Landwehren gehören zu den Wehrbefestigungen mittelalterlicher Zeit im ländlichen Raum. Durch ihr ausgedehntes Wall-Graben-System haben sie vielfältige Spuren im Landschaftsbild, im historischen Urkundenmaterial, in Flur- und Siedlungsnamen sowie in der mündlichen Überlieferung hinterlassen.
Am Beispiel des im nördlichen Münsterland gelegenen Tecklenburger Landes soll diesen Spuren nachgegangen werden. Besonderes Augenmerk der Untersuchung liegt auf dem Kirchspiel Lienen, in dem sich, als Grenzort der alten Grafschaft Tecklenburg gegen die Bistümer Münster und Osnabrück, zahlreiche Landwehrspuren noch heute finden lassen.
Inhaltsverzeichnis
Die Landwehren des Tecklenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Lienen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Bedeutung und den Verlauf mittelalterlicher Landwehren im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Tecklenburg, mit einem spezifischen Fokus auf das Kirchspiel Lienen, um den Territorialisierungsprozess und die Grenzsicherung gegenüber benachbarten Territorien nachzuvollziehen.
- Definition und Funktion der Landwehr als mittelalterliches Befestigungssystem
- Die Rolle der Landwehren in der mittelalterlichen Fehdeführung
- Methoden der historischen Rekonstruktion mittels Urkataster und Flurnamen
- Die politische Funktion der Landwehren als Rechtsgrenze und Territorialisierungsinstrument
- Analyse spezifischer Landwehrbelege im Kirchspiel Lienen
Auszug aus dem Buch
Die defensive Funktion der Landwehren
Die defensive Funktion der Landwehren ist nur zu verstehen, wenn man sich die Weise der mittelalterlichen Kriegsführung vor Augen führt. Die häufigste Art gewaltsamer Auseinandersetzung im Mittelalter war die Fehde. Eigentlich war sie in einer Zeit ohne stark ausgeprägte öffentliche Gerichtsgewalt nur ein legitimes Mittel zur Durchsetzung und Wahrung des eigenen Rechts. Die Fehde folgte bestimmten Regeln. So musste sie durch einen begründenden Fehdebrief dem befehdeten Kontrahenten drei Tage vor Beginn der Kampfhandlungen angekündigt werden. Auch wir kennen heute noch den sprichwörtlichen Fehdehandschuh, den man aufnimmt, wenn man jemandes „Kampfansage“ entgegennimmt.
Dass dieses Instrument zur Rechtsselbsthilfe jedoch auch zu grobem Missbrauch einlud, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Die Durchführung der Fehde bestand nun praktisch darin, dass der Besitz des Befehdeten durch Überfall und Zerstörung bedroht war. Felder und Gebäude konnten ein Raub der Flammen und das Vieh weggetrieben werden. Aber genau dieser Form der Kriegsführung konnte ein System von Landwehren effektiv begegnen. Durch die wenigen Durchlässe in der Landwehr wurden die Einfälle der Feinde kanalisiert. Der Feind wurde bereits früh beim Passieren des Schlagbaumes von in der Nähe wohnenden Aufseher gesichtet und die Bevölkerung konnte so durch den „Glockenschlag“, d.h. durch das Läuten Kirchenglocken, zur Verteidigung aufgeboten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Landwehren des Tecklenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Lienen: Die Arbeit beleuchtet die Definition, Funktion und historische Ausprägung von Landwehren als Verteidigungssysteme im Mittelalter, speziell in Bezug auf die Grafschaft Tecklenburg und Lienen.
Schlüsselwörter
Landwehr, Tecklenburger Land, Lienen, Mittelalter, Befestigungsanlage, Fehde, Landesverteidigung, Territorialisierung, Urkataster, Flurnamen, Grenzverlauf, Schlagbaum, Kirchspiel, Grafschaft Tecklenburg, Bodendenkmalpflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser historischen Untersuchung grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Erfassung und historischen Einordnung von mittelalterlichen Landwehren als Befestigungs- und Grenzsysteme im Raum Tecklenburg, mit besonderem Blick auf das Kirchspiel Lienen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Feldern zählen die militärische Schutzfunktion im Rahmen von Fehden, die rechtliche Bedeutung als Grenzmarkierung sowie die Rekonstruktion historischer Verläufe anhand archivalischer und kartographischer Quellen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Publikation?
Das Ziel ist es, die Rolle der Landwehren im Territorialisierungsprozess der Grafschaft Tecklenburg gegenüber benachbarten Fürstbistümern zu analysieren und nachzuweisen, dass auch in Lienen strategisch angelegte Landwehren existierten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Untersuchung stützt sich auf die Auswertung archivalischer Quellen, den Abgleich mit dem historischen Urkataster, die Analyse von Flur- und Hofnamen sowie den Vergleich mit bekannten archäologischen Befunden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil behandelt sowohl die allgemeinen Grundlagen mittelalterlicher Landwehren als auch die spezifische Beweisführung für deren Existenz in Lienen mittels Urkunden, Katasterbelegen und lokaler Flurbezeichnungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Landwehr, Grafschaft Tecklenburg, Lienen, Fehdewesen, Grenzverläufe, Territorialisierung, Urkataster, Schlagbaum und historische Landeskunde.
Welche Rolle spielten die sogenannten „Schlagbäume“ innerhalb des Systems?
Schlagbäume dienten als kontrollierte Durchlässe in der Landwehr, die in Friedenszeiten überwacht und in Kriegszeiten gesperrt wurden, um feindliche Einfälle zu kanalisieren und die Bevölkerung zu warnen.
Wie begründet der Autor die Existenz von Landwehren in Lienen trotz fehlender physischer Überreste?
Der Autor führt als Beweise indirekte Quellen an, darunter Hofnamen (wie „Schlüter“), Flurnamen („Auf der Landwehr“) sowie historische Grenzverträge aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die den Bau solcher Anlagen belegen.
- Quote paper
- Christof Spannhoff (Author), 2006, Die Landwehren des Tecklenburger Landes unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Lienen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65733