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Literaturzensur in der DDR

Title: Literaturzensur in der DDR

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Adeline Defer (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Im Mai 1976 berichtete der Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Erich Honecker, auf dem 9. Parteitag, dass „Kultur und Kunst sehr viel beizutragen [vermögen], sozialistische Überzeugungen zu festigen und in den Herzen der Menschen das reine Feuer kommunistischer Ideale zu entzünden.“ Fünf Jahre später hieß es, dass Kunst und Literatur vieles hervorgebracht haben, „was Teil unserer sich ständig verändernden sozialistischen Wirklichkeit ist und diese Veränderung zugleich bewirkt.“ Da der Staat der Literatur die Fähigkeit anerkannt hatte, Veränderungen zu initiieren, galt es, abweichende Positionen zu unterbinden und die Literatur zu verhindern, die ihm nicht opportun erschien. Die Wichtigkeit, die die Deutsche Demokratische Republik (DDR) der Literatur beimaß, zeigte sich vor allem durch die Ausübung der literarischen Zensur.
Die Soziologin Ulla Otto definiert Literaturzensur als „die autoritäre Kontrolle aller menschlichen Äußerungen, die innerhalb eines bestehenden gesellschaftlichen Systems mit der Bemühung um sprachliche Form geschrieben werden“. Die Regulierung der literarischen Übermittlung von Ideen wird in praktisch allen Gesellschaften betrieben: Kein Gesellschaftssystem gestattet die absolute Freiheit literarischen Ausdrucks. In der DDR war aber die Literaturzensur allgegenwärtig. Kommunistische Länder im Allgemeinen haben von der Zensur gerne und oft Gebrauch gemacht. Eine systematische Vorzensur der heimischen literarischen Werke wurde dadurch möglich, dass das gesamte Verlagswesen weitgehend zentralisiert und kontrolliert war. Ferner wurden Maßnahmen literarischer Zensur auf bereits erschienene Werke angewandt, besonders auf Werke aus dem Ausland. Bei nicht konformen Autoren wurde außerdem versucht, meist mit harten Sanktionen, politische Demonstrationseffekte zu erzielen.
Literarische Werke können aus religiösen, moralischen oder politischen Gründen zensiert werden. Wir werden uns hier auf die politische Zensur beschränken, bei der es um „die reale politische Machtverteilung und Machtorganisation im Staate, und deren Erhaltung, Verteidigung und Verstärkung im Gegeneinander der einzelnen gesellschaftlichen Gruppen“ geht. Das erklärte Ziel aller Maßnahmen literarischer Zensur in demokratischen Gesellschaften ist eigentlich die Bewahrung einzelner Gesellschaftsgruppen (z.B. der Jugend) vor schädlichen Einflüssen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1/ Einführung

2/ Die Zensur als Instrument der Unterstützung der sozialistischen Ideologie.

a) Die gesellschaftliche Bedeutung der Literatur

b) Offizielle Begründungen der Zensur

c) Zensierte Themen

d) Die Unterwerfung der Literatur unter die Ideologie

3/ Die Kontrolle und Steuerung der Literatur.

a) Die Einrichtungen des Zensursystems

b) Der Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit im Zensursystem.

c) Erscheinungsformen der Zensur

d) Das Druckgenehmigungsverfahren und die Begutachtung.

Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle der literarischen Zensur in der DDR als politisches Instrument zur Sicherung ideologischer Dominanz und zur Kontrolle der öffentlichen Meinung. Dabei wird analysiert, wie Schriftsteller durch staatliche Vorgaben diszipliniert wurden und welche Mechanismen – von der institutionalisierten Vorzensur bis zur internalisierten Selbstzensur – den literarischen Schaffensprozess in einem totalitären System steuerten.

  • Die gesellschaftliche Funktion und Instrumentalisierung von Literatur in der DDR.
  • Die offizielle Legitimation und Verschleierung staatlicher Zensurmaßnahmen.
  • Strukturen und Institutionen der Kontrolle (z.B. Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel, MfS).
  • Das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ausdruck, Selbstzensur und Anpassung.
  • Methoden der Druckgenehmigung und Begutachtung als Steuerungsinstrumente.

