Die filmische Adaption der schwarzen Romantik in Ken Russel´s GOTHIC


Seminararbeit, 1999
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Filmographie

Einleitung

Exposition

I. Inhalt
Lord Goerge Byron
Dr. John Polidori
Claire Clairmont
Percy Shelley
Mary Shelley

II. Deutung
Die schwarze Romantik in GOTHIC
Der Horror in GOTHIC

III. Fazit

Literaturverzeichnis

Filmographie

GOTHIC

Großbritannien 1986

Virgin Vision

Darsteller: Gabriel Byrne, Julian Sands, Natasha Richardson, Myriam Cyr, Timothy Spall

Buch: Stephen Volk

Kamera: Mike Southon

Produzent: Penny Corke

Schnitt: Michael Bradsell

Regie: Ken Russel

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll versucht werden, eine Verbindung zwischen Motiven des Films GOTHIC und zentralen Elementen der schwarzen romantischen Literatur herzustellen.

GOTHIC soll quasi als filmische Version einer typischen "Gothic-Novel" betrachtet werden.

Hierzu wird der Film zunächst auf inhaltsästhetischer Ebene untersucht.

Die Geschichte des Films GOTHIC wird zumindest zum Teil auf wahren Begebenheiten aufgebaut. Sämtliche Figuren sind historischen Vorbildern nachempfunden und auch ihr

Zusammentreffen am Handlungsort ist geschichtlich belegt.

Der romantische Poet Lord George Byron nimmt als Gastgeber und treibende Instanz in der Erzählung eine Sonderrolle ein. Daher soll vor allem die Filmfigur Byron mit Blick auf ihr historisches Vorbild und ihre hier verwurzelte, komplexe Emotionswelt, genauer betrachtet werden. GOTHIC erscheint zum Teil wie ein eigenwilliges Künstlerporträt des englischen Dichters, welches die, ohne Zweifel zahlreichen, dunklen Seiten seiner Persönlichkeit besonders hervorhebt. Danach wird die persönliche Entwicklung der anderen Filmfiguren unter Byrons Einfluß porträtiert.

Eine relativ ausführliche inhaltliche Beschreibung dient später zur näheren Erläuterung der Erzähltechnik des Films. Anschließend möchte ich näher auf die schwarz-romantischen Elemente in GOTHIC eingehen.

Es soll untersucht werden, welche spannungs- und angsterzeugenden Motive und Techniken in GOTHIC auf welche Weise verwendet werden und in wie weit sich das ihnen zu Grunde liegende Konzept mit den literarischen Vorlagen, den Gothic-Novels und der schwarz-romantischen Literatur im allgemeinen, vergleichen läßt.

Zum Schluß soll GOTHIC aus horrorfilmtheoretischer Perspektive beurteilt werden.

Es wird die Frage aufgeworfen, in wie weit es sich bei GOTHIC überhaupt um einen

Horrorfilm handelt, oder ob er eher eine dementsprechende Weiterentwicklung darstellt, die sich die verwendete Ästhetik des Horrorfilms zu Nutze macht.

Eine exakte filmtheoretische Einordnung, sowie ein Informationsteil zum Regisseur, Ken Russsel, müssen aus Platzgründen leider entfallen.

I. Inhalt

Exposition

Ein Hotelbesitzer des 19. Jahrhunderts führt neugierigen Hotelgästen am Genfer See

per Fernrohr die benachbarte, berühmte Villa Diodati vor,

"in der Lord Byron, der größte zeitgenössische Poet im Exil lebt; dieser Romantiker, Gelehrte und Duellant, der berühmte Autor von Childe Harold war nämlich auf Grund zahlreicher Skandale gezwungen sein Vaterland zu verlassen, darunter Inzest und ehebrecherische Beziehungen [...]; ein verrückter und böser Mann."

So steigt der Film GOTHIC ins Geschehen ein.

Lord Byron, der Schloßherr wird bereits als verruchte, mysteriöse Gestalt eingeführt, direkt darauf erscheint er selbst im Bild. Aus dem Fenster blickend erwartet er den Besuch seiner Freunde Percy Shelley und Mary Godwin sowie deren Halbschwester Claire Clairmont.

Diese erreichen den Wohnsitz des verbannten Lords in einem kleinen Boot.

Beim Empfang stellt sich auch Dr. John Polidori, der Arzt Byrons, vor.

Nach dieser kurzen Exposition sind alle fünf Hauptcharaktere des Films versammelt und die Handlung entwickelt sich.

Man beginnt einen ausschweifenden Abend und versucht im Folgenden die gelangweilten Gemüter durch diverse Arten von Attraktion zu amüsieren.

Zunächst wird ein ausgiebiges Festmahl abgehalten, man trinkt Alkohol,

vor allem aber wird den ganzen Abend hindurch Laudanum - Opium in flüssiger Form -

genossen. Nachdem die Körper derartig vorbereitet wurden, begibt man sich daran, auch die Geister entsprechend zu stimulieren. Dies geschieht zunächst durch ausgefallene "Gesellschaftspiele", dann durch das wechselseitige Vorlesen von Gespenstergeschichten,

schließlich durch "freie Liebe", bzw. freien Sex.

Der Gastgeber Lord Byron schlägt nun vor, eigene Geistergeschichten zu entwickeln,

dann aber scheint es wesentlich faszinierender zu sein, einen wirklichen Geist zu erschaffen.

