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Unterrichtsstörungen. Präventions- und Interventionskonzepte im Spiegel der Schulwirklichkeit

Title: Unterrichtsstörungen. Präventions- und Interventionskonzepte im Spiegel der Schulwirklichkeit

Examination Thesis , 2006 , 111 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Manuel Fesler (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Störungen sind an den meisten Schulen in Deutschland fester Bestandteil des Unterrichtsgeschehens. Die Reaktion der Lehrenden auf Störungen ist unterschiedlich, vom rigiden Einschreiten bis hin zum gänzlichen Ignorieren von störendem Schülerverhalten. In jedem Fall stellen häufige Unterbrechungen des Unterrichts für die Lehrer eine Belastung dar. Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl psychologisch bedingter Frühpensionierungen erhält das Thema „gestörter Unterricht“ eine neue Relevanz. Neben der emotionalen Belastung der Lehrenden führen Störungen oft auch zu Aggressionen und Ungerechtigkeiten gegenüber der Klasse. Die große Anzahl von Beiträgen und Publikationen zum Thema mag belegen, welche Bedeutung dem Gegenstand „Unterrichtsstörungen“ beigemessen wird. Dabei konzentrieren sich die Aufsätze vielfach auf die Arten von Unterrichtsstörungen und deren Gründe. Konkrete Handlungsanweisungen hingegen sucht man häufig vergebens – wohl auch, weil es schwer fällt, allgemein gültige Rezepte zum korrekten Umgang mit Disziplinproblemen zu formulieren. Dennoch erlauben es die Studien und Befunde der letzten Jahrzehnte bestimmte Regelmäßigkeiten abzuleiten, mit deren Hilfe Unterrichtsstörungen spürbar reduziert werden können. Die sich hieran anschließenden Fragen wären u.a.: Wie sehen diese Regelmäßigkeiten aus? Welches Lehrerverhalten implizieren sie? Sind die Maßnahmen im Schulalltag tatsächlich umsetzbar?
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Antworten auf diese Fragen zu geben, ohne dabei den Gesamtkontext – d.h. beispielsweise die Arten und die Ursachen von Unterrichtsstörungen – zu vernachlässigen.
Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Der theoretische Abschnitt will „Unterrichtsstörungen“ begrifflich greifbar machen und Lösungsansätze aufzeigen. Der praktische Teil besteht aus der Darstellung und Auswertung meiner Untersuchung, in deren Rahmen Lehrer und Schüler zum Thema „Unterrichtsstörungen“ befragt wurden. Ergänzt wurden diese Interviews durch gefilmte Unterrichtsstunden. Die Analyse der Befragungen und Beobachtungen soll der Frage nachgehen, inwiefern die in der Literatur angeführten Aspekte die Schulwirklichkeit widerspiegeln oder ob Theorie und Praxis spürbar voneinander abweichen. Die Arbeit schließt mit einem Fazit, in dem die sich ergebenden Forderungen an Lehrer und Schulleitungen nochmals kurz zum Ausdruck gebracht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Ziel und Gliederung der Arbeit

