.

[...]

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Details

Titel
Sprechen und Hören in einem integrativen Deutschunterricht am Beispiel des Bundesblinden Institut (BBI) Wien
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
10
Katalognummer
V65602
ISBN (eBook)
9783638581288
ISBN (Buch)
9783638767774
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sprechen, Hören, Deutschunterricht, Beispiel, Bundesblinden, Institut), Wien, Seminar, blind, Didaktik, Lernstrategien und Hilfsmittel, Behinderung
Arbeit zitieren
Dr. phil. Daria Hagemeister (Autor), 2006, Sprechen und Hören in einem integrativen Deutschunterricht am Beispiel des Bundesblinden Institut (BBI) Wien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65602

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