'Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…' Die Reaktionen auf die Absperrung der Sektorengrenze in Berlin am 13. August 1961


Hausarbeit, 2004
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Die Reaktionen auf die Sperrung der Sektorengrenze in Berlin am 13. August 1961

4. Zusammenfassung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Zeitungen, Zeitschriftenaufsätze

1. Vorwort

Mich für das Seminar und die anschließende Hausarbeit zu entscheiden lag nicht nur am Thema selbst, sondern vor allem am persönlichen Interesse, da ich zum Zeitpunkt des Mauerfalls erst 11 Jahre alt war. Die Erinnerungen an das Leben in und mit der DDR beschränken sich auf Kindheitserinnerungen und der alles verherrlichenden und meist überhaupt nicht so empfundenen Äußerung: „In der DDR war alles besser“. Nicht nur mein eigenes Interesse war ausschlaggebend für die Wahl des Themas, sondern auch mein Eindruck, dass das Thema während des Seminars in nicht ausreichender Form behandelt worden war. Somit werde ich versuchen, in der vorliegenden Arbeit einen systematischen Überblick über die Entwicklungen nach der Nacht des 12. August 1961 zu geben. Besonders interessiert haben mich die (ausgebliebenen) Reaktionen der Westmächte und der Verbündeten der DDR und der Sowjetunion. Leider war die Literaturrecherche schwierig, so dass ich die Reaktionen der Westmächte ausführlich darlegen, aber die Reaktionen der verbündeten Staaten des Sozialismus nur bruchstückhaft zusammenfügen kann. Daher muss die Frage unbeantwortet bleiben, ob die Warschauer-Pakt-Staaten die nachfolgenden Auswirkungen des Mauerbaus erwartet hatten, als sie der Regierung Ulbrichts die Zustimmung zum Bau der Mauer gaben. Und wenn nicht, waren sie entsetzt, erschüttert, enttäuscht über die Entwicklung von der Stacheldrahtabsperrung zum perfekt ausgearbeiteten Mauersystem? Oder entsprach dies ihren Vorstellungen um Agenten, Saboteure und Flüchtlinge aufzuhalten?

2. Einleitung

Als das Deutsche Reich am 7. bzw. 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation[1] unterzeichnete, war die Teilung Berlins in Sektoren bereits beschlossene Sache. Zuerst auf der Konferenz von Jalta vom 4. - 11. Februar 1945 beschlossen und auf der Konferenz von Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 endgültig besiegelt, wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Obwohl die Siegermächte sich einig über Demontagen, Entnazifizierung, Demilitarisierung und Reparationen waren, gab es dennoch keine einheitlichen Regelungen für alle Zonen. Der eingesetzte Alliierte Kontrollrat, in dem alle vier Alliierten Beschlüsse einstimmig verabschieden sollten, brachte nicht die gewünschte Einheitlichkeit der Verwaltung. Das lag u. a. an den verschiedenen Interessen der beiden Supermächte USA und Sowjetunion, die die Möglichkeit für die Ausdehnung ihrer Politik sahen.

1948 kam es zur Ersten Berlin-Krise, die sich zur völligen Blockade West-Berlins auswuchs. Der Grund war die Einführung der DM in den Westzonen im Juni 1948. Am 18. Juni waren der sowjetischen Militäradministration die Pläne der drei westlichen Militärregierungen mitgeteilt worden, eine gemeinsame Währungsreform durchzuführen, die sich jedoch nicht auf Berlin erstrecken sollte. Am 22. Juni scheiterten Verhandlungen der vier Alliierten Mächte über eine neue Währung in Berlin, weil der sowjetische Vertreter auf einer gemeinsamen Währung in Berlin und der Sowjetzone bestand. Deshalb wurde am 23. Juni des Jahres in der Sowjetzone eine eigene Währung, die Deutsche Mark der Deutschen Notenbank, eingeführt. Da sie von den Kommandanten der drei Westsektoren nicht anerkannt wurde, wurde die Gültigkeit der DM auf West-Berlin festgesetzt. Die seit Anfang 1948 zunehmenden Konflikte mit der sowjetischen Besatzungsmacht um den Status Berlins verschärften sich in der Folgezeit. Die getrennten Währungsreformen waren von höchster politischer Bedeutung. Durch sie war das Ende der Vier-Mächte-Verwaltung Deutschlands endgültig besiegelt.

