Die Rolle des Spartiaten Lysander bei der Beendigung des Peloponnesischen Krieges und seine Darstellung bei ausgewählten antiken Autoren


Seminararbeit, 2006
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lysander und der Sieg Spartas über Athen
2.1 Lysander als Nauarch
2.2 Lysander als Epistoleus

3. Die unterschiedliche Darstellung Lysanders bei Xenophon, Plutarch und Diodor
3.1 Die Jugend Lysanders
3.2 Unterschiedliche Betonung der politischen Aktivitäten Lysanders
3.3 Unterschiedliche Darstellung der göttlichen Verehrung Lysanders

4. Zusammenfassung

5. Quellen und Literaturverzeichnis
Quellen:
Literatur:

1. Einleitung

„Du fragtest mich, was ich von dem Athener [Alkibiades] halte [und] was ich von seiner jetzigen Kriegsstärke halte. […] Ich stimme mit dir überein. Die Athenerflotte unter dem Feldherrn Alkibiades ist eine Gefahr für uns. […] Aber was sind hundert Triëren für eine Stadt, die sich vor wenigen Jahren noch rühmte, die größte Seemacht auf den vier Meeren zu sein? Sie haben viel fremdes Volk auf den Rojerbänken ihrer Schiffe, die sie nicht mehr aus ihren eigenen Reihen bemannen können. Die Rojer werden in Scharen zu uns überlaufen, wenn sie hören, daß Lysandros ihnen einen höheren Sold bezahlt“[1]. So oder so ähnlich könnte ein Gespräch zwischen dem im Spätsommer 408 v. Chr. zum Nauarchen berufenen Spartaner Lysander und dem persischen Satrapen Kyros abgelaufen sein. Zumindest beschreibt es Peter Motram, der Autor des zitierten historischen Romans auf diese Art. Peter Motram hat eine gewisse Vorstellung davon, wie er anhand der zur Verfügung stehenden Quellen aus historischen Informationen einen fiktiven Roman entwickelt. Aber nicht nur dieser Autor beschäftigt sich in unserer Zeit mit der historischen Figur Lysander, auch die antiken Autoren wie Xenophon, Diodor oder Plutarch haben dies getan. Dadurch erfahren wir, welche Rolle der Spartiate bei der Beendigung des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.), also bei dem Sieg Spartas über den Rivalen Athen, gespielt hat. Dabei wird der Nauarch Lysander von den verschiedenen antiken Autoren jedoch vor allem in seinen persönlichen Eigenschaften und was seine politischen Taten betrifft unterschiedlich beschrieben, je nachdem welche Motivation oder Intention der Autor hatte.

In dieser Arbeit soll zunächst die Rolle des Admirals am Ende des Peloponnesischen Krieges dargestellt werden. Anschließend gehe ich auf die unterschiedliche Darstellung des Lysander ein, der es sogar kurzfristig als einer der ersten zu göttlicher Verehrung noch zu Lebzeiten gebracht hat. Dabei sollen neben verschiedenen Vergleichsmöglichkeiten die Erwähnung seiner Jugend, die Gewichtung seiner politischen Vorgehensweise und die kultische Verehrung des Spartiaten zu Lebzeiten im Vordergrund stehen.