Man initiiert, versammelt um einen alten Totenschädel, eine Séance, in der die tiefsten, verborgensten Ängste der Teilnehmer zum Leben erweckt werden sollen.

Die Ergebnisse dieser spiritistischen Sitzung sind für alle Beteiligten beeindruckend und erschreckend zugleich;

im weiteren Verlauf des Films manifestiert sich tatsächlich der persönliche Horror eines

jeden Einzelnen und die Gemeinschaft versinkt immer mehr in chaotischen und panischen Schreckenserlebnissen.

Die im Film dargestellte Situation hätte sich historisch tatsächlich so, oder ähnlich, abspielen können; alle Figuren entsprechen gewisserweise der pervertierten Version ihrer

geschichtlichen Vorbilder.

Um eine gewisse Struktur in den Text zu bringen, werden im Folgenden die fünf Charaktere in GOTHIC skizziert, vor allem ihre individuelle Entwicklung während des "Horrortrips"

und die daran ersichtlichen innersten Ängste der Figur, sollen aufgezeigt werden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf Lord Byron, um den sich die Geschichte

des Films herum entwickelt - seine filmische Figur soll eingehender mit ihrer historischen

Vorlage verglichen werden.

Lord Goerge Byron

Lord Byron nimmt als geheimnisvoller, mystischer Zeremonienmeister der Handlung GOTHICs eine Sonderfunktion im Kontext der Geschichte ein.

Drehbuchautor Stephen Volk verwendet seine Interpretation des "verruchten Poeten" als Verführer und Mentor der anderen Personen. Eingeführt wird Byron als geheimnisvoller, finsterer Schloßherr - ein klassisches Horrorfilmmotiv -, seine Gäste sind eher als seine Bewunderer, denn als seine Freunde zu bezeichnen.

Im gesamten Film bildet Byron den Fixpunkt, um den sich der Wahnsinn der manifestierten eigenen Ängste der übrigen Figuren herum entwickelt.

Byron inszeniert den Schrecken in seinem Haus rund um seine Gäste und umgibt seine eigene Person dabei mit einem Flair von Unnahbarkeit, Düsternis und tragischem Schicksal.

Die Motive und Ursachen seines Verhaltens sind in der dunklen Vergangenheit des Dichters zu suchen. Regisseur Ken Russel zeichnet ein historisch recht akkurates Bild des romantischen Poeten, bestimmte Teilaspekte seiner Biographie werden dabei jedoch übersteigert und ad absurdum geführt.

Zur klareren Einsicht der Russelschen Adaption soll nun zunächst das Leben des echten,

historischen Lord Byron betrachtet werden.

Die im folgenden angebotene, knappe biographische Skizze erhebt keinesfalls den Anspruch auf Exaktheit und Vollständigkeit; sie soll vielmehr die Entwicklung des Menschen Byron bis zum Aufenthalt im Schweizer Exil verdeutlichen und einen Einblick in die Emotionswelt des Dichters geben.

Laut der Biographie Friedrich Bries war Byron ein Dichter, der vor allem "eine ungewöhnliche Persönlichkeit zu bieten hatte"1. Geboren am 29.2.1788, wird er von seiner Mutter allein aufgezogen; sie behandelt ihren einzigen Sohn mit übertriebener Fürsorge, er reagiert mit Trotz. So durchlebt Byron eine komplizierte Kindheit und ihr wechselseitiges Verhältnis "schwankt[] zwischen Haß und Zuneigung".2

Hinzu kommt ein körperliches Übel in Form eines leicht nach innen stehenden rechten Fußes,

ein Gebrechen, welches ihm seine eigene Mutter zum Vorwurf macht und das Byrons

empfindliche Eitelkeit stets schwer belastet. Schon im Kindesalter offenbaren sich zwei Grundeigenschaften seines Wesens, "eine leidenschaftliche Sinnlichkeit [...] und ein Hang zur Melancholie"3; später manifestieren sich ein heftiges Verlangen nach Einsamkeit,

Todes- und Selbstmordgedanken und die immer wieder auftauchende Überzeugung,

"unter einem Fluche zu leben und zum Unglück geboren zu sein".4

Mit fünfzehn Jahren verliebt sich B. unglücklich in die drei Jahre ältere und bereits verlobte

Mary Chaworth, nach der erlittenen Enttäuschung ist sein Herz nie wieder imstande gewesen,

sich ganz hinzugeben -

Byron sucht Schutz im "Zynismus, der von jetzt ab alle seine Liebesaffären begleitet".5

_______________________________________________________________________

1: Brie, Friedrich u.a.: Byrons Werke. Leipzig, Wien 1911. Bd. I, S. 7
2: ebd. S. 10
3: ebd. S. 11
4: ebd. S. 12
5: ebd. S. 16

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die filmische Adaption der schwarzen Romantik in Ken Russel´s GOTHIC
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Film- und Fernsehwissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Horrorfilm, das Erbe der schwarzen Romantik im Kino
Note
1,7
Autor
Jahr
1999
Seiten
31
Katalognummer
V65796
ISBN (eBook)
9783638582841
ISBN (Buch)
9783638694551
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adaption, Romantik, Russel´s, GOTHIC, Proseminar, Horrorfilm, Erbe, Kino, Film, Vampir, Frankenstein, Lord Byron, Polidori, Percy Shelley, Mary Shelley
Arbeit zitieren
Guido Böhm (Autor), 1999, Die filmische Adaption der schwarzen Romantik in Ken Russel´s GOTHIC, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65796

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