Einen ersten Höhepunkt erreichten die Konflikte um den Status von Berlin in der sowjetischen Blockade der Stadt, die am 27. Juni 1948 begann und bis in das Jahr 1949 reichte. Die Sowjetische Militäradministration Deutschlands, kurz SMAD, begann Land- und Wasserwege zu sperren und stellte alle Lieferungen aus ihrer Besatzungszone (Lebensmittel, Strom, Kohle) nach West-Berlin ein.

Der amerikanische Militärgouverneur Lucius D. Clay veranlasste den Aufbau der „Luftbrücke“, durch die die West-Berliner auf dem Luftweg mit allen notwendigen Gütern und Nahrungsmitteln versorgt werden konnten. Bereits am 28. Juni begannen die Flüge nach Berlin. Trotz der Not, die die West-Berliner litten, hielten sie die Blockade aus Solidarität zu den Besatzungstruppen durch.

Im November 1948 kam es zur endgültigen Spaltung Berlins, als unter dem Druck der westlichen Kommandantur die Verlegung des Stadtparlaments nach West-Berlin angeordnet wurde. Die Sowjets waren bereits am 16. Juni aus der alliierten Stadtkommandantur ausgetreten. In Ost-Berlin wurde ein Ost-Magistrat unter der Führung des Oberbürgermeisters Friedrich Ebert (SED) gegründet, das zur endgültigen Teilung führte. Im Mai 1949 wurde die Blockade von West-Berlin beendet, allerdings blieben die Versorgungs- und Verkehrsnetze, bis auf S- und U-Bahn, zerrissen.

Die Teilung in zwei deutsche Staaten wurde endgültig besiegelt, als am 23. Mai 1949 das Grundgesetz – die Verfassung für die BRD – und am 7. Oktober die Gründung der DDR verkündet wurde.

Die vollständige Eingliederung West-Berlins wurde im August 1950 durch die drei westlichen Vertreter der Alliierten Kommandantur verhindert. Sie suspendierten Bestimmungen des Berliner Abgeordnetenhauses, das am 4. August 1950 eine Verfassung verabschiedet hatte, durch die Berlin den Status eines Landes der BRD erhalten sollte. Berlin stand nach der Gründung der beiden deutschen Staaten offiziell unter der gemeinsamen Kontrolle der vier Supermächte. Trotzdem proklamierte die DDR Ost-Berlin zu ihrer Hauptstadt.

Die Zweite Berlin-Krise wurde von Chruschtschow am 27. November 1958 durch ein Ultimatum an die Westmächte ausgelöst. In einer Note forderte der sowjetische Ministerpräsident den Abzug der westlichen Schutzmächte aus Berlin und die Umwandlung West-Berlins in eine selbständige politische Einheit. Die UdSSR kündigte ihre Besatzungsverpflichtungen für Deutschland auf und damit den Vier-Mächte-Status von Berlin. Gleichzeitig sollte ein neuer Status, nur für West-Berlin, vereinbart werden. Chruschtschow drohte die volle Souveränität der DDR zu übertragen, falls über diese Forderungen nicht verhandelt werden würde. Somit wären auch die Rechte der Alliierten in Berlin beseitigt worden. Am 14. Dezember 1958 übergaben die Alliierten ihre Antwortnoten, in der sie jede einseitige Änderung des Vier-Mächte Status von Berlin zurückwiesen und ihre Verantwortung für die Stadt erneut bekräftigten.

Nachdem sich die Westmächte zu Verhandlungen bereit erklärt hatten, kam es im Januar 1959 zu einem Friedensvertragsentwurf, der u. a. die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und die Anerkennung der „freien Stadt West-Berlin“ forderte. Im März 1959 verlängerte Chruschtschow die Frist zur Berlin-Frage, kündigte aber auch einen separaten Frieden mit der DDR an, falls die Westmächte den Entwurf ablehnten.