Auszug aus dem Buch

c) Zensierte Themen

Die Einstellung der Machthaber der DDR, wonach der Schriftsteller eine sozialistische Weltanschauung in ihren Werken ausdrücken soll, entsprach der Argumentation zur Rechtfertigung der Maßnahmen literarischer Zensur. Im Grunde galt: Alles, was sich gegen die doktrinären kulturpolitischen Forderungen richtete, sollte zensiert werden.

Eine erste Reihe von Tabuthemen wurde von den Machthaber der DDR als „ideologische Fehler“ betrachtet: Die positive Bewertung und Darstellung der westlichen Gesellschaft und des Kapitalismus, Texte mit faschistischen Zügen, Kritik an gewissen Zuständen in der DDR oder an der Regierung, kritische Darstellung der Sowjetunion und deren Führer […] oder der kommunistischen Ideologie überhaupt, der Mangel an sozialistischem Patriotismus und die Darstellung oder Diskussion von Republikflucht zählten dazu. Zum Beispiel durfte das Buch „Herz und Asche“ von Boris Djacenlos nicht erscheinen, weil der Autor auf das „zensurwürdige“ Thema der Übergriffe der Roten Armee auf die deutsche Zivilbevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg eingegangen war und über die Vergewaltigung einer deutschen Frau durch sowjetische Soldaten geschrieben hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

1/ Einführung: Es wird dargelegt, wie die SED-Führung Literatur als Werkzeug zur Festigung sozialistischer Ideale betrachtete und mittels Zensur abweichende Positionen unterband.

2/ Die Zensur als Instrument der Unterstützung der sozialistischen Ideologie.: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Literatur instrumentalisiert wurde, um öffentliche Meinungen zu prägen, und welche offiziellen Begründungen das Regime für die Einschränkung der Freiheit anführte.

3/ Die Kontrolle und Steuerung der Literatur.: Der Abschnitt analysiert die konkreten staatlichen Institutionen und die Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit bei der Überwachung und Reglementierung von Publikationen.

Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Zensur ein konspiratives Herrschaftsmittel war, das Schriftsteller zur totalen Anpassung zwang oder in den Widerstand bzw. das Exil trieb.

Schlüsselwörter

DDR, Literaturzensur, SED, Sozialistischer Realismus, Staatssicherheit, Selbstzensur, Druckgenehmigungsverfahren, Ideologie, Kulturpolitik, Schriftstellerverband, Unterdrückung, Machtinstrument, Meinungsmonopol, Publikationsverbot, Staatssicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Praxis und die Mechanismen der literarischen Zensur in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der ideologischen Rechtfertigung, den institutionellen Kontrollstrukturen und den Auswirkungen auf die betroffenen Schriftsteller.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Zensursystem dazu diente, die Macht des Staates zu sichern und die Literatur als ideologisches Erziehungsinstrument zu missbrauchen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine soziologische und politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und Dokumentationen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rolle der Literatur im Sozialismus, die verschiedenen Instanzen der Zensur sowie die Instrumente der Kontrolle und Steuerung wie das Druckgenehmigungsverfahren.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den prägenden Begriffen gehören Zensur, DDR, ideologische Kontrolle, Schriftstellerverband und Selbstzensur.

Welche Rolle spielte das Ministerium für Staatssicherheit im Zensurprozess?

Das MfS agierte als omnipräsenter Überwacher, der durch inoffizielle Mitarbeiter in Verlagen und Verbänden aktiven Einfluss auf die Literaturproduktion nahm und Autoren gezielt observierte.

Warum war die Selbstzensur für das Regime so effektiv?

Die Selbstzensur funktionierte laut der Arbeit besonders effizient, da sie das Kritikpotenzial präventiv entschärfte, ohne dass unmittelbare staatliche Repressionen nach außen hin sichtbar werden mussten.

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Details

Title
Literaturzensur in der DDR
College
University of Münster  (Institut für Soziologie)
Course
Zensureingriffe in Deutschland
Grade
1,0
Author
Adeline Defer (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V65759
ISBN (eBook)
9783638582544
ISBN (Book)
9783656815884
Language
German
Tags
Literaturzensur Zensureingriffe Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Adeline Defer (Author), 2005, Literaturzensur in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65759
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