Mit den Begriffen wie Patientenkarte oder Chipkarte, Smart Media oder einfach nur Memory Stick, Bonuspunktekarte (Payback) oder Clubkarte, Service-, Telefon-, Mensa-, Euro- und Masterkarte, des Weiteren nicht zu vergessen die Versichertenkarte, und schon eröffnet sich uns das Problem der auf Chipkarten gespeicherten Informationen und somit auch der Karte im Gesundheitswesen. Wer kennt sie nicht, die mannigfaltigen Einzugsgebiete der Kartentechnologie. Wo werden sie nicht schon verwendet? Mit der sich immer weiterentwickelnden Informationstechnologie, insbesondere auch im Kommunikationsbereich, ist es nicht verwunderlich, dass die Smart Card Technologie immer mehr in den Vordergrund rückt: Wenige wissen aber, dass ihre Entwicklung weit in die frühen 80er Jahre zurückreicht. Genau hier soll die vorliegende Arbeit ansetzen.
Der Hintergrund dieser Arbeit ist, die lange Geschichte der medizinischen Patientenchipkarten zeitlich, in chronologischer Reihenfolge geordnet, und so geschlossen wie möglich zu erfassen und einen Überblick über den zukunftsträchtigen Einsatz von IT-Technologie im Gesundheitswesen zu verschaffen. Der Gedanke resultiert daraus, dass es in einigen Jahren nur noch schwer möglich sein wird, die Anfänge der Karten im Gesundheitswesen nachzuweisen, zu erforschen bzw. aufzuarbeiten. Diese Arbeit steht mehr vor dem Hintergrund, die Breite der langwierigen Entwicklung zu betrachten, insbesondere auch in den 80er Jahren, diese noch einmal aufzuarbeiten, bestehende Lücken zu schließen oder zu verkleinern und um eine Plattform für weitere Arbeten zu schaffen.
Mit dieser Diplomarbeit werden folgende Ziele verfolgt:
1. Einen Gesamtüberblick über den Einsatz der Smart Card im Gesundheitswesen kompakt zu verschaffen
2. Weiteren Projekten, Forschungsaufträgen oder wissenschaftlichen Arbeiten eine Basis liefern
3. Übersicht über die inhaltliche Entwicklung und den zeitlichen Ablauf (Zeittafel)
4. Die ausführlichere Beschreibung von Pilotprojekten, z.B. AIM, EUROCARD
5. Definitionen und Erklärungen der wesentlichen Begriffe bzw. wichtiger Anhaltspunkte
sowie einen umfassenden Einblick in das Gebiet der Health Card (HC) zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 : Prolog und Einblick
1. Thema und Motivation
2. Problemstellung und Zielsetzung
3. Struktur und Vorgehensweise
Kapitel 2 : Die Chipkarte im Gesundheitswesen – Grundlagen
1. Hintergrund
1.1 Die integrierte Gesundheitsversorgung
1.2 Einsicht hin zur Gesundheitskarte – Philosophie – Umsetzung
2. Entwicklung und Ablauf
2.1 Informationstechnologische Entwicklung im Gesundheitswesen
2.2 Entwicklung der Chipkartentechnik
2.3 Allgemeine Entwicklung der Medizinischen Chipkarten
3. Standards und Techniken
3.1 Ein international standardisiertes System
3.2 Was ist eine Smart Card? – Kartentechniken
3.3 Funktionen von Patientenkarten
4. Daten, Zugangskontrolle und Datenschutz
4.1 Patientendaten und ihre Struktur auf einer möglichen Smart Card
4.2 Datencodierung, Datenklassifikation und Digitale Signatur
4.3 Datensicherheit, Datenschutz und Zugriffsrechte
4.3.1 Aspekte zur Datensicherheit
4.3.2 Prinzipien des Datenschutzes
4.3.3 Anforderungen für Nachweis und Kontrolle
4.3.4 Kriterien der Zugriffskontrolle
5. Telematik und Netzwerke
5.1 Anforderungen an eine Telematikplattform im Gesundheitswesen
5.2 Netzwerke – Wie wichtig sind sie für den Einsatz von Chipkarten?
5.3 Medizinische Netze (Zusammenfassung)
6. Einsatzbereiche – Ein allgemeiner Überblick
6.1 Inhaltlicher Einsatz (Semantik) – Gesundheitspass (G-Pass)
6.2 Technologischer Einsatz (Syntax)
6.3 Internationale Entwicklung – Chronologie der Kartenprojekte (Zeittafel)
Kapitel 3 : Spezifische Chipkarten – Ihre besonderen Anforderungen
1. Karte für Gesundheitsberufe – Health Care Professional Card (HPC)
1.1 Überblick – Was verbirgt sich hinter Schlüsselkarten?
