Das 20. Jahrhundert ist gerade erst zu Ende gegangen und erinnert an eine Menge Gewaltkonflikte auf der ganzen Welt. Obwohl die Weltkriege Lateinamerika keine zu massiven Auswirkungen auf die Menschen und deren Leben wie in Europa hatten, nimmt dennoch die Gewalt in Lateinamerika stetig zu. Die Gewalt in Lateinamerika hat jedoch eine andere Geschichte und Struktur wie die von Westeuropa. Für einen Außenstehenden Beobachter muss diese Gewalt einen fürchterlichen Eindruck hinterlassen und ist nur schwer zu begreifen.
Diese vorliegende Arbeit beinhaltet zum einen die Thematik der Gewalt und ihrer Struktur. Zum anderen wird dies in dem gewählten Beispiel Mexikos konkret wiedergegeben. Dabei sollen besonders die verschiedenen Arten und der Einsatz von Gewalt erläutert werden. Dies wird einerseits durch den Staat und andererseits durch nichtstaatliche Organisationen und Verbänden aufgezeigt.
Das Kapitel 3 umfasst bestimmte Gewaltphänomene, bspw. der Aufstand in Chiapas Mexiko oder auch die Stellung der Kaziken in Mexiko und deren Stellung zum Staat. In der abschließenden Betrachtung erfolgt ein kurzes Fazit zur Gewalt in Lateinamerika.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen zur Gewalt in Lateinamerika
2.1 Zum Begriff der Gewalt
2.2 Arten von Gewalt
2.3 Was ist politische Gewalt, was soll sie bewirken und wie kann sie in LA eingeordnet werden?
2.4 Merkmale der Gewalt in Lateinamerika
3 Die Gewalt Mexikos im 20. Jahrhundert und ihre Auswirkungen
3.1 Politische Lage Mexikos im 20. Jahrhundert
3.2 Die Politische Gewalt und die Sicherheitsorgane in Mexiko
3.3 Der Zapatistenaufstand in Chiapas als der Gewalthöhepunkt in Mexiko
3.4 Die Entstehung der Kaziken in Mexiko und deren politische Stellung
3.5 Der Wandel der katholischen bzw. protestantischen Kirche in Lateinamerika und ihrem Einfluss in Mexiko
4 Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Strukturen und Erscheinungsformen von Gewalt in Lateinamerika mit einem spezifischen Fokus auf das Beispiel Mexiko. Ziel ist es, die verschiedenen Gewaltarten – sowohl staatlich als auch nichtstaatlich – theoretisch einzuordnen und ihre Auswirkungen auf die politische Kultur und die Bevölkerung anhand konkreter historischer und gesellschaftlicher Phänomene des 20. Jahrhunderts zu analysieren.
- Strukturanalysen zu Gewaltphänomenen in Lateinamerika
- Wechselspiel zwischen staatlicher Repression und politischer Gewalt
- Fallstudie Mexiko: Politische Instabilität und Machtverhältnisse im 20. Jahrhundert
- Die Rolle nichtstaatlicher Akteure und sozialer Aufstände (z.B. Zapatisten)
- Einfluss gesellschaftlicher Institutionen wie der Kirche auf Gewaltstrukturen
Auszug aus dem Buch
2.1 Zum Begriff der Gewalt
In Europa wird der Begriff Gewalt meist mit physischer Gewalt gleichgesetzt, indem Gewalt nur vom Staat monopolistisch ausgeübt werden darf. (vgl. Höpken, Wolfgang; Rieckenberg, Michael; Politische und ethnische Gewalt in Südosteuropa und Lateinamerika S.25) Dagegen wird die violencia in Lateinamerika meist negativ bestückt, da sie eine feindselige physische Gewalt beschreibt, wo die Gewalt eher zerstörender Natur ist, als dass sie regulierend oder auch als ordnende Kraft eingesetzt wird. (vgl. Rieckenberg, Michael; Gewaltsegmente S.19) Infolgedessen muss bei der Untersuchung der Gewalt in Lateinamerika ein anderer Ansatz verfolgt werden, als man dies in Westeuropa machen würde. Denn schon Clausewitz definierte die Gewalt „als ein Mittel durch das Menschen andere zur Erfüllung ihres Willens zu zwingen versuchen.“(vgl. Rieckenberg, Michael; Gewaltsegmente S.19) Somit ist die Gewalt an dieser Stelle als Mittel zur Machtgewinnung oder auch Erhaltung über andere Menschen gedacht.