2. Lysander und der Sieg Spartas über Athen

2.1 Lysander als Nauarch

In der letzen Phase des Peloponnesischen Krieges, im Dekeleisch-Ionischen Krieg (414/413 – 404 v. Chr.) hatte der Athener Alkibiades endgültig wieder von der Seite der Spartaner zu den Athenern gewechselt und wurde als Strategos zum wichtigsten Gegenspieler der Spartaner in der Ägäis.[2] Durch die Ernennung Lysanders zum Nauarchen im Spätsommer 408 v. Chr. „hatten die Spartaner ihre damals wichtigste militärische Position mit ihrem fähigsten Kopf besetzt“[3]. Um besser mit dem ebenfalls neu eingesetzten persischen Satrapen Prinz Kyros in Sardes in Kontakt treten zu können, war eine der ersten Entscheidungen des neuen Nauarchen, sein Hauptquartier von Milet nach Ephesos zu verlegen. Mit Kyros konnte Lysander dann auch Geldzahlungen der Perser aushandeln, um seinen Ruderern mehr Geld zuteilen zu können: „Nach der Mahlzeit aber, als Kyros ihm zutrank und ihn fragte, womit er ihm am besten einen Gefallen tun könne, sagte [Lysander]: ‚Wenn Du jedem Matrosen zu seinem Sold einen Obolos zulegst’. In der Folge betrug der Sold vier Obolen, vorher waren es drei“ (Xen. Hell. 1,5,7-8). Lysander begann aber auch, wichtige Beziehungen zu knüpfen und betrieb eine Förderung aller oligarchischen Bestrebungen, so „daß er die Stadt [Ephesos] auch wegen ihrer Eigenschaft als eines Schwerpunktes [!] der Oligarchie zum Mittel- und Ausgangspunkt seiner Tätigkeit machte“[4]. Allerdings ließ sich Lysander nicht auf voreilige militärische Aktionen ein. „Währenddessen wurden die Schiffe ausgebessert und konnten trocknen“ (Xen. Hell. 1,5,10). Durch diese defensive Strategie ließ sich Alkibiades zu einem „schwerwiegenden Fehler“[5] verleiten. Er übergab die Schiffe seinem Steuermann Antiochos und begab sich in die nördliche Ägäis, nicht ohne dem Kybernetes zu befehlen, er solle keinesfalls etwas gegen Lysander unternehmen (vgl. Xen. Hell. 1,5,11-13). Dieser provozierte Lysander aber entgegen der Anweisung, indem er mit zwei Schiffen in den Hafen von Ephesos einfuhr. Lysander verfolgte daraufhin die Schiffe des Kybernetes Antiochos. Als mehrere Schiffe der Athener ihrem Kommandierenden zu Hilfe kommen wollten, ließ Lysander doch seine gesamte Flotte zu Wasser. So kam es zu der Konstellation, dass „die Lakedaimonier in der Seeschlacht in voller Ordnung fochten, die Athener dagegen mit verstreuten Schiffen“ (Xen. Hell. 1,5,14). Antiochos hatte offenbar nicht an eine Seeschlacht gedacht, seine „Schiffe fuhren einzeln aus, wie sie gerade fertig wurden, und zogen so zwangsläufig gegenüber den Peloponnesiern den kürzeren“[6]. Diese Seeschlacht bei Notion gewann Lysander also dadurch, dass er besonnener und intelligenter agierte als die Athener unter dem Kommando des Antiochos. Mit einer zahlenmäßig unterlegenen Flotte konnte Lysander im Frühjahr 406 v. Chr. 15 Trieren der Athener zerstören, was in der finanziell angespannten Situation der Athener einen empfindlichen Verlust bedeutete. Sie verfügten nicht über die persischen Subsidien. Diese „verhältnismäßig unbedeutende Schlappe“[7] führte dennoch zur Absetzung des strategisch begabten Alkibiades, der als Oberbefehlshaber seiner eigenen Flotte nicht mehr zu Hilfe kommen konnte und dem daher die Schuld zugewiesen wurde, zumal sich Lysander durch den zurückgekehrten Alkibiades erneut nicht zu einer Schlacht herausfordern ließ (vgl. Xen. Hell. 1,5,14-16). Der Kampf bei Notion war aber keine endgültige Entscheidungsschlacht, die Athener konnten in der Ägäis weiterhin die Oberhand behalten, zum Beispiel in der Schlacht bei den Arginusen. Dennoch musste Lysander turnusgemäß seine Position räumen; für das Amt des Nauarchen war eine einjährige Amtszeit vorgesehen. Bestätigt wurde die spartanische Führung in ihrem Festhalten am jährlichen Wechsel noch durch das Misstrauen gegenüber Lysander, der Sparta in die finanzielle Abhängigkeit der Perser geführt hatte und zudem eine sehr defensive Strategie verfolgte.[8]