Von Mai bis August 1959 (mit Unterbrechung vom 21. Juni bis 12. Juli) kam es in Genf zu einer Konferenz der Außenminister der Westmächte. Die Außenminister der beiden deutschen Staaten durften nicht mit am runden Tisch der Außenminister sitzen, sondern saßen getrennt von ihnen an einem eckigen Tisch, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass beide Staaten von den Westmächten faktisch anerkannt seien. Da die Sowjetunion auf ihrem Friedensplan vom Januar 1959 bestanden und die Westmächte sich mit ihrem Stufenplan zur Wiedervereinigung[2] nicht durchsetzen konnten, blieb die Konferenz ergebnislos. Ebenfalls ungelöst blieb die Berlin-Frage, der eigentliche Kern der Gespräche. In der Folgezeit kam es zu weiteren Gesprächen zwischen den Westmächten und der Sowjetunion.

Im Juni 1961 trafen sich der amerikanische Präsident John F. Kennedy und der sowjetische Regierungschef Nikita S. Chruschtschow in Wien zu einer Aussprache. Chruschtschow wiederholte seine Forderungen, einen separaten Friedensvertrag mit der DDR zu schließen und ihr die volle Souveränität auf den Zufahrtswegen zu Land, Wasser und der Luft nach Berlin zu übertragen. Diese Äußerungen führten erneut zu einem Anstieg der Flüchtlingszahlen, wie es immer bei Konflikten der Westmächte und der Sowjetunion passierte. Die nationalen Spannungen wurden durch Ulbricht verschärft, als dieser auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin die Neutralisierung West-Berlins forderte. Auf einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 in Ost-Berlin zu einem möglichen Mauerbau befragt antwortete Ulbricht:

„Ich verstehe Ihre Frage so, daß es in Westdeutschland Menschen gibt, die wünschen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, daß eine solche Absicht besteht. Die Bauarbeiter unserer Hauptstadt beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnungsbau, und ihre Arbeitskraft wird dafür voll eingesetzt. Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“[3]

Am 13. Juli des Jahres erklärte John F. Kennedy gegenüber Mitgliedern der so genannten Berlin-Lenkungsausschüsse, dass die USA nur dann militärische Gewalt anwenden würden, wenn West-Berlin direkt bedroht sein sollte. Diese Aussage wurde von ihm am 25. Juli im amerikanischen Fernsehen bekräftigt.

Auf einem Treffen der Generalsekretäre der kommunistischen Parteien aller Warschauer-Pakt-Staaten vom 3. – 5. August 1961 erhielt Ulbricht die Zustimmung zur Abrieglung der Fluchtwege nach West-Berlin, da sonst der wirtschaftliche Zusammenbruch der DDR gedroht hätte.

[...]


[1] General Eisenhower hatte eine Gesamtkapitulation des Deutschen Reiches gefordert, die am 7. Mai 1945 im amerikanischen Hauptquartier in Reims unterzeichnet und am 8. Mai 1945 auf Wunsch Stalins im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst wiederholt.

[2] Ost- und Westberlin sollten nach freien Wahlen unter UNO- oder Vier-Mächte-Kontrolle vereint werden. Ein Ausschuss von 25 Bundesrepublik- und 10 DDR-Vertretern sollten einen Gesetzentwurf für freie Wahlen und eine Volksabstimmung erarbeiten. Danach sollte eine gewählte gesamtdeutsche Versammlung eine Verfassung entwerfen, nach der eine Regierung gebildet wird. Zum Schluss sollte diese Regierung einen Friedensvertrag abschließen.

[3] Eisenfeld, Bernd / Roger Engelmann: 13.8.1961: Mauerbau. Fluchtbewegung und Machtsicherung. 2. durchgesehene und korrigierte Aufl., Berlin 2001, S. 41.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
'Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…' Die Reaktionen auf die Absperrung der Sektorengrenze in Berlin am 13. August 1961
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Bau der Berliner Mauer
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V65656
ISBN (eBook)
9783638581738
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit für ein Proseminar untersucht die Reaktionen der Westmächte auf den Bau der Berliner Mauer in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961.
Schlagworte
Mauer, Reaktionen, Absperrung, Sektorengrenze, Berlin, August, Berliner, 1961
Arbeit zitieren
Melanie List (Autor), 2004, 'Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…' Die Reaktionen auf die Absperrung der Sektorengrenze in Berlin am 13. August 1961 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65656

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