2 Unterrichtsstörung – Definition und Problemhorizont

2.1 Arten und Klassifizierungen von Unterrichtsstörungen

2.2 Gründe und Ursachen für Unterrichtsstörungen

2.2.1 Lehrerbezogene Ursachen für Unterrichtsstörungen

2.2.1.1 Psychologisch bedingte Störungen im Lehrer-Schüler-Verhältnis

2.2.1.2 Soziologisch bedingte Störungen im Lehrer-Schüler-Verhältnis

2.2.1.3 Pädagogisch bedingte Störungen im Lehrer-Schüler-Verhältnis

2.2.2 Schülerbezogene Ursachen und Ziele von Unterrichtsstörungen

2.2.3 Unterrichtsbezogene Ursachen für Unterrichtsstörungen

3 Störungsprävention

3.1 Generelle Problematik

3.2 Störungsprävention auf der Unterrichtsebene

3.2.1 Befunde Kounins

3.2.2 Disziplinrelevante Bereiche des Lehrerverhaltens

3.2.2.1 Breite Aktivierung

3.2.2.2 Unterrichtsfluss

3.2.2.3 Regeln

3.2.2.4 Präsenz- und Stoppsignale

3.3 Störungsprävention auf der Beziehungsebene

3.4 Störungsprävention auf Organisationsebene

3.4.1 Räumliche Gestaltungsmöglichkeiten

3.4.2 Zusammenarbeit mit Kollegen

3.4.3 Elternarbeit

3.5 Zusammenfassende Übersicht der Maßnahmen zur Störungsprävention

4 Störungsintervention

4.1 Lehrerzentrierte Intervention

4.1.1 Reaktionen im akuten Konflikt

4.1.2 Strafen

4.1.3 Veränderungsstrategien

4.1.4 Problemdiagnose

4.2 Kooperative Intervention

4.2.1 Konstruktives Konfliktgespräch nach Gordon (Lehrer-Schüler-Konferenz)

4.2.2 Kooperative Verhaltensmodifikation im Unterricht

4.3 Organisatorische Maßnahmen der Schule zur Störungsintervention

4.3.1 Mediation

4.3.2 Die Trainingsraum-Methode

5 Zusammenfassung des theoretischen Teils

6 Beobachtungsgegenstand und Aufbau der Untersuchung

7 Untersuchungsergebnisse: Störungsdefinition im weiteren Sinne

7.1 Ergebnisse der Interviews

7.1.1 Lehrersicht

7.1.2 Schülersicht

7.2 Ergebnisse der Unterrichtsbeobachtungen

8 Untersuchungsergebnisse: Störungsprävention

8.1 Ergebnisse der Interviews

8.1.1 Lehrersicht

8.1.2 Schülersicht

8.2 Ergebnisse der Unterrichtsbeobachtungen

8.2.1 Breite Aktivierung

8.2.2 Unterrichtsfluss

8.2.3 Regeln

8.2.4 Präsenz- und Stoppsignale

8.2.5 Prävention auf der Beziehungsebene

9 Untersuchungsergebnisse: Störungsintervention

9.1 Ergebnisse der Interviews

9.1.1 Lehrersicht

9.1.2 Schülersicht

9.2 Ergebnisse der Unterrichtsbeobachtungen

10 Zusammenfassung und abschließende Bewertung des praktischen Teils

11 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, wirksame Präventions- und Interventionskonzepte bei Unterrichtsstörungen zu untersuchen, um Lehrkräften fundierte Handlungsansätze zu bieten und den Schulalltag zu entlasten, ohne den komplexen Kontext aus Ursachen und Zielen von Störungen zu vernachlässigen.

  • Definition und Klassifizierung von Unterrichtsstörungen
  • Ursachenforschung aus Lehrer- und Schülersicht
  • Methoden der Störungsprävention (Unterrichts- und Beziehungsebene)
  • Interventionsstrategien bei akutem Konfliktverhalten
  • Empirische Analyse der Schulwirklichkeit durch Interviews und Beobachtungen

Auszug aus dem Buch

2.2.1.1 Psychologisch bedingte Störungen im Lehrer-Schüler Verhältnis

Siegmund FREUD entdeckte und definierte das Phänomen der Übertragung. Er erkannte, dass Menschen dazu neigen, durch ihr Verhalten Haltungen, Gefühle, Forderungen, Bedürfnisse und Wünsche, die der Kindheit entstammen, auf Mitmenschen zu übertragen (vgl. Freud 1940, S. 306). Im pädagogischen Kontext hieße das, dass der Lehrer durch die Übertragung seiner eigenen inneren Konflikte auf die Schüler Störverhalten hervorruft. Diese intrapersonalen Konflikte spiegeln sich meist in einer der folgenden drei Formen wider (vgl. Lorenz 1975, S. 71f.):

a) Persönlicher Konflikt Der Lehrer befindet sich in einem Konflikt mit einer ihm nahe stehenden Person. Er weist dem Schüler nun die Rolle dieser Person zu, d.h. der Schüler wird zum Sündenbock, weil er Ersatz für eine dritte Person darstellt, die in einem Konfliktverhältnis zur Lehrperson steht. Da dem Schüler dies nicht bewusst ist, dass die Antipathie des Lehrers eigentlich nicht ihm (sondern der dritten Person) gilt, entsteht eine schwer greifbare und damit kaum lösbare Spannung im Lehrer Schüler-Verhältnis. Die dritte Person kann auch eine abgelehnte Seite im Lehrer selbst sein. So könnte ein Lehrer beispielsweise einen aufgeweckten, eloquenten Schüler deswegen ablehnen, weil ihm seine eigene Redseligkeit ein Dorn im Auge ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ziel und Gliederung der Arbeit: Einleitung in die Thematik der Unterrichtsstörungen als Belastungsfaktor und Definition des Forschungsziels.

2 Unterrichtsstörung – Definition und Problemhorizont: Theoretische Abgrenzung von Begriffen und Darstellung verschiedener Ursachenansätze (lehrer-, schüler- und institutionell-bezogen).

3 Störungsprävention: Systematisierung präventiver Strategien auf Unterrichts-, Beziehungs- und Organisationsebene zur Vermeidung von Disziplinkonflikten.