1.2 Entwicklung
1.2.1 Anforderungen an eine HPC
1.2.2 Allgemeine Anfänge
1.2.3 Internationale Projekte
1.2.4 Ausblick
1.3 Technologien, Konzepte und Anwendungen
1.3.1 Digitale Signatur mittels einer Chipkarte
1.3.2 Trust Third Parties (TTP)
2. Patientenkarte - Patient-Carried-Smartcard (MK)
2.1 Überblick – Was sind medizinische Chipkarten?
2.1.1 Definitionen, Funktionen und Nutzen
2.1.2 Anwendungsgebiete
2.2 Entwicklung
2.2.1 Grundprinzipien für medizinischen Kartenprojekte
2.2.2 Basis für Pilotprojekte
2.2.3 Internationale Projekte
2.3 Internationale Standards zur Einführung eines Kartensystems
2.4 Technologie – Optische Speicherkarte
3. Versichertenkarte - Health Insurance Card (AK)
3.1 Überblick – Einsatz von Administrativen Karten?
3.2 Deutscher Krankenversicherten Ausweis
3.3 Arbeitsgemeinschaft (AG) Karten im Gesundheitswesen (German JPHC)
3.4 Entwicklung – Internationale Projekte
4. Notfallkarte - Emergency Card (NK)
4.1 Überblick – Wozu dient eine Notfallkarte?
4.2 Entwicklung – Internationale Projekte
4.3 EUROCARD – ’concerted actions’ / G7
Kapitel 4 : Die Zukunft der Chipkarte – Bewertung und Ausblick
1. Diskussion
1.1 Zusammenfassung und Ausblick
1.2 Perspektiven
2. Bewertung des Einsatzes von Karten im Gesundheitswesen
2.1 Nutzen
2.2 Vorteile
2.3 Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit
3. Technische Aspekte – Industrie / Übersicht – Zukunft
3.1 Eine Prognose für die Entwicklung von Smart Cards
3.2 Gegenüberstellung Kosten und Umfang
3.3 Zukünftige Technologien
3.4 Zukünftige Entwicklung der Telematik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich einer umfassenden historischen Aufarbeitung der Entwicklung medizinischer Patientenchipkarten. Ziel ist es, die langwierige Entwicklungsphase, insbesondere ab den 1980er Jahren, systematisch zu erfassen, bestehende Wissenslücken zu schließen und eine fundierte Plattform für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten und Projektinitiativen zu schaffen.
- Historische Chronologie und Entwicklung von Chipkartensystemen im Gesundheitswesen.
- Analyse der vier zentralen Einsatzbereiche: Patienten-, Arzt-, Versicherten- und Notfallkarten.
- Untersuchung von Pilotprojekten sowie deren technischer und organisatorischer Voraussetzungen.
- Bewertung von Standards, Datenschutzkonzepten und Telematikplattformen.
- Diskussion über den zukünftigen Nutzen und die Wirtschaftlichkeit der Smart-Card-Technologie.
Auszug aus dem Buch
1. Hintergrund
Das Gesundheitswesen, nicht nur der Bundesrepublik Deutschland, unterliegt permanenten Veränderungen. Es fallen immer mehr Daten für die Patienten und ihre Krankheiten an. Dies entsteht durch die steigende Zahl medizinischer Untersuchungen, immer neuere und komplexere Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, eine ständig steigende Spezialisierung der Ärzte und die Verpflichtung dieser zur Dokumentation nach z.B. dem Gesundheitsstrukturgesetz (GSG). Dadurch wird ein umfangreicher Informationsaustausch zwischen den Ärzten unabdingbar. Auch mehr Ausgaben für Gesundheit haben ihre Ursache in der Zunahme von Untersuchungen, Beratungen, Behandlungen, medizinischen Betreuungen usw. Alle diese Maßnahmen der Gesundheitsversorgung erzeugen Daten, die zu bewältigen, die angelegt, verwaltet, verarbeitet und wieder zugänglich gemacht werden müssen. Die Datenmenge nimmt offensichtlich schneller zu als die Befähigung von Informationssystemen zur adäquaten Bewältigung dieser Informationsflut. Aus Kostengründen ist ein effizienter Umgang mit den Daten unverzichtbar [32].
