Erarbeitung der Intention der Fábulas Literarias von Tomás de Iriarte anhand ausgewählter Fabeln


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 Die Entstehung der F á bulas literarias in der Zeit des Klassizismus
1.1 Der Klassizimus in Spanien
1.2 Die F á bulas literarias als klassizistisches Werk

2 Analyse der einzelnen Fabeln im Hinblick auf die Intention des Gesamtwerkes
2.1 El burro flautista
2.2 El mono y el titeretero
2.3 El jardinero y su amo
2.4 El pedernal y el eslab ó n
2.5 La rana y el renacuajo
2.6 El cuervo y el pavo
2.7 La avutarda
2.8 La abeja y los z á nganos

3 Schlussbemerkung

4 Literaturverzeichn

0 Einleitung

Die europäische Fabeldichtung geht auf Äsop zurück, ein griechischer Dichter von Fabeln und Gleichnissen, welcher in der Zeit um 600 vor Christus gelebt hat und als der Begründer der Fabeldichtung gilt. Seit dem 12. Jahrhundert erlebte die Fabel eine Renaissance in Europa. In Frankreich wurden während des 16. und 20. Jahrhunderts viele Fabeln veröffentlicht, insbesondere der französische Dichter Jean de la Fontaine verhalf der Gattung der Fabel mit seinen Fables (1668-1694) zu einer Blütezeit. Auch in Spanien blickt die Fabel auf eine lange Tradition zurück. In der Reformationszeit wurde sie als geistiges und als politisches Aufklärungsmittel genutzt. Neben Tomás de Iriarte (1750-1791) ist auch Félix María de Samaniego als Fabeldichter bekannt. Während Samaniego Wert auf den erzieherischen Nutzen seiner F á bulas legt, widmet sich Iriarte mit den F á bulas Literarias den „reglas del arte“, wie literarische Werke in der Zeit des Klassizismus verfasst werden sollten.

Diese Arbeit soll zunächst einen allgemeinen Einblick in die Zeit des Klassizismus geben und des Weiteren die F á bulas Literarias als klassizistisches Werk darstellen. Anschließend soll im Rahmen dieser Arbeit die literarische Intention, die Iriarte mit seinen F á bulas Literarias verfolgte, anhand einiger ausgewählter Fabeln beispielhaft erläutert werden. Vom Inhalt der Fabel, von der eigentlichen Handlung, soll jeweils auf die literarische Maxime geschlossen und somit ein Eindruck vermittelt werden, welche Inhalte die „reglas del arte“ verfolgten.

1 Die Entstehung der F á bulas literarias in der Zeit des Klassizismus

1.1 Der Klassizimus in Spanien

Von 1759 bis 1788, während der Regentschaft von Karl III., gerät die spanische Literatur unter Einfluss des französischen Klassizismus. Die spätbarocke Literatur und die Ansicht, klare Regeln für das Verfassen von literarischen Werken seien zu eng und zu kurzsichtig und der subjektive Aspekt, welcher im Spätbarock über Gefallen und Missfallen entschied, gerät in die Kritik.

Ignacio de Lúzan und seine Po é tica sind ausschlaggebend und richtungsweisend für den spanischen Klassizismus. Die spätbarocke Literatur, insbesondere die Tatsache, dass das Theater nur auf das Unterhaltungsbedürfnis zielt, veranlassen Luzán ein Gegenkonzept zu verfassen. In Anlehnung an die Poetiken von Horaz, Aristoteles, Boileau und Muratori entwickelt er eine Theorie der Dichtung, die Po é tica, nach welcher die Hauptaufgabe des Dichters die Nachahmung der Natur nach dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit , der „versimilitud“ ist und die daraus abgeleiteten Einheiten von Ort, Zeit und Handlung. Nur durch Einhaltung dieses Regelwerks kann ein Werk lehren und unterhalten, wie Horaz in seiner Forderung „Aut prodesse volunt aut delectare poetae aut simul et iucunda et idonea dicere vitae.“1 formulierte.