4 Störungsintervention: Vorstellung von Handlungsmatrixen, lehrerzentrierten und kooperativen Modellen sowie schulischen Programmen zur Bewältigung akuter Konflikte.

5 Zusammenfassung des theoretischen Teils: Synthese der wesentlichen Erkenntnisse zu Ursachen, Prävention und Intervention von Störungen.

6 Beobachtungsgegenstand und Aufbau der Untersuchung: Darstellung des methodischen Vorgehens bei der empirischen Untersuchung an einer Realschule.

7 Untersuchungsergebnisse: Störungsdefinition im weiteren Sinne: Auswertung von Interviews und Beobachtungen hinsichtlich des Störungsbegriffs aus der Perspektive von Lehrern und Schülern.

8 Untersuchungsergebnisse: Störungsprävention: Analyse der tatsächlichen Anwendung präventiver Maßnahmen in der Schulpraxis und deren Wirkung.

9 Untersuchungsergebnisse: Störungsintervention: Empirische Betrachtung der verwendeten Interventionsmethoden im Schulalltag und deren Erfolg.

10 Zusammenfassung und abschließende Bewertung des praktischen Teils: Kritische Reflexion der Untersuchungsergebnisse und deren Abgleich mit der theoretischen Literatur.

11 Fazit: Zusammenfassende Forderung nach einem stärkeren Engagement der Schulleitungen und einer Etablierung kooperativer Störungsmanagement-Kulturen.

Schlüsselwörter

Unterrichtsstörung, Störungsprävention, Störungsintervention, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Disziplin, Klassenführung, Konfliktmanagement, Unterrichtsfluss, Verhaltensmodifikation, Mediation, Trainingsraum-Methode, Schulwirklichkeit, Lehrerrolle, Erziehung, Lernmanagement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht das Thema „Unterrichtsstörungen“ im Kontext von Präventions- und Interventionskonzepten, wobei der Fokus auf deren Anwendbarkeit in der tatsächlichen Schulwirklichkeit liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die theoretische Definition und Ursachenanalyse von Unterrichtsstörungen sowie deren praktische Vermeidung (Prävention) und Bewältigung (Intervention) durch Lehrkräfte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, Antworten auf die Frage zu finden, wie Lehrkräfte systematisch und mit vertretbarem Aufwand auf Unterrichtsstörungen reagieren können, um den Lernprozess störungsarm zu gestalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Untersuchung an einer Realschule, basierend auf Interviews mit Lehrern und Schülern sowie Videoanalysen von Unterrichtsstunden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt (Definitionen, Präventions- und Interventionskonzepte) und einen praktischen Abschnitt, in dem diese Theorien an der Schulpraxis gespiegelt werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Störungsbegriff prägen Konzepte wie Kounins Unterrichtsfluss, die Trainingsraum-Methode, Mediation und das Beziehungsmanagement zwischen Lehrenden und Lernenden die Arbeit.

Welche Bedeutung hat die "broken-window"-Theorie in diesem Kontext?

Die Theorie wird genutzt, um die Wichtigkeit eines frühzeitigen Einschreitens bei kleinsten Störungen zu unterstreichen, um ein Ausweiten auf die gesamte Klasse zu vermeiden.

Was unterscheidet den kausalen vom zielbezogenen Ansatz bei Störungen?

Der kausale Ansatz fragt nach dem "Warum" (Ursachen), während der zielbezogene Ansatz fragt, "wozu" ein Schüler stört (z.B. Aufmerksamkeit), was Lehrkräften oft einen größeren Handlungsspielraum ermöglicht.

Warum wird die Trainingsraum-Methode in der Untersuchung thematisiert?

Sie dient als prominentes Beispiel für eine organisatorische Interventionsmaßnahme, die Störungen aus dem Klassenraum auslagert, um den Unterrichtsfluss für die lernwilligen Schüler zu wahren.

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Details

Title
Unterrichtsstörungen. Präventions- und Interventionskonzepte im Spiegel der Schulwirklichkeit
College
University of Education Heidelberg  (Pädagogische Psychologie)
Grade
1,0
Author
Christian Manuel Fesler (Author)
Publication Year
2006
Pages
111
Catalog Number
V65809
ISBN (eBook)
9783638582957
ISBN (Book)
9783638710930
Language
German
Tags
Unterrichtsstörungen Präventions- Interventionskonzepte Spiegel Schulwirklichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Manuel Fesler (Author), 2006, Unterrichtsstörungen. Präventions- und Interventionskonzepte im Spiegel der Schulwirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65809
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