2.2 Lysander als Epistoleus

Seinem Nachfolger als Nauarch, Kallikratidas, erschwerte Lysander den Start erheblich. Er schürte nicht nur den Hass der Mannschaften auf Kallikratidas und intrigierte gegen ihn, sondern beging auch einen „Hochverrat“[9]. „Er schickte auch den Rest der ihm von Kyros übergebenen Gelder für die Flotte wieder nach Sardes zurück und sagte zu Kallikratidas, er solle selbst um Geld bitten, wenn er es wolle, und zusehen, wie er seine Soldaten unterhalten könnte“ (Plut. Lys. 6). Obwohl auch Kallikratidas eine schlagkräftige Seemacht aufbauen konnte, wurde er in der Seeschlacht bei den Arginusen gegen Konon, den neuen Befehlshaber der Athener, über Bord geschleudert und getötet, und somit ging die Schlacht für die Spartaner verloren (vgl. Xen. Hell. 1,6,24-35). Auch für die athenischen Strategen hatte die Schlacht Folgen, da es zu einem Prozess wegen unterlassener Hilfeleistung für Schiffbrüchige in Athen kam, in dem auch Todesurteile gefällt wurden. Als jetzt turnusgemäß wieder die Ernennung eines neuen Nauarchen anstand, Lysander aber wegen des Verbotes der Iteration eigentlich nicht in Frage kam, forderten seine Verbündeten auf den östlichen Ägäisinseln, Lysander dennoch wieder das Kommando zu geben. Die „Chier und die übrigen Bundesgenossen, die sich in Ephesos versammelt hatten, [beschlossen] Lysandros als Befehlshaber der Flotte anzufordern“ (Xen. Hell. 2,1,6-7), weil er bei ihnen wegen seines Sieges von Notion sehr beliebt war. Mit einer Täuschung sah sich die spartanische Führung nun doch dazu gezwungen, das Verbot der Iteration indirekt zu umgehen. Zum eigentlichen Nauarchen wurde Arakos ernannt und Lysander zum Epistoleus, also seinem Stellvertreter, „tatsächlich jedoch übergaben sie die Schiffe dem Lysandros“ (Xen. Hell. 2,1,7). Mit neuem Geld des Kyros ausgestattet und nachdem er die spartanische Flotte aufgestockte hatte, „zielte er nach Absprache mit Kyros darauf ab, erst dann einen entscheidenden Schlag zu riskieren, wenn er eine deutliche Überlegenheit zur See besaß“[10]. Daher zog sich Lysander in den Süden der Ägäis zurück, wo er einige grausame Aktionen durchführte: „Er ging dann zum Sturmangriff gegen eine den Athenern verbündete Stadt mit Namen Kedreia, nahm sie am zweiten Tage des Ansturms mit Gewalt und verkaufte ihre Einwohner in die Sklaverei“ (Xen. Hell, 2,1,15). Danach wandte sich Lysander nach Norden in Richtung Hellespont. Durch die Sperrung der Zufahrt zum Schwarzen Meer wollte er die Getreidelieferungen nach Athen unterbinden. Nachdem die Polis Lampsakos gefallen war, bezog Lysander mit 180 Schiffseinheiten ein Schiffslager an den Ziegenflüssen (Aigospotamoi). An drei aufeinander folgenden Tagen versuchten die Athener, Lysander zu einer offenen Seeschlacht zu provozieren, sie „kehrten aber zum Strand zurück, als Lysandros das Angebot zum Kampf nicht annahm“[11] und zogen die Schiffe auf den Strand, um Proviant aufzunehmen. Ausgeschickte Kundschafter übermittelten Lysander die Schutzlosigkeit der athenischen Flotte, und als Lysander hörte, „daß sie sich weit von ihren Schiffen verstreuten, befahl er seinen eigenen Mannschaften, in voller Geschwindigkeit auf die Küste zuzuhalten und über die feindlichen Schiffe herzufallen“[12]. Ohne große eigene Verluste konnte man fast die gesamte athenische Flotte vernichten oder einnehmen. Nur Konon entkam mit seinem Schiff. „Lysander hatte ohne eigentliche Schlacht den langen Krieg entschieden und die athenische Seeherrschaft endgültig gebrochen“[13]. Allerdings ließ Lysander über 3000 gefangene Athener das Todesurteil fällen, weil sie „für den Fall eines Seesieges beschlossen hätten, […] allen lebendig Gefangenen die rechte Hand abzuhauen“ (Xen. Hell. 2,1,31).