Die Po é tica von Luzán wird Ausgangspunkt der Theaterdiskussion, denn die Meinungen der Kritiker weichen stark voneinander ab. Anhänger der Barockdramaturgie begreifen das Theater ausschließlich als Schauplatz des Vergnügens, für den eine abwechslungsreiche Handlung, Verknüpfungen von Tragik und Komik, Übernatürliches und somit auch das Künstliche unerlässlich sind. Die Befürworter von Luzáns Po é tica verteidigen die von ihm wieder aufgegriffenen Prinzipien aus der Antike, auch aus dem Grund, da die Vernunft in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, der Blütezeit der Aufklärung, eine große Rolle spielt. Unter der Herrschaft von Carlos III gewinnt der Klassizismus deutlich an Unterstützung. Nicolás Fernández de Moratín zählt neben Ramón de la Cruz zu den bekanntesten Theaterautoren des 18. Jahrhunderts. Ab der Jahrhundertwende gewinnt die klassizistische Poetik, insbesondere auch unter dem reformierenden Einfluss Moratíns, an Gewicht. In den 70er Jahren verlagern sich die Inhalte der Gedichte eher zu ernsthafteren, aufklärerischen Themen mit didaktischem Hintergrund; oft stilistisch auch dem Prosa-Stil nahe, um den Leser nicht durch klangvolle Verse von dem erzieherischen Nutzen der Lyrik abzulenken.

1.2 Die F á bulas literarias als klassizistisches Werk

Die Aufklärung ist Anstoß für die Beliebtheit der Fabel als eine Gattung mit didaktischer Intention, mit dem Ziel der Vermittlung von Normen und Werten.

Insbesondere Félix María de Samaniego und Tomás de Iriarte widmen sich in Spanien der Gattung der Fabel. Samaniego versucht, durch seine F á bulas en verso castellano, Schüler in jungen Jahren mit grundlegenden moralischen Normen und Werten, vertraut zu machen. Samaniego orientiert sich thematisch stark an den Fabeldichtern Äsop, la Fontaine und Phaedrus. Er versteht seine F á bulas als „máximos morales, disfrazadas con el agradable artificio de la fábula [...]“ und als „colección de ellas en verso castellano, con el objeto de que recibiesen esta ensenañza, ya que no mamándola con la leche [...]“2

Iriartes F á bulas Lliterarias beziehen sich nicht, wie bei Samaniego, auf Normen der Gesellschaft, sondern auf Aspekte der literarischen Produktion.

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften der F á bulas Literarias ist die Vielfalt der Versarten. Jede der Fabeln ist in einem Versmaß verfasst, mit Ausnahme von Fabel LXX, welche in Prosa geschrieben ist. In seinen 75 Fabeln verwendet er 40 verschiedene Metren. Diese Vielfalt zeigt sich ebenfalls im Hinblick auf die Reimschemata.

Sein abwechslungsreicher Stil und die lebendige Präsentation vereinen Lehre und auch Lesevergnügen und vereint so die klassischen Grundprinzipien, wie sie auch Luzán in seiner Po é tica formulierte. In dem Prolog der Ausgabe von 1782 werden die F á bulas literarias als „vicios literarios“ und als „preceptos que deben servir de norma a los escritores“3 beschrieben.

2 Analyse der einzelnen Fabeln im Hinblick auf die Intention des Gesamtwerkes

Bei den Fabeln handelt es sich zumeist um eine kurze Tiergeschichte, bei denen die Tiere wie Menschen handeln. Aus dieser Tiergeschichte leitet Iriarte letztendlich eine literarische Maxime ab, welche einen Teil der klassizistischen Grundsätze darstellt. Die Moral wird bereits zu Anfang in einem Prosasatz vorweggenommen, welcher sich direkt auf die Thematik der Literatur bezieht.

2.1 El burro flautista

Die Fabel El burro flautista (VIII) handelt von einem Esel, der an einem Wegrand eine Flöte findet, die ein Schäfer dort liegen gelassen hat. Der Esel riecht an der Flöte, um herauszufinden, was es mit dem ihm unbekannten Gegenstand auf sich hat. Sein Atem entlockt der Flöte Töne. Dem Esel fällt auf, wie schön er doch Flöte spielen kann, obwohl bisher niemand die „Esels-Musik“ zu schätzen wusste.

Basierend auf dieser Geschichte wird das Epimythion abgeleitet: „Sin reglas del arte, borriquitos hay que una vez aciertan por casualidad.“4 Der Esel, der ohne Vorwissen durch Zufall in die Flöte bläst, hat lediglich Glück gehabt, dass durch diesen Zufall Töne entstanden sind. Genauso gut hätte die Flöte beim zufälligen Hineinblasen stumm bleiben können.