Die o. g. Daten werden benötigt, um eine kontinuierliche Weiterbehandlung der Patienten im Sinne einer notwendigen und wirtschaftlichen Versorgung zu gewährleisten. Leistungs- und medizinische Daten unterscheiden sich zum größten Teil nur durch den anderen Zweck der Speicherung. Der Umgang mit Stamm- und Beitragsdaten ist in Deutschland seit 1994 bereits mit der flächendeckenden Einführung der Krankenversichertenkarte (vgl. Kapitel 3.3) maschinell (Chipkartenlese- und Schreibgeräte) geregelt, und sie ersetzt damit den früheren Krankenschein. Ihr Einsatz trug einen wesentlichen Anteil zum Anstieg der Verwendung von elektronischer Datenverarbeitung (EDV) in Arztpraxen bei. Ein effektiverer Umgang mit Daten, wie der Übernahme von Patientenstamm- bzw. Versicherungsdaten ins Arbeitsplatz- oder Krankenhausinformationssystem bzw. in den Praxis- oder Abrechnungsrechner des behandelnden Arztes sowie Bedrucken von Formularen, hatte somit seinen Anfang.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 : Prolog und Einblick: Dieses Kapitel erläutert die Motivation für die Arbeit, definiert die Problemstellung und die gesetzten Ziele sowie die Vorgehensweise zur Aufarbeitung der Chipkarten-Historie.
Kapitel 2 : Die Chipkarte im Gesundheitswesen – Grundlagen: Hier werden die theoretischen Grundlagen gelegt, inklusive Informationen zur Informationslogistik, der integrierten Gesundheitsversorgung, der technischen Entwicklung von Chipkarten, Standards, Datenschutz und den wesentlichen Pilotprojekten bis Mitte der 1990er Jahre.
Kapitel 3 : Spezifische Chipkarten – Ihre besonderen Anforderungen: Dieses Kapitel konzentriert sich detailliert auf die vier Hauptkategorien von Chipkarten: Health Professional Cards, Patienten-Smartcards, Versichertenkarten und Notfallkarten, sowie die jeweils spezifischen technischen und organisatorischen Herausforderungen.
Kapitel 4 : Die Zukunft der Chipkarte – Bewertung und Ausblick: Das Fazit bewertet den bisherigen Einsatz von Smart Cards, analysiert den Nutzen sowie die Vorteile gegenüber herkömmlichen Systemen und wagt eine Prognose für die technologische Weiterentwicklung im Gesundheitswesen.
Schlüsselwörter
Gesundheitswesen, Chipkarte, Smart Card, Patientendaten, Datensicherheit, Datenschutz, Patientenchipkarte, Health Card, Telemedizin, Standardisierung, Pilotprojekte, Informationslogistik, elektronische Patientenakte, Notfallkarte, Health Professional Card.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden historischen Überblick über die Entwicklung und den Einsatz von Chipkarten im Gesundheitswesen, wobei der Fokus auf den Namen, Firmen und Forschungsprojekten der 1980er und 1990er Jahre liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Kartentypen (Patienten-, Arzt-, Versicherungs- und Notfallkarten), technische Standards, datenschutzrechtliche Aspekte sowie die Rolle der Informationstechnologie in der Gesundheitsversorgung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Aufarbeitung der langwierigen Entwicklungsphase medizinischer Chipkarten, um bestehende Lücken in der Dokumentation dieser Projekte zu schließen und eine Basis für zukünftige Arbeiten zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse, die chronologische Aufarbeitung von Pilotprojekten sowie die Zusammenfassung internationaler Standards und technischer Spezifikationen.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil ist in Grundlagen (Kapitel 2) und spezifische Anforderungen (Kapitel 3) unterteilt, in denen Technologien, Sicherheitsaspekte und zahlreiche internationale Fallbeispiele detailliert analysiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gesundheitswesen, Chipkarte, Smart Card, Patientendaten, Datensicherheit, Datenschutz und Telemedizin charakterisieren.
Was unterscheidet eine Prozessorkarte von einer Speicherkarte in diesem Kontext?
Speicherkarten (oft für administrative Zwecke verwendet) dienen meist nur zur Identifikation. Prozessorkarten besitzen einen eigenen Mikroprozessor und ermöglichen die sichere Verarbeitung und Speicherung medizinisch relevanter Daten auf der Karte selbst.
Warum ist das "SANTAL"-Projekt aus Frankreich historisch relevant?
SANTAL gilt als eines der am weitesten fortgeschrittenen Projekte jener Zeit für die dezentrale Speicherung medizinischer Daten und war ein Vorreiter für die Nutzung multiapplikativer Smart Cards.
Welche Rolle spielen "Trust Third Parties" (TTP)?
TTPs fungieren als unabhängige, vertrauenswürdige Instanzen für die Beglaubigung und Verwaltung von Zertifikaten und Schlüsseln, was für die Authentizität und Sicherheit in der digitalen medizinischen Kommunikation essenziell ist.
Welche Bedeutung wird dem Datenschutz in der Arbeit beigemessen?
Datenschutz wird als kritisches und hochsensibles Thema behandelt. Die Arbeit betont, dass technologische Fortschritte ohne die Berücksichtigung von informationeller Selbstbestimmung und strengen Zugriffsrechten nicht nachhaltig erfolgreich sein können.
- Quote paper
- Diplom Medizin-Informatiker Tino Margraf (Author), 2003, Historie der Chipkarten im Gesundheitswesen - Namen, Firmen, Forschung!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65678