Während in Europa die Gewalt nur von bestimmten Personen (Gruppen) unter besonderen Umständen ausgeübt werden darf, z.B. der Polizei bei Straftaten oder deren Vereitelung, ist dies in Lateinamerika nicht der Fall. In Lateinamerika hat zwar der Staat auch das „theoretische Monopol“ auf die Gewaltanwendung, jedoch nur theoretisch. In Lateinamerika muss nach bestimmten Machteliten unterschieden werden, welche Gewalt praktizieren, einerseits von staatlichen und andererseits von parastaatlichen Machtorganen. Allerdings kann nicht immer genau unterschieden werden, ob es sich um staatliche oder parastaatliche Einheiten bei der Gewaltausübung handelt. Denn es sind oftmals Polizisten, die tagsüber dem Staat dienen und nachts in so genannten „Todesschwadronen“ Gewalt gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen verüben. (vgl. Tobler, Hans Werner;Waldmann, Peter; Staatliche und parastaatliche Gewalt in Lateinamerika S.35) Gerade dieses verschmelzen ist schwierig, um bestimmte Gewalttaten aufzuschlüsseln und zuzuordnen. Im allgemeinen ist festzustellen, dass beide Formen von Gewalt, staatliche wie parastaatliche Gewalt, handlungsorientiert sind und es einen gewaltsamen Hintergrund gibt, aufgrund dessen sie ausgeübt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die wachsende Bedeutung und die spezifische Historie der Gewalt in Lateinamerika dar und umreißt die Zielsetzung der Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung Mexikos.
2 Theoretische Grundlagen zur Gewalt in Lateinamerika: Dieses Kapitel definiert Gewalt abseits europäischer Monopolvorstellungen und beleuchtet verschiedene Formen sowie Merkmale von Gewalt im lateinamerikanischen Kontext.
3 Die Gewalt Mexikos im 20. Jahrhundert und ihre Auswirkungen: Das Kapitel analysiert die politische Lage Mexikos, die Rolle von Sicherheitsorganen, spezifische Aufstände wie in Chiapas, die Machtstrukturen der Kaziken sowie den Einfluss der Kirche.
4 Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Problematik zusammen und betont die Notwendigkeit eines politischen Umdenkens zur Verringerung der Gewaltspirale in der Region.
Schlüsselwörter
Gewalt, Lateinamerika, Mexiko, politische Gewalt, staatliche Gewalt, parastaatliche Gewalt, Zapatisten, Chiapas, Kaziken, Gewaltmarkt, Entführungsgewalt, politische Kultur, Repression, Machtmonopol, soziale Ungleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziopolitischen Strukturen und Erscheinungsformen von Gewalt in Lateinamerika, mit einem inhaltlichen Fokus auf die spezifische Entwicklung und Ausprägung in Mexiko im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die theoretische Abgrenzung des Gewaltbegriffs in Lateinamerika, die Rolle des Staates versus parastaatlicher Organisationen, die ökonomischen Aspekte von Gewalt und der Einfluss religiöser Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Gewalt als politisches Mittel zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie staatliche und gesellschaftliche Akteure in Mexiko diese Gewalt zur Machterhaltung oder als Reaktion auf Unterdrückung einsetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene wissenschaftliche Ansätze (u.a. von Rieckenberg, Waldmann und Clausewitz) auf die lateinamerikanische Realität und das Fallbeispiel Mexiko anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die mexikanische politische Landschaft, die Rolle der PRI, den Aufstand der Zapatisten in Chiapas, die Funktion der Kaziken als lokale Machtvermittler und den Wandel der kirchlichen Haltung zur sozialen Frage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie politische Gewalt, Gewaltmärkte, staatliche Repression, soziale Ungleichheit und Machtkalkül charakterisiert.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Kaziken" in der Arbeit?
Die Arbeit beschreibt Kaziken als eine von der PRI geförderte Gruppe einflussreicher Mittelsmänner, die zwischen der indigenen Bevölkerung und dem Staat agierten, um politisches Wohlverhalten zu sichern.
Warum wird der Zapatistenaufstand als Gewalthöhepunkt bezeichnet?
Der Aufstand wird als Höhepunkt genannt, da er die tiefgreifende soziale Not, die Folgen der NAFTA und den Widerstand gegen das autoritäre System in Mexiko in einer spezifischen, gewaltsamen Konfrontation gebündelt hat.
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- Jan Griesbach (Author), 2006, Gewalt in Lateinamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65684