Ein Esel wird stets mit Dummheit, geringem Verstand oder Intellekt assoziiert. Um so erstaunlicher mag es dem Leser vorkommen, dass es dem Esel gelingt, der Flöte Musik zu entlocken und der so bedeutsame „reine Zufall“ gewinnt somit in der Fabel noch viel mehr an Gewicht, als würde beispielsweise ein Fuchs, dem Schlauheit, Gewandtheit und Geschick zugesprochen wird, durch Zufall Töne erzeugen. In dem Promythion bezieht Iriarte die Moral auf die Literatur und betont somit die Notwendigkeit der Beachtung des klassizistischen Regelwerks.

Wie der Esel, so kann auch der Dichter, sofern er die „reglas del arte“ nicht zum Maßstab erhebt, nur durch Zufall erfolgreich sein. Die freie Inspiration alleine reicht nicht aus, um ein perfektes Kunstwerk zu schaffen, sondern der Dichter muss sich gleichzeitig auch an den „reglas“ orientieren.

El burro flautista hebt den Wert der „reglas“ im Allgemeinen hervor, während die Fabeln im Folgenden jeweils einzelne Aspekte herausgreifen.

2.2 El mono y el titeretero

Die Fabel El mono y el titeretero (VI) handelt von einem Affen, der zu einem Puppenspieler gehört und zahlreiche Kunststücke beherrscht. Als der Puppenspieler an einem Tag fort war und der Affe alleine war, lud dieser viele andere Tiere ein, die Zeugen seiner „Affenstreiche“ wurden. Er führte ihnen verschiedene Kunststücke, unter anderem Seiltanzen, Salti, Sprünge und vieles andere vor.

Inmitten seiner Angeberei wollte er den Tieren nun eine „linterna mágica“5 vorführen.

Er kündigte die Zauberlaterne mit ihren bunten Scheiben und die Figuren, die sie projizieren sollte, redselig an. Obwohl die anwesenden Tiere durchaus Versuche und Bemühungen seitens des Affen wahrnahmen, scheiterten diese. Niemand konnte das Wunder, von dem der Affe so geprahlt hatte, sehen. Die Zauberlaterne blieb dunkel. Der Puppenspieler kam zurück, schwankend zwischen Strenge und Heiterkeit und fragte ihn, was sein immer fortwährendes Gerede nützen würde, wenn die Laterne doch dunkel blieb.

Daraus resultiert das Epymythion, welches diese Worte noch ein Mal verstärkt.

“Perdonadme, sutiles y altas musas, las que hacéis vanidad de ser confusas :

¿Os puedo yo decir con mejor modo que sind claridad os falta todo ?”6

Iriarte vertritt hier eine der klassizistischen Grundregeln, die auch Aristoteles und Horaz erhoben haben.

Auf Aristoteles geht die These der „drei Einheiten“ zurück. Unter den drei Einheiten wird die Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung, welche im Klassizismus wieder aufgegriffen werden und zur Norm etabliert werden, verstanden. Unter einheitlicher Handlung versteht Aristoteles eine vollständige Handlung mit Anfang und Ende ohne Episoden und Nebenhandlungen. Die Einheit der Zeit umfasst 24 Stunden als Zeitvorgabe für die gesamte Handlung und beruht auf einer beiläufigen Feststellung Aristoteles, das zumeist die Zeit des Stückes auch der Handlungszeit entspricht.

[...]


1 Horacius (2000: 270)

2 Samaniego ( 1987: 52)

3 Iriarte (1992:113)

4 Iriarte (1992:132)

5 Die „linterna mágica“ (lat. Laterna magica) ist eine Projektionsvorrichtung, welche vom 17. bis in das 20. Jahrhundert hinein in ganz Europa verbreitet war. In einem Kasten mit Öffnung befindet sich eine Lichtquelle und ein Linsensystem, sodass eingeschobene Laternenbilder mit Hilfe des Lichts projiziert werden können: Bilder, Schrift oder Farbenspiele werden auf eine Leinwand geworfen.

6 Iriarte (1992:129)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Erarbeitung der Intention der Fábulas Literarias von Tomás de Iriarte anhand ausgewählter Fabeln
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Spanische Fabeln des 18. Jhdts, Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V65703
ISBN (eBook)
9783638582094
ISBN (Buch)
9783638753654
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erarbeitung, Intention, Fábulas, Literarias, Tomás, Iriarte, Fabeln, Spanische, Fabeln, Jhdts, Proseminar
Arbeit zitieren
Laura Baecker (Autor), 2006, Erarbeitung der Intention der Fábulas Literarias von Tomás de Iriarte anhand ausgewählter Fabeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65703

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