„Der Begriff ‚Integrationspädagogik’, d.h. die Theorie und Praxis des gemeinsamen Lernens, steht für eine neue Sichtweise zur Erziehung und Unterrichtung von Kindern mit Beeinträchtigung sowie für einen veränderten Auftrag in Vorschule und Schule.“(Eberwein & Knauer 2002, S. 17) Die aktuelle Debatte um das gemeinsame Lernen, also den integrativen Unterricht von Kindern mit und ohne „Behinderung“, greife ich in meiner Arbeit anhand der folgenden leitenden Fragestellung auf. Diese lautet: Integrativer Unterricht an der Grundschule oder Unterricht an der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ für Kinder mit einer „geistigen Behinderung“? Weiterhin stellt sich für mich die Frage, wie integrativer Unterricht für alle Kinder mit einer „Behinderung“ egal welcher Art mit den heutigen Möglichkeiten realisiert werden kann, ohne das gegebenenfalls Benachteiligungen entstehen. Gerade die Gruppe der Kinder mit einer „geistigen Behinderung“ ist bislang sehr dürftig in die integrativen Grundschulklassen aufgenommen worden. Im Jahre 2003 besuchten in der Bundesrepublik Deutschland lediglich gut drei Prozent der gesamten Schülerinnen und Schüler mit einer „geistigen Behinderung“ den integrativen Unterricht. (weiteres dazu in Kapitel 7, Abschnitt 7.1) Hinzu kommt, dass Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“, „soziale und emotionale Entwicklung“ (ehemalige Schule für Erziehungshilfe) und „Sprache“ das Fernziel haben, ihre Schülerinnen und Schüler (wieder) in die Regelschule zu führen. Dagegen arbeitet die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ hauptsächlich mit dem Fernziel, seine Schülerinnen und Schüler auf das spätere Leben vorzubereiten.
Zurzeit fordern zahlreiche Integrations-Experten vehement, hier sind beispielhaft Eberwein und Feuser zu nennen, eine Integration von allen Kindern und Jugendlichen mit einer „Behinderung“. Da stellt sich für mich ebenfalls die Frage, wie eine Umsetzung bzw. was für Probleme bei der Umsetzung entstehen können. Weiterhin bleibt es fragwürdig, ob eine Integration für alle überhaupt in der jetzigen Gesellschaft realisierbar ist oder ob die finanziellen Mittel in den einzelnen Bundesländern ausreichen? Inwieweit bezieht sich das Studium der Sonderpädagogik auf den Bereich Integration und wird den Kindern mit einer „geistigen Behinderung“ genug Selbstbestimmung entgegengebracht?
Inhaltsverzeichnis
1 Der Begriff „geistige Behinderung“
2 Soziale Integration
2.1 Begriffsklärung
2.2 Geschichte der sozialen Integration
2.3 Soziale Integration heute
3 Das Kind im Grundschulalter
3.1 entwicklungspsychologische Sichtweisen
3.2 sozialpsychologische Sichtweisen
3.3 soziologische Sichtweisen
3.4 institutionelle Sichtweisen
3.5. pädagogische Sichtweisen
4 konzeptionelle Aspekte des Unterrichts an der Förderschule für Kinder mit einer „geistigen Behinderung“
4.1 Curriculum
4.1.1 Ziele
4.1.2 Inhalte
4.1.3 Methoden
4.2 Schlussfolgerung und Bilanz
5 konzeptionelle Aspekte des Unterrichts an Grundschulen
5.1 Curriculum
5.1.1 Ziele
5.1.2 Inhalte
5.1.3 Methoden
5.2 Schlussfolgerung und Bilanz
6 konzeptionelle Aspekte des integrativen Unterrichts an Grundschulen
6.1 Curriculum
6.1.1 Ziele
6.1.2 Inhalte
6.1.3 Methoden
6.2 Schlussfolgerung und Bilanz
7 Pro und Contra des integrativen Unterrichts
7.1 Vergleiche
7.1.1 Pro
7.1.2 Contra
7.2 Folgen, Möglichkeiten und Grenzen
8 Fazit und Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die aktuelle Debatte um das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne geistige Behinderung und analysiert, ob integrativer Unterricht an Grundschulen eine adäquate Alternative oder Ergänzung zur Beschulung an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ darstellt.
- Begriffsbestimmung „geistige Behinderung“ und theoretische Grundlagen der Integration
- Analyse der Curricula von Förderschulen und Grundschulen in Nordrhein-Westfalen
- Vergleichende Bewertung der Vor- und Nachteile des integrativen Unterrichts
- Diskussion der Umsetzungsbedingungen und Herausforderungen in verschiedenen Bundesländern
- Perspektiven für die Inklusion und professionelle Anforderungen an das pädagogische Personal
Auszug aus dem Buch
1 Der Begriff „geistige Behinderung“
Im folgenden Abschnitt setze ich mich zuerst mit der Begriffdefinition „geistige Behinderung“ auseinander, um danach auf die möglichen Ursachen von „geistiger Behinderung“ einzugehen. Bislang gibt es keine eindeutige und klare Definition für den Begriff „Behinderung“. Die Gründe für diese Unklarheiten sind vielfältig.