Hier zeigt sich die Grausamkeit Lysanders genauso wie in der Tatsache, dass er in der Folgezeit viele verbündete Poleis der Athener eroberte, Oligarchien errichtete und die Demokraten nach Athen vertreiben ließ, um die Hungersnot dort noch zu verstärken und so einen Siegfrieden zu erzwingen. „Denn er wußte, je mehr Menschen sich in der Stadt und im Peiraieus zusammendrängten, um so rascher werde dort der Mangel an allem Lebensnotwendigen eintreten“ (Xen. Hell. 2,2,1). Durch den Druck zweier spartanischer Landheere unter den beiden Königen Agis und Pausanias auf Athen und die Belagerung des Piräus durch Lysander wurde schließlich 404 v. Chr. der Frieden mit Athen erzwungen. Die Friedensbedingungen waren hart: Schleifung der Stadtmauern und der langen Mauern zum Piräus, Auslieferung aller Schiffe bis auf zwölf Einheiten, Rückkehr der Verbannten und Räumung des auswärtigen Besitzes einschließlich der Kleruchien, sowie eine Heerespflichtigkeit Athens gegenüber Sparta.[14] Lysander war durch den Sieg über Athen und die ihm persönlich verbundenen Oligarchien zum stärksten Mann in Sparta aufgestiegen.

[...]


[1] Peter Motram, Das Geschenk des Lysander, München 2002, S. 163f.

[2] Vgl. für dieses Kapitel: Karl-Wilhelm Welwei, Sparta, Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 2004, S. 249-267.

[3] Welwei, Sparta, S. 259.

[4] Detlev Lotze, Lysander und der Peloponnesische Krieg, In: Abhandlungen der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse, Bd. 57 Heft 1, 1964, S. 15.

[5] Welwei, Sparta, S. 260.

[6] Lotze, Lysander und der Peloponnesische Krieg, S. 22.

[7] Manfred Clauss, Sparta, Eine Einführung in seine Geschichte und Zivilisation, München 1983, S. 57.

[8] Vgl. Welwei, Sparta, S. 261.

[9] Welwei, Sparta, S. 261.

[10] Welwei, Sparta, S. 263.

[11] Clauss, Sparta, S. 58.

[12] James T. Hooker, Sparta, Geschichte und Kultur, Aus dem Englischen übersetzt von Erich Bayer, Stuttgart 1982, S. 250.

[13] Welwei, Sparta, S. 264.

[14] Vgl. Hermann Bengtson (Hrsg.), Die Verträge der griechisch-römischen Welt von 700 bis 338 v. Chr., München/Berlin 1962, Bd. 2. Nr. 211.

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Details

Titel
Die Rolle des Spartiaten Lysander bei der Beendigung des Peloponnesischen Krieges und seine Darstellung bei ausgewählten antiken Autoren
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Geschichte Spartas im 4. Jh. v. Chr.
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V65748
ISBN (eBook)
9783638582506
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Spartiaten, Lysander, Beendigung, Peloponnesischen, Krieges, Darstellung, Autoren, Proseminar, Geschichte, Spartas
Arbeit zitieren
David Hohm (Autor), 2006, Die Rolle des Spartiaten Lysander bei der Beendigung des Peloponnesischen Krieges und seine Darstellung bei ausgewählten antiken Autoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65748

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