„Der Grund für die Schwierigkeiten in der endgültigen Begriffsbestimmung liegt zunächst in der Individualität des Phänomens der Behinderung. Das heißt, es gibt nicht den Menschen mit Behinderung. Die organische Schädigung und ihre geistig-seelischen oder sozialen Folgen sind bei jedem betroffenen Menschen individuell andere.“ (Fornefeld 2004, S. 45f.)
Fornefeld gibt klar zu verstehen, dass eine eindeutige Definition nicht möglich ist, da sonst jegliche Individualität des einzelnen Menschen verloren geht und sich hauptsächlich auf die Behinderung konzentriert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Begriff „geistige Behinderung“: Das Kapitel befasst sich mit den Schwierigkeiten bei der Definition geistiger Behinderung und betrachtet Ursachen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.
2 Soziale Integration: Hier wird der Integrationsbegriff definiert, historisch eingeordnet und die aktuelle Situation sowie die zugrunde liegenden theoretischen Prinzipien beleuchtet.
3 Das Kind im Grundschulalter: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklungsaspekte des Grundschulkindes unter entwicklungspsychologischen, sozialpsychologischen, soziologischen, institutionellen und pädagogischen Gesichtspunkten.
4 konzeptionelle Aspekte des Unterrichts an der Förderschule für Kinder mit einer „geistigen Behinderung“: Es werden die Curricula, Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts an der Förderschule unter besonderer Berücksichtigung der Situation in NRW dargestellt.
5 konzeptionelle Aspekte des Unterrichts an Grundschulen: Dieses Kapitel erläutert das 2003 neu entwickelte Curriculum der Grundschule in NRW mit seinen spezifischen Zielen, Inhalten und Methoden.
6 konzeptionelle Aspekte des integrativen Unterrichts an Grundschulen: Es werden die theoretischen Überlegungen, Ziele, Inhalte und Methoden des gemeinsamen Lernens an Grundschulen analysiert.
7 Pro und Contra des integrativen Unterrichts: Das Kapitel bietet eine vergleichende Zusammenfassung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Beschulungsformen sowie eine Diskussion der Folgen, Möglichkeiten und Grenzen.
8 Fazit und Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion und der Feststellung ab, dass die Umsetzung von Integration für Menschen mit Behinderung zwar zwingend notwendig ist, aber oft noch nicht ausgereift realisiert wird.
Schlüsselwörter
geistige Behinderung, Integrationspädagogik, integrative Grundschule, Förderschule, Soziale Integration, Inklusion, Curriculum, gemeinsamer Unterricht, sonderpädagogische Förderung, Normalisierungsprinzip, Schulentwicklung, Förderbedarf, Differenzierung, Selbstbestimmung, Bildungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Frage, ob für Kinder mit einer geistigen Behinderung der integrative Unterricht an einer allgemeinen Grundschule oder der Besuch einer spezifischen Förderschule die sinnvollere Lernumgebung darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Definition von geistiger Behinderung, die Geschichte und Theorie der sozialen Integration, die Curricula von Förderschulen und Grundschulen in NRW sowie die Bewertung von Chancen und Risiken des integrativen Unterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Aufmerksamkeit für die benachteiligte Gruppe der Kinder mit geistiger Behinderung im integrativen Schulsystem zu schaffen und Anreize zu geben, die Umsetzung von Integration kritisch zu hinterfragen und zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse aktueller Fachliteratur und offizieller Curricula sowie der Auswertung von Daten der Kultusministerkonferenz (KMK) und weiterer relevanter Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen (Integration, Entwicklung im Grundschulalter) sowie die konzeptionellen Ansätze des Unterrichts an Förderschulen und Grundschulen detailliert gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: geistige Behinderung, integrative Grundschule, Förderschule, Inklusion, soziale Integration, Curriculum und sonderpädagogische Förderung.
Welche Rolle spielen Elterninitiativen in diesem Kontext?
Die Arbeit betont, dass Elterninitiativen eine enorme Rolle bei der praktischen Umsetzung von Integration gespielt haben, da sie sich frühzeitig für das Recht auf Bildung ihrer Kinder in Regelschulen einsetzten.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Zukunft der Integration?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Integration zwingend notwendig ist, jedoch in vielen Bereichen noch nicht ausgereift umgesetzt wird und einer kontinuierlichen Verbesserung der personellen und strukturellen Rahmenbedingungen bedarf.
- Quote paper
- Diplom Janina Komm (Author), 2006, Integrativer Unterricht für Grundschulkinder mit einer geistigen Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65693